Minnesota Timberwolves

Die offensiven Adjustments der Timberwolves für 2018/19

Ein Rückblick auf die Saison 2017/18 der Minnesota Timberwolves

Die Timberwolves haben eine Saison voller Höhen und Tiefen hinter sich. Am Ende schaffte man es jedoch der 13 Jahre andauernden Playoff-Dürre ein Ende zu bereiten und sich haarscharf für die Post-Season zu qualifizieren. In einem Thriller bezwang man im letzten Spiel der Saison die Denver Nuggets und sicherte sich somit den letzten Playoff-Spot im hart umkämpften Westen. Dort unterlag man den Houston Rockets mit 4:1 und schied somit gegen das bestplatzierte Team in der ersten Runde aus.

Wie sind Ausgangslage und Verlauf der Saison 17/18 zu bewerten?

Die Offseason im Sommer 2017 begann zunächst sehr vielversprechend. Nach einer eher enttäuschenden Saison mit 31 Siegen (Platz 13 im Westen) schaffte man es, per Trade Jimmy Butler zu akquirieren und zudem die gestandenen Veteranen Jeff Teague und Taj Gibson der Truppe rund um Tom Thibodeau hinzuzufügen. Unter den Abgängen verzeichnete man die Guards Rubio, Dunn und Zach LaVine. Damit schien man vor allem das Loch in der Defensive zu adressieren, welche als größte Baustelle des Teams galt. In der Saison 16/17 gehörte man zum Bodensatz der Liga (Platz 26 im Def-RTG), jedoch konnte man bereits eine recht ansprechende Offensive aufs Feld stellen (Top 10). Unter diesen Voraussetzungen wollte man nun eine stabilere Defense etablieren und mit Jimmy Butler als Starspieler die Playoffs im Westen angreifen.

Mit 47 Siegen in der regulären Saison und dem Erreichen der Playoffs kann man diese insgesamt als durchaus gelungen bezeichnen. Man schaffte es, sich in der Offensive weiter zu verbessern (Top 5-Platzierung). Auf der anderen Seite des Feldes war der Sprung jedoch bedeutend kleiner als erwartet und man landete schlussendlich erneut nur auf Platz 22 im Def-RTG. Dennoch gehörte man zu den besseren Teams der NBA und schaffte es auf 100 Possessions die Gegner im Schnitt um 2,4 Punkte auszuscoren. Obwohl auch dieser Wert zu den besten 10 gehört, reichte es am Ende nur knapp für die Playoffs. Dies kann man als klaren Indikator für den deutlich stärkeren Westen interpretieren. Im Folgenden soll es nun primär um die Offensive der Wolves und deren unausgeschöpftes Potenzial gehen.

Welche Teilbereiche der Wolves sind noch verbesserungswürdig?

Wenn man sich die Spielweise der Wolves genauer anschaut, dann sind es zunächst folgende Aspekte, die einem besonders ins Auge stechen:

Zum Einen schicken sie ihre designierten Scorer sehr häufig in Isolationen, auch wenn sie dabei nur durchschnittlich effiziente Abschlüsse erzeugen. Hier ein Beispiel von Andrew Wiggins, der versucht sich einen Abschluss aus der Mitteldistanz zu kreieren:

Ein weiterer Abschluss, den die Wolves ebenfalls häufig nutzen, ist das Post-Up. Hier weisen sie ein vergleichsweise hervorragendes PPP (Points per Possession) von 0,99 auf. Karl-Anthony Towns gilt als Spezialist in dieser Kategorie und zeigt hier seine Fähigkeiten im Low-Post:

Das Post-Up sowie die Isolation gelten in der modernen NBA jedoch beide als die ineffizientesten aller möglichen Würfe. Ersteres bringt einem in der Regel maximal 2 Punkte ein, was jedoch in der zunehmend dreierlastigen Liga zum Problem werden kann. Die Rechnung ist hierbei simpel: Sogar wenn ich bei 50% meiner Post-Würfe erfolgreich abschließe (entspräche einem PPP von 1,0), reicht es, wenn das gegnerische Team gerade mal 33,3% seiner Dreier trifft, um ebenfalls ein PPP von 1,0 zu erzielen. Bei Isolationen ist ihr PPP sogar nur bei 0,87, die Rechnung dürfte hier klar sein. Es hilft dabei zudem nicht, dass viele ihrer Isolationen innerhalb des Perimeters abgeschlossen werden, was uns zum nächsten Problem führt.

