Oklahoma City Thunder

Paul George und das defensive Bollwerk der Oklahoma City Thunder

Wie gut ist die berüchtigte OKC-Defense und was macht sie besser als viele andere Teams?

Wie gut ist die berüchtigte OKC-Defense und was macht sie besser als viele andere Teams?

Die Oklahoma City Thunder dürften bis zu diesem Zeitpunkt recht zufrieden mit dem Saisonverlauf sein. Man belegt mit einer klar positiven Bilanz einen Homecourt-Platz in der umkämpften Western Conference und hat trotz Verletzungen und Shooting-Problemen bei Superstar Russell Westbrook (True Shooting von 48%) erfolgreichen Basketball aufs Parkett gebracht. Nachdem man George und Grant im Sommer verlängern konnte, gibt es neben den etablierten Gesichtern der Franchise (Westbrook und Adams) auch noch eine weitere Personalie, welche bereits seit mehreren Jahren maßgeblich an der Identität des Teams beteiligt ist: Billy Donovan. Der hochdekorierte College Coach schafft es nunmehr seit Jahren dem Team eine defensive Mentalität einzuhauchen und im Dunstkreis der Top 10 Verteidigungen zu wandeln. Doch diese Saison ist man hinten nicht nur gut aufgestellt, man ist geradezu überragend und belegt momentan den ersten Platz der Liga im Defensiv-Rating (DRtg). Wie schaffen es die Thunder an diesem Ende des Feldes zu dominieren? Welche Rolle spielt Paul George dabei, der nun seit einigen Wochen in diversen Award Diskussionen (deren Zweck an dieser Stelle mal dahingestellt sei) auftaucht? Diese Fragen sollen im Folgenden einer genaueren Betrachtung unterzogen werden.

Wie lässt sich das Profil der OKC Defense charakterisieren?

Der Erfolg der Thunder beim Verhindern gegnerischer Punkte ist nicht nur das Ergebnis von Einsatz, Energie und Intensität, sondern kann bereits auf die Kaderzusammenstellung im vergangenen Sommer zurückgeführt werden. Sam Presti, dem General Manager des Teams, wird eine Schwäche für lange, athletische Spieler nachgesagt und so ist es wenig überraschend, dass sich solche Attribute zahlreich im Personal widerspiegeln. Schon in der Starting Five sind mit Westbrook (6-3), Ferguson (6-7), George (6-9), Grant (6-9) und Adams (7-0) ausschließlich Spieler mit hervorragender Größe vertreten und auch auf der Bank lassen sich einige Spieler mit ähnlichen Voraussetzungen finden. Dazu sind diese Spieler nicht nur lang, sondern auch mit einer guten bis sehr guten Athletik und langen Armen ausgestattet. Perfekte körperliche Voraussetzungen denen Coach Donovan nun nur noch den nötigen Ehrgeiz in der Defense und das entsprechende Spielverständnis einhauchen musste.


Die Thunder spielen sehr aktive und flexible defensive Schemes, denen vor allem blitzschnelle Kommunikation und hohe Konzentration zugrunde liegt. Sowohl bei Handoffs als auch beim Pick-and-Roll wird dabei je nach Matchup gehedget, geswitcht oder sogar gedoppelt. Dabei fällt vor allem auf, dass der Switch bei weitem keine Selbstverständlichkeit darstellt. Gerade in Situationen, in denen Adams unmittelbar involviert ist, wird zunächst versucht diesen zu vermeiden und tendenziell mit einer “Drop Coverage” zu arbeiten (sprich: der Big sinkt ab um den Drive zu verhindern). Nur wenn der Gegner es geschickt forciert, wird ein Switch zugelassen. Vor allem den Perimeter hat das Team mit dieser Strategie gut im Griff und die meisten Spieler des Teams schaffen es dank schneller Füße und gutem Einsatz oftmals, vor ihrem Matchup zu bleiben. Aber auch den Ring beschützt das Team recht ordentlich. Zwar lässt man relativ viele Versuche unmittelbar am Korb zu (Platz 21 der Liga), allerdings ist man sehr gut darin besagte Würfe zu erschweren (Platz 9). Dies gelingt unter anderem aufgrund der aufmerksamen Help Defense des Teams, welche zumeist von blitzschnellen Rotationen gefolgt ist. Man merkt, dass das Team hier gut eingestellt ist und nahezu jeder Spieler instinktiv weiß, was er zu tun hat. Auch die Closeouts werden sehr energisch gelaufen, wobei sich ein Spieler besonders hervortut: Paul George ist wahnsinnig gut darin Schützen am Perimeter anzulaufen und sich dennoch im Anschluss nicht per Drive schlagen zu lassen. In dieser Szene hilft er zunächst unterm Korb aus, sprintet dann zum freien Ariza und erschwert dank toller Fußarbeit umgehend dessen Drive:

Doch nicht nur die Fußarbeit von Paul George und dem Rest des Teams ist bemerkenswert. Auch dank aktiver Hände forciert das Team die meisten Turnover der Liga und kann mit einer guten Mischung aus schnellen Reflexen, guter Handstellung sowie kluger Antizipation viele gegnerische Ballbesitze vorzeitig beenden. Besonders Nerlens Noel erweist sich in dieser Hinsicht als goldrichtige Verpflichtung. Mit einer Steal-Percentage ( STL%) von 3% ist er besser als 98% aller Bigs und gehört somit neben George(2,5%), Adams(1,7%) und Westbrook(2,9%) zu den besten Balldieben des Teams. In dieser Szene klaut er Elite Ballhandler Lillard scheinbar mühelos den Ball und sichert seinem Team einfache Punkte:

Jedoch ist das Forcieren von Steals immer auch mit einem gewissen Gambling behaftet und gerade Westbrook bringt das Team so manchmal auch in unvorteilhafte Situationen, doch dazu später mehr. Es bleibt zu konstatieren, dass sich die Strategie der Thunder bis zu diesem Zeitpunkt voll und ganz auszahlt: Man ist oftmals dazu in der Lage den Fluss der gegnerischen Offense zu unterbrechen und diese aus dem Rhytmus zu bringen. Außerdem bringt man sich selber in aussichtsreiche Fastbreak Situationen, was auch der Offense zu Gute kommt. Eine offensive Eigenschaft der Thunder, welche wiederum der Defense gewisse Vorteile bringt, ist die geringe Anzahl an begangenen Turnovern. Man befindet sich hier in der Top 10 der Liga und ist insbesondere im Hinblick auf die letzten Jahre deutlich sorgsamer im Umgang mit dem Ball. Dies führt in der Summe dazu, dass man auch bei gegnerischer Transition einen vernünftigen Job macht. Aktuell ist man sehr gut darin, solche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen und noch besser, die Punkteausbeute gegnerischer Teams möglich gering zu halten. Man lässt 115 Punkte pro 100 Ballbesitze zu, was sich zunächst nach viel anhört, jedoch den viertbesten Wert der Liga darstellt, da die Transition im Allgemeinen eine sehr potente Möglichkeit zu scoren darstellt (das durchschnittliche Drtg bei Fastbreaks liegt bei ca 122). Eine weitere Möglichkeit einfache Punkte des Gegners zu verhindern ist das defensive Brett. Hier agieren die Thunder bisher deutlich besser als in der vergangenen Saison. So gehört man diese Saison immerhin gerade so zur Top 10, nachdem man im vergangenen Jahr ein unterdurchschnittliches Team war in diesem Bereich. Dies schien insofern verwunderlich, da man mit Adams wohl einen der besten Rebounder der Liga in seinen Reihen hatte und auch Westbrook wurde an dieser Stelle gern angeführt. Allerdings war die eher ungewöhnliche Strategie des Teams, nämlich für Westbrook auszuboxen, welcher zu diesem Zweck auch gerne mal den eigenen Mann verlässt, nicht von Erfolg gekrönt. Dieses Jahr scheint das Team ein wenig kollektiver zu denken in dieser Hinsicht und der Ball wird vergleichsweise öfter auch mal von anderen Spielern erbeutet. Dass der offensive Erfolg in der Transition dennoch nahezu identisch ist zur letzten Saison (zusammengefasst: man erläuft viele solcher Situationen, ist allerdings mies in der Verwertung), sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt.


Das Team baut wie bereits erwähnt einen sehr hohen Druck am Perimeter auf und schafft es viele Würfe zu contesten und dem Gegner so das Leben schwer zu machen. Gegnerische Teams nehmen zwar eine durchschnittliche Menge an Dreiern gegen die Thunder (15. in 3PAr), jedoch ist die zugelassene Quote bemerkenswert gut aus Sicht von OKC (34%, Platz 3). Es ist zu betonen, dass man nur begrenzten Einfluss auf gegnerische Dreiequoten hat, wie zahlreiche Experten bewiesen haben. Allerdings lassen die Jungs aus Oklahoma lediglich die siebtmeisten “weit offenen” Dreier der Liga zu und rotieren meist clever genug bzw. laufen ihre Closeouts so energisch, dass die besten Schützen des Gegners oftmals weniger Chancen haben, Würfe dieser Art Richtung Korb zu bringen.

