Detroit Pistons, Phoenix Suns, Salary Cap / CBA

Last Men Standing

Eric Bledsoe, Greg Monroe und die letzten Free Agents

Mitte Juli. Die heiße Phase der Free Agency ist vorbei, fast alle großen Namen haben ihr neues Team gefunden. Neben einigen Rollenspielern mit Fragezeichen – etwa Evan Turner – und Guards mit Rotationspotential wie Jameer Nelson und Ramon Sessions sind noch zwei Spieler mit größerem Einfluss vertragslos: Eric Bledsoe und Greg Monroe. Warum bei den Übriggebliebenen noch nichts passiert ist, erläutert dieser Artikel.

RFA: Risiko – für die Teams…

DMonroe vs Wizie zentrale Gemeinsamkeit des 6-1 Guards Eric Bledsoe und des 6-11 Big Man Greg Monroe ist ihr Status als Restricted Free Agents. Der Mechanismus soll an sich die bisherigen Teams junger Spieler schützen, indem ihnen das Recht eingeräumt wird, mit Vertragsangeboten anderer Franchises gleichzuziehen. Für die Stars der Liga und die durchschnittlichen Rollenspieler funktioniert das in der Regel auch: Wenn die Leistungen dem Maximal-Gehalt von derzeit etwa 15 Millionen Dollar (für Spieler mit weniger als 7 Jahren NBA-Erfahrung) entsprechen, kann sich das bisherige Team in der Regel mindestens 8 Jahre eines eigenen Rookies sichern. In der Kategorie Anthony Davis bis Kyrie Irving müssten die Spieler auf Gehalt im zweistelligen Millionenbereich verzichten, um wechseln zu können. Umgekehrt kann bei der Mittelklasse der Liga der Restricted-Status den Franchises einiges Gehalt sparen, der Verlust des Spielers würde aber in keinem Fall besonders schwer wiegen.

Anders ist die Lage in der zweiten bis dritten Reihe: Borderline-Allstars, die zwar an sich nicht das Maximalgehalt verdienen sollten, aber auch nicht ohne Gegenwert das Team verlassen dürfen, bringen die GMs der Liga oft in ein kaum erstrebenswertes Dilemma. Zu sehen war dies etwa in den Fällen Chandler Parsons und Gordon Hayward. Die beiden Flügelspieler unterschrieben bei Konkurrenten Offer Sheets, über die die bisherigen Franchises anschließend entscheiden mussten. Als Team ohne realistische Playoffambitionen bezahlen die Jazz jetzt die angesprochenen 15 Millionen Dollar für Hayward, während den Rockets ein Schlüsselspieler für die eigenen Ziele fehlt. Umgekehrt riskierten Hornets und Mavs jedoch durch die dreitägige Frist, dass sie im gleichen Zeitraum die Chance auf andere Spieler verloren – oder ihre neuen Beinahe-Stars massiv überbezahlen. Welche negativen Folgen aus solchen Situationen entstehen können, ist etwa an Eric Gordon und Landry Fields sichtbar geworden.

… und die Spieler

Für Bledsoe und Monroe ist diese Entwicklung bisher nicht erfolgt und ist auch nicht mehr zu erwarten. Ähnlich wie bereits letztes Jahr bei Nikola Pekovic entstand eine für den Spieler unpraktische Situation: Der Hintergrund ist das oben erwähnte Risiko für alle beteiligten Franchises – wenn gefahrlos Unrestricted Free Agents verpflichtet werden können, bleibt der Markt für Bledsoe, Monroe und Co. klein. Ohne weitere Bieter stehen sich die beiden Seiten, der Spieler und sein bisheriges Team, vorerst ohne externen Druck gegenüber. Der Spieler sieht das Angebot als zu niedrig an, kann aber auch keine Alternative aufweisen. Die Franchise möchte den Spieler nicht ersatzlos verlieren, aber auch nicht grundlos überbezahlen. Auch hier wird das Fehlen von Alternativen ein Problem, je länger die Offseason dauert.