Auch bei den Versuchen von Downtown machen die Wolves keine allzu gute Figur. So belegt man den letzten Platz bei den Wurfversuchen von draußen, trifft jedoch die genommenen Shots mit durchschnittlicher Effizienz. Allgemein scheint eher eine zweifelhafte Wurfauswahl als fehlendes Talent das Problem zu sein. Man nimmt die siebtmeisten Pull-Up-Würfe und nur die 29.-meisten Catch-and-Shoot-Versuche. Dabei trifft man die Würfe aus dem Dribbling schlechter als die meisten Teams der Liga und gehört bei der Effizienz aus dem Catch-and-Shoot zu den Top 10. Man agiert allgemein vergleichsweise wenig aus dem Spot Up heraus, obwohl man hier ein gutes PPP von 1,04 aufweisen kann. Hier ein schönes Beispiel, wie man Towns als besten Schützen des Teams in Szene setzen könnte:


Inwiefern lassen sich die Probleme im Teamverbund an einzelnen Spielern festmachen? Bei genauerer Betrachtung sind insbesondere zwei Personalien von besonderem Interesse.

Andrew Wiggins ist einer der Spieler, die sich in der vergangenen Saison häufig berufen gefühlt haben, einen Wurf für sich selbst zu kreieren. Deswegen erfolgten viele seiner Würfe aus dem Dribbling, weil er gegen ein vermeintlich leichtes Matchup isoliert wurde. Hier sieht man das häufige Resultat solcher Aktionen:

Sein True Shooting Wert von 51% lässt sich dadurch gut erklären, denn neben der fragwürdigen Wurfauswahl trifft er auch seine Freiwürfe nur mit 64%. Außerdem ist ein anteiliger Wert von 40% Pull-Ups eindeutig zu hoch. So schafft er es auch nur auf ein schwaches individuelles ORtg von 101. Was jedoch noch problematischer ist: Seine Nutzungsrate gleicht dennoch mit 23% USG denen von Towns und Butler. Dies sollte bei einer dritten Option möglichst nicht der Fall sein; vor allem, wenn Wiggins weiterhin solche Abschlüsse nimmt:

Das Problem bei Wiggins ist jedoch Folgendes: Weder sein Trainer noch er selbst scheinen ihn offensiv deutlich hinter den beiden anderen Stars zu sehen. Dies führt dazu, dass er häufiger den Ball in den Händen hält und mehr Verantwortung übertragen bekommt, als es im best-case-Szenario der Fall sein sollte. In beiden Köpfen sollte schleunigst ein Umdenken stattfinden, was den Wert seines offensiven Outputs betrifft. Es gibt im Team sowohl bessere Playmaker (Teague, Butler) als auch bessere Schützen (Towns, Butler) als dass sich seine Nutzungsrate in dieser Höhe rechtfertigen ließe. Sein Arbeitsauftrag für diesen Sommer lautet deswegen möglichst viel Zeit in seinen Dreier im Catch-and-Shoot zu investieren, um dem Team zukünftig als Spot Up-Schütze mit primären Off-Ball-Aufgaben helfen zu können. Ein Beispiel hierfür wäre die folgende Szene: 


