Playoffs 2017, Washington Wizards

Wo ist die Magie geblieben?

Wie Atlanta den Wizards Probleme bereitet

Markieff Morris? 25,0% von Downtown. Bojan Bogdanovic? 21,4%. Bradley Beal? 26,8%. Otto Porter, immerhin drittbester Dreierschütze der Regular Season? 27,3%. Wahrscheinlich träumt Scott Brooks nachts von all den Bricks, die seine Flügelspieler in der Serie gegen Atlanta produzieren. Als Team schießen die Washington Wizards polarkalte 29,4% von der Dreierlinie, aus dem Feld sieht es mit 43,3% nur unwesentlich besser aus. Nach zwei Auswärtsniederlagen am Stück stehen die Wizards jetzt am Scheideweg. Denn wenn man ehrlich ist, sind die Atlanta Hawks bisher das bessere Team in dieser Erstrundenserie: Insgesamt führen sie nach erzielten Punkten mit 435 zu 422 und schaffen es bisher, dem Gegner den ungeliebten physischen Halbfeld-Basketball aufzuzwingen. Verzweifeln sollten Fans der Wizards aber nicht. Es spricht immer noch viel für ein Weiterkommen des eigenen Teams: die Wizard haben immer noch mehr Talent, dazu zwei von drei Spielen im heimischen Verizon Center, in dem inklusive der Playoffs 32 von 43 Partien in dieser Saison gewonnen werden konnten. Aber was muss Washington besser machen in dieser Mini-Best-of-three-Serie? Und was ist in Atlanta schief gelaufen?

Was tun gegen Millsap?

Beginnen wir mit der Defensive. Auf den ersten Blick sehen die Zahlen nicht unbedingt gut aus: In jedem Spiel konnte Atlanta über 100 Punkte erzielen, zuhause gar 116 und 111. Das DRtg der Wizards liegt bei 108,6; ein Wert, der sogar besser ist als die Regular-Season-Werte der Wizards (109,3), aber eben besser ist als das, was die Hawks normalerweise produzieren. Insgesamt zeichnet Washingtons Defensive ein gemischtes Bild, manches funktioniert gut, anderes überhaupt nicht. Zu allererst wäre hierbei die wieder einmal schwache Bank zu nennen. Mit Brandon Jennings und Jason Smith tummeln sich hier zwei absolute Minusverteidiger. Jennings kann körperlich weder gegen Dennis Schröder noch Kent Bazemore dagegenhalten und verschläft häufiger einfache Cuts; Smith dagegen fehlt die horizontale Mobilität, um gegen die beweglichen Hawks-Power-Forwards (Millsap und Ilyasova) mithalten zu können. Beide schaden den Wizards defensiv, vor allem da auch der Rest der Bank um Bojan Bogdanovic defensiv nicht gerade herausragt. Der einzige Plusverteidiger von der Bank, Kelly Oubre, hat gegen die Hawks ein schweres Matchup. Für die Vier fehlt es ihm gegen die physischen Hawks an Muskelmasse, sodass er fast ausschließlich auf dem Flügel eingesetzt wird. Teilweise verteidigt er sogar gegen Dennis Schröder, um Jennings in der Defense zu verstecken – wegen Oubres unweigerlichen Geschwindigkeitsnachteilen ein schweres Matchup. Hier macht sich Ian Mahinmis Ausfall schmerzlich bemerkbar, der dafür verantwortlich war, die Second Unit defensiv zu verankern.

Die Defense der Starting Five ist dagegen zumindest auf solidem Niveau. Eigentlich nur Paul Millsap stellt die Wizards vor wirklich größere Probleme. 23,5 PPG, 8,8 RPG und 4,3 APG bei 10,7 FTA (!) legt er in den bisherigen vier Spielen auf; dazu hängt er den Wizards-Big Men immer wieder Fouls an und verbannt Markieff Morris so auf die Bank. Nebenbei verhindert er es, dass die Wizards kleiner spielen, etwa mit Oubre auf der Vier – die Lineup Wall-Beal-Porter-Oubre-Gortat, die zweitmeistgenutzte der Regular Season, gab es in der Serie bisher noch keine Sekunde zu sehen! Millsap ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Gamechanger: Er zwingt Smith statt Morris aufs Feld und verhindert, dass die Wizards ins Laufen kommen.

Wer hilft Wall und Beal?

Größere Probleme als defensiv haben die Wizards dagegen offensiv, wobei sich die beiden Pole gegenseitig bedingen. In meinem letzten Artikel habe ich das starke Transition-Game der Wizards aus den Spielen 1 und 2 beleuchtet, aber darauf haben sich die Hawks mittlerweile eingestellt. Insgesamt stehen die Wizards bei nur noch 1,11 PPP in der Serie (1,30 PPP in den ersten beiden Spielen), zudem zwingen die Hawks ihrem Gegner immer wieder ins Halbfeld und ziehen unverändert viele Freiwürfe. Washington ist daher gefordert, auch im Halbfeld gute Wurfchancen herauszuspielen – und genau da versagt das Team von Scott Brooks bisher. Das ORtg des Teams (105,7) ist im Vergleich zur Regular Season (111,2) eingebrochen.

