Dallas Mavericks, Keys to the series, NBA, Playoffs 2014, San Antonio Spurs

Keys to the series: San Antonio (1) vs. Dallas (8)

Western Conference, first round

Dallas vs. San Antonio. Der Texas-Klassiker geht heute in eine neue Runde. Go-to-Guys.de schaut auf alle Serien und versucht zu erklären, was die Franchises machen müssen, um erfolgreich aus der Serie zu gehen. Was sind die “Keys to the series” für die Spurs und Mavericks?

Wie kann San Antonio diese Serie erfolgreich gestalten?

Fabian Thewes: Indem sie die Mavericks nicht unterschätzen. Die San Antonio Spurs haben alle Trümpfe in der Hand: ein ausgeklügeltes Offensivsystem, welches wie ein Uhrwerk funktioniert, ohne dass es einen wesentlichen Unterschied macht, wer sich gerade auf dem Feld befindet. Entwickelt wurde es vom wohl besten Coach der NBA, Gregg Popovich, der die Spieler perfekt einstellt und auf alle Fragen Antworten finden kann. Dazu gesellen sich Tony Parker und Tim Duncan, die immer noch zu den Besten ihrer Positionen gehören, und die zahlreichen soliden Rollenspieler, die durch ihre Wurfstärke, Verteidigung oder Erfahrung glänzen. Was soll da noch schief gehen? Solange die Spurs nur ansatzweise ihr Spiel aufziehen können, wird das eine sehr kurze Serie werden. Unterschätzen die Spurs jedoch die Mavs und Letztere klauen womöglich eine der ersten beiden Partien, dann könnte es selbst für San Antonio gefährlich werden. Wahrscheinlich ist das aber nicht.

Julian Lage: Es gehört zu den üblichen Mechanismen der NBA, alternden Stars spätestens gegen Ende der Regular Season zu gelegentlichen Pausen zu verhelfen. Gregg Popovich hat dieses Prinzip in den letzten Jahren auch zu Lasten des eigenen Kontos weiter ausgebaut und diese Saison noch mal auf eine neue Stufe gehoben: Es dürfen nicht etwa nur Duncan und Ginobili Pausen einlegen – im Schnitt stand kein Spieler mehr als 30 Minuten pro Partie auf dem Parkett.
Obwohl ein ausgeruhtes Team an sich natürlich ein klares Plus ist, birgt die Situation auch ein Risiko: Während die Mavs durch die Duelle mit Warriors, Suns und Grizzlies praktisch schon seit Wochen in Playoff-Stimmung sind, ließen die Spurs die Saison mehr oder weniger einfach auslaufen. Mit gesicherter Spitzenposition und Kurzeinsätzen für die Starter verlor das Team zuletzt sogar noch gegen die Lakers. Entsprechend dürfte es für San Antonio die Hauptaufgabe sein, wieder in den Playoff-Modus zu schalten, also: kürzere Rotation und Fokus auf den Gegner. Durch die Erfahrung des Teams sollte das aber kein allzu großes Problem darstellen.

Dennis Spillmann: Wie meine Vorredner schon andeuteten, haben die Spurs gleich einige Waffen zu bieten, die sich offensiv und defensiv sehen lassen können. Um die Serie jedoch möglichst einseitig gestalten zu können, muss Tony Parker konsequent seine Mismatches ausnutzen. Jose Calderon steht auf Platz 81 von 87 gelisteten Spielern beim defensiven RPM, Monta Ellis ist immerhin noch 51. von 91 Shooting Guards. Die Krux für Dallas: Beide Guards sind offensiv die besten Backcourt-Spieler und werden dringend benötigt. Zwingt Parker also Dallas dazu, dass man mit Devin Harris den besten Verteidiger nutzt, kann San Antonio gleichzeitig dafür sorgen, dass Dallas’ Offensive gelähmt wird. Ein aggressiver Tony Parker eröffnet nicht nur einfache Punkte für sich und seine Mitspieler, sondern zwingt auch den Gegner, seine Lineups zu ändern. Dies sollte sich zusätzlich positiv für die Spurs auswirken.

