Los Angeles Lakers, NBA

Das Ende naht

Sollten die Lakers Gasol traden?

“Hakuna Matata, diesen Spruch sag ich gern.
Hakuna Matata gilt stets als modern.
Es heißt: “Die Sorgen bleiben dir immer fern”.
Keiner nimmt uns die Philosophie
Hakuna Matata

Pau Gasol saß gerade im Pantages Theatre in Hollywood, Los Angeles und verfolgte mit seiner Familie das preisgekrönte Musical “The Lion King”, als auf seinem Handy unzählige Nachrichten und Anrufe eingingen. Losgetreten durch einen Tweet der kalifornischen Radiostation ESPN LA 710 AM: 

BREAKING NEWS – League sources say Pau/Bynum deal is done and happening Sunday

gasolbynumAls der Spanier in der Pause sein Telefon einschaltete, sah er sich vor dem geistigen Auge schon auf dem Weg Richtung Cleveland. Nun also doch? Die Lakers-Gasol-Ehe ist beendet? Nein. Der aufsehenerregende Tweet wurde einige Zeit später gelöscht, ESPN LA 710 AM entschuldigte sich reumütig. Trade oder doch kein Trade? Für den Bigman sind die Gerüchte, Falschmeldungen oder Liga-Interventionen allmählich zur Routine geworden. Er spielt vorerst weiter für Purple & Gold, ganz zur Freude vieler Lakers-Anhänger. Doch warum Pau Gasol bis zum 20. Februar (Trade-Deadline) doch noch ein anderes Jersey überstreifen könnte (und sollte), klären die folgenden Zeilen.

 Du kannst nicht geben, was du nicht hast

19.285.850 Dollar bekommt Pau Gasol in der aktuellen Saison überwiesen. Es ist sein letztes Vertragsjahr. Im Sommer wird er Free Agent und kann sich frei nach Teams umsehen. Gasol mag die Lakers und die Lakers mögen ihn. Was wäre da naheliegender als ein neues Arbeitspapier in Tinseltown zu unterschreiben? Nun, Mitch Kupchak hat den Salary- Cap nicht mühevoll freigeschaufelt, um die ungewohnte Flexibilität für den 33-jährigen Bigman zu verschwenden. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass mit dem Duo Bryant-Gasol kein Titel mehr zu gewinnen ist. Kobe braucht einen neuen starken Mann an seiner Seite. So jemand kostet aber in der Regel eine Menge Geld. Geld das dann nicht mehr für den Spanier übrig wäre. Einzig realistische Variante aus Sicht des Front Office: Man findet immer Sommer noch nicht die passenden Puzzleteile und bietet Gasol daher einen Vertrag mit kurzer Laufzeit (1 Jahr) zu extrem gekürzten Bezügen an. Nicht gerade verlockend für den skill-überladenen Sevenfooter. Die Zeichen stehen also auf Abschied im Sommer 2014. Warum also bis dahin fleißig Dollars an Gasol überweisen, um dann ohne Gegenwert “Adiós” zu sagen, wenn man bis zur Trade- Deadline noch ein junges Talent oder einen Draft-Pick abstauben kann?

Tanken ohne Gasol(ine)

Die Offseason 2014 wird eine der wichtigsten in der Franchise-Geschichte der Lakers. Mit Kobe Bryant, Steve Nash, Robert Sacre und Kendall Marshall (nicht garantiert) stehen vier Spieler unter Vertrag. Nick Young (via Spieleroption) und Ryan Kelly (via Qualifying Offer) könnten noch dazustoßen. Nicht gerade ein stabiles Gerüst für die letzten beiden Jahre in der Kobe-Bryant-Ära. Frisches Blut muss her. Dass Mitch Kupchak auf dem Free-Agent-Markt 2014 oder spätestens 2015 zuschlagen will, ist angesichts von minimum 25 Millionen Dollar Gehaltsspielraum mehr als ersichtlich. Dazu kommt der NBA-Draft, bei dem die Lakers erstmals seit 2007 wieder über einen Erstrunden-Pick verfügen. Gerade dieser bietet hinsichtlich der hochgelobten Draft-Class einen einfachen und günstigen Weg, um einen guten Spieler zu verpflichten. Gleichzeitig ist es der einzige Pick für die nächsten zwei Jahre. Das Wahlrecht in Runde 2 geht an die Bucks und in 2015 jeweils nach Phoenix und Orlando. Um das Maximale aus diesem einen Pick herauszuholen, müssen die Lakers verlieren, viele Spiele verlieren. Das steigert die Chancen bei der Draft-Lotterie. Eine Weg, von dem Kupchak nicht viel hält:

Das ist die schlimmste Sache, die ein Team-Besitzer, General Manager, Trainer oder Spieler in Betracht ziehen kann […] Ich kann mir nicht vorstellen, so etwas zu tun. Das wäre geradezu unamerikanisch.

