Los Angeles Lakers

Adiós Pau?

Ein Blick zurück

Diese Zusammenspiele sind aber nur die eine Seite der Medaille. Ein Gasol, der beinahe vom Perimeter agieren soll, nur lange Sprungwürfe nimmt oder als Passstation fungiert, die andere. Für diese Rolle würde ein Ryan Anderson der Mannschaft wohl mehr bringen als der ehemalige Rookie of the Year, der selbstredend ein weitaus besserer Basketballer ist.

Ausschnitt aus “Welcher Weg führt nach Rom?” vom 2. Juni 2012

Die problematische Spielerpersonalie ist eher Pau Gasol. Bereits im vergangenen Monat war bei Go-to-Guys zu lesen, dass der Spanier in seiner Rolle oftmals verschwendet wurde und dass Mike Brown gefordert wäre, etwas zu unternehmen. Mit der Ankunft von Nash wird dieses Problem nicht leichter zu lösen. Unglaubliches Talent im Low-Post, ein Gehalt von knapp 20 Millionen US-Dollar, aber bloß eine vierte Option, die Würfe aus der Mitteldistanz versenken soll? Wie im Artikel “Welcher Weg führt nach Rom?” bereits zu lesen war: Dafür gibt es geeignetere Spieler für weitaus weniger Geld.

Ausschnitt aus “Stevie Goes To Hollywood”  vom 7. Juli 2012

Dass der Name von Pau Gasol bereits einen Monat nach dem Saisonstart von den Medien mit Trade-Gerüchten in Verbindung gebracht wird, war keine definitiv sichere Sache, aber als große Überraschung sollte es allerdings ebenfalls nicht kategorisiert werden. Die potentielle Problematik bei der Personalie des Spaniers wurde im Verlauf des Sommers mehrfach (siehe Artikel-Ausschnitte) bei Go-to-Guys thematisiert. Die Befürchtungen scheinen sich bislang auch zu bewahrheiten: In keinem seiner 12 Jahre in der NBA erzielte der 32-Jähriger weniger Punkte (12,6 PpS) als derzeit. An sich wäre dies kein Problem, wenn es nicht mit der ebenfalls schlechtesten Trefferquote seiner Karriere einhergehen würde (42,0 FG%; 47,4 TS% – ein grausamer Wert für jeden NBA-Spieler). Die Suche nach dem Grund gestaltet sich ohne Probleme – Gasol agiert einfach nicht in seiner ‘Comfort Zone’.

It [die Triangle Offense; Anm. d. Verf.] put me in a natural position, which was post. I could score and I could pass. It was a perfect fit for me when I got here and Andrew [Bynum] was out. I had a lot of minutes and it was a need to cover. [Quelle: LA Times]

Statt seine Klasse in Korbnähe unter Beweis stellen zu können, nimmt er 5,1 Würfe pro Spiel aus der Distanz von 16-23 Feet (in seinen ersten drei Jahren bei den Lakers waren es 1,6 bis 2,0; in seinem vierten Jahr 2,8 Würfe aus der Distanz). Folglich sind die Würfe aus näherer Distanz merklich zurückgegangen. Zum Vergleich: Gasol belegt damit Platz 4 in der NBA. Kobe Bryant, dem regelmäßig vorgeworfen wird, oftmals zu viele lange Zweier – auch bekannt als ‘the worst shots in basketball’ – zu nehmen, nimmt in diesem Jahr 4,2 Würfe aus der Distanz zwischen Freiwurf- und Dreierlinie. Hinzukommt, dass der gebürtige Katalane seine Blüte der lateralen Geschwindigkeit bereits gesehen hat – unabhängig von der Verletzung, aufgrund derer er die letzten drei Spiele seiner Mannschaft verpassen musste. Heißt konkret: Nicht nur offensiv, sondern auch defensiv müsste er tiefer stehen, um Vorteile aus seiner Länge und seinen Instinkten zu ziehen statt auf seine athletischen Fähigkeiten angewiesen zu sein.

Bei aller Kritik und schwacher Leistung muss man ihm allerdings auch die Systemproblematik zu Gute halten. Er war von Beginn an der Spieler, bei dem man das große Fragezeichen setzen musste, wie man ihn talentgerecht einsetzt. Dann kam Mike Brown und die Princeton-Offense und der Rest ist Geschichte.

