Washington Wizards

Washington nach dem Aus

Welche Lehren können wir aus der Wizards-Postseason ziehen?

Die Saison der Washington Wizards ist zu Ende. Nach einigen Höhen und Tiefen beendeten die Boston Celtics in Spiel 7 alle Träume von der ersten Conference-Finals-Teilnahme Washingtons in diesem Jahrtausend; die Gründe für die Niederlage haben wir hier dargelegt. Jetzt wird es allerdings Zeit, den Blick nach vorne zu richten. Wie ist die Saison und der Playoff-Run des Teams zu bewerten? Wo steckt noch Potential im Kader? Oder einfach gesagt: Wie geht es jetzt weiter in Washington?

Die Bestandsaufnahme der Franchise soll dabei pyramidenförmig erfolgen: oben sind die Stars, in der Mitte die Starter, unten die Rollenspieler. Beginnen wir also bei den Stars oder mit anderen Worten bei John Wall.

Der Wall-Train

Bereits in der Regular Season spielte John Wall den wohl besten Basketball seiner Karriere. In den Playoffs ließ er diesem weitere Fabelleistungen folgen. 27,2 PPG und 10,3 APG wirft Wall in der Konversation um den besten Point Guard der Playoffs in den Ring, bei zumindest akzeptablen Quoten (45,2% FG, 34,4% 3FG). Das ORtg (113) war dementsprechend gut, wenn auch nicht herausragend. Besonders wichtig war dabei, dass Wall als Scorer einen großen Schritt nach vorne gemacht hat: Seinen Karriere-Schnitt bei den Punkten (18,8 PPG) hob er in der Regular Season um fast 5 Punkte auf 23,1 PPG und steigerte sich dann in den Playoffs noch einmal. Wall ist so weniger abhängig von seinen Mitspielern und in der Lage, in wichtigen Phasen selbst zu übernehmen. Viel wichtiger sind aber die nicht messbaren Aspekte seines Spiels: Wall ging als Leader voran, führte die starke Starting-Five an, attackierte unerlässlich in Transition und riss Lücken für seine Mitspieler. In unsere Top 10 Spieler der Saison hat es Wall – zurecht – noch nicht geschafft, viel fehlt ihm aber nicht mehr dorthin.

Gleichzeitig gibt es aber auch einige Kritikpunkte, die nicht unter den Tisch fallen dürfen. Avery Bradley erwischte Wall etwa mehrfach unaufmerksam in der Defense, auch Dennis Schröder legte gegen Wall bessere Zahlen auf, als man von ihm gewöhnt ist. Und dann wären da ja noch die Schlussphase in Spiel 7: Wall vergab nicht weniger als seine letzten 11 (!) Würfe aus dem Feld. Ist John Wall also auf höchstem Level, in den entscheidenden Minuten einer Saison, nicht in der Lage zu liefern? Das ist Populismus. Ein Großteil seiner Probleme ist auf die große Last zurückzuführen, die Wall in der Serie gegen die Celtics tragen musste – die Müdigkeit war ihm (und den übrigen Startern) mitunter deutlich anzusehen. Gerade für einen Spieler, der so von seinem Speed und seinem Drive lebt, sind müde Beine ein Todesurteil. Vielmehr verdeutlicht dies, dass Wall trotz seiner starken Leistungen noch Luft nach oben hat: Etwa bei den Turnovern (4,2/Spiel in den Playoffs), der Defense oder nach wie vor dem Dreier.

Die Wizards sind damit in einer recht komfortablen Situation: Sie haben mit Scott Brooks einen soliden Coach, der fest im Sattel sitzt, und einen glasklaren Franchise-Spieler, der erst am Anfang seiner Prime steht. Darauf kann man aufbauen.

Wer ist der Co-Star?

Gleichzeitig wissen wir schon länger, dass in der NBA ein Akteur auf Allstar-Niveau meist nicht ausreicht, um wirklich nachhaltigen Erfolg zu haben. Die Wizards trauen diese Rolle der zweiten Option Bradley Beal zu und bezahlen ihn entsprechend (5 Jahre/ 127 Mio.). Ist das Vertrauen gerechtfertigt? Beal arbeitet mit seinen starken Playoffs zumindest daran. Genau wie Wall legte er in der Regular Season bereits Career-Highs (23,1) auf und steigerte diese dann in den Playoffs noch einmal (24,8 PPG). Phasenweise stellte Beal die Boston Celtics mit seinem variablen Spiel vor große Probleme.

