Minnesota Timberwolves

Die defensiven Adjustments der Timberwolves

Ein Rückblick auf die Saison 2017/18 der Minnesota Timberwolves
Screenshot: NBA League Pass

Ein Rückblick auf die Saison 2017/18 der Minnesota Timberwolves

Nachdem sich der erste Teil des Rückblicks vorwiegend mit der Offense der Timberwolves beschäftigt hat, soll nun der Blick auf die defensiven Baustellen des Teams gerichtet werden. Wie bereits in Teil 1 erwähnt, belegte die Truppe aus Minnesota in der vergangenen Saison nur einen enttäuschenden 22. Platz im Defensiv-Rating und blieb somit klar hinter den Erwartungen zurück. Nun gilt es kritisch zu hinterfragen, welche Fehler man sich als Team vorwerfen muss und an welchen individuellen Stellschrauben noch gedreht werden kann.

Was lässt sich beim Team allgemein beobachten?

Wenn man sich zunächst den Starting Frontcourt anschaut, so scheinen die Wolves mit Towns, Gibson und Wiggins gleich mehrere Jungs aufs Feld zu schicken, die mit ihrer Athletik und ihrer Länge an den Brettern dominieren können. Umso verwunderlicher ist es deshalb, dass man lediglich den 22. Platz bei der defensiven Reboundquote belegte. Auch wenn Rebounding stets ein Teameffort ist und individuellen Reboundzahlen wenig Bedeutung beigemessen werden darf (insbesondere im Bereich der uncontested Rebounds), so ist es doch zudem bemerkenswert, dass Andrew Wiggins unter allen Forwards nur Platz 71 von 83 qualifizierten Spielern in dieser Kategorie belegte. Den Wolves mangelt es weniger an athletischer Power als vielmehr an den basics. Durch schlechtes Positioning und ungenügendes Ausboxen ermöglichen sie ihren Gegnern viele zweite Chancen. Zwar zählt Steven Adams zu den besten Offensivreboundern der Liga, doch so leicht wie in dieser Szene wird es ihm vermutlich nur selten gemacht:

In diesem Zusammenhang muss man auch ihre zugelassene eFG% kritisch hinterfragen. Sie belegen mit einer Quote von 57% den 28. Platz der Liga und lassen lediglich die Nuggets und die Kings hinter sich. Dieser katastrophale Wert wird, unter anderem durch den Umstand produziert, dass die Timberwolves im Schnitt 28 Dreipunktwürfe ihrer Gegner pro Spiel zulassen. Damit gehören sie in dieser Kategorie ebenfalls zur Bottom 5 der Liga. Hier ist Thibodeau als Trainer gefragt, seine Jungs sowohl am Perimeter als auch an der Dreierlinie fit zu machen. ICE Defense löst im Jahr 2018 nicht mehr alle Probleme und gerade defensives Rebounding ist oft auch eine Frage der Konzentration bzw. der Einstellung. Außerdem sollte der Coach mit Nachdruck sicherstellen, dass jeder Spieler die Rotationen verstanden hat und die Kommunikation unter dem eigenen Korb einwandfrei funktioniert. Denn abseits von halbherzigen Closeouts sind es oft defensive Breakdowns, resultierend aus zu späten oder falschen Rotationen, die zu offenen Dreiern führen. In dieser Szene vergisst Wiggins, den initialen Passgeber im Auge zu behalten:

Kann man die schlechte Defense der Wolves an einzelnen Spielern manifestieren?

Grundsätzlich ist es immer recht schwierig individuelle Defense zu bewerten, weil zum einen die zuverlässigen Statistiken fehlen und zum anderen der Begriff „gute Defense“ keineswegs einheitlich festgelegt ist. Wie unser Redakteur Philipp Rück in diesem Artikel ausführlich darlegt, sind die nachfolgenden Schlüsse deshalb mit Vorsicht zu genießen. Nichtsdestotrotz gibt es Mittel und Wege, zumindest Indikatoren für potenzielle Schwachstellen ausfindig zu machen.

