Brooklyn Nets, Keys to the series, NBA, Playoffs 2014, Toronto Raptors

Keys to the series: Toronto (3) vs. Brooklyn (6)

Eastern Conference, first round

Wie kann Toronto diese Serie erfolgreich gestalten?

Dennis Spillmann: Für die Toronto Raptors führt der Erfolg über die Bretter, die die Welt bedeuten; im Klartext: man muss das Reboundduell weiterhin gewinnen und jedem Abpraller hinterherhechten. Nicht dass das Team selbst dort ihre absolute Stärke sieht (defensiv ist man Zwölfter in der Liga, offensiv 9.), aber der Gegner ist einfach unterirdisch am Brett. Allgemein ist eine Reboundschwäche zu verschmerzen, wenn es die Teamphilosophie ist, die offensiven Rebounds abzuschenken und Fastbreaks zu verhindern. Die Nets sind aber auch Drittletzter beim defensiven Rebound.
Gerade hier müsste sich Toronto überlegen, ob man nicht etwas mehr auf Tyler Hansbrough setzen will, der der beste Offensivrebounder des Teams ist und zudem sehr viele Fouls zieht. Generell hat Toronto mit Valanciunas, Johnson und eben Hansbrough drei überdurchschnittliche Offensivrebounder (alle in den Top 50) im Team, die sehr viel Zeit sehen sollten. Gewinnt man das Duell an den Brettern, kann man schon dadurch die Serie so beeinflussen, dass man siegreich aus dieser hervorgehen kann.

Artur Kowis: Entgegen der Erwartungen Vieler haben die Raptors Kyle Lowry nicht getradet, sondern mit DeMar DeRozan an seiner Seite eines der, wenn nicht dem Drive-freudigsten Backcourt-Duos etabliert. Die Verteidigung der Nets hat in diesem Duell noch nicht gelernt, die Offensive, die diesem Duo entspringt zu stoppen und so sollte dieses zweiköpfige Monster aus Athletik, Ballhandling und Wurfstärke attackieren wie bisher.  Als Duo erzielten sie gegen die Nets im Durchschnitt 44 Punkte pro Spiel, trafen 50% ihrer Würfe und hatten einen FTA/FGA-Wert von 0,37. Lowry war in den vier Spielen wie besessen und füllte den Statistikbogen dazu mit 6 Assists, 4,8 Rebounds und 2,3 Steals pro Spiel. DeRozan tat sich neben seinem Rebounding (5,3 RPG) auch als Vorbereiter hervor (3 APG) und zog für jeden zweiten Wurf einen Freiwurf.

Jonathan Walker: Die Hauptgründe für die beste Bilanz in der Geschichte der Raptors sind DeMar DeRozan und Kyle Lowry, welche sehr starke reguläre Saisons spielten und von Deron Williams und Joe Johnson kaum zu stoppen sein sollten. Beide öffnen durch Drives und Pick and Rolls Räume für die Spotup-Shooter, allen voran Ross und den jeweils offball agierenden Lowry oder eben DeRozan. Brooklyn ist eins der schlechtesten Teams beim Verteidigen von Spotups, was den Raptors ebenfalls in die Karten spielen sollte. Diese Schwächen müssen die jungen Dinos ausnutzen, um den Veteranen aus Brooklyn ihren vielleicht letzten Run zu vermasseln.

Wie kann Brooklyn diese Serie erfolgreich gestalten?

Dennis Spillmann: Jason Kidd muss in den Playoffs klare Rotationen finden. Was sich wie selbstverständlich anhört, ergibt bei dem Blick auf die genutzten Lineups in der regulären Saison erst einen Sinn. Brooklyn hat gerade ein Mal vier Lineups mehr als 100 Minuten in der Saison genutzt. Das sind 1,1 Minuten pro Spiel. DIe fünftmeistgenutzte Lineup enthält sogar noch Brook Lopez. Natürlich liegt das an den Verletzungssorgen des Teams, deshalb ist es umso wichtiger, dass Kidd genau weiß, wie er Garnett gewinnbringend einsetzen kann, wie er Deron Williams mit oder neben Shaun Livingston nutzt oder ob er auf Andrei Kirilenko zurückgreifen kann.
Dies klingt wie Kinderkrankheiten, die man innerhalb der Saison beheben sollte, aber genau dies ist das Problem der Nets: Sie haben noch immer keine konstante Rotation. Was jedoch Hoffnung macht: alle vier Lineups dominieren ihre Gegner. Die beiden Lineups mit Garnett sind defensive Bollwerke – und das mit Paul Pierce auf der 4. Dazu bestehen diese Lineups aus gerade einmal acht Spielern: Williams, Livingston, Anderson, Johnson, Pierce, Garnett, Plumlee, Blatche. Alternativ hat man auch noch Thornton, Kirilenko und Teletovic in der Hinterhand. Wie bereits beschrieben: Man muss eine klare, straffe Rotation finden, um diese Serie erfolgreich zu gestalten.

