Indiana Pacers, NBA

Die Frontcourtsituation der Indiana Pacers

Sind zwei Bigs einer zuviel?

Nur ein Jahr nach Myles Turners bester Saison als Profi, für die er sogar Defensive Player of the Year-Stimmen erhielt und letztendlich an fünfter Stelle landete, trat sein Mitspieler Domantas Sabonis ins Rampenlicht und wurde der erste Allstar Big der Franchise seit Roy Hibbert. Es war ziemlich offensichtlich, dass Turner einen Schritt nach hinten und Sabonis einen Schritt nach vorne machte. In gewisser Hinsicht mag das vielleicht ein Luxusproblem sein, jedoch sollten die Pacers herausfinden welches Potenzial diese Kombination tatsächlich aufweist und ob man die Spieler individuell besser hervorheben könnte.

Myles Turner

Als Spielertyp ist Myles Turner zunächst einmal enorm interessant, da er einer der wenigen Center der Liga ist, der glaubhaft switchen, den Ring beschützen und den Dreier treffen kann. Leider hat Turner einige Schwächen, die es für ihn schwierig machen, in die obersten Ränge seiner Position vorzustoßen. 

Bevor man seine Saison zu sehr kritisiert sollte man jedoch erwähnen, dass er nach nur 5 Spielen eine schwere Knöchelverletzung erlitt, die ihn mehrere Wochen und womöglich einiges an Effektivität für den Rest der Saison kostete.

Obwohl er ein begnadeter Verteidiger ist, kann er Possessions leider trotzdem nicht wirklich beenden, da er einer der schlechtesten Rebounder für seine Position ist. Dabei schauen wir nicht nur auf seine individuellen Werte, sondern auch die des Teams während er auf dem Platz steht. Sogar Kristaps Porzingis, der ähnliche Probleme hat, ist ihm hier um Längen voraus.

Rebounds sind zwar die unwichtigste Statistik unter den klassischen Box Score Zahlen, für eine  defensiven Stopper dennoch ein wichtiger Teil des Repertoires. Seine Schwierigkeiten am Brett hängen vermutlich allgemein damit zusammen, dass er nicht die beeindruckendste Physis aufweist. Dies merkt man auch in Matchups mit größeren und stärkeren Centern, wobei Sabonis ihn hierbei vermutlich entlasten könnte.

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Eine weitere Schwäche des Centers ist, dass er überhaupt kein Playmaker ist. Natürlich braucht man dieses Skillset nicht unbedingt von dieser Position, jedoch ist es immer brenzlig, wenn man einen beachtlichen Teil des Salary Caps für einen Spieler nutzt, der nur als Playfinisher zu gebrauchen ist. Das Problem: Seine offensiven Effizienzwerte liegen trotz dieser geringen Verantwortung nur beim Ligadurchschnitt.

Schon vor mehreren Jahren schrieb Zach Lowe über die Entwicklung des Stretch 4s, der zu einem Playmaking 4 wurde. Könnte der Wert des Stretch 5 einen ähnlichen Wandel durchlaufen?

Dieses Jahr, vermutlich aufgrund der Paarung im Starting Lineup mit Sabonis, konnte Turner seine Dreierrate beinahe verdoppeln. Es ist zwar ermutigend, dass er das kann, seine Quoten konnten jedoch nicht ganz mithalten. So traf er nur 33,6%, der schlechteste Wert für ihn seit seiner Rookiesaison. Auch der lange Zweier fiel dieses Jahr kaum (22%). Der Wert des Dreipunktewurfs ist hier jedoch offensichtlich, sein TS% sank trotz dieses Einbruchs nur um 0.6%.

Die Frage ist nun, ob er seine Quote auch bei höherem Volumen anheben kann. Wenn er das schafft, dann wird der Fit zwischen den beiden Bigs deutlich sauberer sein. Tatsächlich gibt es Indizien dafür, dass eine Korrelation zwischen ihrem Net Rating und Turners Volumen von der Dreierlinie besteht – wie der Autor Josh Wilson bemerkt, kann man sich auf solche Daten nicht unbedingt verlassen, da die Samples klein und die außenstehenden Faktoren vielseitig sind.