Stattdessen vermittelt er noch den Glauben an eine Playoffteilnahme:

Es ist noch Zeit, das Schiff auf Kurs zu bringen und wieder ins Playoff-Rennen einzusteigen.

Dieser unerschütterliche Optimismus in allen Ehren, realistisch betrachtet tendiert die Wahrscheinlichkeit einer lila-goldenen Postseason aber gegen null. Mit einer Bilanz von 14-22 ist man in der ultrastarken Western Conference derzeit der roten Laterne näher als dem 8. Rang – dem letzten der zum Einzug ins gelobte Land berechtigt. Vergegenwärtigt man sich dann die aktuelle Form (1 Sieg in den letzten 10 Spielen), die anstehenden Partien (11 von 17 Begegnungen vor dem All-Star Break auswärts unter anderem gegen die Clippers, Heat, Pacers & Thunder) und die weiterhin andauernde Personalnot im Backcourt (Bryant, Nash, Blake, Farmar & Henry verletzt) könnte beim Lakers-GM sicher noch ein Umdenken einsetzten. So sagt er schließlich auch:

Wenn sich eine Möglichkeit bietet, die dem Team hilft zu gewinnen oder die uns bei den Planungen für die nächste Saison oder die Saison danach hilft, dann werde ich mich mit dieser Möglichkeit beschäftigen.

Um auf den Punkt zu kommen: Unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist eine Playoffteilnahme Utopie. Das wird sich auch bis zur Trade-Deadline nicht merklich verändern (höchstens zum Schlechteren). Eine Weiterbeschäftigung von Pau Gasol über dieses Datum hinaus steht im Konflikt mit einer guten Position im kommenden NBA-Draft. Das weiß auch Mitch Kupchak. Er wird aber möglichst lange das Bild der ewig-nach-Erfolg-strebenden Lakers- Franchise aufrechterhalten wollen.

It’s all about money

Das Team-Salary der Lakers (welches u.a. als Berechnungsgrundlage für die Luxussteuer dient) steht aktuell bei 78,8 Millionen Dollar, davon entfallen wie eingangs erwähnt 19,2 Millionen auf Pau Gasol. Damit liegt man über dem Limit von 71,7 Millionen Dollar und müsste Luxussteuer zahlen. Nach aktuellen Regelungen des CBA ist das ein Betrag von etwa 12 Millionen. Zusammen ergeben sich Gesamtausgaben von rund 90 Millionen Dollar.

Lakers

… mit Gasol

Team Salary

78.800.000 $

Luxussteuergrenze

71.700.000 $

zu versteuern

7.100.000 $

Luxussteuer

12.000.000 $

Gehaltsauszahlungen

78.800.000 $

Gesamtausgaben

90.800.000 $

Angenommen Mitch Kupchak entschließt sich dazu, den Spanier zu traden und erhält im Gegenzug einen Spieler mit einem Gehalt von 12 Millionen Dollar. Das Team-Salary würde um 7,2 Millionen sinken und damit unter die Luxussteuergrenze fallen. Die tatsächlichen Gehaltsauszahlungen würde lediglich um 4,8 Millionen Dollar sinken, da den jeweiligen Spielern zu diesem Zeitpunkt der Saison – wenn nicht anders vereinbart – bereits etwa ein Drittel ihres Jahresgehaltes ausgezahlt wurde. Nichtsdestotrotz würde solch ein Trade zu erheblichen Einsparungen führen.

