Dallas Mavericks

Der gute Start der Mavs

Muss man sie nun ernst nehmen?

Muss man sie nun ernst nehmen?

Zu alt, zu verletzt, zu unathletisch – In der Offseason konnte man wenig über die Mavericks lesen, was Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison machte. Dirks Auftritt bei der EM im eigenen Land legte die Vermutung nahe, dass die Saison 15/16 in der NBA eher noch schwächer wird und man kein bounceback year erwarten sollte. Dazu kam statt des athletischen DeAndre Jordan schlussendlich nur der als Notnagel empfundene Zaza Pachulia. Mit Deron Williams holte man zwar einen (ehemals) großen Namen nach Dallas und mit Wes Matthews einen großartigen Allrounder, beide Verpflichtungen waren jedoch mit Fragezeichen versehen. Schaut man sich nun noch an, dass der viel gescholtene Raymond Felton 25 Minuten pro Spiel sieht, ein Barea 20 Minuten ran muss und ein Parsons noch durch begrenzte Spielzeit geschont wird, kommt unweigerlich die Frage auf, wie dieses Team nach 13 Spielen auf Platz 3 im Westen lag und über 60% seiner Spiele gewinnen konnte. Mittlerweile steht man zwar “nur” noch bei 9-7, aber dennoch warf der gute Start der Mavs einige Fragen auf. In der Folge wird auf einige Faktoren eingegangen, weshalb die Mavs überraschend gut gestartet sind.

Rick Carlisle  

CarlisleDen Coach kann man gar nicht oft genug für seine fabelhafte Arbeit bei den Mavericks loben und deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass sein Vertrag erst kürzlich bis 2022(!) verlängert wurde. Auch in diesem Jahr wird seine Klasse ersichtlich, wenn man sich vor Augen führt, dass er bislang eine durchaus stabile Defensive (DRtg 102.7; 11 von 30) um eine Starting Five, bestehend aus Dirk Nowitzki und Deron Williams, installieren konnte. Noch erstaunlicher erscheint zudem auf den ersten Blick, dass dies sogar funktioniert, obgleich ein athletischer Center als Gegenstück zum immer langsamer werdenden Nowitzki fehlt; man bemühte sich schließlich nicht ohne Grund um DeAndre Jordan. Dessen Hin und Her überschattete die Offseason der Mavericks. Nach seiner Absage sah Cubans Team mal wieder wie ein Verlierer des Sommers aus, schließlich gelang es zum wiederholten Male nicht, einen begehrten Free Agent nach Texas zu holen. Aktuell könnte konstatiert werden, dass gerade diese Absage erst die gelungene Offseason der Mavs einläutete, weshalb ein erneuter Blick darauf lohnt.

There is no I in Team…

Mit diesem, zugegeben größtenteils abgenutzten, Satz lässt sich die Veränderung der Mavs in diesem Sommer wohl am treffendsten zusammenfassen. Nachdem letztes Jahr zwar Rajon Rondo ertradet wurde, der theoretisch für selbstloses Spiel steht, aber faktisch durch egozentrische Attitüden auffiel, konzentrierte man sich diesmal auf Spieler, die nicht ausschließlich einen Assist als teamdienliches Verhalten auf dem Basketballcourt verstehen.
Obgleich den Verpflichtungen von Wesley Matthews und Deron Williams deutlich mehr Beachtung geschenkt wurde, so kann man festhalten, dass Zaza Pachulia bislang der überzeugendste Neuzugang in Reihen der Mavs darstellt. Mit fast einem Double-Double (10,4/9,4) im Schnitt spielt er seine individuell beste Saison. Doch Pachulias Leistung kommt nicht von ungefähr, denn obgleich die Milwaukee Bucks Zaza einfach nur loswerden wollten, um Platz zu schaffen, überzeugte er schon im letzten Jahr, was die Advanced Stats belegen. 

Die Offseason der Mavs bzw. die daraus resultierenden Leistungen in dieser Saison können durchaus als Plädoyer für das (vielgescholtene) RPM gesehen werden oder vielleicht sogar als Indiz dafür, dass die Mavs in diesem Sommer auf diese Metrik bei der Verpflichtung von Spielern geachtet haben. 

