Gedanken

Midseason Awards

1. Neil Olshey (Los Angeles Clippers)

Auch wenn die Saison von Chris Paul, Blake Griffin & Co. bisher hinter den Erwartungen zurück bleibt, hat das Front Office der Clippers 2011-2012 ganze Arbeit geleistet. Vor der Saison angelte man sich Chris Paul (Go-to-Guys berichtete), Chauncey Billups, Caron Butler, Reggie Evans und verlängerte DeAndre Jordan. Allein das hätte Neil Oshley schon zum Favoriten auf den “Executive of the Year” gemacht. Während der Saison holte er zusätzlich zuerst noch China-Rückkehrer und Veteran Big Man Kenyon Martin ins Team, um dann zur Trade Deadline Shooting Guard Nick Young für Brian Cook und einen Zweitrunden Pick abzustauben. Der MIP der Saison 2004-2005 Bobby Simmons feierte zudem ein kleines Comeback bei seinem Ex-Team und gibt dem Team eine weitere Option für den Dreier aus der Ecke.

So wurde Stück für Stück ein konkurrenzfähiges Team um Rookiesensation Griffin aufgebaut. Zuerst gab es in Sachen Co-Star ein kräftiges Upgrade von Eric Gordon auf Paul. Gordon ist beileibe nicht untalentiert und könnte es in der Zukunft das eine oder andere Mal zum All-Star bringen. Doch Paul ist MVP-Kandidat, spielt die wichtigere Position und ist somit ein potentiell kongenialer Partner der Zukunft für Griffin. Ganz davon abgesehen, fiel Gordon bisher fast die gesamte Saison verletzt aus. Olshey konnte die Hornets davon überzeugen, nicht auf den jungen Point Guard Eric Bledsoe zu bestehen. Forward-Talent Al-Faruq Aminu entwickelte sich in New Orleans bisher nicht weiter und Chris Kaman spielte dieselbe Position wie Jordan und wird im Sommer vertragsfrei. Letzteren zu halten sicherte L.A. auf Jahre einen veritablen Starter auf der anderen wichtigen Position im Basketball und zudem einen Spieler, der Griffins Schwächen in der Defense wenigstens etwas kaschieren kann. Sicher, ganz billig ist Jordan nicht, doch um die $10 Mio. pro Jahr scheint sich als Marktpreis für junge, brauchbare Center etabliert zu haben, weswegen das Management auch sofort mit dem Angebot Golden States gleichzogen. Besser hätte es für die Clippers also fast nicht laufen können.

Chauncey Billups gab dem Team viel Erfahrung und Wurfgefahr, bis er sich Anfang Februar unglücklicherweise die Achillessehne riss. Wie wichtig Billups für das Spiel der Clippers war, zeigt die Tatsache, dass sie ohne ihn noch nicht einmal mehr ein .500-Team sind (13-14 seit dem 6.2.). Auch Caron Butler passt eigentlich gut ins Teamgefüge, verlor allerdings ungefähr zeitgleich mit Billups’ Verletzung seinen Wurf und hat ihn bislang nicht wieder gefunden (Februar 39%FG, März 33%FG). Die Verpflichtung Bobby Simmons’ dämpft den quasi-Verlust des Shooters wenigstens etwas ab.

Reggie Evans gibt dem Team Härte, ist durch seine Ungefährlichkeit im Angriff jedoch kein Kandidat für die Rolle als erster Big Man von der Bank, weshalb die Verpflichtung Kenyon Martins dringend nötig war. Dieser konnte zwar bisher nicht an seine Zeiten in Denver anknüpfen, stellt aber auf jeden Fall ein Upgrade zu Evans dar.

Auch auf der Zwei entstand durch die Verletzung Billups’ Handlungsbedarf, da Randy Foye keine dauerhafte Lösung sein kann. Nick Young passt mit seiner Fähigkeit, für sich selbst zu kreieren, seinem Wurf und der Athletik ebenfalls ins Konzept. In seinen ersten Spielen zeigte sich jedoch, dass Young im besten Fall noch Eingewöhnungszeit braucht, im schlechtesten nie weit über 40% aus dem Feld hinaus kommen wird.

