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Wer sollte MVP 2015 werden?

And One-Ausgabe #9

And One-Ausgabe #9

Steph Curry ist der beste Spieler im besten Team der Liga. Natürlich gehört er in die MVP-Konversation. Neben dem Ballhandler der Golden State Warriors haben unsere Redakteure und Gast Torben Siemer von NBA News Deutschland und dem NBAchef aber weitere würdige Kandidaten auf die folgende Frage gefunden: 

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Torben Siemer (NBA News Deutschland): 26.0 Punkte, 5.7 Rebounds, 7.3 Assists und 1.6 Steals pro Spiel. Wurfquoten von 48.8 Prozent aus dem Feld, knapp 34 Prozent bei fünf Versuchen von jenseits der 7.24m-Linie und 71.5 Prozent von der Freiwurflinie bei durchschnittlich 8.1 Versuchen. Das Team dieses Spielers steht auf einem Top drei-Platz in seiner Conference, die Playoffs sind laut der Berechnungen von Stats-Guru John Hollinger gesichert.

Das All-Star-Break ist Geschichte, die NBA macht sich bereit für den Schlussspurt um gute Ausgangspositionen für die Postseason. 20 Spiele sind pro Franchise noch zu absolvieren. Die begehrten Regular Season-Awards werden immer öfter diskutiert, vor allem der Maurice-Podoloff-Award wird stark umworben. Es geht hier um den MVP, den Most Valuable Player.

Die Kriterien für die Auszeichnung als wertvollster Spieler werden oft und ausführlich diskutiert, bleiben am Ende aber dennoch zu einem guten Teil unklar: Geht es um den besten Spieler der Liga? Den besten Spieler des besten Teams? Den Spieler, der für sein Team unverzichtbar ist? Die Vergangenheit zeigt – außerhalb der Playoffs hat kein Spieler eine Chance auf die Auszeichnung, ein Top 5-Seed muss schon mindestens her.

Der oben durch seine Stats beschriebene Spieler legt laut Basketball-reference in dieser Saison ein Offensiv-Rating von 111 auf. Seine Usage-Rate liegt bei 33.5 Prozent und gehört damit zur Ligaspitze. Ich habe mir mal, ebenfalls bei bball-ref, die On-Off-Stats angesehen: In 1922 Minuten dieser Saison stand er auf dem Feld, in 1160 Minuten musste sein Team ohne ihn auskommen. Die dabei auftretenden Unterschiede sind eklatant – mit ihm gehört das Team in der Offensive zur Elite der NBA, 115 Punkte erzielen sie dort auf 100 Angriffe gerechnet. Ohne? 103.7. Mit ihm erzielt man ein Defensivrating von 104.7. Ohne? 110.2. Daraus ergibt sich ein Umschwung des Net-Ratings von 10.5 auf -6.4, insgesamt also eine Veränderung von 16.9 Punkten. Die vielleicht entscheidende Statistik aber ist eine für viele recht simple. Mit ihm steht das Team bei einer Bilanz von 38-16 oder eine Erfolgsquote von 70.7 Prozent. Auf 82 Spiele gerechnet wären das knapp 58 Siege. Ohne ihn verlor man neun von elf Spielen. Die Siegquote läge dort bei 18.1 Prozent, knapp 15 Siege bei 82 Spielen. Klar, die Sample Size hier ist klein und dennoch aussagekräftig – ohne LeBron James läuft es bei den Cavaliers nicht.

Mutig ist die Aussage nicht, die Rede ist hier immer vom aktuell besten Spieler der Post-Jordan-Ära, vom insgesamt wohl immer noch dominantesten Spieler der Welt. Dennoch tauchen in den MVP-Diskussionen zumeist die Namen Stephen Curry, James Harden und Russell Westbrook auf.

Warum? LeBron James hat den Award vier Mal in fünf Jahren gewonnen, auch die fünfte Trophäe hätte er verdient gehabt. Im Vorjahr wurde hinter Kevin Durant Zweiter in der Abstimmung, mit der Wahl beider hätte man wenig falsch gemacht. LeBron James gehört auch in diesem Jahr ohne Zweifel in die Diskussion um den MVP-Award, warum also wird sein Name dort ungewöhnlich selten genannt? Er spielt eine im Vergleich mit seinen letzten Jahren schwache Saison. Und gehört in meinen Augen dennoch jährlich ins MVP-Race. Weil er die Messlatte in den vergangenen Spielzeiten schlicht unfassbar hoch gelegt hat.

