Chicago Bulls, Los Angeles Lakers, New York Knicks

Big-Market-Teams in der Krise

Die Folgen der schlechten Offseasons von Bulls, Knicks und Lakers

Eine Bilanz unter 50% und der Kampf um die letzten Playoff-Plätze: Das ist sicher nicht die Position, die Bulls und Knicks vor einem halben Jahr angepeilt hatten. Für die Lakers sieht es noch schlechter aus, das Team konnte nicht einmal ein Drittel seiner Matches gewinnen. Letztere scheinen sich, auch dank des neuen Head Coaches Luke Walton, zumindest auf dem richtigen Weg zu befinden: Im Kader befinden sich viele sehr junge Spieler mit Potential, so dass eine schlechte Bilanz an sich akzeptabel wäre. Bei Bulls und Knicks ist es in Jimmy Butler beziehungsweise Kristaps Porzingis ein Spieler, auf dem die Hoffnungen der Fans ruhen – der Rest des Teams besteht jeweils aus teuren, alternden Stars und Veteranen ohne Upside.

Das Problem von allen drei Teams: Sie haben in der vergangenen Offseason viel Geld für Spieler ausgegeben, die kaum zum Erfolg beitragen und teilweise noch jahrelang in den Büchern stehen. Konkret sind jeweils drei der vier bestverdienenden Spieler Akquisitionen des Sommers, und zwar bei den Lakers Luol Deng, Timofey Mozgov und (der als 7-Millionen-Expiring harmlose) Jose Calderon, bei den Knicks Derrick Rose, Joakim Noah und Courtney Lee sowie bei den Bulls Dwyane Wade, Rajon Rondo und Robin Lopez. Besonders auffällig sind Deng, Mozgov und Noah, die trotz vergleichsweise bescheidener Leistungen in den letzten Jahren je mindestens 64 Millionen Dollar über vier Jahre garantiert bekamen. Die Bulls haben ihren Free Agency-Verpflichtungen Wade und Rondo immerhin nur kurzfristigere zwei Jahres-Verträge gegeben, wobei das zweite Jahr eine Spieleroption (Wade) beziehungsweise nicht voll garantiert (Rondo) ist.

Big Market Teambuilding

Schnell fallen die Gemeinsamkeiten dieser Spieler auf: Alle erwähnten Free Agency-Verpflichtungen haben ihren 30. Geburtstag schon hinter sich – und die meisten wohl auch ihre besten Jahre in der NBA. Diese früheren Spitzenleistungen sind sicherlich nicht zu verachten, wenn man den ehemaligen Finals-MVP Wade, MVP Rose sowie die früheren All Stars Rondo, Noah und Deng betrachtet. Allerdings erinnerte in den letzten Jahren eher wenig an diese Zeiten: Deng und Rondo mussten mehrfach die Teams wechseln; Wade, Noah und Rose kämpften mit Verletzungen. Mozgov fällt diesbezüglich etwas aus dem Rahmen, musste allerdings in der Vorsaison ebenfalls eine kleinere Rolle akzeptieren, nachdem er beim ersten Finals-Run der Cavs nach LeBron James‘ Rückkehr noch zu den Schlüsselspielern gehörte.

Anders formuliert ließe sich also festhalten, dass die ‚großen‘ Franchises vor allem große Namen gesucht haben. Auf eine gewisse Weise ist das verständlich, wenn Fan-Zufriedenheit und TV-Ratings auf dem Spiel stehen – die normalerweise an (Playoff-)Erfolge gekoppelt sind. Das Akzeptieren mehrerer Lottery-Jahre scheint daher nicht gerade in der DNA der Big-Market-Teams verankert zu sein. Während die Lakers dank Kobe Bryant in den letzten 20 Jahren keine längeren Durststrecken hinnehmen mussten, dürfte für Fans der Bulls und insbesondere Knicks das Problem der fehlenden Geduld ein bekanntes Problem sein. Die massiven Investitionen dieser Offseason lassen sich so ohnehin nur rechtfertigen, wenn Playoff-Erfolge ein realistisches Ziel sind. Alle drei Franchises stellen die Jagd auf die Postseason praktisch seit Jahren als Ziel dar, auch wenn die jeweiligen Kader oder Resultate klar dagegen sprachen.

Der Hang zum Altbewährten lässt sich auch am Personal abseits des Parketts festmachen: Während die meisten Front Office-Neuverpflichtungen der letzten Jahre jüngere (und oft mit Advanced Stats oder der Modellfranchise Spurs in Verbindung stehende) Manager waren, haben die Knicks Coaching-Legende Phil Jackson verpflichtet – und die Lakers und Bulls seit Jahren nichts geändert. Natürlich ist weder ein fortgeschrittenes Alter noch Konstanz zwingend ein Nachteil, wie der seit 1996 am Ruder befindliche Gregg Popovich beweist. Allerdings ist auffällig, dass die Lakers-Riege um Jim Buss und Mitch Kupchak genauso wie ihr ehemaliger Mitstreiter Jackson in New York sowie die Bulls-Gestalter Gar Forman und John Paxson gewissermaßen Teambuilding aus dem letzten Jahrzehnt betreiben. Auch spielerisch finden sich hierfür Argumente: So wirken die Bulls, als hätten sie den Boom des Dreipunkt-Wurfs verschlafen (Rang 30 in 3PM), die Knicks die Small Ball-Revolution – die teure Noah-Verpflichtung macht etwa das Verschieben von Anthony und Porzingis auf die großen Positionen deutlich schwerer. Auch das Beharren auf Elementen der Triangle Offense fällt in diese Kategorie. Die Lakers konnten in Luke Walton zumindest etwas frischen Wind aus einer Erfolgsfranchise in die Franchise holen, sind dafür aber in Sachen Draft nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit. Zwei abgehende Picks für ein Lottery-Team sprechen hier eine deutliche Sprache.

Das verbindende Element

Schon angedeutet wurden die Trades und Free Agency-Verpflichtungen, die eine Verbindung zwischen den Teams darstellen. Der Calderon-Salary Drop (von den Knicks zu den Bulls zu den Lakers) ist die offensichtliche Verknüpfung, aber vergleichsweise unspektakulär. Allenfalls die Ungeduld der beiden Ost-Franchises zeigt sich: Beide waren bereit, Assets zu bezahlen, um Calderon durch einen vermeintlich besseren Spielmacher zu ersetzen. Die Upgrades Rose beziehungsweise Rondo stellen diesen Ansatz zumindest in Frage.

Viel interessanter ist jedoch der Rest des Rose-Trades zwischen Bulls und Knicks: Der ehemalige MVP mit seinem 20-Millionen-Dollar-Vertrag ging zusammen mit Justin Holiday und einem Second Round Pick für Robin Lopez, Jerian Grant und dem angesprochenen Calderon nach New York. Justin Holiday galt zumindest zum Zeitpunkt des Trades als unwesentlicher Faktor, das gleiche gilt für den Zweitrundenpick. Calderon war nötiger Salary-Füller, der dann für zwei weitere Second Rounder der Bulls an die Westküste geschickt wurde. Im Kern geht es also um Rose für Lopez und Grant. Die Verletzungshistorie des ehemaligen Superstars und seine damit verbundene nachlassende Form sind in den letzten Jahren oft genug thematisiert worden. Trotzdem gaben die Knicks für ihn zwei durchaus nicht zu vernachlässigende Spieler ab: Robin Lopez ist ein in jeder Hinsicht solider Starting Center und steht noch zwei weitere Jahre zu vergleichsweise niedrigen Bezügen unter Vertrag (noch gut 41 Millionen garantiert über drei Jahre statt Noahs 72). Grant wurde erst 2016 an Position 19 gedraftet, kann also als eines der wenigen Assets der Knicks gewertet werden. Rein vom Wert her erscheint der Trade positiver für die Bulls.