So lohnt sich beispielsweise ein Blick auf die Lineups. Um die Sample Size möglichst aussagekräftig zu gestalten, kann es Sinn machen, sich dabei 3-Mann-Konstellationen zu betrachten, weil diese erheblich mehr gemeinsame Minuten auf dem Platz verbracht haben. Auch hier springt einem wieder ein bekannter Name ins Auge. Unter allen Lineups, die mindestens 300 Minuten gemeinsam auf dem Feld standen, ist Andrew Wiggins bei den 7 defensivschwächsten Aufstellungen jeweils vertreten. Auch Karl-Anthony Towns’ Name ist hierbei gelegentlich zu lesen, wenn auch seine Auftritte in den allerschlechtesten Kombinationen ausbleiben. Jimmy Butler hingegen ist fester Bestandteil der besten defensiven Lineups, ganz im Gegensatz zu Jamal Crawford. Diese Zahlen decken sich ebenfalls mit dem Eye-Test, denn in den rund 20 Spielen in denen Butler verletzungsbedingt aussetzen musste, waren Plays wie dieses hier keine Seltenheit:

Die beliebte Statistik von ESPN, das sogenannte „Real-Plus-Minus“, liefert ebenfalls Indizien dafür, dass bei Wiggins und auch KAT noch deutlich mehr Luft nach oben besteht, wie beispielsweise bei All-Defensive-Team Spieler Jimmy Butler. So belegte Towns beim defensiven RPM den 66. Platz unter allen Centern und Wiggins landete bei den Small Forwards sogar auf Platz 88(!). Ganz anders bei Butler, der auf der Shooting Guard Positionen unter den besten 3 Spielern landen konnte. Übrigens: Wer sich im Detail für das RPM interessiert und mehr über dessen Funktionsweise erfahren möchte, dem sei der Artikel von Artur Kowis ans Herz gelegt.

Zwei Spieler sind sowohl statistisch als auch bei Beobachtungen immer wieder besonders hervorgestochen. Zuerst ist Andrew Wiggins zu nennen, der trotz seiner tollen körperlichen Voraussetzungen  und nun mit vier Jahren Erfahrung in der Liga immer noch teilweise unbeholfen agiert. Hier scheint das Problem vielmehr mentaler Natur zu sein und auch seine Körperhaltung sowie sein Positionsspiel lassen oftmals zu wünschen übrig. Insbesondere seine defensive Grundhaltung kann hier als Kritikpunkt angeführt werden. Der junge Kanadier steht tendenziell zu aufrecht und auch seine Fußarbeit erscheint in vielen Szenen fragwürdig. Er verfügt über hervorragende athletische Tools und wird dennoch oft von deutlich limitierteren Gegenspielern ohne Mühe geschlagen. Seine Körpersprache erweckt zudem einen lustlosen, passiven Eindruck und seine haarsträubenden Stellungsfehler kann man auf eine gewisse Fahrlässigkeit sowie einen Mangel an Konzentration zurückführen. Außerdem erwischt man ihn des Öfteren beim sogenannten Ball Watching: Er fokussiert sich zu sehr auf das Geschehen am Ball und verliert das eigene Matchup aus den Augen, was häufig zu einfachen Punkten führt. Nachdem er nun sowohl offensiv als auch am anderen Ende des Feldes als eine der großen Schwachstellen des Teams ausgemacht wurde, wirkt es umso besorgniserregender, dass der 23-Jährige in den kommenden 5 Jahren über 170 Mio. Dollar verdienen wird. Er wird in der Zukunft Szenen wie diese drastisch reduzieren müssen, um seine finanzielle Vergütung rechtfertigen zu können:

Das andere junge Sorgenkind ist Karl-Anthony Towns. In der Offense noch als klar beste Option tituliert, muss er defensiv zukünftig deutlich zulegen. Auch wenn letztes Jahr im Verlauf der Saison gewisse Fortschritte, gerade bezüglich seines Efforts, zu erkennen waren, ist sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Insbesondere beim Thema Ringschutz muss er noch klüger agieren und versuchen, seine flinken Füße und seinen langen Körper gewinnbringend einzusetzen. So contestete er zwar die sechstmeisten Würfe unter allen Big Men in der abgelaufenen Saison, aber ließ dabei eine katastrophale Quote von 62% unter dem Korb zu (Platz 28 von 31 unter allen Bigs mit mehr als 3 DFGA/g). Er ist auch ein schönes Beispiel dafür, dass solide Blockzahlen (immerhin 11. bei der BLK%) nicht zwangsläufig auch gute Defense bedeuten müssen. Towns reagiert teilweise zu zaghaft und in anderen Situationen wiederum forciert er den Block zu sehr. Hier eine beispielhafte Situation, bei der er sich im Pick-n-Roll schlecht positioniert und Warren leichtes Spiel unterm Korb ermöglicht:

KAT besitzt augenscheinlich alle Tools, um ein defensiv beschlagener Verteidiger zu werden, der sowohl am Perimeter als auch unterm Korb eine gute Figur abgeben kann. Traditionell brauchen Big Men in der NBA etwas länger, um sich voll und ganz entfalten zu können und auch die enorme Verantwortung, welche Towns von Anfang an in der Offensive übernehmen musste, kann als Entschuldigung genannt werden. Sein Fokus sollte jedoch nun darin bestehen, seinen defensiven Bball-IQ zu schärfen und sich von erfahrenen Veteranen die nötige Abgeklärtheit beibringen zu lassen. Er agiert oftmals noch zu wild und trifft teilweise schlechte Entscheidungen von der Helpside. Die  zunehmende Erfahrung wird ihm hierbei zu Gute kommen und ein paar intensive Film Room Sessions mit Thibs könnten seinem Verständnis ebenfalls nicht schaden.


Honorable Mentions in der Kategorie “schlechte Verteidiger” verdient zudem, wie bereits angedeutet, Jamal Crawford, der sowieso noch nie auch nur durchschnittlich verteidigt hat über seine Karriere und der mit seinen mittlerweile 38 Jahren wohl auch nicht mehr brillieren wird in dieser Hinsicht. Crawford belegte in der abgelaufenen Saison den letzten Platz unter allen Spielern seiner Position beim DRPM und ist momentan noch ohne Team für die kommende Saison. Auch ein Derrick Rose (Platz 80 im DRPM) sowie ein Jeff Teague (Platz 62) verdienen Erwähnung. Beide sind nicht ganz so katastrophal gewesen wie Crawford, jedoch waren sie auch nicht gerade positive Einflussfaktoren hinsichtlich der Timberwolves Defense.

Fazit

Die Defensive der Truppe aus Minnesota war in der vergangenen Saison nur mit einer hohen Frustrationstoleranz zu ertragen. Hier hat das Team noch massenhaft Upside vorzuweisen. Die große Frage wird sein, ob Thibs es schafft, seine beiden Jungspunde Wiggins und Towns in die Spur zu bekommen. Beide müssen defensiv wachsamer sein und lernen, sich durch gutes Positioning bzw. gut getimte Rotationen sowie sinnvoll dosierte Hilfe einen Vorteil zu verschaffen. Insbesondere KAT hat zumindest bereits gute Ansätze gezeigt, sodass man die Hoffnung noch nicht aufgeben sollte. Wenn er defensiv nochmal einen Sprung macht und offensiv seinen Output bei gleichbleibender Effizienz wieder ein wenig steigern kann, dann könnte er sich perspektivisch sogar in die Top 10 Spieler Debatte katapultieren. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg und es lohnt sich, in der kommenden Saison bei den Timberwolves genauer hinzuschauen.

  • 18
  •  
  •  
  •  
  •  

Schreibe einen Kommentar