Memphis Grizzlies, Playoffs 2017, San Antonio Spurs

Grit and Grind zum Vierten: Upset 2011 Reloaded?

Entscheidende Faktoren der Serie

Die Playoffpaarung Memphis Grizzlies vs. San Antonio Spurs versprüht einen Hauch von Tradition. In dieser Dekade trafen die beiden Teams bereits viermal in der Postseason aufeinander. 2011 sorgten die Grizzlies als 8th Seed für einen Upset gegen das beste Team aus dem Westen. San Antonio revanchierte sich mit zwei Sweeps in den Jahren 2013 und 2016. Die Teams haben sich im Vergleich nur marginal verändert. In Memphis befanden sich gar die Kernspieler Mike Conley, Zach Randolph, Marc Gasol und Tony Allen schon 2011 im Roster. Derselbe Kern (abzüglich Tony Allen) ist bei den Grizzlies auch aktuell zu sehen und hauptverantwortlich für eine kompetitive Serie gegen die favorisierten San Antonio Spurs. Wie auch in der Vergangenheit gehört die Serie zu den langsamsten und Half-Court-orientiertesten der gesamten Playoffs. Mit einer Pace von 85.6 befindet sich die Serie auf dem letzten Platz. Verwunderlich ist das nicht, befanden sich beide Teams doch auch in der Regular Season auf den Plätzen 27 (Spurs; 94.2 Pace) und 28 (Grizzlies; 94.3 Pace). Es sind also erneut gute Voraussetzung für ein weiteres “Grid and Grind”.

Key-Players

Trotz der teamorientierten Spielweise beider Teams sind es die Stars die den meisten positiven Impact generieren sowie die meisten defensiven Adjustments erzwingen. Die durch die Verletzung von Tony Allen geschwächten Grizzlies können keinen passenden Verteidiger für Kawhi Leonard stellen. Die Spurs müssen mit schwachen Verteidigern wie Tony Parker und David Lee versuchen Mike Conley maximal einzuschränken. Diese Matchup Nachteile resultieren für Conley und Leonard in beeindruckenden Zahlen:

PlayerMPGPPGORtgTS%3PM-3PA (%)AST%TRB% USG% TOV%
Mike Conley 35.7 24.4 126 63.0 14-29 (48.3) 43.86.3  30.0 9.4
Kawhi Leonard 37.2 31.6 141 74.4 12-24 (54.2) 19.99.2  31.8 10.9

Mike Conley sorgt als Ballhandler, Scorer und Playmaker für grosse Probleme bei den Spurs. Bei fast zehn Possessions pro Spiel als Ballhandler im Pick&Roll generiert Conley 1.14 per Possession bei einer Percentile von 82.5. Auch als Passgeber ist Conley aus dem P&R in der Lage vielversprechende Würfe für seine Mitspieler zu kreieren. In den ersten beiden Spielen der Serie verteidigten ihn noch vermehrt Danny Green und Kawhi Leonard. Das sorgte jedoch dafür, dass das Matchup Tony Parker gegen Vince Carter kreiert wurde. Carter zeigte sich als Scorer zu gefährlich und brachte Gregg Popovich dazu, Parker von ihm abzuziehen. Auch verhinderte das Matchup Conley vs. Green/Leonard das Nutzen der beiden als Help-Defender  und Roamer. So sehr Allen in der Defense fehlt, so sehr wird er in der Offense nicht vermisst. In der Vergangenheit fungierte Allen in der Offensive als Abstellposten für Parker, der sich somit defensiv zurückhalten konnte. Die Point Guards Tony Parker und Patty Mills sorgen als Verteidiger in der P&R Defense für einige Probleme. Die Big Men der Grizzlies stellen hervorragende Screens, an denen die körperlich unterlegenen Mills und Parker oftmals scheitern. Unter den Blöcken herzugehen ist eine schlechte Option, da Conley sich bisher zu effektiv und effizient von Downtown zeigt. Durch die Probleme der Guards wird sieht sich zu oft der im Play involvierte Big der Spurs Conley gegenüber:

In diesen Situationen richtet Conley verheerenden Schaden als Scorer an. Versuchen die Spurs ihm den Abschluss zu nehmen, nutzt das Conley als Passgeber aus:

Bei der Verteidigung dieser Situationen ist besseres Aushelfen von der Weak-Side notwendig, um Conley effektiver einzuschränken. Die Defense der Spurs muss es öfter schaffen im P&R die Passwege zu Marc Gasol und Zach Randolph zu erschweren und Conley vermehrt zum Anspielen anderer Mitspieler forcieren. Trotz der überwiegend starken Leistungen Marc Gasols ist Conley in der Serie der entscheidende (offensive) Akteur bei den Grizzlies. Gasol ist durch sein konstantes Scoring (19.6 PPG; 112 ORtg; 59.8 TS%) und seiner Funktion als zusätzlicher Playmaker aber ebenso unentbehrlich für Memphis wie Conley. Topleistungen beider Spieler in der Offensive und Defensive sind eine absolute Notwendigkeit um die Serie zu verlängern. Dementsprechend hat die maximal mögliche Einschränkung beider Spieler hohe Priorität für San Antonio. Lässt San Antonio Conley zu effektiv agieren, entstehen Resultate wie in Game 3 und 4.

Auf der Gegenseite schaffen es die Grizzlies nicht, Kawhi Leonard in Schach zu halten. Leonard trat in den fünf Spielen primär als Scorer auf. Es ist indes nicht Plan der Grizzlies, Leonard sich in dieser Rolle entfalten zu lassen. Aufgrund des Fehlens eines angemessenen Verteidigers sieht sich Grizzlies Coach David Fizdale oftmals gezwungen Leonard zu doppeln, um seine Mitspieler mehr in die Verantwortung zu zwingen. Ein Beispiel, warum in Leonards Statistikbogen selten viele Assists auftauchen, ist das Verhindern der Grizzlies von direkten Pässen zu abschlussbereiten Mitspielern. Memphis rotiert zumeist verlässlich und beschützt zudem den Korb und erschwert so Würfe für die Big Men der Spurs:

Versäumt Memphis die Rotationen, bedient Leonard seine Mitspieler:

David Lees Qualität im Off-Ball Movement, als Finisher und Passgeber in Kombination mit neben Spielern wie Randolph und Gasol dringend benötigtem Rebounding, bringen Gregg Popovich trotz den beschriebenen Defensivproblemen dazu, ihn vermehrt einzusetzen. Lee ist nach einem Doppeln Leonards als sekundärer Playmaker ein entscheidender Anteil für seine knapp 21 MPG. Lees Leistungen sorgten auch für keine nennenswerten Minuten für den wieder verfügbaren Dewayne Dedmon in Game 5. In in den ersten drei Spielen startete Dedmon noch. Dedmon ist ein effizienter Finisher, besitzt aber nicht die offensive Intelligenz und das Passvermögen, um ein Doppeln Leonards kontinuierlich zu bestrafen. Die Grizzlies versuchen weiterhin Leonard konstant in die Rolle des Playmakers zu drängen. Punktet Leonard weiter in dem gezeigten Volumen und erzwingt ein häufiges Doppeln, bringt das Memphis unter grossen Druck.  

Key-Factors

Ein entscheidender Faktor der Serie ist, welches Team mehr Freiwürfe forciert. San Antonio zog bisher 124 Freiwürfe (81.5%) in der Serie gegenüber 98 (87.8%) gezogener Freiwürfe der Grizzlies. David Fizdale beschwerte sich in einer kontroversen Post Game Conference nach Game 2 über ausbleibende Pfiffe der Schiedsrichter. Abseits der Anschuldigungen erklären klare Fakten die Überlegenheit der Spurs in der Kategorie der Freiwürfe. San Antonio verbuchte in der regulären Saison die sechstwenigsten Fouls, Memphis die zweitmeisten. Die Grizzlies sind oftmals nicht in der Lage, das Penetrieren in die Zone zu verhindern und schaffen es vor allem nicht Leonard (48 von 124 Teamfreiwürfen) und LaMarcus Aldridge (24) von der Linie fernzuhalten. Die Grizzlies sind hier auf mehr Disziplin in der Defense und im eigenen Forcieren von Fouls angewiesen, um näher an die Spurs heranzukommen. Ein weiterer Faktor zugunsten der Spurs stellt bisher die größere Effektivität und Effizienz bei den Distanzwürfen dar. San Antonio trifft 41.9% seiner 124 Versuche aus der Distanz, Memphis 37.3% von 116. Memphis sollte jedoch mit Ausnahme von Wayne Selden und Andrew Harrison vermehrt den Abschluss aus der Distanz suchen. Die niedrige Pace und die Qualitäten der Spurs bei der Prävention des Distanzwurfs (RS: 23.7 Opponent 3PA; Platz 3 ligaweit) erschweren dieses Vorhaben allerdings massiv. Bei ihren beiden Siegen verwandelten die Grizzlies als Team die Dreier mit mindestens 40%. Besonders die Rollenspieler sind in der Pflicht durch ihren Distanzwurf Platz für Conley zu generieren und vor allem konkretes Freilassen am Perimeter konstant zu bestrafen. In den ersten beiden Spielen der Serie trafen alle Grizzlies außer Conley und Gasol ganze drei ihrer 30 Versuche aus der Distanz. San Antonio gab den Grizzlies defensiv den Distanzwurf, der seit langem ein Problem für das Team darstellt. Für eine Chance auf die zweite Runde müssen teamübergreifend konstant Punkte aus der Distanz geliefert werden. Bei den Personalien ist LaMarcus Aldridge ein Spieler der für beide Teams eine wichtige Rolle einnimmt. Mit lediglich 14.5 Punkten in 36 Minuten bei geringer Effizienz (115 ORtg; 50.2 TS%) liefert er bisher bescheidene offensive Leistungen. Der Grund dafür ist allerdings nicht nur Aldridge selbst sondern auch die geringe Anzahl an Plays, ihn in gute Positionen bringen. Im Post Up ist Aldridge ein gefährlicher Scorer (1.34 PPP). Gerade wenn das Matchup mit JaMychal Green zustande kommt, sollten Aldridge mehr Würfe gegeben werden:

Aldridge als Scorer kreiert Freiraum für die Rollenspieler die in der Serie eine wichtige Rolle einnehmen. Tony Parker muss inzwischen in seiner sechzehnten Saison als Rollenspieler beschrieben werden. Umso überraschender ist es, dass er für die Grizzlies ernsthafte Gefahr ausstrahlt. Parker scored effektiv und mit solider Effizienz (14.2 PPG; 106 ORtg; 55.8 TS%) und bringt dadurch dringend benötigte Entlastung für Leonard. Bei stark schwankendem offensiven Output des Backcourts der Spurs ist Parker bis auf Game 3 eine verlässliche Scoringoption. Durch seine Penetration, die noch immer eine entscheidende Rolle für die Spurs einnimmt setzt er Memphis konstant unter Druck. Fizdale ist sich bewusst, dass Qualitäten im Drive und in der Shotcreation nicht grossflächig bei den Spurs vorhanden sind. Deshalb wird konstant versucht Parker an der Penetration zu hindern und ihn zum Abschluss ausserhalb der Zone zwingen. Vor allem aus der Mitteldistanz lässt Memphis Parker konstant Platz:

Die Grizzlies dürfen Parker in der Form nicht regelmäßig zum Abschluss kommen lassen. Als Scorer sollte er nicht vier Punkte mehr machen als in der Regular Season (10.1 PPG). Nicht nur die Offensive Parker ist abseits der Stars entscheidend, um die Chancen auf ein Game 7 zu bewahren muss Memphis das Scoring der Rollenspieler San Antonios wieder vermehrt einschränken. Bei den Siegen war das ein gewichtiger Faktor. Ebenso wie die Wichtigkeit des Einschränkens der Rollenspieler der Spurs ist die Leistung der Bankspieler beider Teams. Die Bankspieler der Spurs (34.6) scoren pro Spiel über sieben Punkte mehr als die der Grizzlies (27.2). Ein Ausbleiben der Leistung der Bank- und Rollenspieler wie in Game 4 hat für die Spurs verheerende Folgen. Trotz ausbleibender Leistung von Manu Ginobili, der bis zum jüngsten Sieg in Game 5 nicht einen Korb erzielte (Games 1-4: 0-15 FGM; Game 5: 4-6) punktet die Bank der Spurs mehr als die der Grizzlies. Die Grizzlies besitzen aufgrund des langzeitverletzten Chandler Parsons und dem Ausfall AllenQs kaum qualitative Tiefe. Auch die Starting Five hat Probleme eine Pause von Mike Conley aufzufangen (Conley off: -12.0). Zeigen Spieler wie Danny Green, Patty Mills und Manu Ginobili gute Leistungen wie in Game 5 finden sich die Grizzlies in einer Position wieder in welcher der defensive Fokus auf Kawhi Leonard entscheidend bestraft wird. Performen die Spurs als Team entsprechend ihrer Leistung in der Regular Season, offenbart sich der Unterschied im Talentlevel der beiden Teams. 

Fazit

Die Memphis Grizzlies stellen die San Antonio Spurs aufgrund herausragenden Leistungen ihrer besten Spieler vor überraschende Probleme. Für den Ausgang der Serie sind die Performance des Supporting Casts beider Teams, sowie die defensiven Entscheidungen gegen die Stars gewichtige Faktoren. Mike Conley rechtfertigt durch seine Leistungen den kürzlich verlängerten hochdotierten Vertrag. Die Grizzlies sind auf absolutes Topniveau ihres Point Guards angewiesen um eine Chance auf Game 7 zu bewahren. Zusätzlich muss der Distanzwurf getroffen werden und konstantes Scoring abseits von Marc Gasol geliefert werden. Agieren die Spurs entsprechend ihrem Talentvorsprung in der Spitze und in der Breite und zeigen teamübergreifend Aggressivität beim Scoring, stellt San Antonio Memphis vor schwer zu lösende Probleme. Die Grizzlies agieren überwiegend am Maximum ihrer Leistungsfähigkeit und können dennoch nur knapp mit einem in der Performance schwankenden Spursteam mithalten. Greifen alle Räder ineinander, ist ein Upset nicht ausgeschlossen. Mehr Luft nach oben und die höhere Qualität sorgen jedoch für das deutlich wahrscheinlichere Szenario: ein Weiterkommen des Favoriten aus Texas. 

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1 comment

  1. Coach K

    Vielen Dank für deine Zusammenfassung der aktuellen Situation beider Teams.

    Wie du schön beschrieben hast, liefern sich Conley und Leonard ein Mega-Duell in der ersten Runde, wie es bis jetzt nicht viele gab.

    Ich bin gespannt ob tiefere Bank in Spiel 6 schon den Ausschlag für die Spurs geben kann oder ob es in ein Spiel 7 geht, wo alles passieren kann.

    Man stelle sich mal nur vor die Grizzlies hätten das Geld nicht in Parsons gesteckt sondern in einen anderen Spieler, so wäre hier noch viel mehr tiefe da. So müssen es aber Rentner ala Vince Carter für das Team aus Memphis richten.


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