Los Angeles Lakers, Orlando Magic, Portland Trail Blazers

Welches NBA-Team hatte die schlechteste Offseason?

3-on-1 Fastbreak #14

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Wir haben die Mitte der NBA-Saison überschritten. Grund genug für uns, auf unsere Prognosen zu Saisonbeginn zu schauen. Wir schauen also zurück zu unserer Bewertung der Offseasons. Welche Teams haben laut der Redaktion denn bisher die schlechteste Offseason gehabt?

Dennis Spillmann: Zugegeben, die Los Angeles Lakers machen es einem leicht. Als wir noch weit vor der Saison das erste Mal überlegten, welche Teams die schlechteste Offseason absolviert hatten, wurden sie genannt. In der Preview zu den Lakers wurde sich abermals kritisch geäußert. Dann begann die Saison und die Lakers kamen hervorragend aus den Startlöchern: von den ersten 20 Spielen konnte man zehn für sich entscheiden. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt versucht ein Resümee zu ziehen, wäre vor allem Coach Walton gelobt worden, der aus einer Mischung aus vielen, jungen Spielern und Veteranen ein scheinbar ordentliches NBA-Team formen konnte. Nick Young sieht aus wie ein richtiger NBA-Spieler und verteidigt; Clarkson von der Bank zu bringen, erweist sich als gute Entscheidung; Ingram kann sich in aller Ruhe entwickeln.

Von den nächsten 25 Spielen konnten die Lakers gerade einmal fünf für sich entscheiden und wir reden wieder über Deng, Mozgov Gehältern, Verantwortung und Spielzeit. Die Lakers haben nicht nur das Problem, dass sie nicht erfolgreich sind, sondern sehen sich vor allem vor die Herausforderung gestellt, dass sie in den nächsten Jahren ohne signifikanten Cap Space arbeiten müssen. Dabei waren die Voraussetzungen vor der letzten Saison sehr gut: Der Vertrag von Kobe Bryant würde in einem Jahr auslaufen und man hatte mit Randle, Russell und Clarkson bereits junge Spieler im Kader, die man austesten konnte. Aufgrund der Abschiedstournee Bryants fand dies aber de facto nicht statt. Dementsprechend musste man – ohne genug getestet zu haben – Clarkson verlängern und gleichzeitig den singulären Fall des riesigen Cap Sprungs nutzen. Da man aber kein Gerüst für die Post-Kobe-Ära besaß, da es

wichtiger war, seinen Franchise Player mit Würfen zufrieden zu stimmen, entschied man sich, Teamfits zu signen, die die offensichtlichen Schwächen bisher aller junger Spieler kompensieren sollten: die Defense. Weder Russell noch Clarkson oder Randle hatten zu diesem Zeitpunkt gezeigt, dass sie in der NBA anständig verteidigen konnten. Unter diesem Blickwinkel waren die Signings von Mozgov und Deng sinnvoll, da mit beiden assoziiert wird, dass sie eine Defensive ankern bzw. mittragen können. Zum jetzigen Zeitpunkt stellen die Lakers die schlechteste Defense der Liga, obwohl man auf Mozgov und Deng setzt und diese viel Spielzeit bekommen.

Was im Vorfeld noch nicht prognostizierbar war, war die Wurfverteilung und damit die Verantwortung auf dem Feld. Intuitiv hätte man sich gewünscht, dass Walton Lineups mit dem jungen Kern um Russell, Clarkson, Randle und Ingram ausprobiert. Dies könnte man mit Mozgov oder Deng als fünftem (primär verteidigenden) Mann füllen, um zu testen, ob es Möglichkeiten gibt, die Young Guns zusammen aufs Feld zu schicken. Das ist in der gesamten Saison in 90 Minuten passiert. Prozentual nimmt Lou Williams die meisten Würfe in einem Team, das spätestens jetzt nur noch entwickeln sollte. Auch Nick Young darf (zu) viele Würfe nehmen, während Brandon Ingram zwar viele Minuten, aber kaum Würfe bekommt.

Die Offseason der Lakers ist deshalb bisher die schlechteste aller Franchises, weil sie zum einen Spieler ins Team brachte, die in ihrem Aufgabenfeld keinerlei Unterstützung brachten, und zudem Spieler nicht getradet wurden, die nun zu viele Würfe nehmen, obwohl der junge Kern – vor allem Ingram – diese Erfahrung benötigt. Zum anderen war man sich darüber einig, dass die getätigten Verpflichtungen am ehesten in dieser Saison sportlich noch helfen könnten, aber mit jeder weiteren Saison das Salary Cap noch mehr belasten. Das Fenster für smarte Moves betrug zwei Jahre, weil ab dann jährlich Vertragsverlängerungen der Rookie-Verträge (2018 Randle, ’19 Russell, ’20 Ingram) anstehen werden. Stand heute sind die Lakers nahezu manövrierunfähig, da man sehr wahrscheinlich seine Erstrundenpicks 2017 und 2019 abgeben muss.

Julian Lage: Meyers Leonard: 41 Millionen über vier Jahre. Evan Turner: 70 Millionen, ebenfalls über vier Jahre. Allen Crabbe: Knapp 75 Millionen, wiederum über vier Jahre, als Bonus aber noch mit 15% Trade Kicker. Allein diese drei Verträge sind an sich Argumente genug, die Offseason der Portland Trail Blazers als die mieseste einzustufen. Insbesondere die Verpflichtung von Turner war von Anfang an unerklärlich. Mit jetzt 28 Jahren geht der Wing sicher nicht mehr als junges Talent durch, der für seine Upside verpflichtet wurde. Allerdings würde man bei durchschnittlich gut 17 Millionen Dollar im Jahr einen wirklich produktiven Win Now-Spieler erwarten – stattdessen kann Turner keine Saison mit überdurchschnittlichem Offensivrating vorweisen, dafür diverse Jahre mit miserablen Wertungen in praktisch allen Plus-Minus-basierten Statistikmodellen. Im Fall Crabbes lässt sich immerhin noch das Offer Sheet der Nets als Entschuldigung anführen, außerdem ist er wie auch Leonard immerhin erst 24. Trotzdem können auch die deutlich besser wirkenden Verträge von Mo Harkless (40 Millionen über vier Jahre) und C. J. McCollum (4-Jahres-Extension über etwa 106 Millionen Dollar) die Blazers-Offseason nicht viel besser aussehen lassen: Rein isoliert betrachtet sind die drei oben genannten Verträge schlicht so schlecht, dass sie jede Franchise auf Jahre massiv einschränken würden.

Die Situation der Blazers macht die Entscheidung von GM Neil Olshey etwas verständlicher, sorgt aber gleichzeitig für noch mehr Probleme. Ziel im Sommer war es offensichtlich, den Salary Cap so gut wie möglich auszunutzen, bevor die eigenen Restricted Free Agents mit ihren niedrigen Cap Holds gehalten wurden. Mit brauchbaren Verträgen ist dieses Vorgehen sinnvoll, wie etwa die Spurs mit Kawhi Leonard demonstriert hatten. Die Blazers banden sich so allerdings auf Jahre praktisch an den aktuellen Kader: Free Agency-Verpflichtungen sind aufgrund des überstiegenen Salary Caps nur über Exceptions möglich. Trades lassen sich schwer durchzuführen, wenn fast alle Spieler entweder wichtiger Teil des Teams oder überbezahlt sind. Hohe Draft-Picks kann man ebenfalls nicht erwarten – und dürften auch kaum das Ziel solcher Investitionen darstellen. Diese Situation ist mehr oder weniger bis 2020 (!) festgezurrt: Selbst für die Saison 2019/20 sind bereits ungefähr 116 Millionen Dollar an Gehältern garantiert. Aktuell übertrifft nur eine Franchise, die Cavs, überhaupt diese Summe, was trotz steigendem Cap die Problematik verdeutlichen dürfte. Die Blazers selbst sind diese Saison mit gut 113 bereits das Team mit der dritthöchsten Payroll.

Ein Blick auf die derzeitige Bilanz des Teams verrät, dass dieses Versprechen von Kontinuität unter aktuellen Bedingungen eher ein Problem ist. Ein echter Contender würde sicherlich gerne das eigene Team halten – davon sind die Blazers mit einer Bilanz klar unterhalb der 50% aber weit entfernt. Selbst der 8. Platz müsste derzeit fast schon als Erfolg verbucht werden. Rückblickend wird so deutlich, was schon zeitgleich die Euphorie um die Blazers bremste: Die Erfolge der letzten Saison lassen sich auf eine Verkettung überraschender Faktoren zurückführen. Dass Portland überhaupt den 5. Platz erreichte, verdankten sie auch der schwächelnden Konkurrenz: Die Mavs waren durch das DeAndre Jordan-Debakel nur begrenzt wettbewerbsfähig, während die Grizzlies und Rockets mit massiven Verletzungsproblemen beziehungsweise Unruhen im Team zu kämpfen hatten. 2014/15 hätte eine 44-38-Bilanz im Westen nicht einmal für die Playoffs gereicht. Der fünfte Platz 2015/16 bedeutete für Damian Lillard und Co. dann das Matchup gegen die Clippers, das die Blazers vor allem dank der Ausfälle von Chris Paul und Blake Griffin gewannen. Anschließend gegen die Warriors sah Portland wohl auch wegen Steph Currys Verletzungsproblemen besser aus als erwartet.