Wie kann Dallas diese Serie erfolgreich gestalten?

Fabian Thewes: Deutlich besser verteidigen. Während Dallas zu den offensivstärksten Teams zählt (#3 der NBA), sind sie bezüglich der defensiven Effizienz im letzten Drittel der NBA zu finden. Oder anders ausgedrückt: von allen Playoffteams spielen die Mavericks die schlechteste Verteidigung. Besonderes Augenmerk sollten die Mavericks auf die Verteidigung am Perimeter legen, denn die Spurs sind berühmt dafür, den Ball so lange zu verteilen, bis einer der vielen Schützen frei ist. Nicht umsonst ist kein Team der NBA so effizient bei Spotup-Würfen wie die Spurs. Auch das Pick & Roll wird sehr erfolgreich genutzt, vorzugsweise mit einem dann zum Korb ziehenden Tony Parker, der entweder selbst abschließt oder den freien Mitspieler findet. Dementsprechend muss sich Jose Calderon, der zu den schlechtesten Defendern gehört, besonders anstrengen. Es wäre daher nicht überraschend, wenn Defensivspezialist Devin Harris eine größere Rolle einnimmt als sonst. Unterm Korb muss Dalembert, unterstützt durch Shawn Marion, die Verteidigung zusammen halten. Gelingt dies nicht, droht eine deutliches Ausscheiden, wenn nicht sogar ein klassischer Sweep. Ansonsten bleibt nur noch die Hoffnung, dass das Team um Superstar Dirk Nowitzki meist dann am besten ist, wenn sie der Underdog sind, siehe die Saison 2010/2011.

Julian Lage: Es liegt in der Natur der Sache, dass man auf den letzten Playoff-Plätzen kaum als Favorit in eine Serie geht. Für die Mavs sieht es nach der Last-Minute-Niederlage gegen die Grizzlies noch düsterer aus – im Matchup mit den Spurs wirkte das Team in den letzten Jahren meist überfordert. Es müssen also mehrere Faktoren zusammentreffen, um eine Überraschung zu ermöglichen, defensiv wie offensiv.
Der Schlüssel ist aber meiner Meinung nach das Duo Nowitzki-Ellis. Nur wenn beide effizient und mit hohem Volumen treffen, hat Dallas eine Chance auf einzelne Siege. Der Rest des Teams legt zwar größtenteils gute Quoten auf, aber bei keinem der Spieler kann man einen 20+-Punkte-Ausbruch erwarten. Falls also nicht Shawn Marion oder Vince Carter eine 48-Minuten-Zeitreise einstreuen können, kommt es auf die beiden besten Scorer des Teams an. Kurze Prognose: Machen Nowitzki und Ellis zusammen unter 40 Punkte, gibt es einen Blowout. Erst wenn sich die beiden zusammen der 60-Punkte-Marke nähern, könnten die Mavs Grund zum Feiern haben.

Dennis Spillmann: Dallas ist ohne richtigen Rim-Protector und ohne Verteidiger auf den kleinen Positionen in die Saison gegangen. Aus meiner Sicht sollten sie – wie schon die ganze Saison über – ihr Heil in der Offensive suchen. Dabei liegt es nicht nur an dem angesprochenen Duo Ellis/Nowitzki, sondern am gesamten Team, offensiv durch exzellentes Spacing und Passing teamdienlich zum Erfolg zu kommen. Nowitzki hat in der Regular Season 33 Minuten pro Spiel gesehen, trotzdem stellten die Mavericks nach der All Star Break die beste Offensive der Liga. Daran muss angeknüpft werden, denn das Team birgt offensiv – bis auf Ellis – sehr effiziente Optionen. Kein Rotationsspieler – bis auf Ellis, dieser ist durchschnittlich – ist ein ineffizienter Scorer. Mit mehr Minuten für Nowitzki muss dieses Niveau – auch gegen einen Gegner wie die Spurs – gehalten werden, um die Serie erfolgreich zu gestalten.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben