Playoffs

Der Champ schlägt zurück

Einige Beobachtungen zu Spiel 2 der Finals

Nach der knappen Niederlage in Spiel 1 standen die Miami Heat vor ihrem zweiten Heimspiel in den diesjährigen NBA-Finals unter Druck. Doch wie schon gegen die Bulls und die Pacers lieferte die Mannschaft aus Florida nach einem verlorenen Spiel erneut eine besonders starke Leistung ab: 103-84 hieß es am Ende für Miami. Zwar konnte San Antonio bis etwa Mitte des dritten Viertels gut mithalten, doch dann wurden sie von einem 33-5-Lauf der Heat schlichtweg überrollt. Was also lief diesmal schlechter für die Spurs als beim ersten Aufeinandertreffen, und was machte Miami besser?

Switchen statt Blitzen

Zunächst sei festgehalten, dass die Heat die Partie mehr oder weniger von Anfang an kontrollierten. Die Spurs konnten sich vor allem bei Danny Greens makelloser Ausbeute (5-5 insgesamt) von jenseits der Dreierlinie bedanken, überhaupt so lange im Spiel geblieben zu sein. Andernfalls wäre Miami wohl schon früher davongezogen. Ein Problem aus Sicht der Texaner waren zweifellos die Ballverluste. Nun konnte man nicht erwarten, dass es ihnen in jedem Spiel gelingen würde, die Anzahl der Turnover bei den geradezu lächerlich niedrigen vier in der ersten Begegnung zu halten. Doch die 17 in Spiel 2 waren eindeutig ein paar zu viel und führten immer wieder dazu, dass die Heat ihre gefürchteten Fastbreaks laufen konnten. Tony Parker unterliefen fünf Ballverluste (bei fünf Assists auf der Habenseite), und Manu Ginobilis drei Turnover (bei nur einem Assist) geben nur unzureichend wieder, welch große Probleme der Argentinier in diesem Spiel mit dem Ballhandling hatte.

tony-parkerNatürlich muss in diesem Zusammenhang die exzellente Verteidigung der Miami Heat erwähnt werden (diese hielten die Spurs bei einem ORtg von 101). Sie gingen konstant aggressiv gegen den ballführenden Spieler vor, machten aber auch die Passwege häufig gut zu. Im Gegensatz zu Spiel 1 schien die Anweisung von Coach Erik Spoelstra diesmal zu sein, defensiv gegen Tony Parker weniger häufig zu „blitzen“ und dafür mehr zu „switchen“. Diese Strategie machte sich bezahlt und führte dazu, dass San Antonio häufig erst in den letzten Sekunden der 24-Sekunden-Uhr dazu kam, seine Setplays zu initiieren. Auf diese Weise stockte die in Spiel 1 so brillant durchexerzierte Ballbewegung des Teams aus Texas merklich; weniger gute Wurfe wurden erarbeitet, stattdessen mussten, selbst wenn es nicht zu einem Ballverlust kam, oftmals schwierige Würfe unter Zeitdruck genommen werden.

Klein spielende Bigs

Ein weiterer Unterschied zu der ersten Begegnung war die Leistung von Tim Duncan. Zwar hatte er da mit einigen Fehlversuchen begonnen, dann jedoch mit zunehmender Spieldauer ein gutes Gefühl dafür entwickelt, seine Größenvorteile gegenüber dem Frontcourt der Heat einzusetzen. Letzteres gelang „The Big tim-duncanFundamental“ dieses Mal jedoch nicht. Am Ende standen für ihn nur 9 Punkte bei 3-13 aus dem Feld zu Buche, wobei man auch sagen muss, dass es seinen Mitspielern zu selten gelang, ihn in vielversprechender Position anzuspielen. Duncan fasste seine Leistung gewohnt selbstkritisch mit den Worten „I know I played awfully“ zusammen.

Auch der andere Big Man in San Antonios Startformation, Tiago Splitter, konnte die Tatsache, dass er es konstant mit kleineren Gegenspielern zu tun hatte, nicht ausnutzen. Splitter muss „größer“ spielen, als er es bisher getan hat, und das gilt für den in den Western Conference Finals gegen Memphis so stark agierenden Brasilianer sowohl für die Offensive als auch für die Reboundarbeit.

Der König und seine Garde

lebronjamesfreethrowsAus Sicht der Miami Heat ist es besonders erfreulich, dass es keines 30- oder 40-Punkte-Spiels ihres besten Mannes bedurfte, um den Gegner aus der Halle zu schießen. LeBron James traf vor allem zu Beginn der Partie fast nichts und konnte am Ende 17 Punkte bei einer für seine Verhältnisse alles andere als herausragenden Trefferquote von 7-17 für sich verbuchen (8 Rebounds und 7 Assists bei nur 2 Ballverlusten sind freilich auch nicht zu verachten). Man kann aber dennoch sagen, dass er das Spiel als Teamakteur dominierte, sei es durch exzellente Pässe auf offene Dreierschützen, sei es durch viele gut gesetzte Screens. Vor allem das Pick-and-Roll mit James und Mario Chalmers erwies sich als effektiv: „The Heat made 6-of-7 shots and scored 16 points on pick-and-roll plays with Mario Chalmers handling and LeBron James screening during a 33-5 run in Game 2.“

Stichwort Mario Chalmers: Der Point Guard des Teams aus Florida war mit 19 Punkten (6-12 aus dem Feld bei 2-4 Dreiern; in Spiel 1 hatte er noch 3-10 geworfen) der erfolgreichste Punktesammler des Spiels. Doch auch andere Kollegen trugen zu Miamis hervorragendem Offensivrating von 124.1 bei, nicht zuletzt die Distanzschützen Ray Allen (3-5 von Downtown) und Mike Miller (3-3).

Chris Bosh entdeckte sowohl seinen Mitteldistanzwurf als auch seine Reboundfähigkeiten wieder, während Dwyane Wade mit viel Energie spielte und mit 6 Assists als Vorlagengeber glänzte.

Fazit

Als zusammenfassender Eindruck von Spiel 2 der NBA-Finals 2013 lässt sich festhalten, dass die Miami Heat in Bestform (und die erreichten sie in dieser Begegnung zumindest phasenweise) schlicht mehr Möglichkeiten haben als die San Antonio Spurs. Die Texaner werden fast perfekten Basketball spielen müssen, um ihren Gegner in dieser Serie bezwingen zu können – vorausgesetzt, LeBron James bekommt von seinen Teamkollegen Unterstützung auf ungefähr dem Niveau, wie das in Spiel 2 der Fall war.

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