Julian Lage: Der MVP-Award ist der Wortbedeutung zufolge keine Auszeichnung für den besten, sondern für den ‚wertvollsten‘ Spieler der Liga. Daher ist es naheliegend, zu fragen, wie die Teams ohne die jeweiligen MVP-Kandidaten wohl aussähen. Wie schon letzte Woche in einem anderen Zusammenhang beleuchtet, sind die Rockets so abhängig von ihrem Star James Harden wie kein vergleichbares Team. Der beste Punktesammler der Liga hat nicht nur den vergleichsweise größten Anteil an den Teampunkten. Aauch in diversen anderen Statistiken führt Harden sein Team klar an: Mit 60,8 % TS steht er fast 3% vor dem nächstbesten Dwight Howard (58,2%), im ORtg sind es 5 Punkte vor Terrence Jones (114) – wobei Howard und Jones jeweils nur etwa die Hälfte der bisherigen Spiele absolviert haben. Harden ist auch gleichzeitig der primäre Spielmacher der Rockets, was 35,6 % Assist-Rate gut zeigen: Jedem dritten Korb, den seine Kollegen erzielen, geht ein Harden-Assist voraus.

Prozent Scoring

Besonders auffällig wird die Bedeutung von Harden durch die diversen Stats, die versuchen, das ganze Spiel in eine Zahl zu packen: Von PER über Win Shares und VORP bis zu BPM/RPM liegt Harden mannschaftsintern mit teilweise absurden Abständen an der Spitze. Während für den Mann mit Bart all diese Zahlen Superstar-Werte aufweisen, bleibt der Rest des Teams auf Durchschnittsspieler-Niveau. Zwei Beispiele: In BPM ist der Unterschied 8,8 zu 1,4, in RPM 7,8 zu 1,47 (basketball-reference.com bzw. espn.com – siehe auch hier). Wie kürzlich angesprochen, sind diese Daten durch ihre Undurchschaubarkeit mit Vorsicht zu genießen. Die Summe sehr ähnlicher Ergebnisse bestärkt hier aber den Eindruck, den schon die Namen im Roster hinterlassen: Außer Harden und dem verletzungsgeplagten Dwight Howard stehen praktisch nur Rollenspieler im Kader der Rockets.

Bei keinem anderen MVP-Kandidaten ist der Unterschied zum Rest des Teams vergleichbar groß. So schlecht damit Houstons Aussichten für die Playoffs trotz Platz 3 im Westen und 43 zu 20 Siegen sind – Harden trägt ein schlechtes Team und sollte damit stand heute zum wertvollsten Spieler der Regular Season gewählt werden.

Sebastian Hansen: Wenn es um die MVP-Wahl geht, wird oft gefordert, dem besten Spieler des besten Teams den Titel zu geben. Doch warum eigentlich? Basketball ist immer noch ein Teamsport und Russell Westbrook kann nichts dafür, dass die Oklahoma City Thunder in dieser Saison auf eigentlich fast jeden ihrer wichtigen Spieler mehr oder weniger lange verzichten mussten und sich deswegen zur Zeit nur auf Platz 8 im Westen wiederfinden. Auch Westbrook selbst fehlte einige Partien. Doch das, was er zeigte, wenn er denn spielte, kann man getrost als die besten individuelle Leistung der Saison bezeichnen. 27,4 Punkte, 8,1 Assists und 7,0 Rebounds liefert der athletische Guard Abend für Abend ab. Einzig das ORtg von 111 ist nicht ganz auf dem Niveau der anderen Anwärter, doch Westbrooks Effizienz wird durch seine absurd hohe USG% von 38,4 % gedrückt. Fast jeder Angriff der Thunder läuft über ihn, Westbrook ist im Dauerattacke-Modus. Diese Zahlen sehen an sich schon nicht schlecht aus – doch das war noch lange nicht alles. Denn im Februar lief Westbrook in Abwesenheit von Kevin Durant erst so richtig heiß: 31,2 Punkte, 10,3 Assists, 9,1 Rebounds, ORtg 121 bei einer USG% von 37,7%. Einen solchen Monat hat in der langen Geschichte der NBA bisher nur Oscar Robertson abliefern können. Dazu kamen noch 4 Triple Doubles in Folge, die meisten seit einem gewissen Michael Jordan. Die Offense der Thunder mit Westbrook trennen Welten von der ohne. Westbrook schafft es, sowohl sich, als auch seinen Mitspielern durch seine Drives immer wieder Räume zu verschaffen, die dann direkt zum Punkten genutzt werden können. Beispielsweise assistiert der oft als Egoist verschriene Guard fast 48 % der Treffer seiner Mitspieler, wenn er auf dem Feld steht. Allein daran kann man erkennen, wie enorm wichtig Westbrook gerade ohne Durant für die Thunder ist – und wie gut. Aber auch auf die anderen Würfe hat er oftmals durch das Schaffen von Platz maßgeblichen Einfluss. Seine Mitspieler werden durch ihn besser, wie schon einmal im Dezember analysiert. 

Natürlich, Russ hat seine Schwächen. Er ist recht turnoveranfällig und der Dreier sitzt nicht immer so, wie er soll. Niemand ist allerdings perfekt und besser als seine Konkurrenz spielt Russ trotzdem; dazu kommt seine Unersetzbarkeit für OKC. Einzig die Bilanz der Thunder spricht nach der allgemeinen Lesart gegen ihn. Blendet man dies aufgrund der Verletzungen jedoch aus, ist Westbrook ein ganz heißer Kandidat für die wichtigste persönliche Auszeichnung der NBA. 

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