NBA, Phoenix Suns

Tradeanalyse: Phoenix Suns

Was macht Ryan McDonough?

Das Epizentrum der Erschütterungen, die am vergangenen Donnerstag durch die NBA gingen, lag in Phoenix. Ryan McDonough und Lon Babby fädelten Deals mit insgesamt sechs Teams ein. Ein Drittel des Kaders des Teams auf Platz 8 im Westen wurde ausgetauscht, darunter der wohl beste Spieler aller zur Deadline verfügbaren abgegeben. Vier Firstrounder wechselten den Besitzer. Nachdem im Vorfeld nach und nach klarer geworden war, dass Goran Dragic aus Phoenix weg wollte, waren die Suns zum Handeln gezwungen gewesen. Es war klar, dass etwas passieren musste – nur was?

Die Situation

Ähnlich wie Milwaukee, befanden sich die Suns in einer Lage, in der das Management sie vermutlich eigentlich nie haben wollte. Sie sind zu früh zu gut geworden und standen somit trotz ihrer Jugend (kein Playoffteam im Westen war zum Zeitpunkt der Trades jünger) auf einem Playoffplatz, ohne sich dabei aber auf einen oder mehrere sichere Stars verlassen zu können. Die damit verbundenen Nachteile für das Teambuilding kennt man mittlerweile nur zu gut. Zu oft hat man Fans von Franchises im Kampf um die unteren Playoffplatzierungen lamentieren gehört, dass man Gefahr laufe, dort auf ewig stecken zu bleiben, im ungeliebten Mittelmaß. Zu schlechte Picks, keine Spielzeit für junge (vermeintliche?) Talente, wohlmöglich noch Geld oder Assets für Veteranen aus- bzw. abgeben, die Playoffschlachten schlagen sollen. Falls man nicht wieder knapp an der Postseason scheitert…

Die Zukunft würde man für kurzfristigen Erfolg nicht gefährden, hieß es immer wieder aus dem Front Office der Suns. Doch welche Zukunft war das? Ein Team, das mehr oder weniger aus den aktuellen Bausteinen bestand, wird wohl kaum einmal um die Championship mitspielen. Dafür fehlte dem Team (mindestens) ein echter Star.

Für hohe eigene Picks war das Kollektiv um Hornacek bereits zu gut, also war die Chance auf diesem Wege an einen Star zu gelangen sehr klein (es sei denn man bekäme via die Lakers diesen Draft etwa den 6. oder nächsten vielleicht gar den 4. Pick – ebenfalls unwahrscheinlich). Via Free Agency bekommt man selten echte Stars ins Team.

Blieb als einzige andere halbwegs realistische Option ein Trade – wofür GM McDonough auch seit seiner Ankunft fleißig Assets sammelt. Man mag es den Morey-Weg nennen, denn dem Manager der Rockets ist so nach einigen Jahren des Assets sammeln im Mittelmaß schlussendlich das Kunststück gelungen, einen bärtigen MVP-Kandidaten ins Team zu holen.

Da dummerweise nirgendwo ein echter Star zum Verkauf stand, war McDonoughs Devise also weiterhin nur abwarten und Tee trinken – also weiter Assets sammeln.

Und ganz nebenbei am besten noch verhindern, dass Phoenix zum fünften mal in Folge die Playoffs verpasst. Und im Kader aufräumen, welcher (auch nach eigener Aussage) ein starkes Übergewicht samt individueller Unzufriedenheit im Backcourt hatte. Ein Spagat, bei dem sich ein Manager schon mal was zerren kann…

Als wäre das alles nicht bereits genug gewesen, kamen einen Tag vor der Deadline Dragics Kommentare über verlorenes Vertrauen gegenüber dem Front Office sowie Gerüchte über eine kurze Liste an Destinationen, an denen der Slowene verlängern würde.

Sehr kurz. Und ausschließlich dort. Bei den Lakers, die keinen nennenswerten Gegenwert haben (Spieler) oder abgeben wollen (Picks). Bei den Knicks, wo dasselbe zutrifft. Und bei den Heat… wo Riley sich nicht lange bitten lies.