In der Einleitung sind die Wurfquoten der Wizards-Flügel bereits zitiert worden. Woher kommen diese? Kurz gesagt haben die Wizards ein Problem: Mangelndes Inside-Outside Play. Die Hawks sind im Laufe der Serie dazu übergegangen, die Zone komplett dichtzustellen – mit Dwight Howard als Center und einem Rim-Protector wie Paul Millsap keine schlechte Option. Folgende beide Bilder zeigen die Pick-and-Roll Coverage der Hawks in Spiel 4.

Zuerst die gegen John Wall, der bisher nicht von ungefähr 58,3% seiner Dreier trifft:

Und hier das gleiche gegen Bradley Beal:

Howard bleibt schlicht und ergreifend einfach in der Zone stehen. Dadurch haben die beiden Backcourt-Stars der Wizards natürlich häufig offene Würfe; die Betonung liegt aber auf Würfe, denn Abschlüsse am Brett sind so rar. Bradley Beal etwa schließt momentan nur 13,2% seiner Abschlüsse in weniger als 3ft Entfernung ab, dafür aber deutlich häufiger als in der Regular Season aus der Distanz 3-16ft. Walls Zahlen sind besser, kommen aber vor allem durch sein starkes Transition-Game zustande. Als Team treffen die Wizards in der Restricted Area nur 58,7% (Platz 9 in den Playoffs) und in der Zone sogar nur 38,3% (Platz 14) – trotz vieler Fastbreak-Abschlüsse. Mit 24,5 FGA aus der Mitteldistanz nehmen sie dafür die meisten der Playoffs aus dieser Distanz – nicht besonders vielversprechend… Die Hawks dagegen schließen deutlich häufiger in der Restricted Area (Platz 2) und kaum aus der Mitteldistanz ab (Platz 13). Generell spielen die Hawks, so hart muss man es formulieren, einfach härter als die Wizards.

Die Leidtragenden dieser Taktik sind die Rollenspieler der Wizards. Wall (28,8 PPG) und Beal (24,3 PPG) bestrafen diese Taktik der Hawks individuell eindrucksvoll, wenngleich Beal mit seinem Wurf (41,8% FG, 26,8% 3FG) hadert. Ein dreckiges Geheimnis des Wizards-Kaders ist aber, dass sich außer diesen beiden niemand konstant seinen eigenen Wurf kreieren kann. Nicht umsonst bekamen die Wizards in Spiel 4 Probleme als Wall und Beal beide gemeinsam auf der Bank Platz nahmen. Spieler wie Porter, Bogdanovic, Oubre oder Morris sind aber darauf angewiesen, dass insbesondere Wall ihnen Freiräume verschafft. Die Hawks geben ihnen davon aber relativ wenig und machen wenn Wall doch einmal Hilfe zieht einen guten Job, die Schützen mit harten Closeouts zu attackieren; Porter und Morris bleibt dann häufig nur der Abschluss nach einem Pumpfake und einem Dribbling in die Mitteldistanz. 

Und dann wäre da ja noch die Causa Gortat. Der Pole spielt eine durchwachsene Serie: Seine Stats von 8,0 PPG und 11,5 RPG bei 55% FG lesen sich auf den ersten Blick nicht so schlecht, die Zahlen liegen nur knapp unter seinem Regular Season Schnitt. Gerade im Angriff spielt Gortat aber zu passiv. Seine USG% von 10,3% ist im Vergleich zur Regular Season (14,5%) deutlich gesunken; in den beiden Niederlagen in Atlanta nahm er jeweils nur 4 Würfe! Dabei eröffnet ihm die Pick-and-Roll Verteidigung der Hawks massig Freiräume – diese muss Gortat in den verbleibenden Spielen besser nutzen.

Ausblick

Welche Möglichkeiten bleiben Scott Brooks also für die verbleibenden Spiele? Größere Umwälzungen, etwa ein Wechsel in der Starting Five, sind nicht zu erwarten, zu eingespielt und stark präsentierte sich diese bisher in der Saison. Gleichwohl müssen die Wizards einige Kleinigkeiten anpassen, um die Serie nach Hause zu bringen. Marcin Gortat etwa muss die Freiräume, die sich ihm als Abroller bieten konsequenter ausnutzen; 4 FGA pro Spiel sind eindeutig zu wenig! Weiterhin sollte Scott Brooks sicherstellen, dass immer entweder John Wall oder Bradley Beal auf dem Feld stehen. Wall spielt in dieser Serie bisher nur 37,8 Minuten pro Spiel, da ist noch Luft nach oben. Im Gegenzug könnte Brandon Jennings reduzierte Minuten sehen, der bisher vor allem durch schlechte Defense und eine katastrophale (allerdings bisher immerhin recht erfolgreiche) Wurfauswahl auffällt.

Eine größere Umstellung könnte hin zu mehr Small-Ball erfolgen: Lineups mit etwa Porter-Oubre-Morris auf den großen Positionen wären von den Hawks kaum zu stoppen, gerade weil Morris Howards Absinken besser bestrafen kann – defensiv wäre das dafür im besten Fall waghalsig. Gut möglich also, dass Scott Brooks vor diesem waghalsigen Schritt noch zurückschreckt. Denn zu guter Letzt bleibt den Wizards noch die Hoffnung, dass die Rollenspieler im heimischen Verizon Center endlich ihren Shooting Slump ablegen. So oder so braucht Washington aber eine deutliche Steigerung, um in die 2. Runde einzuziehen.

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