Draftprofile 2017

De’Aaron Fox

Kentucky Wildcats

Datenblatt

Name: De’Aaron Fox

Geburtsdatum: 20.12.1997

Größe: 6’3”

Gewicht: 170 lbs

Spannweite: 6’4,5‘‘

Position: Playmaker

Team: Kentucky Wildcats

 

Überblick

Stärken/Schwächen | Scouting-Logbuch | Spielervergleich | Videos | Wichtige Spiele | Artikelempfehlungen | Statssektion | Trivia | Twitter

Stärken

Schwächen

+ Drive

+ Explosivität / Sprungkraft / Speed

+ Defensiv-Potential

– Shooting

– High-Level-Playmaking

 

Scouting – Logbuch

Nachdem Superscorer Malik Monk schon auf unserem Radar aufgeploppte, ist es nun an der Zeit seinen kongenialen Backcourt-Partner vorzustellen – De’Aaron Fox. Trotz des Hypes, der das Kentucky-Freshmen-Duo während des gesamten Jahres umrankte, schien Fox individuell etwas unterbewertet zu sein. Neben Fultz, Ball, Smith und Ntilikina wirkte er oft wie das fünfte Rad am Point Guard-Prospects-Wagen. Seine guten Leistungen wirkten neben den teilweise herausragenden Kollegen weniger stark. Ende der Lottery wurde oft als geeignete Draftposition für ihn angegeben.  Nach einem überragenden Sweet Sixteen-Spiel, in dem er die von Lonzo Ball angeführten UCLA Bruins mit 39 Punkten im Alleingang überrollte, schlug der Zeiger allerdings heftig in die andere Richtung aus. Plötzlich gilt Fox bei vielen großen Draftseiten als potentieller Top 5-Pick. Ein guter Zeitpunkt, um die Fähigkeiten des Playmakers einmal genau unter die Lupe zu nehmen.

Tools & Athletik

De’Aaron Fox reiht sich in die lange Reihe von athletischen Playmakern ein, die Coach Calipari für Kentucky rekrutieren konnte. 6‘3‘‘ Körpergröße, gepaart mit einer Armspannweite von 6‘5‘‘, geben ihm Gardemaß für seine Leadguard-Rolle. Auffallend sind sein explosiver erster Schritt, seine flinken Füße bei schnellen Richtungswechseln und seine herausragende Topgeschwindigkeit auch mit Ball.

Gerade in Fastbreak-Situationen schlägt er, ähnlich wie seine Vorgänger John Wall oder Eric Bledsoe, nahezu jeden Gegner bei einem Fullcourt-Sprint. In Sachen Speed machen ihm auch diese Top-Athleten kaum etwas vor. Was Fox zu deren Physis-Level fehlt, ist die körperliche Kompaktheit und etwas Masse. Der Freshman verfügt zwar über einen ausdefinierten Oberkörper und verhältnismäßig breite Schultern, wiegt aber aufgrund einer eher drahtigen Statur nur knapp 170 Pfund. Dieser Umstand ist nicht problematisch zu sehen, sondern nur als Unterschied zur Naturgewalt-Playmaker-Kaste zu vermerken, zu der auch Westbrook oder Prime-Rose gehörten. Für Fox funktioniert die Leichtbauweise seines Körpers sehr gut, zumal er in der NBA-Umwelt nahezu zwangsläufig einige Kilos zulegen wird.

Offense

Driving/Slashing

Durch seine athletischen Voraussetzungen ist Fox eine Transition-Maschine. Nach dem Defensivrebounds seines Teams wurde der Playmaker von Coach Calipari dazu angehalten, sofort das Spiel schnell zu machen und den Gegner mit aggressiven Drives unter Druck zu setzen. Der Freshman profitierte von dieser freien, schnellen und unkomplizierten Spielweise sehr. Kein Power Conference-Spieler erzielte mehr Transition-Punkte pro Spiel als er. Rund 35 Prozent seines gesamten Scoring-Outputs erarbeitete sich der 19-Jährige über Transition-Situationen.

Aber auch im Halfcourt ist Fox ein gefährlicher Driver. Mit seinem explosiven ersten Schritt konnte er am College nahezu jeden Gegenspieler schlagen. Einmal vorbeigezogen ist er kaum zu halten, da er sich auch auf engem Raum durch Beweglichkeit und überdurchschnittliches Handling mit dem Ball zu bewegen weiß. Seine Finishes in der Zone sind variantenreich, da auch seine rechte Offhand gut ausgebildet ist und er trotz geringer Masse bei Körperkontakt meist die Balance halten kann. Seine gute Sprungkraft eröffnet ihm bei genügend Anlauf zusätzlich die Möglichkeit zu Above-the-Rim-Plays.

Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit Fox zum Korb kam, obwohl Defenses (mit gutem Grund, dazu später aber mehr) seinen Wurf kaum bis gar nicht respektieren. Dies lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Fast 50 Prozent all seiner Abschlüsse nahm Fox am Ring und traf für einen Playmaker durchaus gute 64 FG%@Rim. Besonders spannend dabei ist aber, dass nur knapp 20 Prozent dieser Würfe ein Assist vorausging, er sich also vier Fünftel dieser hochprozentigen Scoring-Chancen selbst erarbeitete.

Auch für Zwischenbereiche hatte Fox viele Antworten parat. Sein Floater-Game, als Option, wenn er Komplettdurchmarsch zum Ring nicht möglich ist, war ebenfalls stark. Laut Synergy rangierte er mit seinen 1,02 PPP für Runner unter den effektivsten elf Prozent aller CBB-Spieler für diese Abschlussart.

Dass Fox über diese Facette in seinem Spiel verfügt, ist für die NBA sehr wichtig. Auf dem nächsten Level werden seine athletischen Vorteile kleiner. Ihm wird es zwangsläufig etwas schwerer fallen, seine Driving-Stärke anbringen zu können. Gerade wenn der Wurf weiterhin zu wünschen übrig lässt, können gegnerische Defenses einfach absinken und frei nach Stan Van Gundy eine „fuckin wall“ gegen ihn aufstellen. Teams mit langen, athletischen Big Men konnten diese Problematik teilweise schon aufzeigen.

Playmaking

Als Vorbereiter ist Fox überzeugend, keineswegs aber elitär. Pick’n’Roll-Situationen nutzt er zumeist lieber als Startpunkt für eigene Drives, als Mitspieler einzusetzen. Seine solide Vision und guten Passfähigkeiten blitzen weniger oft als bei der starken Playmaker-Konkurrenz dieses Jahr auf.

Er ist kein klassischer Floor General, der mehrere Schritte vorausdenkt, schwierige Reads ausführen kann und die eigenen Mitspieler proaktiv mit den eigenen Pässen freispielt. Vielmehr handelt er reaktionär und nimmt sich, was ihm die Defense aktuell bietet. Dies löst er aber gut. Er ist ein geduldiger Passer, der wenig forciert (29 AST% und solide 1,9 AST/TO-Ratio). Ihm fehlt es aber für das höchste Playmaker-Level an mehr Gefühl für das Spiel.

Shooting

Wir sind bei Fox‘ Make-or-Break-Skill angekommen – dem Wurf. Der Wildcats-Freshmen verfügt über ein für einen Leadguard wenig verheißungsvolles Shooting-Profil. Er traf nur 0,6 3P pro Spiel bei 24,6 3P%. Seine 0,64 PPP bei Sprungwürfen im Halbfeld ordnen ihn laut Synergy im Vergleich zu anderen Lottery-Playmakern zwischen Elfrid Payton und Michael Carter-Williams ein. Alarmierend ist, dass er aus dem Catch-and-Shoot mit 0,57 PPP gar noch schlechtere Werte liefert. Er trifft also zu diesem Zeitpunkt nicht einmal für ihn vorbereitete, freie Distanzwürfe solide. Ihm scheint es komplett an Range zu fehlen. Um zu treffen muss er direkt an der Dreierlinie stehen. Viele Airballs zeigen, wie sehr ihm es an Wurfgefühl aus der Distanz fehlt.

Dies ist ein großes Problem, da selbst athletischste Playmaker ohne verlässlichen Wurf selten Star-Status erlangen. Auf jeden Tony Parker kommen mindestens zwei Jonny Flynn. Statistische Modelle gehen aktuell davon aus, dass sich die CBB-Wurfquoten von Fox eine Entwicklung mit einberechnet in etwa in 33% von der NBA-Dreierlinie übersetzen werden. Diese Grafik aus einem guten Fanside-Artikel zeigt dazu auf, dass diese Einschätzungen relativ genau sind und Abweichungen, wenn überhaupt, nach unten auftreten. Eine solche Faktenlage ist jedem Hinweis auf eine Kawhi-eske Wunderentwicklung entgegenzusetzen.

Aber es ist nicht alles schlecht. Fox konnte durch viele Freiwurfversuche (.47 FTr) bei guter Quote ziemlich effizient agieren. Dazu scheint sein Wurf an sich beim Eyetest etwas mehr Potential zu bieten als bei anderen Non-Shootern. Die Bewegung ist nicht völlig ungewöhnlich oder kaputt. Konzentriert er sich, kann das doch recht sauber aussehen.