Artur Kowis: Die Nets sind, auch aufgrund der Reboundüberlegenheit der Raptors, gut beraten, die zuletzt sehr erfolgreiche Spielweise um Paul Pierce auf der Vier beizubehalten. Kyle Lowry und Amir Johnson bilden ein starkes defensives Guard/Big-Duo und Kyle Lowry wird im Duell mit Deron Williams wissen, was er zu tun hat. Johnson ist am Korb eine Bank für Toronto, kann jedoch schon mal auf Grund laufen, wenn er außerhalb der Zone starke Schützen zugewiesen bekommt und offenbarte z.B. gegen Kevin Love und die Timberwolves Probleme, eine Balance aus Absichern der Zone und Manndeckung zu finden.
Pierce traf in den letzten beiden Begegnungen 10-14 Dreier, was Johnson früh in der Serie konsequent aus der Zone locken sollte. Sein Einfluß bei den Brettern sollte dadurch schwinden und der der junge Jonas Valanciunas, dessen Verteidigung eher suspekt ist, müsste sich öfters alleine um die Zone kümmern.

Jonathan Walker: Es mag abgedroschen klingen, doch Brooklyn hat sehr viel mehr Erfahrung als die jungen Raptors. Garnett (131), Pierce (136), Johnson (69) und Williams (51) haben schon einige Schlachten geschlagen, während die Starter der Kanadier wenig (Lowry 13, Johnson 11) bis keine (DeRozan, Ross, Valanciunas) Playofferfahrung haben. Toronto hat fraglos die klar bessere reguläre Saison gespielt, doch die Nets wurden letzten Sommer für einen einzigen Zweck gebaut: In den Playoffs zu gewinnen. Durch Verletzungen, fehlende Einspielzeit und Coachingerfahrung Kidds sieht Brooklyn schlechter aus, als sie spielen können. Doch das dürfte sie selbst am allerwenigsten stören. Dieses Team hat nur auf diese Zeit des Jahres gewartet, um ihr wahres Leistungsvermögen zu zeigen, während Toronto eher überperformt hat. Nicht falsch verstehen: Die Nets haben definitiv ihre Schwächen und noch einiges zu beweisen, doch das erfahrenere und potentiell letztlich stärkere Team.

 

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2 comments

  1. Poohdini

    Wie seht ihr das Coaching-Duell? Casey hat dieses Jahr entgegen der Erwartungen einen hervorragenden Job gemacht (defensiv und Offensiv als einziges Ost-Team in den Top 10).

    Kidd hat zwar auch klasse nachjustiert nach dem miesen Saisonstart, aber ist Rookie.

    Gerade in den POs haben wir in den vergangenen Jahren oft gesehen, dass gute Coaches die schlechten ausgetanzt haben. Casey hat immerhin als Assistent Erfahrung bei einem Meister-Run, hat von einem der besten In-Game-Coaches gelernt und ist immerhin schon länger Head Coach.
    Bei Kidd weiß man da ja noch überhaupt nichts.

    IMO sind da die Raptors im Vorteil. Zudem sind sie eines der besten Crunchtime-Teams der Liga.

  2. Artur Kowis

    Coaching halte ich für sehr schwer vorherzusagen. Letztendlich ist es eine Black Box, deren Tendenzen man zwar am Spiel erkennen kann, aber in vielen entscheidenen Situationen, die oft für Coaching-Diskussionen herhalten ist schwer zu sagen, ob es nun vom Coach gewollt war oder nicht (switch bei nem PnR vor einem entscheidenen Wurf, Doppel/Nicht-Doppeln eines Spielers, der zu einem entscheidenden Wurf führt, etc). Da steckt letztendlich auch viel Varianz drin, vor allem in der kleinen Stichprobengröße der Playoffs und inwieweit etwas vom Coach gewollt ist oder durch einen Spieler selbstbestimmt ist oft einfach undurchsichtig.
    Die Nets sind aufgrund der Diskrepanz der besonderen Erfahrung ihrer Spieler / “Unerfahrenheit” ihres Head Caches ein Sonderfall… Kidd gibt Spielern wie Williams/Garnett/Pierce wahrscheinlich mehr Freiheiten, in der Hitze des Gefechts entgegen seinen Direktiven zu folgen, als Casey bei DeRozan/JoVal/Ross, aber auch das ist in einer kurzen Serie recht schwer zu sehen bzw. vorherzusagen.

    Casey hat mit seiner Reaktion auf den Druck auf DeRozan (Vasquez/Lowry/DeRozan-Lineup) sowie dem Smallball-Problems (Pat Pat/Hayes anstatt Amir im letzten Viertel) jedoch schon einige Anpassungen vorgenommen, die im letztendlich vielleicht als “overcoaching” angekreidet werden, sollte er damit weiter experimentieren und die Serie verlieren. Casey ist sicher auch nicht perfekt, anscheinend fand er es ja auch Rudy Gay mit Monster-Usage geil. :D

    Ich sehe auf dem Papier auch die Raptors mit Vorteilen, halte jedoch die Nets für ein böses Match-Up.


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