Generell passt Beal nahezu perfekt neben Wall. Er bietet den Wurf, um Wall Räume zu verschaffen, kann notfalls auch Würfe für sich selbst kreieren und spielt dazu starke Defense. All das macht ihn zur idealen Besetzung als Co-Star des Teams – vorausgesetzt, er bleibt gesund und kann die starken Leistungen der Playoffs bestätigen. Denn wirklich konstant auf höchstem Niveau spielte Beal nicht; gerade die Dreierquote in den Playoffs (28,7%) war alles andere als gut.

Die (zweit-)beste Lineup der Liga

Die wichtigen Positionen des Teams scheinen somit besetzt, vor allem wenn man die starke Starting Five hinzufügt. Noch mal kurz zur Auffrischung: Sie war in der Regular Season die meistgespielte Lineup der Liga und hatte nach der Death-Lineup der Warriors das beste Net-Rtg. Auch in den Playoffs performte die Starting-Five stark und spielte gegen die Celtics mehrfach bereits im ersten Viertel zweistellige Führungen heraus; in 250 Minuten kam sie auf ein Net-Rtg von +18,9 pro 100 Ballbesitze. Das ist ein extrem starker Wert! Spielerisches Sorgenkind war dabei Marcin Gortat: In den Playoffs kam er nur auf 8,1 PPG, eine USG% von 12,4% und trat generell seltsam passiv auf. Spiele wie Spiel 7 gegen die Celtics (6 Punkte, 2/6 FG), Spiel 5 gegen die Celtics (7 Punkte, 3/7 FG) oder Spiel 3 gegen die Atlanta Hawks (2 Punkte, 1/3 FG) können passieren, jedoch nicht so regelmäßig wie in dieser Postseason. Überhaupt ist der Pole mit 32 Jahren der einzige Starter, der seine Prime bereits hinter sich gelassen hat; die mangelnde Schnelligkeit machte sich dabei bereits bemerkbar, vor allem, wenn die Celtics mit einem mobilen Big Man spielten und Gortat in Pick-and-Rolls gegen Isaiah Thomas verwickeln konnten. Kelly Olynyks herausragende Leistungen in Spiel 7 kamen auch zustande, weil Gortat ihn an der Dreierlinie häufig aus den Augen verlor. Mittelfristig werden die Wizards Gortat ersetzen müssen; 1-2 Saisons auf hohem Niveau sind dem Polen aber noch zuzutrauen. Ein Bonuspunkt ist die Verlässlichkeit des Routiniers, der ligaweit einer von nur 5 Spielern mit 82 Starting-Five-Einsätzen war.

Otto Porter dagegen bereitet den Verantwortlichen sportlich kein Kopfzerbrechen – trotzdem ist er die spannendste Wizards-Personalie des Sommers. Seine Leistungen in den Playoffs waren solide: Sowohl bei Punkten, Rebounds, Dreierquote lieferte er auf dem Niveau der Regular Season ab, sein surreales 130er Ortg konnte er halten. Jetzt im Sommer wird er Free Agent; was, wenn ein Team wie die Brooklyn Nets ihm einen Maximal-Deal anbieten? Sind die Wizards bereit, einem elitären Rollenspieler (aber eben auch „nur“ ein Rollenspieler) so viel Geld zu zahlen? Das Team wäre auf einen Schlag ein extrem teures. Raum für Verbesserungen bliebe so kaum – gerade vor dem Hintergrund der schwachen Bank ein großes Problem. Dennoch ist eine Verlängerung eigentlich alternativlos: Porter ist noch relativ jung und passt als 3-and-D-Spieler perfekt ins Team. Und selbst wenn die Wizards ihn ziehen lassen sollten, bliebe bei 94 Mio. garantierten Gehältern nicht viel Geld unter dem Salary Cap übrig.

Wahrscheinlich wird die Starting Five, und damit der Kern des Teams, nächste Saison also zusammenbleiben. Größere Verletzungen oder einen unerklärlichen Leistungsabfall ausgeschlossen sollte das reichen, um den Heimvorteil in der ersten Playoff-Runde anzupeilen. Wie weit es darüber hinausgehen kann, wird von der Kreativität des Managements entschieden.

