NBA, Off-Court

Low Carb – High Reward?

Was steckt hinter der Diät von LeBron James und Carmelo Anthony?

Was steckt hinter der Diät von LeBron James und Carmelo Anthony?

Jede Offseason hat ihre kleine Geschichtchen, die zur Mitte der Saison keine Berechtigung mehr haben. Es gibt jedoch auch Trends, die in der Offseason gesetzt werden.  In dieser Offseason waren es beispielsweise die „großen“ Gewichtsverluste von LeBron James und Carmelo Anthony, die immer wieder in den Medien auftauchten bzw. durch die Athleten selbst angefeuert wurden.
Wie ist die Gewichtsabnahme einiger Stars in der Liga zu bewerten?

Was ist passiert?

Kurz nachdem LeBron selbst den Stein ins Rollen gebracht hatte – indem er sich mit einer Fotomontage über seinen eigenen Erfolg lustig machte -, mischte sich Brian Windhorst von ESPN ein und spekulierte, warum James nun Gewicht verloren habe. Windhorst blieb dabei professionell und berichtete, dass LeBron sich letzte Saison wohl weit über den angegebenen 250 Pounds befunden hätte und somit völlig außer Form gewesen wäre. Nun darf jeder für sich selbst entscheiden, ob das Gewicht James’ eher eingeschränkt oder geholfen hatte, darum soll es in diesem Artikel auch nicht ausschließlich gehen, eher um die Diskussionen, die durch diesen Gewichtsverlust entstanden sind.

Immer wieder wurden die Gewichtsverluste der beiden Stars mit den wohl strengeren Regeln rund um die anstehenden Doping-Kontrollen der NBA in Verbindung gebracht (die NBA will anfangen, auf Wachstumshormone/HGH zu testen). Wenn man sich allerdings mit dem Thema vertraut macht, dürfte kaum jemand darauf kommen, dass James oder Anthony irgendwelche Mittel abgesetzt und dadurch so viel Gewicht verloren haben. Man könnte es wohl eher umdrehen und behaupten, dass die beiden vielleicht sogar durch die kurzzeitige Einnahme von HGH einen drastischen Sprung im Kampf gegen die Pfunde gemacht haben.

Dafür muss man allerdings erst mal verstehen, was HGH mit dem Körper anstellt, bzw. wieso es für einen Sportler wie LeBron James durchaus sinnvoll wäre, Wachstumshormone, zumindest über einen bestimmten Zeitraum, zu injizieren. Man muss verstehen, dass die Sagen um die Effekte des rasanten Muskelaufbaus definitiv nicht stimmen, zumindest nicht in den immer wieder gepriesenen Ausmaßen und vor allem nicht, wenn man es nicht mit den passenden anabolen/androgenen Steroiden einnimmt.

The word is that the best human growth hormone tests are getting better, and will soon be capable of detecting HGH use over a longer period of time. WADA has been making noise about a better test in the works, and one of its tricks is not to let athletes know when new tests are going into effect. 

But the truth is only a tiny handful of athletes have ever failed HGH tests, and there’s no reason to assume NBA players would be any different.

– Henry Abbott

Was ist HGH?

Somatropin (STH/HGH) ist inzwischen salonfähig und wird nicht nur von Sportlern oder Bodybuildern verwendet, sondern auch von Schauspielern oder Stars der Musikbranche. Es gilt nicht nur als Jungbrunnen, sondern verstärkt auch den Heilprozess bei Verletzungen, normalisiert den Fettgehalt des Körpers und verbessert, in richtiger Anwendung, das Verhältnis von gutem zu schlechtem Cholesterin. Damit Somatropin seine gewünschte Wirkung auch vollkommen entfalten kann, sollte der Konsument es natürlich nicht ohne ärztliche Betreuung verwenden und mit den passenden Komponenten verbinden. Die mit Abstand wichtigsten sind: Testosteron, Insulin und Schilddrüsenhormone wie Liothyronin.

In Verbindung mit diesen Mitteln versucht der Athlet vor allem auf die Fettverbrennung einzuwirken. Ein gleichzeitiger Muskelaufbau wird durch die Ausschüttung von dem insulinähnlichen Wachstumsfaktor (IGF-1) angeregt, die von Wachstumshormonen induziert werden. Primär sorgt diese Mischung also richtig angewendet dafür, dass der Athlet Fett verbrennt und die vorhandene Muskelmasse hält bzw. noch steigert.

Einem Basketballspieler wie LeBron James oder Carmelo Anthony würden auf diesem hohen Niveau allerdings nicht nur diese Eigenschaften von Somatropin helfen, auch die „Begleiterscheinungen“ könnten über eine harte Saison durchaus hilfreich sein: Somatropin steigert den psychischen Antrieb, normalisiert das psychische Wohlbefinden, stärkt Knochen und Knorpel, steigert die Knochendichte, normalisiert die Herzmuskelmasse und Wanddicke und verbessert dadurch die Pumpleistung/Durchblutung des Herzens und normalisiert den körpereigenen Wasserhaushalt.

Natürlich soll das jetzt nicht bedeuten, dass LeBron James oder Carmelo Anthony durchgehend auf Wachstumshormonen sind. Kaum ein Athlet, der unter ärztlicher Aufsicht steht, würde sich durchgehend den Nebenwirkungen einer derart langen Kur aussetzen. Dieser Abschnitt sollte nur aufzeigen, dass die Entwicklung der beiden eher für als gegen eine Verwendung des, unter dem Regelwerk der NBA, verbotenen Mittels steht.

Die Verantwortlichen der Liga versuchen dem Problem und der immer wieder aufkeimenden Kritik der schlampigen Kontrollen zwar entgegenzuwirken, aber es gibt die, die wissen, dass man Wachstumshormone kaum oder oft auch gar nicht nachweisen kann. Auch die neusten Tests sind oft noch nicht so weit, als dass sie die Wachstumshormone lange genug nachweisen könnten. Steroide wie Testosteron kann man durch Bluttests zwar besser nachweisen, aber selbst hier verfehlen die Tests oft ihre Aufgabe. Außerdem sollte es für einen Weltstar wie James oder Anthony ein Leichtes sein, diese Tests zu umgehen oder früh genug von diesen zu erfahren.

Der Sinn hinter dem Abnehmwahn

Auch wenn LeBron der wohl kompletteste Spieler der Welt ist, zählt die Athletik immer noch zu einer seiner größten Stärken. Ob er nachgeholfen hat oder alles naturell erreicht hat, spielt da keine Rolle, denn kaum ein Spieler könnte diese Athletik erreichen, egal womit er nachhelfen würde. Und genau hier könnte die Low Carb-Diät ein interessantes Mittel zur Weiterentwicklung darstellen. Anders als beispielsweise Ray Allen (der seit Jahren eine Paleo Diät nutzt) verfügt LeBron schon von Natur aus über immense Kraft und wird trotz reduzierter Kohlenhydratzufuhr kaum Leistungseinbrüche haben. Allerdings braucht so ein Körper wirklich viel Energie und diese einzig über gesunde Fette und Proteine beizusteuern, wird über eine ganze Saison keine leichte Aufgabe sein.
Der Gedanke hinter der Diät dürfte vielleicht ein ganz anderer sein. Auch wenn viele Journalisten der Meinung sind, dass LeBron und Anthony dieses Gewicht über die Saison halten wollen, um ihre Körper auf spätere Zeiten vorzubereiten, lassen sie völlig außer Acht, dass beide Spieler gerade erst in ihrer Prime sind. Noch müssen sie sich eher weniger Sorgen machen, was nach dieser Zeit kommt. Was könnte also ein logischer Grund für die Taktik des plötzlichen Fettverlustes sein?

“My mentality was that I’m burning so much, I need the sugar and I need carbs,” Allen explained. “But toward the end of the year, I remember being on anti-inflammatories and my body always felt like I was hopped up on drugs just to decrease the inflammation.” – Ray Allen


Der Jojo-Effekt

Wenn man vom Jojo-Effekt spricht, bedeutet das in der Regel immer etwas Schlechtes. Im Basketball, auf diesem Niveau, muss es das zwangsläufig aber gar nicht. Wer schon mal eine Low Carb-Diät gemacht hat, dürfte wissen, dass man sich gerade zu Anfang der Diät ziemlich schwach und antriebslos fühlt. Der Körper gewöhnt sich zwar relativ schnell an diese neue Herausforderung und die Pfunde purzeln, aber ein Spieler wie Carmelo Anthony dürfte über eine Saison mit den „Nebenwirkungen“ mehr zu kämpfen haben als beispielsweise LeBron James. James verfügt über außergewöhnliche körperliche Eigenschaften und Energiereserven. Carmelo ist ohne Frage ein Top-Athlet, aber eben nicht auf dem körperlichen Niveau eines James. Dennoch könnte beiden Athleten dieser Jojo-Effekt zu Gute kommen. 

Wenn man davon ausgeht, dass beide Athleten diese Art der Ernährung nicht über eine komplette Saison halten wollen, sondern den Körper über die Offseason nur „entgiften“ und auf die kommende Saison vorbereiten wollen, könnte sich das sogar als ziemlich kluger Schachzug herausstellen.
Viele Bodybuilder nutzen die Low Carb-Diät ähnlich, aber aus anderen Beweggründen und in anderer Reihenfolge: In der Offseason wollen die meisten Wettkampfbodybuilder vor allem an schierer Masse zulegen, um so viel qualitative Muskelmasse wie möglich hervorzubringen. Vor einem Wettkampf möchten sie dann so trocken und prall wie möglich werden. Sie gehen in eine Diät (ob metabol/low carb oder andere ist da nebensächlich), essen noch disziplinierter, stellen ihr Training um und erhöhen die Cardio-Einheiten. Kurz vor dem Wettkampf gibt es die Ladephase, in der dem Körper mit jeder Mahlzeit geregelte Mengen an Kohlenhydraten zugeführt werden, um die Muskeln nochmal mit Energie zu versorgen.
Wenn man das nun mit diesem theoretischen Szenario vergleicht, drehen LeBron und Anthony diese Methode nur um und nutzen die Diät anders: Aus jeder Diät kann man ausschleichen, so auch aus der Low Carb-Diät. Führt man dem Körper nun kurz vor Saisonbeginn langsam wieder die passenden Kohlenhydrate zu, könnte es passieren, dass beide Spieler nicht nur weiter an Muskelmasse gewinnen, sondern auch die, durch die Diät, erhöhte Schnelligkeit und Agilität beibehalten werden kann.
Die Belastung in der Saison ist für disziplinierte Spieler zu groß, als dass sie wahnsinnig viel Fett ansetzen könnten, das lässt alleine der straffe Spielplan nicht zu, also würde die Masse zwar wiederkommen, aber nicht in dem Ausmaß, wie es vorher der Fall war. Sowohl James als auch Anthony würden dem jeweiligen Gegenspieler also ein völlig neues Paket vor die Füße stellen. Die gewohnte Kraft dieser beiden Ausnahmeathleten gepaart mit neu gewonnener Schnelligkeit, Agilität und Ausdauer würde jeden Defensivkoordinator vor eine noch schwierigere Aufgabe stellen.

“That’s absolutely what needs to be done,” said Robb Wolf, a biochemist and author of “The Paleo Solution: The Original Human Diet.” He feels that all athletes who operate at what he describes as a “high level” require extra carbs “to be able to function optimally – potatoes, some sweet potatoes, some white rice.”

Fazit

Dem pfiffigen Leser dürfte aufgefallen sein, dass auch dieser Artikel ein wenig in Spekulationen abdriftet und die Aussage zu Anfang wieder bestätigt: In der Offseason bedient man sich solcher Themen.
Eigentlich stellt das auch kein Problem dar, wenn jeder etwas zu einem bestimmten Thema beizusteuern hat und nicht das wiederholt, was schon längst gesagt wurde. Niemand außer LeBron James und Carmelo Anthony selbst weiß, warum genau sie diese Art der Ernährung gewählt haben, aber wenn man ein bisschen hinter die Kulissen schaut, kann man mehr als nur eine angebliche Umgehung der WADA-Tests erkennen. Ob dies ein neuer Trend für die Saison sein wird? Warten wir die Mitte der Saison einfach ab.

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