Somit wirkt die Offseason wie eine Überreaktion auf die überraschenden Erfolge eines gar nicht mehr so jungen Teams – Harkless ist derzeit mit 23 der jüngste Rotationsspieler. Noch gar nicht erwähnt wäre dann allerdings, dass die Verpflichtungen gleichzeitig noch Team-Fit-Probleme aufweisen: Wozu in Turner einen Spieler mit Stärken quasi ausschließlich im Ballhandling, wenn in Lillard und McCollum zwei hervorragende Playmaking-Optionen zur Verfügung stehen? Wieso insgesamt vier Verträge mit 15 bis 30 (!) Millionen Dollar pro Jahr nur für die kleinen Positionen? Wieso praktisch nur Verpflichtungen mit Schwächen in der Defense, nachdem das Team schon letztes Jahr nur Rang 20 im DRtg erreichte (aktuell: 28.)? Letztendlich über die ‚Konkurrenten‘ in diesem fragwürdigen Award hebt sie allerdings der Punkt, dass die Blazers vor der letzten Offseason in einer eigentlich sehr komfortablen Lage waren: Keiner der eigenen Free Agents musste unbedingt bezahlt werden, keine Position zwingend verstärkt – aus diesen Bedingungen hat Olshey das wohl schlechteste realistisch mögliche Ergebnis hervorgeholt.

Marc Petri: Spätestens mit der Verpflichtung von Serge Ibaka während der Draft 2016 wurde die Marschroute der Orlando Magic für die Spielzeit 2016-17 deutlich. Zum ersten Mal seit dem Abgang von Dwight Howard wollten die Orlando Magic in der laufenden Spielzeit in die Playoffs einziehen. Aktuell steht man mit einer Bilanz von 17 Siegen und 27 Niederlagen 4.5 Spiele hinter den Playoff-Rängen und der aktuelle Trend sollte allen Anhängern der Magic wenig Hoffnungen bereiten, dass sich der Abstand in den kommenden Wochen verringern könnte. Zwar ist Ibaka in dieser Spielzeit in Summe der beste Spieler der Orlando Magic, da man aber die Zielsetzung, welche mit seiner Verpflichtung verknüpft war, vermutlich nicht erreichen wird, kann man in der Retroperspektive von einem Trade sprechen, der nicht den erwünschten Effekt hatte. Da sein Vertrag im kommenden Sommer ausläuft, besteht nun die Gefahr ihn im Sommer zu verlieren, daher wäre es nicht verwunderlich, wenn die Orlando Magic in den kommenden Wochen aktiv werden und Ibaka zum höchstmöglichen Gegenwert wieder abgeben. Vermutlich werden die Orlando Magic keinen Spieler der Qualität eines Victor Oladipos und einem Lottery-Pick bekommen.

Nachdem Bismack Biyombo in den vergangenen Playoffs für die Toronto Raptors – vor allem in den Conference Finals gegen die Cleveland Cavaliers – groß auftrumpfte, bezahlten die Orlando Magic einen hohen Preis um den vermutlich 24 Jahre alten Centers aus der Demokratischen Republik Kongo nach Central Florida zu lotsen. Ganze 72 Mio. USD  wird Biyombo in den kommenden vier Spielzeiten verdienen. Der sportliche Output ist bisher jedoch desaströs. Weder offensiv noch defensiv funktionieren die Kombinationen mit ihm und Ibaka oder Vucevic und zur großen Überraschung sieht die Defensive der Magic am besten aus, wenn Biyombo auf der Bank sitzt.  Auch wenn es nicht das erste Mal wäre, dass ein Spieler mehrere Monate benötigt um sich an ein neues Spielsystem und eine neue Umgebung zu gewöhnen, scheint es aktuell so, als hätte der neue Vertrag von Biyombo das Potential, einer der schlechtesten der Liga zu sein. Besonders bitter für die Magic ist, dass man freiwillig auf die Dienste von Dewayne Dedmon verzichtete (die Magic zogen nach der Verpflichtung von Biyombo die Qualifying Offer zurück; Dedmon unterschrieb für 6/2 bei den Spurs) und jener in dieser Spielzeit genau die Leistungen zeigt, welche man sich von Biyombo erwünscht hätte.

Auch Jeff Green (15/1) und DJ Augustin (29/4) haben Ihren Anteil an dem bisher enttäuschenden Abschneiden der Magic und konnten die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Da auch Evan Fournier (85/4) eine schlechtere Spielzeit spielt als in der Saison 2015-16 bleibt die Suche nach einem positiven Effekt des vergangenen Sommers erfolglos. In Anbetracht der Tatsache, dass man schon vor der vergangenen Offseason den Rebuild abbrach und jetzt noch immer weit von den sportlichen Ansprüchen entfernt ist und man zudem nun finanziell nicht mehr flexibel ist, war die Offseason der Orlando Magic die schlechteste aller NBA-Teams.

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