Wer in dieser Situation am längeren Hebel sitzt, ist schwer Pekovic Wolveseinzuschätzen. Kein Spieler dieser Kategorie hat in den letzten Jahren sein Qualifing Offer akzeptiert. Damit wäre er nach der nächsten Saison Unrestricted Free Agent, verdient in diesem Jahr allerdings deutlich schlechter. Die Summe richtet sich nach dem Rookievertrag und beträgt in der Regel das 2,5-fache des letzten Jahresgehalts, bei Monroe über 10, bei Bledsoe nur gut 6,5 Millionen Dollar. Zudem verliert der Spieler natürlich die finanzielle Sicherheit der folgenden Jahre. Die finanzielle Seite könnte daher für die Teams sprechen – das Beispiel Pekovic zeigt jedoch, dass trotz eines praktisch nicht mehr existenten Markts Mitte August noch 60 Millionen Dollar möglich sind.

Monroe und Bledsoe: Zwei besonders schwierige Fälle?

Für Monroe und Bledsoe ist die Situation jedoch noch etwas komplizierter, mehrere Faktoren dürften die Verhandlungen erschweren: Einerseits verspricht die bisherige Offseason den Spielern hohe Summen, wie auch an den Verträgen der anderen oben angeführten Restricted Free Agents zu sehen ist. Die Ablehnung eines 48-Millionen-Dollar-Angebots der Suns durch Bledsoe zeigt, dass die Spieler und ihre Agenten in diese Richtung denken. Andererseits sind beide Teams in einer relativ komfortablen Position mit deutlich geringerem Druck als die von Kevin Loves anstehender Free Agency getriebenen Wolves. Die Suns waren mit Goran Dragic, Gerald Green und mehreren jungen Spielern auf den Guard-Positionen bereits gut aufgestellt und verpflichteten zusätzlich noch Isaiah Thomas. Die Pistons dürften zwar mit Josh Smith weniger zufrieden sein, sind jedoch an ihn gebunden und wollen auch Andre Drummond sicher nicht abgeben. Ein Verlust des jeweiligen Spielers würde zwar auch zu einem Qualitätsverlust im Team führen, wäre aber von der grundsätzlichen Situation her vergleichsweise gut zu verkraften.

Zudem weisen beide Spieler ihre Fragezeichen auf, die trotz ihres Potentials den Preis drücken. Bledsoe hat nur eine Saison mit größeren Spielanteilen absolviert und verpasste dabei verletzungsbedingt diverse Spiele – auffällige Parallelen zu Eric Gordon. Im Worst-Case-Szenario erhält das Team also einen Spieler, der nur von der Euphorie einer außergewöhnlichen Suns-Saison getragen wurde und regelmäßig Teile der Saison verpasst. Bei Monroe sind solche Befürchtungen eher unangebracht, in den letzten Jahren war er eine der wenigen Konstanten in meist desaströsen Pistons-Teams. Allerdings ist bei ihm nicht ganz klar, welche Rolle die richtige ist: Als offensiv orientierter Big erfüllt er nicht die Wunschvorstellungen der meisten Teams für einen Center, als direkt am Korb agierender Power Forward entspricht er nicht der allgemeinen Entwicklung hin zu mehr Spacing – sondern eher dem genauen Gegenteil. Die letzte Saison in Detroit, in der weder mit Smith noch mit Drummond das Zusammenspiel sonderlich gut funktionierte, dürfte entsprechende Befürchtungen weiter verstärken.

Bezahlt nach Position?

Ein Punkt, Bledsoe und Monroe genauso wie einem nicht zu kleinen Teil der übrigen verbliebenen Free Agents schadet, ist die Position. Es ist kein Zufall, dass die Flügel-RFAs Parsons und Hayward schnell mit außerordentlich hoch dotierten Verträgen ausgestattet wurden. Point Guard, ob als klassischer Spielmacher oder eher scorender Combo-Guard, ist die derzeit wohl am besten besetzte Position der Liga. Bledsoe, genauso wie Jameer Nelson, Ramon Sessions, Mo Williams und Jordan Crawford, stehen daher weniger hoch im Kurs. Vor allem die kleineren der genannten Spieler sind vergleichsweise festgelegt – zwei Guards unter 1,90 m bedeuten oft eine erhebliche defensive Schwachstelle. Für potentiell interessierte Teams steht also vor einer Verpflichtung die Frage, ob die Spieler zum bestehenden Kader passen.

