NBA, Toronto Raptors

Got to give Rudy Gay what he needs

Der Trade von Rudy Gay zu den Toronto Raptors ist nun ein paar Tage alt und die Meinungen zur Transaktion der Verantwortlichen in Kanada ist noch immer gespalten. Während die Positionen zu den Pistons und Grizzlies recht klar ersichtlich sind, ist man sich bei dem Move der Raptors noch unklar. Dies bezieht sich nicht nur auf die englischsprachige Presse in den USA, sondern auch in der deutschen Medienlandschaft ist man sich uneins. André Voigt, Chefredakteur der FIVE, spricht in seinem Podcast Got Nexxt von einer Win-Win-Win-Situation. Sebastian Dumitru von NBACHEF sieht Toronto im Nachteil, weil die Verantwortlichen einen Spieler aufgenommen haben, der für die erbrachte Leistung zu viel verdient. Die Geister scheiden sich also daran, was für ein Spieler Rudy Gay ist – und vor allem, was Gay für ein Spieler sein kann.

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Was Rudy Gay kann

Rudy Gays größte Stärke ist seine Explosivität. Genau deswegen ist er bei vielen Fans auch so beliebt, weil seine Athletik für jede Menge Highlights sorgt. Nicht ohne Grund wurde Gay 2008 zum Slam Dunk Contest eingeladen. Gay schließt am Ring wie der Ligaschnitt ab. Mit vier Würfen liegt er hier über dem Schnitt und damit in den Top 10 unter den Small Forwards. Dies bezeugt auch, dass er zum Ring kommen kann, was wieder auf seine Athletik zurückzuführen ist. Berücksichtigt man zudem, dass die Grizzlies mit Randolph und Gasol für große Teile des Spiels die Zone verstopfen, stellt sich ein erstes Problem für den Einsatz Gays heraus. Gay ist mit Abstand am effizientesten, wenn er am Ring abschließen kann.

Durch seine körperlichen Voraussetzungen ist er zudem prädestiniert, in Transition abzuschließen. Dies tut er auch und ist in den Top 60 der Liga. Er erzielt hier 1,26 Points per Possession, trifft 62,5% seiner Versuche. Ebenso effizient ist Gay bei Cuts.

Ein unterschätzter Part seines Spiels ist zudem das Post-Up, wo er auf Rang 43 ligaweit geführt wird. Gay nimmt knapp 13% seiner Würfe von dort und trifft etwas mehr als 40% von dort. Wieso er mit dieser niedrigen Quote trotzdem effizient ist? Gay ist generell nicht so turnoveranfällig wie viele andere Spieler in der Liga. Er verliert nur bei 4% seiner Possessions im Post-Up den Ball. Zum Vergleich: Bei Dwight Howard beträgt der Turnoveranteil knapp 20%! Auch generell verliert Gay nicht besonders oft den Ball und rangiert ligaweit in den Top 90. Das klingt nicht besonders toll, aber Gay ist jemand, der den Ball recht oft in den Händen hat. Verglichen mit Bryant und Durant rangiert Gay hier auf einem Niveau mit den beiden Superstars.

Zudem kann Gay solide verteidigen. Besonders im Post-Up, nach Screens und Hand offs kann Gay den Gegner limitieren. Insgesamt hält Gay den Gegner bei knapp 41% aus dem Feld. Das ist solide und ein Loch ist Gay in der Verteidigung sicherlich nicht.

Was Rudy Gay nicht kann

rudygayinterviewAllerdings verteidigt Gay nicht alle Würfe so effizient wie eben beschrieben. Vor allem der Dreipunkte-Wurf ist ein großes Problem. Gay lässt 42,1% aller Dreier ihr Ziel finden, das ist furchtbar. Ein weiteres Problem ist, dass jeder dritte Wurf, der gegen Gay genommen wird, ein Dreier ist. Damit erklärt sich auch, dass Gay insgesamt nur auf Platz 267 aller Verteidiger rangiert. Es ist seine größte Schwäche. Gay hat bisher mehr Dreier zugelassen als selbst erzielt. Dies ist so natürlich nicht tragbar. Wieso Gay genau diesen Wurf nicht verhindert bekommt, ist unerklärlich. Alleine aufgrund seiner Athletik sollte er eigentlich Close-outs besser laufen oder den Abstand zu Angreifern verringern können.

Im Angriff kann Gay vor allem nicht als Spot-up-Shooter fungieren. Er trifft nur 32% dieser Würfe; leider ist der Spot-Up-Jumper der zweithäufigste Abschluss, den Gay nutzt. In der Isolation agiert Gay etwas besser, aber für die bevorzugte Angriffsart sind 35% ebenfalls nicht tragbar. Zudem ist der gesamte Mitteldistanzwurf auf demselben schrecklichen Niveau und pendelt sich bei 34-35% ein. Dasselbe gilt für den Dreipunktewurf, den Gay nur zu 32% trifft.

Was Rudy Gay benötigt, um effizient zu sein

Um die Überschrift des Artikels vielleicht kurz zu erklären: Jalen Rose’ Catchphrase aus dessen Podcast mit Dave Jacoby (“Got to give the people what they need”) passt hervorragend zu Rudy Gay, weil dieser eben kein Franchise Player ist, sondern eine ganz spezielle Umgebung benötigt, um zu funktionieren.

kylelowryDie größte Frage wird sein, wie man Rudy Gay dann benutzen sollte, wenn man mit ihm erfolgreich sein will und Gay auch eine Rolle spielen soll, die seinem Vertrag halbwegs gerecht wird. Das Team benötigt vor allem zwei Eigenschaften: einen Playmaker, der mit Gay den Fastbreak läuft und ihn vor allem im Setplay einsetzen kann, wenn Gay Cuts läuft.

Wichtiger ist aber die zweite Komponente: Spacing. Das neue Zauberwort gilt wie kaum jemand anderes für Gay. Dieser benötigt nämlich Platz, um agieren zu können. Da Gay sich seit seiner Rookie-Saison keinen verlässlichen Wurf antrainieren konnte, muss er sich vermehrt auf das Spiel nah am Korb konzentrieren. Da er als Perimeterspieler traditionell aber selbst Platz schaffen sollte, muss das Team diese Schwäche irgendwie kompensieren, indem andere Spieler für das Spacing sorgen. Zudem sollte man, wenn man sich nochmals verdeutlicht, was Gay beherrscht (Post-Up offensiv und defensiv sind solide), erwägen, Gay auch durchaus als Power Forward einzusetzen. Das würde nämlich bedeuten, dass klassischerweise nur ein Spieler auf dem Feld ist, der neben Gay noch die Zone besetzen würde. Bei den Memphis Grizzlies war dies nicht möglich, weil man mit Randolph, Gasol, Haddadi und Speights durchgängig Spieler hatte, die nur in der Zone parken. Nur Darrell Arthur agierte etwas weiter weg vom Korb. Generell war die Rotation auf der Vier aber damit auch komplett belegt, sodass man über small ball keine Minuten für Gay auf einer großen Position schaffen konnte.

Generell waren die Grizzlies für Gay auch nie so aufgestellt, um Gays Stärken herauszuarbeiten. Vielmehr musste sich Gay nach seiner Verletzung und den Playofferfolgen seiner Kollegen unterordnen. Die Grizzlies werden nach dem Trade vermehrt über die Post-Optionen Gasol und Randolph gehen, aber auch mit Gay im Team war dies nicht anders. Zudem sind die Grizzlies nicht nur auf Platz 25 in getroffenen Dreiern, sie sind auch Vorletzter bei genommenen Dreiern. Das größte Problem der Grizzlies potenziert sich hier im Hinblick auf Gay: gerade dieser braucht Spieler mit Wurf um sich. Mit Tony allen neben sich konnte Memphis zwar gut verteidigen, aber offensiv war dies keine Offenbarung: Die Grizzlies sind unterdurchschnittlich im Angriff.

Zusammenfassend benötigt Gay also einen Mitspieler, der überdurchschnittliche Courtvision und Passingskills hat. Dazu braucht er Mitspieler mit Wurf, um effizienter zu agieren. Dies konnten die Grizzlies nur zu kleineren Teilen leisten.

Können die Toronto Raptors Gay bieten, was er sucht?

Um die Antwort vorweg zu nehmen: nicht ganz. Optimale Bedingungen findet Gay nicht vor, allerdings ist das Korsett gar nicht so verkehrt, was die Raptors bieten können. Zum einen sollte bedacht werden, dass der Trade aus Sicht Torontos ein klares Talentupgrade war. Man gab mit José Calderon einen Spielmacher ab, der eine Offense leiten kann, zudem wechselt mit Ed Davis ein verheißungsvoller Power Forward nach Tennessee. Allerdings werden die Raptors dies sogar teamintern kompensieren können. Den Timesplit, in dem Kyle Lowry bisher mit Calderon steckte, wird es nicht mehr geben. Lowry wird den Großteil der Minuten bekommen, sein Backup wird John Lucas sein. Das ist qualitativ ein kleines Downrade, aber zu verschmerzen, wenn Lowry endlich wieder mit mehr Selbstvertrauen agieren kann.

Der Verlust von Ed Davis wiegt schwerer, aber bedenkt man, dass Gay auch mal als Small-Ball-Power Forward eingesetzt werden sollte, dann eröffnen sich durch den Trade vor allem für Gay Möglichkeiten, die er in Memphis nicht vorfand.

Schaut man auf den Kader der Raptors, dann sollte auch nicht vergessen werden, dass mit Andrea Bargnani ein Spieler vorzufinden ist, der das angesprochene Spacingproblem fü Gay lösen kann. Der Italiener wurde seit jeher als Bust verschrien, aber bringt eines mit, was Gay völlig fehlt: ein weiches Händchen von außen. Toronto passt also in der Sicht schon mal besser zu Gay als Memphis.

andreabargnaniProbleme gibt es aber auch und dies vor allem wieder auf dem Flügel. Toronto trifft ebenfalls unterdurchschnittlich seine Dreier, aber immerhin knapp 35%. Bis auf die Points Guards Lowry und Lucas trifft aber kein einziger Spieler über 35% seiner Würfe von außerhalb. Den besten Schützen hat Toronto mit Calderon getradet. Vor allem DeMar DeRozan und Landry Fields sehen wie (schlechtere) Klone Gays aus. Fields verweigert den Dreier komplett, DeRozan nimmt ihn, aber trifft ihn nicht. Auch Alternativen wie Rookie Terrence Ross, Linas Kleiza oder Mickael Pietrus können ihr eigentlich vorhandenes Wurfpotenzial bei den Raps nicht abrufen. Zurück bleibt die Hoffnung, dass ein Lineup aus Lowry – DeRozan – Gay – Bargnani – Valanciunas dennoch reicht, um irgendwann die Playoffs zu erreichen.

Fazit

Photo: Mark Runyon | BasketballSchedule.net

Gay kommt also wieder in ein Umfeld, wo es keine guten Schützen gibt. Deshalb sollten sich die Verantwortlichen lieber überlegen, DeMar DeRozan verfügbar zu machen, anstatt Bargnani zu shoppen. Bargnani könnte ein Schlüssel sein, wenn man wirklich um Rudy Gay aufbauen will, DeRozan ist es nicht. DeRozan hat exakt dieselben Stärken und Schwächen wie Gay, allerdings wird wohl kaum eine Franchise seinen neuen Vertag aufnehmen wollen. Ebenso verhält es sich mit Landry Fields, der in diesem Team absolut obsolet ist.

Toronto bietet für Gay persönlich jedoch das bessere Umfeld: Er darf und kann wieder mehr Verantwortung übernehmen, er hat theoretisch etwas mehr Platz als in Memphis und vor allem die Small-Ball-Variante könnte für alle interessant sein.

Toronto kann diesen Trade gewinnen, wenn man in der Offseason wirkliche Shooter verpflichten kann, die neben Gay oder DeRozan funktionieren, und Landry Fields wieder loswird. Aber auch ohne eine optimale Offseason könnte es für die Raptors reichen, im Osten um die hinteren Playoffplätze mitzuspielen, was wohl die Intention des Trades war. Keine Win-Win-Win-Situation, aber auch kein Nachteil für die Raptors.

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