 RPM (Platzierung)ORPMDRPM
Zaza Pachulia +4,8 (Center: Platz 2)1,383,42
Wesley Matthews+3,65 (SG: Platz 6)1,382,27
Deron Williams +1,91 (PG: Platz 16)2,36-0,45
Jeremy Evans+0,89 (SF: Platz 19)0,170,72
JaVale McGee1,2 (Saison 12/13)-0,31,5

Die Zahlen von Pachulia und Matthews überraschen nicht und Evans sowie McGee müssen noch ihre positiven Zahlen bestätigen, aber von Interesse dürfte vor allem der positive, wenn auch nicht elitäre, RPM-Wert von Deron Williams sein. Demnach sehen wir aktuell nicht etwa eine Wiederauferstehung vom ehemaligen Allstar, sondern vielmehr die Bestätigung seines positiven Einflusses unter deutlich besseren Bedingungen im Gegensatz zu seiner Zeit in Brooklyn. 

Vorzeichen umgedreht

Viele Experten hätten einen guten Start, vor allem, wenn man sich die schwache Preseason ins Gedächtnis ruft, nicht erwartet. Einerseits wurden 3/5 der Startformation verändert, wodurch eine Eingewöhnungszeit vorausgesetzt wurde, und andererseits wurden neben dem schon älteren Dirk Spieler geholt, die zumindest gefühlt als alte Spieler gelten oder konkret in Person von Deron Williams ihre beste Zeit klar hinter sich haben. Dazu stand und steht die Spielzeit von Matthews sowie Parsons auf wackeligen Beinen. Bislang merkt man jedoch nur die positiven Effekte des vermeintlich alten Teams, nämlich, dass dort ein erfahrene Fünf auf dem Feld im Verbund mit dem erfahrenen Coach steht, die eben aufgrund dieser Erfahrung keine große Eingewöhnungszeit braucht. Des Weiteren ist das Team höchstens gefühlt wirklich alt, denn nur zwei Spieler (Harris und Dirk) sind älter als 31 Jahre (ja, auch wenn es verwundern mag: Zaza ist “erst” 31). Neben den Neuzugängen ist ein weiter positiver Faktor Dirk Nowitzki, der bislang aberwitzige Quoten wirft (52,7% FG, 51,0% 3er, 90,2% FT) sowie Dwight Powell, der vor allem am Brett ordentlich aufräumt und jedem noch so aussichtslosen Ball hinterhergeht.  

Nicht alles Gold, was glänzt…

Trotz des überraschenden Starts und der oben genannten Faktoren, die ein wenig den Erfolg der Mavs begründen, muss aber auch die Aussagekraft der bisherigen Spiele kritisch hinterfragt werden. Die Mavs hatten bis zum Spiel in Memphis das viertleichteste Schedule der gesamten NBA, wobei das SOS zu Beginn der Saison noch mit Vorsicht betrachtet werden muss. Einerseits waren beeindruckende Siege dabei, wie etwa der Sieg gegen die Clippers, bei den Rockets ohne Nowitzki/Parsons/Matthews sowie Siege gegen die Playoff-Aspiranten Utah und Phoenix. Andererseits waren auch schon Niederlagen gegen die Hornets und bis dato sieglosen Pelicans dabei.

Darüber hinaus lässt sich nicht ignorieren, dass viele Teams, gegen die man antrat, einen unerwartet schwachen Start (Clippers, Rockets, Pelicans) hatten und davon auszugehen ist, dass diese – vor allem die Rockets und Clippers –  die Mavericks schnell einholen könnten. Die Niederlagen zuletzt bei Oklahoma, Memphis und San Antonio kamen sicherlich nicht überraschend, insbesondere ein Spiel in San Antonio back-to-back kann man verlieren, dennoch zeigen diese Spiele, dass der exzellente Start über die wahre Leistungsfähigkeit der Mavs wohl hinwegtäuscht. Auch bleibt abzuwarten, ob Nowitzki seinen Impact über die gesamte Saison aufrecht erhalten kann.
Trotzdem ist auch bei den Mavs noch etwas Luft nach oben, wenn man bedenkt, dass die wichtigsten Flügelspieler Matthews und Parsons gesundheitsbedingt noch im Sparmodus agieren müssen. Im Idealfall werden die Mavs sicherlich nicht nochmal in die Top 4 im Westen vorstoßen, dennoch haben sie gezeigt, dass eine positive Bilanz am Ende der Saison und damit ein Playoffplatz möglich, wenn nicht sogar realistisch scheint. 

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