Lakers

… mit Gasol

… mit 12-Mio. Spieler

Team Salary

78.800.000 $

71.600.000 $

Luxussteuergrenze

71.700.000 $

71.700.000 $

zu versteuern

7.100.000 $

0 $

Luxussteuer

12.000.000 $

0 $

Gehaltsauszahlungen

78.800.000 $

74.000.000 $

Gesamtausgaben

90.800.000 $

74.000.000 $

Über 16 Millionen Dollar könnte sich Purple & Gold also sichern. Das liegt zum größten Teil natürlich an der Vermeidung der Luxussteuer. Diese Tatsache hat aber auch noch einen zweiten Vorteil. In der Saison 2014-15 startet die sogenannte “Repeater Tax”, sprich ein höherer Luxussteuersatz für Wiederholungstäter. Teams die in den Spielzeiten 2011-12, 2012-13 und 2013-14 Luxussteuer gezahlt haben, werden dann verstärkt zur Kasse gebeten. In den Folgejahren dann immer die Teams, die in drei der vergangenen vier Jahre Steuerzahler waren. Durch einen Gasol-Trade kann Mitch Kupchak seinen Boss Jim Buss also mindestens ein Jahr und bis zu drei Jahre vor dieser Bürde bewahren.

Buy on bad news, sell on good news 

Seit dem geplatzten Chris-Paul-Deal, bei dem Pau Gasol nach Houston gewandert wäre, gab es unzählige Gerüchte um den Spanier. Seit diesem Tag ist der Trade-Wert des Bigmans aber auch stetig gesunken. Eine Folge schwacher Leistungen und zunehmender Verletzungen. Die letzte Saison bildete dabei den bisherigen Tiefpunkt. Gasol konnte nur 49 Spiele bestreiten und verbuchte zum Teil die schlechtesten Werte seiner Karriere wie etwa die 13.7 Punkte die er pro Spiel produzierte. In der laufenden Saison präsentiert sich der 33-jährige deutlich konstanter. Bisher verpasste er lediglich drei Spiele und zeigt erkennbar bessere Leistungen. Gerade in den letzten Tagen konnte er überzeugen. Seit der Rückkehr von einer Atemwegserkrankung, die ihn für zwei Spiele außer Gefecht setzte, legt er fabelhafte Zahlen auf: durchschnittlich 21.8 Punkte, 11.6 Rebounds, 4.4 Assists und 2.8 Blocks in den vergangenen fünf Spielen. So einen Sevenfooter hätte wohl jeder Playoffanwärter oder Contender gerne in seinen Reihen. Deshalb sollte Mitch Kupchak die Gunst der Stunde nutzen und den verbesserten Trade-Wert Gasols in brauchbare Assets für die Zukunft umzumünzen.

Adiós, Pau

Ein Abgang von Pau Gasol wäre ein trauriger Moment für die Franchise. Schließlich ist er ein wichtiger Bestandteil der Meisterschaft-Mannschaften von 2009 und 2010 gewesen, er zeigte stets Loyalität und ist einer der besten Kumpels von Kobe Bryant, da er die Fähigkeit besitzt sein Ego hinten anzustellen und sich unterzuordnen. Bedauerlicherweise sprechen aber zu viele Aspekte gegen einen Verbleib des Spaniers bis zum Saisonende. Es ist “endlich” an der Zeit, dass die nächste Trade-Benachrichtigung auf Gasols Handy auch der Wahrheit entspricht.

Der Original-Artikel ist hier zu finden.

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2 comments

  1. Jonathan Hansen

    “und ist einer der besten Kumpels von Kobe Bryant, da er die Fähigkeit besitzt sein Ego hinten anzustellen und sich unterzuordnen.”

    HAHAHA, made my day 😀 😀 😀 😀 😀 Nur wer die Fähigkeit besitzt, sein Ego hinten an zu stellen und sich unterzuordnen kann ein Kumpel von Kobe Bryant werden 😀 😀 😀

  2. lemanu

    ja ja macht auf jedenfall sinn für die lakers..
    aber wer würde momentan wirklich etwas von wert abgeben für pau, als free agent kann er ja im sommer ggf direkt wieder wechseln..
    da kommt wohl nur ein team in frage das nahe am contender status ist.
    und wer hat auch den nötigen capspace bzw tradebare verträge um die 19 mio aufzunehmen?
    mir fällt auf anhieb nur okc ein die mit perkins (8mio), plus zb steven adams (2,1 mio) und der trade exception für kevin martin (6,5mio) und picks einen deal basteln könnten..
    gasol und ibaka zu durant (und westbrook) würde schon extrem gut passen und ein klaren meisterschaftsfavoriten abgeben

    hat irgendwer andere ideen?

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