Hinzu kommt, dass er neben seinen Floatern mit solchen Midrange-Pullups zumindest etwas Wurfgefühl andeutete. Noch ist dies eine eher unverlässliche Waffe, immerhin aber ein kleines Fundament, auf dem sich aufbauen lässt.

Irgendeine Form von Wurf wird er brauchen, um die eigenen Drives vorzubereiten und Spacing zu bieten. Von der Entwicklung seines Jumpers hängt letztlich auch sein Ceiling ab. Um perspektivisch mehr als ein Nextlevel-Rollenspieler zu sein, muss er aus der Distanz Gefahr ausstrahlen.

Defense

Der 19-Jährige kann ein extrem giftiger Onball-Verteidiger sein, der seinen Gegenspieler durch seine Agilität und Länge gehörig unter Druck setzt.

Seine Geschwindigkeit erlaubt es ihm auch in der Verteidigung weite Wege zu gehen und mit Rotationen viel Raum abzudecken.

Allerdings sehe ich Fox‘ defensiven Impact als etwas überschätzt an. Oft wurde der Guard für seine Verteidigung gelobt. Für mich hat er sein Potential zu selten abgerufen. Sein Fokus lag nur in wenigen Matchups auf Shut-Down-Defense. Sein Playmaking auf dieser Seite des Feldes ist gemessen an seinen athletischen Fähigkeiten nur durchschnittlich (2,7 STL%, 0,7 BLK%). So vertraute Coach Calipari oft Teamkollegen Brisoe als designierten Lock-Down-Guy. Andererseits könnte Fox gerade mit mehr Fokus auf die Verteidigung zu einem guten Defender reifen. Er hat mit seiner Länge und Geschwindigkeit alle Tools dazu.

Im Idealfall wird die Verteidigung eine Komponente, die ihm mit seinem Drive und dem solidem Playmaking trotz noch zu entwickelndem Wurf eine spielerische Daseinsberechtigung gibt.

Spielervergleich 

Playmaker ohne verlässlichen Dreier haben es schwer. Im Idealfall können wie bei Tony Parker Athletik, ein außergewöhnlich guter Drive und Pick’n’Roll-Finesse über die Wurfschwächen hinwegtäuschen. Danach wird es aber schon schwierig, wenn die außerirdischen Tools eines Rose, Westbrook oder Wall fehlen. Ohne weitere Verbesserungen in Sachen Shooting wird Fox auf dem gleichen Level wie Dennis Schröder oder Elfrid Payton gefangen sein. Mit Pech übersetzt sich Fox‘ Offense weniger als gedacht und er muss wie Michael Carter-Williams aktuell um eine Daseins-Berechtigung als Rollenspieler kämpfen.

Videos

Playlist

Wichtige Spiele mit aufschlussreichem Matchup

Artikelempfehlungen

Statssektion

High School: 

Jordan Brand Classics:

23 PTS, 5 REB, 1 AST in 25 Mins bei 8-16 FG

McD All American:

2 PTS, 4 REB, 7 AST in 22 Mins bei 1-8 FG

Hoop Summit:

9 PTS, 2 REB, 5 AST in 15 Min bei 4-7 FG

Awards:

First-team All-SEC (2017)
SEC All-Freshman Team (2017)
SEC Tournament MVP (2017)
McDonald’s All-American (2016)
Jordan Brand Classic (2016)
Jordan Brand Classic Co-MVP (2016)
Nike Hoop Summit (2016)
Texas Mr. Basketball (2016)

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Trivia

Twitter

@Swipathef0x

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1 comment

  1. Poohdini

    Ich finde es interessant, dass du seine Defense als ein wenig overrated einstufst. Das habe ich bei der Recherche auch schon anders gefunden bei den Scouts meines Vertrauens. Ich will mir gar nicht anmaßen zu beurteilen, wer “Recht hat”. Die Frage ist wohl nicht so einfach zu beantworten, zumal ja die Frage nach guter Defense immer noch unterschiedlich bewertet wird.

    Shooting, sein “Make or Break” Skill, ist halt wie so oft bei vielen Prospects. Kann was werden, wird aber eher nicht. Aus dem Grund würde ich für die Sixers selbst einen extrem großen Bogen machen. Für alle anderen Teams zählt dann, wie er zur Linie kommt, am Korb abschließt und wie gut sein Playmaking ist. Letzteres scheint ja auch nicht komplett überzeugend zu sein. Die anderen beiden Aspekte verbesserten sich im Laufe der Saison. Sehr schwieriger Spieler.


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