Sorgenkinder aus Reihe 2

Die Bank ist das große Sorgenkind der Wizards. Schon während der Regular Season wurde das offensichtlich, die Additionen von Bojan Bogdanovic und Brandon Jennings konnten dem aber keine Abhilfe leisten. In der Serie gegen die Celtics verspielten die Bank-Lineups unzählige Male einen komfortablen Vorsprung und konnten auf diesem Niveau schlicht und ergreifend nicht mithalten. Hier sind einmal die On-Off-Werte der wichtigsten Bankspieler: Brandon Jennings (-19,0); Bojan Bogdanovic (-19,9); Kelly Oubre (-37,6); Jason Smith (-16,2); Ian Mahinmi (-28,1). Natürlich kommen diese extremen Zahlen auch durch die Stärke der Starting-Five zustande, sie verdeutlichen aber den extremen Leistungsabfall zwischen den Mannschaftsteilen. Besonders wenn Wall und Beal gleichzeitig auf der Bank saßen, brach alles zusammen. Defensiv bekleckerten sich die Bankspieler ebenfalls nicht mit Ruhm.

Wie kann die Bank also verbessert werden? Nun, es wird ganz schwer. Platz unter dem Salary Cap ist keiner vorhanden, ebenso wenig wie ein Erstrundenpick. Viele Optionen bleiben dem Management also nicht. Wahrscheinlich ist, dass die Wizards Bogdanovic resignen (immerhin haben sie für ihn einen Erstrunden-Pick geopfert) und sich auf dem Free Agent Markt nach günstigen Verstärkungen umsehen. Besonders nötig ist hierbei ein Ersatz für den untauglichen Brandon Jennings, der das Team als Free Agent wohl verlassen wird. Dennoch ist die traurige Wahrheit, dass externe Zugänge die Bank nicht auf ein neues Level heben werden. 1 oder 2 billige Veteranen sowie ein Zweitrunden-Pick werden das Maximum sein, was die Wizards bekommen können.

Wizards-Fans sollten ihre Hoffnungen daher eher auf internes Wachstum setzen, genauer gesagt auf Kelly Oubre. In den Playoffs zeigte der 21-jährige viel Licht, sehr viel Schatten und ein hitziges Gemüt. Positiv waren sicherlich seine Dreierquote (37,6%) und die defensive Flexibilität – teilweise übernahm er das Matchup gegen Dennis Schröder und auch gegen Isaiah Thomas.  Wirklich gut funktioniert hat das nicht, lässt aber für die Zukunft hoffen. Auf der anderen Seite konnte er offensiv das Mismatch gegen Thomas nur selten bestrafen und hatte defensiv immer wieder Aussetzer, die auch die miesen On-Off-Zahlen (-37,5) erklären. Potential und athletische Tools für einen Leistungssprung sind bei Oubre aber definitiv vorhanden. Als variable Waffe von der Bank ist er schon nächste Saison der wichtigste Bankspieler der Wizards. In der abgelaufenen Regular Season hat er das bereits angedeutet: Hochgerechnet auf 100 Ballbesitze performte die Small-Ball-Lineup Wall-Beal-Porter-Oubre-Gortat sogar besser als die starke Starting Five. In den Playoffs kam sie dagegen nur für 24 Minuten zum Einsatz, wo sie hochgerechnet auf 100 Ballbesitze ein verheerendes Net-Rtg (-29,3) aufwies.

Ein anderer Fall ist Ian Mahinmi. Der Center kam nach einer Knie-Verletzung schwer in die Saison und bewegte sich bis zuletzt etwas unrund. Kann er sein altes Niveau wiederfinden, haben die Wizards wenigsten einen soliden Center, der Gortat entlasten kann und die Bank-Lineups defensiv verankern kann. Mit seinem Gehalt (64 mio/4 Jahre) ist er aber extrem teuer für einen Backup-Center und somit eigentlich ein Kandidat, den die Wizards  gerne abgeben würden.

Fazit

Insgesamt stehen die Wizards also gut, aber nicht hervorragend, dar. Das Team hat einen klaren Franchise-Spieler, einen Co-Star und eine starke Starting-Five, die (eine Porter-Verlängerung einberechnet) auch mittelfristig zusammenspielen wird. Um in Zukunft die Spitze der Eastern Conference anzugreifen, fehlen dem Team aber noch einige Puzzleteile in Form von verlässlichen Bankspielern. Diese zu bekommen wird schwer, finanzieller Spielraum ist mittelfristig kaum vorhanden. Es liegt nun also in der Hand des Managements, das Team mit einigen kreativen (sprich: billigen) Transfers zu verstärken. Diese werden darüber entscheiden, ob in Washington in den nächsten Jahren nur ein gutes Playoff-Team oder ein Contender spielt.

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