Trotzdem konnte der Trade vor dem Draft für beide Seiten durchaus optimistisch gesehen werden: In der Vorsaison wurde deutlich, dass die Kombination Rose-Butler nicht unbedingt erfolgsversprechend ist, genauso wie Porzings sich deutlich besser als erhofft zeigte und sich daher zumindest mittelfristig als Starting Center anbot. Folglich hätten beide Seiten annehmen können, einige positionelle Probleme aufgeräumt zu haben. Die Neuverpflichtungen des Sommers machten diese allerdings wie schon angesprochen zunichte: Noah und Rondo sind wohl als das genaue Gegenteil eines Schritts in die richtige Richtung zu bewerten. Noah ist teurer und steht länger unter Vertrag als Lopez, ohne spielerisch ein echtes Plus darzustellen. Rondo ist als Off Ball-Spieler genauso unbrauchbar wie Rose – obwohl bei seiner Verpflichtung schon erste Gerüchte um Wade aufkamen, so dass die Bulls jetzt praktisch drei Spieler haben, die den Ball in ihren Händen benötigen.

Konflikte & Tradegerüchte

Zudem entstand in beiden Teams gerade durch die neuen Spielmacher eine gewisse Unruhe: Rose hatte in der Offseason die mit ihm verstärkten Knicks noch als das zweite Superteam bezeichnet und forderte ebenso selbstbewusst einen teuren neuen Vertrag, wurde dann aber einige Male in entscheidenden Spielsituationen auf die Bank verbannt – und verschwand kommentarlos für ein Spiel komplett. Auch die nachfolgende Entschuldigung und einige gute Spiele können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Situation in New York alles andere als rosig ist. Besonders deutlich wurde dies in den letzten Wochen, seit sich die Tradegerüchte um Carmelo Anthony intensivierten. Phil Jackson scheint den mit einer No-Trade-Klausel ausgestatteten Star abgeben zu wollen, hat aber bislang kein für alle Parteien akzeptables Szenario gefunden.

Wohl noch negativer sieht die Situation für Rondo bei den Bulls aus, der teilweise sogar aus der Rotation gefallen war. Angesichts der Konkurrenz in Person von Zweitjahresspieler Grant und dem seit seiner Rookie-Saison wenig überzeugenden Michael Carter-Williams musste das trotz der Spacing-Probleme des Teams eher überraschen. Aber wie zuvor auch in Dallas gehen die Konflikte wohl über spielerische Aspekte hinaus. Rondo wird daher vermutlich spätestens in der Offseason die Bulls verlassen, was sein nur teilweise garantierter Vertrag den Bulls immerhin einfacher macht. Aber auch sonst entstand im Team Unruhe, so wurde beispielsweise über Klagen von Butler und Wade über den Rest des Teams laut – was wiederum Rondo zu einer Reaktion verleitete. Es kann daher kaum überraschen, dass die Bulls über weitergehende Maßnahmen bis hin zu einem Komplettrebuild durch einen Trades Butlers nachdenken.

Die Lakers könnten daher für die anderen beiden Franchises eine Art Blick in die Zukunft darstellen: Die Situation nach einem Trade von Anthony beziehungsweise Butler würde der aktuellen der Lakers nach Bryants Karriereende ähneln. Die Knicks haben in Porzingis immerhin schon einen Baustein für den Rebuild, die Trades könnten beiden Teams weitere einbringen – trotzdem wären die Win-Now-Moves der vergangenen Offseason dann eindeutig kontraproduktiv. Die Lakers demonstrieren derzeit, dass Mozgov und Deng dem Team auf dem Court nicht sinnvoll weiterhelfen. Vermutlich muss dieser Misserfolg sogar noch als positiv verbucht werden, da sonst die Wahrscheinlichkeit auf den Verlust des eigenen, Top 3-geschützten Picks umso größer wäre. Vergleichbar sinnlos wäre Noah im Fall eines Anthony-Trades für die Knicks, wie auch das Abgeben einiger Assets durch Bulls und Knicks in der vergangenen Offseason. Der Sommer 2016 dürfte bei den drei Franchises in schlechter Erinnerung bleiben – und die nächsten Jahre negativ beeinflussen.

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