Die Deals

Abgegebene Spieler: Goran Dragic (Miami), Zoran Dragic (Miami), Isaiah Thomas (Boston), Miles Plumlee (Milwaukee), Tyler Ennis (Milwaukee)

Abgegebene Picks: Firstround Pick LA Lakers (Top-5 Protection 2015; Top-3 Protection 2016 und 2017; ungeschützt 2018) an Philadelphia via Milwaukee

Erhaltene Spieler: Brandon Knight (Milwaukee), Marcus Thornton (Boston), Danny Granger (Miami), John Salmons (New Orleans via Miami; entlassen), Kendall Marshall (Milwaukee; entlassen)

Erhaltene Picks: Firstround Pick Cleveland 2016 (Top-10 Protection) von Boston; Firstround Pick Miami (Top-7 Protection 2017 und 2018; ungeschützt 2019) von Miami; Firstround Pick Miami 2021 (ungeschützt)

 Away Flies the Dragon

Unter diesen Umständen noch den ausgeschriebenen Gegenwert von Firstroundern oder Star-Talent für Dragic zu erhalten, muss McDonough hoch angerechnet werden. Dragic war nicht mehr tragbar, was in einer denkbar undankbaren Verhandlungsposition resultierte. (Junges) Talent hatten die Heat keines abzugeben, die Picks liegen in mittlerer bis weiter Ferne… allerdings sind sie nur schwach bis gar nicht geschützt und können so einmal extrem wertvoll werden.

Riley scheint selbstbewusst in die Zukunft zu blicken und Picks spätestens seit Michael Beasley nicht mehr all zu viel abzugewinnen – dabei hat er mit Wade auch schon einen Finals MVP gepickt. Wie dem auch sei, McDonough hat zwei weitere Assets für einen Spieler erhalten, der im Sommer garantiert weg gewesen wäre. Dazu Danny Granger, den man entweder als Shooter im Kader halten, oder demnächst entlassen kann. John Salmons, der ebenfalls über Miami kam, hat dieses Schicksal bereits ereilt, da Phoenix auf dem Flügel einfach keinerlei Bedarf hat.

Knight Arrives

Durch den Deal mit Milwaukee hat man für den Pick der Lakers, Ennis und Plumlee im Prinzip direkt Dragics Nachfolger erhalten. Der Verlust des Picks schmerzt zwar, doch die Lakers steuern geradewegs auf die geschützten Positionen zu. 2017, wenn der Pick dann ungeschützt wäre und LA zwei weitere Sommer Zeit hatte, Namen nach Hollywood zu locken, könnten die Lakers schon wieder zu gut für niedrige Picks sein.

Auch Knight kann beide Guard-Positionen spielen, ist fast 6 Jahre jünger, der bessere Defender, offensiv ähnlich talentiert und kann vor allem im Sommer in jedem Fall gehalten werden, da er Restricted Free Agent ist. Auch Plumlees Abgabe, der durch Lens Verbesserung und Brandan Wrights Addition im Januar überflüssig geworden war, ist zu verschmerzen. Der Verlust Tyler Ennis’ könnte einmal noch weh tun, sollte er sich entwickeln, doch McDonough hatte seit Juni wohl genug gesehen, um ihn mit in den Deal zu werfen. Der verletzte Ex-Sun Kendall Marshall wurde sofort entlassen.

Knight wurde zwar als All-Star im Osten gehandelt, ist im Vertragsjahr und war Topscorer eines Playoffteams, doch der Teamgedanke wurde bei den aufstrebenden Bucks unter Coach Kidd ebenfalls groß geschrieben. Die Rolle hinter und vor alem neben Kentucky Wildcats-Kollege Bledsoe sollte ihm gut liegen. Knight dürfte die Situation also um einiges gelassener als Dragic sehen, auch weil er nicht nicht zusätzlich mit Isaiah Thomas konkurrieren muss. McDonough kann sich nun in Ruhe ansehen, ob ihm die Guard-Kombo gefällt und dann entscheiden, ob er Knight sein angestrebtes Gehalt zahlen will.

Thomas Out

Die Tatsache, dass Thomas ebenfalls abgegeben wurde, obwohl man die Situation im Backcourt eigentlich durch den forcierten Trade Dragics halbwegs entspannt hätte, spricht Bände. IT war ähnlich unzufrieden über seine Rolle im Team wie Dragic und tat dies, im Gegensatz zu diesem, wohl immer wieder lauthals im Locker der Suns kund. Das hätte sich wohl auch nach Ankunft Brandon Knights nicht geändert, also wurde Thomas kurzerhand für Marcus Thornton und den Firstrounder der Cavs 2016 nach Boston geschickt.

Thorntons Vertrag läuft aus, solange darf er vielleicht noch den einen oder anderen Dreier für die Suns werfen. Der Pick der Cavs sollte 2016 nicht in den Top-10 landen und so direkt fällig werden. Und da Thomas seine prädestinierte Rolle als 6th-Man nicht gefallen zu scheint, tat man gut daran, getreu dem Motto „addition by substraction“ zu handeln.

