Minnesota Timberwolves

Auf der Suche nach einem Leitwolf

Was haben Rudy Gay, Joakim Noah, Stephen Curry und DeMarcus Cousins gemeinsam? Sie sind alle nicht von den Minnesota Timberwolves gedraftet worden, obwohl sie noch verfügbar waren. Natürlich ist es immer populistisch und opportunistisch, einfach retrospektiv zu beurteilen, was die Teams in der Draftnacht hätten besser machen können. Dass Joakim Noah beispielsweise solch einen großen Schritt nach vorne machen würde, war zum Draftzeitpunkt nicht abzusehen. Und doch sind die Timberwolves – abseits der Draft 2008, wo man sich Kevin Love in einem Trade für OJ Mayo sicherte – in den letzten fünf Jahren immer in der Lottery gewesen und haben nie den Spieler gefunden, den sie wohl so verzweifelt suchten.

Draftstrategien für Small Market Teams

Das Problem der Minnesota Timberwolves besteht und bestand seit jeher an der geografischen Lage. Minneapolis ist weder für seinen Lifestyle noch für seine Strände oder die Sonne bekannt. Im kalten Norden der USA lebt es sich nicht besonders extravagant. Das bedeutet vor allem eines: Die Timberwolves sind unattraktiv für Free Agents. Für die Franchise besteht im Prinzip nur eine Möglichkeit, um sportlich erfolgreich zu sein – man muss gut draften.

Wenn man aus seinen Draftchancen nicht das Beste macht, hat man in der NBA keine Erfolgsaussichten. Umso erstaunlicher ist es dann, wenn man sich ansieht, wen die Timberwolves zogen. 2006 tradete man Brandon Roy gegen Randy Foye, 2007 entschied man sich für Corey Brewer, 2008 fiel die Wahl zunächst auf OJ Mayo, den man dann gegen Kevin Love eintauschte, 2009 wählte man Jonny Flynn aus (und erdraftete sich die Rechte an Ricky Rubio) und 2010 entschied man sich für Wesley Johnson. Von den fünf Spielern überzeugte nur Kevin Love. Foye und Brewer hat man nicht mal mehr unter Vertrag, Flynn würde man sehr gerne traden und das Upside von Wesley Johnson hält sich auch in überschaubaren Grenzen. Kurz: Man meint einen Baustein in Kevin Love gefunden zu haben. Doch dieser ist bei Weitem kein Kevin Garnett und somit ein Franchise-Changer.

Sollten man das Draftverhalten der Timberwolves in den letzten Jahren beschreiben, würde man neben unglücklich vor allem sagen, dass es nicht risikobereit war. Was hat die Franchise zu verlieren, wenn man riskant in der Lottery pickt? Das ausgewählte Talent schlägt nicht ein und man hat einen Draftpick verschwendet. Betrachtet man das letzte Jahr, stand man vor der Wahl, ob man Wesley Johnson zieht (einen der ältesten Draftteilnehmer überhaupt) oder die ganzen charakterlichen Schwächen von DeMarcus Cousins ausblendet und lieber einen richtigen Big Man mit einem erstaunlichen Skillset auswählt. Die Timberwolves entschieden sich für den sicheren Pick. Wer von den beiden Spielern die bessere NBA-Karriere haben wird, entscheidet trotzdem DeMarcus Cousins ganz alleine. Wesley Johnson wird nie über eine Rolle als Rollenspieler hinauskommen. Landet er am Ende der Karriere vor Cousins, dann hat Cousins dies zu verantworten, der seine charakterlichen Defizite nicht in den Griff bekam. Vom Talentpaket ist Cousins ein Allstar, vielleicht sogar mehr. Natürlich können die Timberwolves hoffen, dass man die richtige Entscheidung getroffen hat, wenn Cousins weiterhin seine Allüren nicht ablegt. Aber was hat man gewonnen? Einen weiteren Rotationsspieler in Johnson, mehr auch nicht.

Voraussetzungen zur Draft 2011

Die Minnesota Timberwolves gingen als Team mit dem schlechtesten Record in die Draftlottery und wurden schließlich doch „nur“ an zweiter Stelle gezogen. Hier hat man die Möglichkeit, seinen Kader weiter qualitativ zu verstärken. Wie dieser vor der Draft aussieht, verdeutlicht der Überblick über den Kader zur Saison 2011/12:

Minnesota Timberwolves

Player2011/20122012/20132013/20142014/2015
Michael Beasley$6,262,347$8,172,363N/AN/A
Martell Webster$5,256,000$5,712,000N/AN/A
Darko Milicic$4,776,500$5,228,000$5,670,000N/A
Nikola Pekovic$4,503,600$4,837,200$6,046,500N/A
Luke Ridnour$3,680,000$4,000,000$4,320,000N/A
Ricky Rubio$3,374,640$3,627,720$3,880,800$4,916,974
Wesley Johnson$4,006,080$4,285,560$5,421,233$7,150,607
Kevin Love$4,609,701$6,112,463N/AN/A
Jonny Flynn$3,414,720$4,329,865$5,776,040N/A
Anthony Tolliver$2,050,000N/AN/AN/A
Anthony Randolph$2,911,231$4,049,523N/AN/A
Wayne Ellington$1,154,040$2,083,042$3,103,733N/A
Lazar Hayward$1,097,520$1,174,080$2,119,214$3,178,822
Total salaries:$47,096,379$35,277,467$17,530,447$0

Quelle: Shamsports

Vorab sei noch der Hinweis erlaubt, dass mit dem anstehenden Lockout und den damit eventuell anzupassenden Gehältern die Situation zum Start der Saison 2011/12 anders aussehen könnte. Dies ändert aber nichts daran, dass man auch ohne Draftpicks bereits  13 feste Verträge vergeben hat. Daraus ergibt sich auch schon eine stattliche Rotation:

Rubio/Ridnour/Flynn
Johnson/Ellington
Beasley/Webster/Hayward
Love/Tolliver/Randolph
Milicic/Pekovic

Mit Ausnahme von Lazar Hayward haben alle anderen Spieler einen (berechtigten) Anspruch auf Rotationsminuten. Hierbei muss bedacht werden, dass die Timberwolves auch noch zwei Erstrundenpicks besitzen. Man könnte also die garantierten Verträge 14 und 15 vergeben. Die Offseason der Timberwolves (was Signings anginge) wäre beendet. Deshalb gab es auch bereits genügend Gerüchte zum Trade des zweiten Picks. Gemunkelt wurden Pakete für Pau Gasol, Andrew Bynum oder Roy Hibbert. Dass die Timberwolves intensiv nach einem Abnehmer suchen, ist kein Zufall. Zum einen ist die Draftclass nicht so berauschend, dass man dort einen Franchiseplayer findet, zum anderen ist es aber auch genau das, was die Timberwolves benötigen. Sie besitzen zwölf Rotationsspieler, aber keine erste Option. Ob Kevin Love oder Michael Beasley eine zweite Option in einem Playoff-Team oder einem Contender sein können, ist ebenso fraglich, wenn auch möglich.

Derrick Williams oder Enes Kanter?

Wenn man bereits 12 Rotationsspieler sein Eigen nennt und in die Draft geht, wohlwissend, dass es keinen Franchiseplayer gibt, man aber bisher auch kein Tradepaket schnüren konnte, dann ist die Wahl für ein Team wie die Timberwolves immer schwer. Am Anfang der Woche drang an die Öffentlichkeit, dass Derrick Williams an #2 gepickt werden soll. Gestern Abend wurde gemeldet, dass Enes Kanter der Favorit sei. Die Draft ist dabei nicht mal das Problem; Williams und Kanter werden die Franchise nicht in die Playoffs führen können, zumindest nicht in dieser Konstellation. Wenn man allerdings auf dem Pick sitzen bleibt, sollte man als Small Market Team nie den sicheren Pick (bei vergleichbarem Talent) wählen. Der sichere Pick ist in diesem Fall Derrick Williams, der vor der Saison noch nicht mal als Lottery Pick gehandelt wurde, aber seinen Draftstock durch ein exzellentes College-Jahr anheben konnte. Die Chancen, dass Williams in der NBA gar kein Bein an den Boden bekommt, sind gering.

Im Gegensatz dazu steht Enes Kanter. Über ein Jahr hat er aufgrund des Verbots der NCAA keinen Basketball mehr gespielt. Kanters Draftstock bildet sich aus einem Konglomerat aus Measurements, Workouts, Leistungen aus dem Nike Hoop Summit und dem Fehlen von Alternativen. Er ist sicherlich risikobehafteter als Williams – aber er hat eben auch das einzigartigere Skillset. Nicht ein Timberwolf im Kader beherrscht ansatzweise das Low-Post-Game so gut wie Enes Kanter. Er ist in der Draft der bisweilen einzige Spieler in der ersten Runde, der diesen Skill überhaupt anbieten kann. Stattdessen ist Derrick Williams eher ein Michael Beasley-Klon, der nicht so recht weiß, ob er auf die Drei oder Vier gehört. Vom Standpunkt des Teamneeds ist Enes Kanter die einzige richtige Wahl. Die Frage bleibt im Raum stehen, ob die Timberwolves denn überhaupt nach Teamneed draften sollten – und wenn Derrick Williams auch nicht der klar bessere Spieler ist, so hat er eventuell einen höheren Tradewert. In einem Kader mit dann 13 Rotationsspielern sollte dieser Gedanke auch nicht so weit weggeschoben werden.

Zukunftsaussichten

Denn das eigentliche Problem der Minnesota Timberwolves heißt nicht: Williams oder Kanter? Das vorwiegende Problem lautet: Wie kann man aus diesem Haufen von Rollenspielern ein Tradepaket schnüren, das einen überdurchschnittlichen Starter (im Idealfall gar eine erste Option) nach Minnesota bringt?

Diese Frage ist weit schwieriger zu beantworten, vielleicht sogar überhaupt nicht. Wie bereits am Anfang dieses Artikels ausgeführt, möchte kein Franchise Player, keine erste Option nach Minnesota. Man hat hier eine Menge Rudeltiere angesammelt, aber es fehlt der Leitwolf. Dabei ist es klar, dass der Leitwolf idealerweise zuerst gesucht werden sollte. Vor allem in einem kleinen Markt wie Minneapolis ist es unumgänglich. Signings wie das von Luke Ridnour oder Nikola Pekovic oder die Aufnahme des Vertrags von Martell Webster sind eigentlich Transaktionen, die man tätigt, wenn man meint, einen Kern gefunden zu haben, um den man aufbauen kann. Das ist und war nicht gegeben. Übrig bleiben ein fast voller Salarycap mit Spielern, von denen genau einer überdurchschnittliche Leistungen (legt man das PER zugrunde) in der letzten Saison gebracht hat: Kevin Love. Und für diese Position würde man mit Derrick Williams einen weiteren Spieler draften.

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