Karl-Anthony Towns zählt, trotz seinem jungen Alter von fast 23 Jahren, zu den effizientesten Spielern der NBA. Er schaffte es in der vergangen Saison auf einen tollen TS-Wert von 65% und beeindruckte mit einem individuellen ORtg von 127. Als Offensivspieler ist er nahezu ohne Schwächen und kann sogar als 7-Footer seine Gegner jederzeit aus dem Dribbling schlagen, wie beispielsweise in dieser Szene:

Dennoch war seine Nutzungsrate im vergangenen Jahr “nur” bei 23 % und damit auf ähnlichem Niveau wie die eines Wiggins (23%) und die eines Jeff Teague (21%). Angesichts seines deutlich ausgeprägteren Talents sind diese Zahlen bedenklich. Towns sollte wesentlich mehr Abschlüsse bekommen als die beiden genannten, um sein Potenzial voll ausschöpfen zu können. Hier sind aber nicht nur seine Mitspieler gefragt, sondern auch der Trainer. Thibs muss erkennen, dass der Ball in Towns’ Händen deutlich besser aufgehoben ist und Mittel und Wege finden, um KAT in Szene zu setzen. Er muss gemeinsam mit den primären Ballhandlern Teague und Butler Strategien erarbeiten, damit Towns in der Offense deutlich mehr eingebunden wird. Auch ein Derrick Rose sollte zu diesen Meetings hinzugezogen werden, da er auch in der kommenden Saison wieder den Backup Point Guard der Wolves mimen wird. Der designierte Franchise Player sollte zudem auch verhältnismäßig öfter von hinter der Dreierline in Stellung gebracht werden. Wie anfangs bereits skizziert, zählt der Dreipunktwurf ebenfalls zu seinen Stärken und er schaffte es 17/18 auf eine Quote von 42% aus dieser Distanz. Umso merkwürdiger scheint es, dass sowohl Teague als auch Butler und sogar Wiggins dennoch ähnlich viele Versuche von draußen zu verzeichnen hatten (jeweils ca. 3,6 3PA).

Fazit 

In erster Linie müssen die Wolves offensiv versuchen mehr ihre Stärken zu akzentuieren und eine sorgfältigere Wurfauswahl anstreben. Wenn der beste offensive Spieler Towns eine vergleichbare Nutzungsrate wie Teague und Andrew Wiggins zeigt, dann sind die Würfe eindeutig falsch verteilt. Auch muss das Team versuchen öfter Spot Up-Würfe zu generieren, am besten von hinter der Dreierlinie. Towns ist der Schlüssel zu einer besseren Offensive, weil er das Talent und die Effizienz einer ersten Option zeigt, allerdings nicht wie eine solche genutzt wird. Im Umkehrschluss bedeutet das, einen Andrew Wiggins eher als Spot Up Shooter mit geringerer Nutzung zu installieren. Ob das gelingen kann, wird man sehen.

Zusammenfassend kann man den Wolves also folgende Dinge nahelegen: Das Team muss die Anzahl seiner Isolationen vermindern, weiterhin häufig das Post Up nutzen und allgemein Abschlüsse suchen, bei denen der Ball in den Händen von Towns landet. Dazu muss eine klare Hierarchie etabliert werden. Towns muss die unangefochtene erste Option sein. Danach sollte Butler als luxuriöse zweite Option fungieren und Wiggins sollte sich als klare dritte Option hinter den beiden anstellen.
Außerdem müssen sie kollektiv versuchen, weniger Pull Up Würfe zu nehmen und öfter von jenseits der Dreierlinie zu agieren. Hier könnte sich die Addition von Anthony Tolliver als sinnvoll erweisen. Dieser traf in der abgelaufenen Saison 44% seiner 4,5 3PA pro Spiel und könnte mit seinem Skillset das Dreiervolumen der Wolves ankurbeln. Es liegt auch an Thibs, seinem Team einen intelligenteren Basketball zu vermitteln, um seinen Ruf als fähiger Coach zu verteidigen. Wenn sie es schaffen, noch mehr aus dem gegebenen Talent herauszukitzeln, dann können sie sich durchaus offensiv noch weiter verbessern.

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