Dallas Mavericks, Gedanken

Carlisles Rotations-Roulette

Die Dallas Mavericks werden in dieser Saison die Meisterschaft nicht gewinnen. Diese Aussage dürfte nicht weiter verwundern oder große Empörungsstürme entfesseln.  Dabei waren die Mavericks richtig gut in die Saison gestartet, Dirk Nowitzki schießt unglaubliche Quoten aus dem Feld, doch so richtig traut niemand den Mavs zu, in der Postseason Erfolge zu feiern. Das liegt zum einen an der Verletzung von Caron Butler, der langen Ausfallzeit von Rodrigue Beaubois und dadurch dem Fehlen einer zweiten Scoring-Option. Zum anderen ist aber auch festzustellen, dass die Mavericks ein Team sind, das vom Jumpshot lebt und keine hochprozentige Option unterm Korb vorweisen kann.

Die (fehlende) Rotation

Aber all das ist aus meiner Sicht gar nicht so entscheidend für den Erfolg. Man hat zwar zu wenig individuelle Klasse im Kader, aber die Spieler sind bis auf Beaubois alle erfahren und haben sich in der Liga bewiesen. Wenn man eine Rotation finden würde, die funktioniert, die sich einspielt, kann man auch als Kollektiv ein schwer zu schlagendes Team sein. In der letzten Saison haben das die Oklahoma City Thunder bewiesen, die anhand von herausgebildeten Automatismen eine hervorragende Saison spielten und auch die Los Angeles Lakers in der ersten Runde forderten. Das Geheimnis neben der individuellen Klasse von Russell Westbrook und Kevin Durant? Rollenspieler, die wussten, was sie auf dem Feld machen sollten und die wussten, wann sie eingewechselt wurden. Wie hält dies Rick Carlisle, der mit Stojakovic, Brewer und Beaubois praktisch drei Neuzugänge in der Saison zu verzeichnen hatte?

“I’d like to get something consistent going,’’ Carlisle said before Thursday’s game against Minnesota. “I don’t know that we’re going to an exact rotation at any point.”

Verwunderlich ist das nicht. Carlisles Philosophie sieht seit jeher vor, dass er den Spielern Spielzeit gibt, die gerade das heiße Händchen haben und so für das Team produzieren können. An sich ist diese Einstellung natürlich eine legitime Handhabung, um das Beste aus dem Team herauszuholen. Carlisle sagt auch weiter:

“I think we know who our nine or 10 main guys are. With the value of the guys and the depth of our roster I don’t see us getting to an eight-man rotation or anything like that. I think we’re going to be playing nine guys with the other few guys stepping in and playing.’’

Carlisle bleibt also weiterhin bei seiner Coaching-Philosophie. Er möchte die tiefe Bank nutzen, auch in den Playoffs. All das ist per se kein Problem. Entscheidend ist für mich die Aussage, dass er keine Rotation etablieren möchte. Er möchte nicht, dass es feste Systeme gibt, die durchlaufen werden. Dies ist aber auch schon in der Regular Season zu beobachten, wo Carlisle bisher in 71 Spielen 19 verschiedene Starting Lineups präsentierte. Natürlich ist dies auch den Verletzungen geschuldet, aber auch die Chicago Bulls hatten beispielsweise Ausfälle von Noah, Boozer und Rose. Sie kommen auf acht verschiedene Lineups. Carlisle bastelt ständig an seiner Aufstellung. So wechselte er nach sechs Spieltagen zum ersten Mal seinen Starting Shooting Guard von Jason Terry zu DeShawn Stevenson. Auf Small Forward liefen mit Butler, Marion, Stevenson, Pavlovic, Stojakovic und Brewer schon sechs verschiedene Starter auf. Nochmals: es gab  Verletzungen, die Umstellungen notwendig machten. In diesen Ausmaßen waren sie es aber sicher nicht. Die Folge? Shawn Marion versteht bis heute nicht seine Rolle im Team, weil unklar ist, ob er von der Bank kommen soll oder startet.

“We got to decide on what we’re going to do. We got to make decisions. It’s not my choice to make. But he (Rick Carlisle) has to. And everybody still has to be ready, because you just never know.’’

Die Spieler werden durch die nicht vorhandene Rotation Carlisles zusätzlich unter Druck gesetzt. Sie müssen immer bereit sein, dürfen aber auch keine Fehler begehen, weil sie sonst wieder auf die Bank wandern. In der Regular Season mag das klappen. Man hält die Konzentration und Spannung. Man will sich in jedem Spiel dem Coach aufdrängen.

Doch was geht dabei verloren? Man entwickelt keine Automatismen. Man muss sich seine Rolle auf dem Feld erst wieder vergegenwärtigen, weil man auf seine Mitspieler achten muss. Man weiß auch letztlich nicht, ob und wie viel Spielzeit man überhaupt erhält. Startet man? Neben wem befindet man sich größtenteils auf dem Feld? Dies alles fördert nicht gerade das Selbstbewusstsein des Spielers. Sicherlich haben einige Spieler genug Selbstbewusstsein, weil sie entweder intrinsisch dieses entwickelt haben oder vom Coach nicht übergangen werden können. Aber letztlich ist Basketball ein Mannschaftssport, wo jeder Rollenspieler sich wohl fühlen muss, um das Optimum herausholen zu können. Carlisle torpediert dies geradezu. Er probiert die gesamte Saison über etwas aus, lässt die Spieler im Ungewissen über ihre Rolle und erwartet dennoch Spitzenleistungen.

Zudem sollte auch beachtet werden, wie dies nach außen hin auf den Gegner wirkt. Letztlich modifiziert Carlisle seine Starting Lineup – und passt sie mitunter dem Gegner an. Das hat zur Folge, dass der Gegner sein Spiel spielen kann, weil Dallas versucht, mit den Adjustments von Carlisle sich dem Stil anzupassen oder ihn zu verhindern. Was übrig bleibt, ist der Gegner, der seine eingespielten Systeme aufziehen kann und damit im Zweifelsfall einen Vorteil daraus zieht. Aber auch für das eigene Team ist es nicht gerade ein Vertrauensbeweis, wenn Carlisle sich indirekt gegen dieses ausspricht, weil er mit dauernden Veränderungen andeutet, dass er dem Team, so wie es bisher auflief, nicht zutraut, den Gegner zu besiegen.

Fazit

Genau deshalb wird Dallas nicht nur nicht Meister, sondern hat auch keine realistische Chance, die Western Conference Finals zu erblicken. Sollten die Mavericks dieses jedoch schaffen, indem sie die Los Angeles Lakers in der zweiten Runde schlagen, dann haben sie dies nicht wegen, sondern trotz Rick Carlisle geschafft, der dem Team keine Systeme und nach außen hin keine Identität verpassen kann. Letztlich kann man die fehlende individuelle Klasse der Mavericks wieder vorschieben, die nicht ausreichte, um den wahrscheinlichen Finalisten aus der Western Conference zu schlagen. Aber wie oft scheiterte Rick Carlisle denn mit Dallas am Finalteilnehmer aus dem Westen? Genau, kein einziges Mal.

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