 

Isoliert betrachtet, sind also alle Trades nachvollziehbar bis beeindruckend. Logjams gelöst, Picks für die Zukunft bzw. Trades, Knight für Dragic, plus ein paar Veteran-Shooters. Für die Zukunft ist man jedenfalls besser aufgestellt als zuvor, doch ist der Kader noch stark genug für das Playoffrennen im brutalen Westen 2015 ?

Der Kader

Playmakers: Eric Bledsoe – Brandon Knight – Archie Goodwin

Off-Guards: Gerald Green – Marcus Thornton – Reggie Bullock

Forwards: Markieff Morris – PJ Tucker – Marcus Morris – TJ Warren         (– Danny Granger)

Bigs: Alex Len – Brandan Wright – Earl Barron

Zwar hat man den Logjam auf der Eins nun gelöst, allerdings hat man nun fast schon etwas wenig Playmaking im Kader. Man wird es ähnlich handhaben wie letzte Saison mit Dragic, dass immer einer von Bledsoe und Knight auf dem Parkett stehen wird. Dazu spielen sie natürlich noch einige Minuten gemeinsam, auch wenn erst einmal Gerald Green starten sollte.

Goodwin kam als Combo-Guard in die Liga, wurde von den Suns bislang aber eigentlich nur als Off-Guard eingesetzt. Er könnte seine Chance als 3. Ballhandler erhalten. Es war jedoch mit Ish Smith auch ein alter Bekannter als Versicherung im Gespräch, dessen Vertrag aber nun von den Sixers beansprucht wurde. Eventuell wird man hier noch etwas nachbessern, denn falls Bledsoe oder Knight ausfallen, wird es hässlich.

Auf der Zwei dürfte sich Gerald Green über mehr Minuten freuen. Auch er war als Kandidat für einen Trade im Gespräch gewesen, da ihm die Rolle im Vertragsjahr zu klein geworden war. Jetzt kann er wieder mehr zeigen. Falls ihm das nicht gelingt, stehen mit Thornton ein ähnlicher Spielertyp und eben Goodwin bereit.

Auf den Forward-Positionen hat sich wenig verändert. Es fehlt immer noch ein Vierer, der in der Defense und beim Rebounding zulangen und/oder für Punkte im Low-Post sorgen kann. Da Granger das auch nicht ist, könnte er entlassen werden, denn er bringt dem Team nichts, was nicht schon durch die Morri oder Tucker gegeben wäre, außer vielleicht etwas mehr Erfahrung. Thomas Robinson wurde von Denver entlassen und wäre ein Kandidat für einen Versuch, diese Lücke zu schließen.

Der zweite Logjam im Kader befand sich nach dem Trade für Wright auf der Fünf, wo Len als Starter gesetzt ist. Wright bekommt die Backup-Minuten und ein paar mehr neben Len, da die restlichen Forwards gegen große Lineups am Brett überfordert sind. Plumlee war als dritter echter Big verschwendet, doch mit nur zwei echten Bigs im Kader könnte es unter Umständen auch eng werden. Darum wurde direkt Earl Barron mit einem 10-Tages Vertrag ausgestattet.

 Ausblick

Die Suns sind nunmehr also recht Flügel-lastig, verfügen aber noch über ausreichend Playmaking und ein paar Bigs, um weiter um die Playoffs mitzuspielen. An Talent hat der Kader kaum eingebüßt, doch die Suns standen auch schon vor dem All-Star Break auf einem wackeligen 8. Platz. Daran hätte auch nur ein Trade für einen echten Star etwas ändern können – doch der kann ja immerhin noch kommen, Dank der Assets die McDonough weiterhin einsammelt. Der Abgang von Fanliebling Dragic wird noch eine Weile schmerzen, doch je nach Knights Entwicklung zumindest spielerisch vielleicht schon bald kompensiert sein. Bis dahin wird man weiter um die Playoffs kämpfen, junge Spieler weiterentwickeln und dabei attraktiven Offensiv-Basketball spielen – wie bisher auch unter McDonough.

 

 


 

 

 

Bild: Untitled / Nora Kuby / CC-BY-NC-SA 2.0

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1 comment

  1. Avatar

    t0rchy

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    Das Epizentrum der Erschütterungen, die am vergangenen Donnerstag durch die NBA gingen, lag in Phoenix. Ryan McDonough und Lob Babby fädelten Deals mit insgesamt sechs Teams ein. Ein Drittel des Kaders des Teams auf Platz 8 im Westen wurde ausgetauscht, darunter der wohl beste Spieler aller zur Deadline verfügbaren abgegeben. Vier Firstrounder wechselten den Besitzer. Nachdem im Vorfeld nach und nach klarer geworden war, dass Goran Dragic aus Phoenix weg wollte, waren die Suns zum Handeln gezwungen gewesen. Es war klar, dass etwas passieren musste – nur was?


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