Domantas Sabonis

Sabonis ist ein klassischerer Allstar, da sein offensives Paket viel breiter ist, auch wenn der Dreier seit seiner Rookiesaison in Oklahoma City komplett verschwunden ist. Dafür kann er aber Mitspieler aus dem Short Roll finden, im Post punkten wie auch assistieren und scheint einen ziemlich konstanten Midrangewurf gefunden zu haben. Besonders im Zusammenspiel mit Malcolm Brogdon konnten diese Fähigkeiten optimal genutzt werden, da dieser ihn im Pick and Roll geschickt in Szene setzen konnte. 

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Seine Limitationen befinden sich eher auf der anderen Seite des Feldes, sein BLK% von 1,2 ist für einen Big ebenso untypisch wie Turners AST% im Allgemeinen. Trotzdem muss man feststellen, dass er defensiv ähnlich wie Nikola Jokic statistisch viel besser abzuschneiden scheint als es das Auge vermuten lassen würde. Schließlich ist er ein kluger Spieler, der weiß, was er zu tun hat.

Leider ist das nicht das einzige Problem, denn gegen perimeterorientierte Vierer, deren Anzahl zunehmend steigt, ist er einfach körperlich nicht sehr gut ausgestattet. Sicherlich hat er in Korbnähe gegenüber diesen Spielern einige Vorteile, wird sich aber schwer tun, wenn er mit ihnen mithalten muss. In der Regular Season schneiden 2-Big-Lineups oft besser ab, da nicht jedes Team diese hochkalibrigen Spieler hat. Schaut man sich aber ihre Playoffkonkurrenz im Osten an, sei es Giannis Antetokounmpo, Pascal Siakam oder einer von Bostons Flügeltrio, kann man sich leicht vorstellen, wo das Mismatch liegt. Bei Philly oder Miami sieht es zwar leichter aus, aber auch diese Teams haben die Möglichkeit, eventuelle Mismatches auf der 4 zu kreieren.

Man kann auch ziemlich klar feststellen, dass Turners Spielumstellung es Sabonis leichter macht, da er mit seiner defensiven Flexibilität und offensiven Reichweite viele der Schwächen vertuschen kann. Das ist im Umkehrschluss nicht unbedingt der Fall, auch wenn Sabonis am Brett abräumt, da das bedeutet, dass Turner den Großteil der Drecksarbeit leisten muss, um den Erfolg des Duos überhaupt zu ermöglichen.

Ein Dreier würde hier vermutlich auch viel hergeben und Turner, der am Korb nicht unbedingt den besten Touch hat, mehr Platz verschaffen. Wie bereits angeschnitten zeigte Sabonis als Rookie, dass er möglicherweise mal den Dreier treffen könnte. Da seine Midrange und Freiwurfquoten seither gestiegen sind, gibt es sogar weitere Anzeichen dafür. Solange er jedoch nur einen Versuch pro Spiel nimmt, sollte man aber skeptisch bleiben, ob es soweit kommen wird.

Fazit

Beide Spieler stehen bis mindestens 2022 unter Vertrag. Das ist aus zwei Gründen wichtig: Zum einen, da die finanzielle Zukunft der Liga zunächst einmal ungewiss ist; zum anderen, da es bedeutet, dass das Team beide Spieler ähnlich zu schätzen weiß. Sogar ihre Verträge liegen beide bei circa 19 Mio.

Sollte Sabonis einen Dreipunktwurf etablieren können und Head Coach Nate McMillan es schaffen die beiden so viel wie möglich zu staggern, gäbe es vermutlich mehr Gründe, um an dieser Kombination festzuhalten. Wenn man daran jedoch nicht glaubt, macht es vermutlich mehr Sinn, einen der Beiden gegen einen moderneren Spieler zu tauschen. Die Entscheidung sollte keine leichte sein und ist vermutlich teilweise davon abhängig, wie weit Oladipo zu seiner alten Form zurückfinden kann. Für einen heliozentrischeren Spielstil, der heutzutage gerade in Texas populär zu sein scheint, ist Turner nämlich eindeutig besser geeignet, da seine offensive Verantwortung auf ein Minimum reduziert wird. Sollte es bezüglich Oladipos Rückkehr jedoch Bedenken geben, macht es vermutlich mehr Sinn, Sabonis zu halten, da dieser offensiv mehr als nur ein Komplementärspieler sein kann.

 

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