Allgemein bleibt zu sagen, dass alle Verpflichtungen bisher auf dem Papier besser aussahen, als auf dem Spielfeld. Ich maße mir jedoch an, dies auf mangelnde Trainingszeit und auch teilweise auf die Inkompetenz Vinny Del Negros zu schieben. Das Front Office der Clippers hat den bestmöglichen Job gemacht, etwaige Löcher im Kader zu stopfen und für die Zukunft bestmöglich aufzustellen.

2. David Morway (Indiana Pacers)

Im Schatten der Legende Larry Bird macht David Morway heimlich, still und leise einen verdammt guten Job für die Franchise der Indiana Pacers. Diese sind ein sehr homogenes und tiefes Team, das für die Zukunft gut gerüstet scheint, aber auch in der Gegenwart ein Wörtchen in den Playoffs mitreden dürfte. Vor der Saison wurde Ex-All-Star David West zu fairen Konditionen verpflichtet und George Hill (für Rookie Kawhi Leonard) aus San Antonio geholt. Zur Deadline konnte man zudem Leandro Barbosa auf Grund von finanziellem Spielraum für einen Zweitrundenpick abgreifen. Vor wenigen Tagen verpflichtete Bird dann noch Center Kyrylo Fesenko, nachdem Jeff Foster zurücktreten musste. Schwachstellen im Kader? Fehlanzeige… Einzig die fehlende Starpower und Erfahrung könnten dem Team kurzfristig einen Strich durch die Rechnung machen und langfristig verhindern, ganz oben mitzuspielen. Zahlen sich die Neuverpflichtungen jedoch aus und bleibt Indiana unter den vier besten Teams im Osten, könnte Morway den Award durchaus erhalten.

3. Donnie Nelson (Dallas Mavericks)

Nelson und Besitzer Mark Cuban hielten sich an ihren Plan, im Sommer 2012 auf jeden Fall genug Capspace für einen (oder unter Umständen gar zwei) Maximalverträge zu haben, um Jagd auf Hochkaräter wie Dwight Howard und Deron Williams machen zu können. Erstgenannter ist nach dem Verzicht auf seine Ausstiegsklausel für dieses Jahr vom Markt, doch die Möglichkeit, Williams in seine Heimatstadt zu locken, besteht weiterhin.

Der Preis für diese Chance war hoch: Defensivanker Tyson Chandler konnte nicht gehalten werden und verließ das Team gen New York City, Energizer JJ Barea musste man nach Minnesota ziehen lassen, Caron Butler unterschrieb bei den Clippers und DeShawn Stevenson bei den Nets. Vince Carter, Delonte West und Yi Jianlian wurden lediglich mit Einjahresverträgen ausgestattet.

Der Clou bei der Sache? Die Mavs wurden nicht wirklich schlechter… zumindest in der Verteidigung (letzte Saison 8. in defensiver Effizienz; diese Saison 7.). Offensiv hinkt man bislang noch stark hinterher (von 8. in offensiver Effizienz letzte Saison auf 22. diese Saison), was auch daran liegt, dass die Mavs mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatten und haben sowie Leistungsträger außer Form in die Saison starteten. Nowitzki fing sich, Odom bislang nicht. Das klingt wie eine Entschuldigung, soll es aber nicht. Die Mavs sind ein schlechteres Team als im Vorjahr, das im Ürbigen erst einmal die Playoffs erreichen muss – keine Frage. Doch in der Postseason ist diesem Team weiterhin alles zuzutrauen, auch wenn sie sicher nicht der Favorit sind. Das Management hat es also geschafft, trotz des mitschwingenden Charakters eines Übergangsjahrs das Meisterschaftsfenster offenzuhalten. Das verdient Anerkennung, auch wenn die Mavs die Saison beinahe perfekt (und die Clippers und Pacers desaströs) abschließen müssten, damit es für den “Executive of the Year” für Nelson reicht.

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