Wer hat den größten Anteil am bisherigen Erfolg?

Abseits von Billy Donovan, der mit seiner Ausrichtung und cleverer Taktik am defensiven Ende den Grundstein legt, ist auch die Frage nach den maßgeblich beteiligten Akteuren recht spannend.. Zu diesem Zweck kann es sinvoll sein sich die on/off-Daten bestimmter Spieler anzuschauen. Diese birgen zwar gewisse Risiken hinsichtlich der Verallgemeinbarkeit des individuellen Impacts, liefern jedoch erste Anhaltspunkte. Besonders Paul George sticht hier erneut positiv hervor. Mit ihm auf dem Platz spielt das Team fast 5 Punkte besser in der Defense als ohne ihn auf dem Feld. Auch Nerlens Noel kann einen guten Wert vorweisen (+1,8). Es ist jedoch auffällig, dass defensiv talentierte Spieler wie Adams, Grant oder Ferguson einen on/off-Wert um 0 herum aufweisen. Dennoch ist das DRtg mit ihnen auf dem Platz sehr gut. Dies lässt sich mitunter dadurch erklären, dass die Bank der Thunder ebenfalls einen sehr guten Job macht und der qualitative Abfall an diesem Ende des Courts erstaunlich gering ist. Da in der Defense jedoch meist 5 gegen 5 gespielt wird lohnt sich ebenfalls ein Blick auf die klassischen Lineup Daten. Die häufigsten Lineups der Thunder laut stats.nba.com (sowie ihr DRtg/Min) sind:

R. Westbrook,/P. George/S. Adams,/J. Grant/T. Ferguson  ( 93 DRtg / 336 Min)

R. Westbrook/P. George/D. Schroder/S. Adams/J. Grant    ( 103 DRtg / 258 Min)

P. George/D. Schroder/S. Adams/J. Grant/T. Ferguson       ( 94 DRtg / 119 Min)

R. Westbrook/P. George/S. Adams/A. Abrines/J. Grant       ( 100 Drtg / 87 Min)

 

Es fällt auf, dass die Starter Westbrook, George, Grant und Adams sehr viel gemeinsam auf dem Platz stehen und diese Lineups auch sehr gute Werte vorweisen können. Außerdem ist Ferguson ein scheinbar klarer Plus Faktor in der Defense und Lineups mit ihm zählen zu den defensiv besten überhaupt. Ebenfalls interessant ist der Unterschied auf der Point Guard Position: Mit Schröder anstatt Westbrook kann man defensiv eine nahezu identische Qualität vorweisen. Stehen jedoch beide gemeinsam auf dem Platz so fällt das DRtg vergleichsweise ab. Auch bei den on/off Zahlen haben die beiden abseits von Rookie Diallo die schlechtesten Werte des Teams (jeweils -3). Und schaut man sich ihre defensiven Minuten insgesamt an, welche die beiden gemeinsam auf dem Platz standen, so sind sie die schlechteste 2-Mann-Kombination des Teams (mit über 500 gespielten Minuten) mit einem DRtg von 102. Das ist immer noch ein sehr guter Wert, allerdings auch bedingt durch die hohe geteilte Spielzeit mit Plusverteidigern wie George, Adams und Grant. Dennoch kann man den Schluss ziehen, dass beide gemeinsam dem Team defensiv deutlich mehr Kopfzerbrechen bereiten, als wenn nur einer der beiden auf dem Feld steht.


Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die Eckpfeiler der Franchise, die Topverdiener des Kaders und die wichtigsten Spieler in vielerlei Hinsicht. Paul George wurde ja bereits mehrfach lobend erwähnt und muss zwangsläufig thematisiert werden, wenn man die defensiven Leistungen der Thunder unter die Lupe nimmt. Er ist einer der wenigen Flügelspieler der Liga, welcher tatsächlich die eigene Defense gewissermaßen verankert und den wohl größten Impact auf die Teamleistungen an diesem Ende hat. Dies schafft er auf viele verschiedenen Wegen. Zum einen verteidigt er gerade in kritischen Phasen den besten Spieler des gegnerischen Teams mit Intensität und seiner Cleverness. Zum anderen agiert er im Teamverbund sehr agil, kommuniziert viel und ist durchgehend höchst konzentriert. Dabei fungiert er je nach Matchup sogar als Roamer und verteidigt teilweise annähernd zwei Leute zur selben Zeit. Dank einer herausragenden Antizipation erkennt er Rotationen früh und hilft oft genau im richtigen Moment. Außerdem hat er eine tolle Fußarbeit und ist trotz seinen vielen Help-Versuche selten out-of-position. Seine Closeouts sind fast immer sehr sauber und lassen gegnerische Shooter oftmals zögern. So erinnert er in manchen Szenen an Kawhi Leonard zu Spurs-Zeiten und schafft es gerade am Perimeter auch immer wieder, Fehler seiner Nebenleute dank blitzschneller Reaktionen und vorbildlichem Einsatz auszubügeln. Seine größte Stärke in der Defense ist jedoch seine Fähigkeit Steals zu ergattern. Er antizipiert viele Pässe und bewegt seine Hände sehr geschickt in der On-Ball Defense. In dieser Szene versucht Zach LaVine am Ende eines knappen Spiels Punkte für sein Team zu erzielen. George geht geschickt über den Screen, zwingt LaVine das Dribbling abzustoppen und fälscht den Pass zum eigenen Mitspieler ab:

In einem anderen Spiel gegen die Clippers laufen diese zunächst ein Handoff. Dabei verliert Schröder seinen Gegenspieler, Noel switcht, Schröder orientiert sich jedoch ebenfalls zum Ballhandler. Harrell rollt zum Korb und hätte leichtes Spiel, wenn George nicht sofort reagiert und seinen Mann an der Dreierline verlassen hätte, um diesen Pass abzufangen:

Nicht wenige fordern deswegen seine Nominierung zum “Defensive Player of the Year” und er hat zumindest einen Case, weil er wie bereits skizziert die momentan beste Defense der Liga maßgeblich beeinflusst. Jedoch muss erwähnt werden, dass Georges 2,2 Steals pro Spiel und seine hervorragende STL% (besser als 93% aller Wings) auch dadurch gepusht werden, dass er ebenfalls gelegentlich zum Gambling tendiert (wenn auch mit mehr Bedacht als Westbrook) und sich so ebenfalls in Situationen bringt, in denen seinem Mann ein freier Wurf oder der Drive ermöglicht wird. Man kommt zu dem Schluss: Die Thunder schaffen ihre beeindruckenden defensiven Leistungen vor allem über das Kollektiv. Nur durch die konstant hohe Qualität, sowohl in der Starting Five als auch auf der Bank kann man über 48 Minuten hinweg Gegner zermürben. Insofern ist diese Platzierung auch in großen Teilen den anderen Spielern anzurechnen und er bildet in gewisser Weise die Speerspitze der unangenehmen OKC-Defense. Somit kann man ihn sicherlich in der DPOY-Debatte anführen, jedoch ist diese Diskussion grundsätzlich zu hinterfragen. Es gibt nach wie vor kaum zuverlässige Metriken, um individuelle Defense messbar zu machen und um fundiert für einen Spieler argumentieren zu können, müsste man nicht nur einen Großteil seiner Spiele gesehen haben, sondern ebenfalls die meisten Spieler nahezu aller Konkurrenten. Es bleibt allerdings festzuhalten, dass Paul George zweifellos einen sehr großen Impact auf die defensive Performance seines Teams hat und so zum jetzigen Zeitpunkt zumindest teamintern als bester Verteidiger bezeichnet werden darf.


Ein weiterer Spieler, der zu den wichtigsten Bausteinen der Defense gehört, ist Steven Adams. Die Thunder haben dieses Jahr den Luxus, dass sie über die volle Spielzeit durchgehend einen guten Verteidiger auf der 5 stellen können, da mit Noel ein ebenbürtiger Verteidiger von der Bank kommt. Außerdem liegen die Stärken der beiden teilweise in verschiedenen Bereichen, was Billy Donovan gewisse Matchup Anpassungen ermöglicht. Noel ist der mobile Big, der auch am Perimeter bestehen kann und dank seiner langen Arme und guter Instinkte den ein oder anderen Steal ergattert. Dennoch ist er auch ein beeindruckender Rim Protector und zählt zu den besten Shotblockern der Liga (Block-Percentage (BLK%) von 5,5). Auch Adams fühlt sich unter dem Korb am wohlsten. Zwar ist er im PnR dank guter Kommunikation und ordentlicher Fußarbeit  ebenfalls solide, allerdings ist er schlichtweg zu massiv, um gegen die kleinen, wieselflinken Guards sonderlich viel ausrichten zu können. Dafür hilft ihm seine kräftige Statur umso mehr in der Post Verteidigung. Adams ist nicht nur ein brauchbarer Ringbeschützer und guter Help Defender mit agilen Händen, sondern auch ein Matchup Albtraum für gegnerische Bigs. In dieser Sequenz versucht sich Willy Cauley-Stein in einem Post Up gegen Adams. Dieser absorbiert nicht nur mühelos den Kontakt, sondern blockt anschließend sogar noch den Wurf:

Ein weiterer vermeintlich großer Plus Faktor in der Defense ist auch Russell Westbrook. Dies geht sogar so weit, dass bereits vereinzelte Stimmen eine “First Team All Defense” Kampagne ins Leben rufen wollen. Hier sind vermutlich die individuellen Zahlen der Ausgangspunkt. Diese sind zweifellos beeindruckend in manchen Aspekten (STL% von 2,9, DReb% von 23,5, jeweils besser als 100% aller Point Guards), verdienen jedoch in zweifacher Hinsicht gewisse Zweifel. Zum einen sind indivduelle Zahlen nach wie vor ein höchstens mäßiger Indikator für gute Defensive. Zu viele Aktionen können noch nicht von Statistiken erfasst werden und eine qualitative Beurteilung kann nur über den Eye-Test erfolgen. Zum anderen ist auch der Wert dieser Statistiken fraglich. Der Grund für seine hohen Reboundzahlen wurde bereits skizziert. Es ist Strategie des Teams und diese werden vornehmlich durch das Ausboxen seiner Mitspieler produziert. Allgemein ist der Wert individueller Defensivreboundzahlen vermutlich weitgehend überbewertet und der Erfolg des Teams in dieser Hinsicht sollte stets im Vordergrund stehen. Auch die Steals von Westbrook kosten leider einen hohen Preis. Er gamblet mehr als jeder andere im Team und findet sich deswegen auch weit häufiger in ungünstigen Situationen wieder als beispielsweise George oder Noel. Dies begründet sich auch darin, dass er oftmals seinen Fokus ausschließlich auf das Geschehen am Ball richtet und so gelegentlich seinen Gegenspieler aus den Augen verliert. Dennoch sind seine Steals nicht wertlos. Sein defensiver Einsatz ist zwar phasenweise etwas selektiv (in der Vergangenheit noch mit seiner enormen Last begründet, muss man diese Saison von einem Einstellungsproblem reden, welches jedoch viele Superstars in der Regular Season mit sich bringen). Nichtsdestotrotz ist er Teil vieler funktionierender Lineups und formt mit seinem Spiel ebenfalls die Identität der Thunder. Er spielt zweifellos eine seiner besseren defensiven Saisons, liefert allerdings nicht die Konstanz, welche andere hochdekorierte Guard-Verteidiger vorweisen können. Diese Szene kann als Beleg für seine teils unaufmerksame Herangehensweise betrachtet werden: Westbrook folgt nach einem Pass nur dem Ball und verliert Jrue Holiday vollkommen aus den Augen. Dieser hat anschließend leichtes Spiel und verwandelt den weit offenen Dreier. Sinnbildlich, dass der weiter entfernte Paul George noch versucht den Wurf zu contesten, jedoch ohne Erfolg:

Welche Perspektive hat die Defense?

Die Thunder werden wohl auch weiterhin zu den Topteams der Liga in diesem Bereich gehören. In den Playoffs dürfte es spannend werden zu sehen, welche Adjustments Coach Donovan für den jeweiligen Gegner trifft und wie viel Spielzeit Lineups mit Westbrook und Schröder bekommen werden. Defensiv scheint das Team einen der beiden tragen zu können, stehen jedoch beide auf dem Feld, ist ein signifikanter Abfall zu verzeichnen. Auch Diallo könnte in den Playoffs weniger Minuten erhalten, da er als Rookie noch sehr fehleranfällig ist und trotz guter Athletik keinen Plus Faktor darstellt. Zudem wartet das Team ja bereits seit einiger Zeit auf Edelverteidiger Andre Roberson. Dessen Rückkehr ist nach wie vor ungeklärt und auch seine Qualität nach der schwerwiegenden Verletzung muss erst noch unter Beweis gestellt werden. Dazu macht Ferguson bisher einen sehr guten Job und zeigt sich als nützliche Stütze im Teamkonstrukt. Es muss die Frage gestellt werden, wie viel besser selbst ein Roberson in Bestform dieses Team überhaupt noch machen könnte und ob seine offensiv großen Limitationen diesen Preis rechtfertigen können. So oder so wird dieses Team jedes potenzielle Matchup unangenehm gestalten können und die Ceiling des Erfolgs wird wohl eher durch die offensiven Leistungen bestimmt werden. 

Stats via cleaningtheglass.com // Stand 10.01.2019

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