Entgegen der Standard-These, dass Big Men immer bezahlt würden, gilt das ähnlich auch für Monroe. Es trifft zwar immer noch zu, dass sich Sevenfooter mit ansonsten zu vernachlässigendem Skillset in der Liga halten können. Auch Spieler, die entweder als Stretch Big oder als Defensivanker zu gebrauchen sind, werden bezahlt – siehe etwa Channing Frye oder Marcin Gortat. Wie oben bereits dargestellt, ist Monroe all das nicht. Sein Skillset wird immer noch für einen Vertrag in zweistelliger Millionenhöhe reichen, er ist jedoch nicht auf einem Niveau mit Spielern wie LaMarcus Aldridge, Kevin Love oder Blake Griffin – um nur einige vergleichbare Bigs zu nennen, die ebenfalls ihre Stärken in der gegnerischen Hälfte haben. Diverse alternde Stars wie Dirk Nowitzki, Zach Randolph und David West werden in näherer Zukunft auch nicht von Monroe verdrängt werden. Aber auch eine Kombination mit den meisten der genannten erscheint relativ gewagt. Somit gehen Monroe schon unabhängig von der Vertragssituation die Teams aus, die zu einer Investition bereit wären – die Mavs scheinen ihn nicht in Erwägung gezogen zu haben, Blazers-Gerüchte blieben weitgehend substanzlos.

Bledsoe vs Wizzards

 Die Besten vom Rest

Außer den beiden RFAs finden sich praktisch nur noch Ergänzungsspieler für die letzten Rotationsplätze in der Liste der Vertragslosen. Die Probleme Evan Turners hat dieser Artikel bereits dargestellt, er fällt eher in die Kategorie Reclamation-Projekt als die sofort rotationsfähiger Spieler. Shawn Marion wird aller Wahrscheinlichkeit nach für ein Gehalt bis zum MLE-Niveau bei einem Playoffteam unterschreiben, bei deutlich geringeren Summen gilt das wohl auch für die übrigen interessanten Veteranen wie Ray Allen, Jermaine O’Neal und Emeka Okafor: Falls sie nicht den Ruhestand vorziehen, dürfte sich ein Interessent finden.

Spannender wird es für die oben schon angesprochenen Point Guards Nelson, Sessions und Williams. Alle drei sind noch für gute Backup-Minuten zu gebrauchen, ohne in den letzten Jahren unbedingt überzeugt zu haben. Trotzdem dürften sie zumindest auf Gehälter im Tax-MLE-Bereich hoffen, Mo Williams lehnte etwa eine Ein-Jahres-Option etwas unter 3 Millionen Dollar ab. Die Zahl der in Frage kommenden Teams hält sich allerdings in Grenzen – nicht nur durch die Qualität der Point Guards in der Liga, sondern auch die oft schon verbrauchten Optionen.

Trotz dieser Probleme werden alle der Genannten, wenn gewünscht, Verträge erhalten, auch Bledsoe und Monroe dürften sich kaum mit dem Qualifing Offer zufriedengeben. Vermutlich werden die Verträge schließlich ähnlich wie bei Pekovic knapp unter dem Maximalgehalt liegen, bei etwa 13 bis 14 Millionen Dollar jährlich. Für die übrigen Spieler wäre dagegen die volle Mid Level Exception schon eine erfreuliche Überraschung. Aus diesem Verhältnis ist abzulesen, wie sehr die Restricted Free Agency die Entwicklung bei Bledsoe und Monroe beeinflusst – als normale Vertragslose hätten sie vermutlich schon längst für eine Summe von über 50 Millionen Dollar in 4 Jahren unterschrieben.

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