Now it’s a different personnel, different need, different look, different system, different positioning. [Quelle: LA Times]

Die Lakers stehen aktuell bei einer Bilanz von 9-11 und konnten mit ihrer Berg- und Talfahrt noch keinen Lauf hinlegen. Vor seiner verletzungsbedingten Zwangspause gab es bereits unfreiwillige, von Coach D’Antoni verhängte, Ruhephasen für Gasol. Im Spiel gegen seine ehemalige Mannschaft aus Tennessee, den Memphis Grizzlies, saß er ältere Gasol-Bruder bspw. die letzten 12 Minuten komplett auf der Bank und durfte dabei zu sehen, wie sein jüngerer Bruder den Sieg im Grind House feiern konnte. Der wurfstärkere Antawn Jamison hat die höhere Gunst beim diesjährigen Lakers-Coach. Und der Veteran nutzt seine Chance: 16,4 Punkte bei guten Quoten (55,0 FG% / 44,4 3FG% / 80,0 FT%) in den letzten fünf Spielen.

Traden oder halten?

Wie werden Mitch Kupchak, Jim Buss und Trainer Mike D’Antoni mit dem 38,3-Millionen-Mann (Verdienst der aktuellen und nächsten Saison abzüglich des Gehalts der bisherigen Spielzeit) verfahren? Auch die Fans interessieren sich natürlich für die Frage, ob Gasol gehen wird oder ob er bleibt. Gerüchte gibt es derzeit unzählige zu lesen: “Man hat Steve Nash bei der Verpflichtung versprochen, dass Gasol in Los Angeles bleibt. Aus diesem Grund möchte man sehen, wie es läuft, wenn der Kanadier das Spiel der Lakers dirigiert.” — “Man will Gasol nicht traden, weil Dwight Howards Verbleib in Hollywood nicht sicher ist.” — “Gasol bleibt in Los Angeles, wird allerdings auf die Bank verschoben.”

Um eine Einschätzung treffen zu können, könnte man zunächst annehmen, dass die Lakers bereit wären, einen Trade einzufädeln. Die Frage, die sich darauf folgenden stellt: Welche Möglichkeiten gibt es? Dass Gasol ein hervorragender Basketballspieler ist, dürften die wenigsten Fachkundigen bestreiten. Allerdings ist er bereits 32 Jahre alt, verdient fast 20 Millionen pro Saison, hat nun auch Kniebeschwerden und bewies bereits in der Blüte der Karriere, dass er zumindest als Nummer 1 einer Mannschaft eher weniger geeignet ist. Die andere Mannschaft müsste die Bereitschaft haben, diese Nachteile hinzuehmen, und darüberhinaus über die entsprechenden Assets (sportlich und vertraglich) verfügen, um einen Trade durchzuführen, der auch die Lakers zufriedenstellt. Ein Name, der öfter zu hören war, ist der von Ryan Anderson. Über die vielseitigen Fertigkeiten und das basketballerische Arsenal eines Gasol verfügt der ehemalige Teamkollege von Howard sicherlich nicht, aber im Basketball spielen Synergien eine große Rolle – oftmals sogar eine größere Rolle als das reine Talent. Anderson kann eine hohe Anzahl an Drei-Punkt-Würfen mit einer hohen Effizienz versenken (derzeit 44,4% bei knapp acht Versuchen pro Partie). In der Rolle, die Gasol bisher im Angriff angenommen hat, würde Anderson einen viel höheren Einfluss erzielen, weil er die Räume, die Bryant, Howard und bei seiner Rückkehr auch Nash schaffen, wesentlich besser nutzen könnte. Bei einem Anruf Kupchaks würden die New Orleans sehr wahrscheinlich abwinken, da Gasol mehr als doppelt soviel überwiesen bekommt (insbesondere für einen Markt wie New Orleans ein elementarer Punkt), hinzukommt der Alterunterschied von acht Jahren und der Aspekt, dass Hornets-General Manager Dell Demps zur CBA-Konformität weitere Spieler zu den Lakers senden müsste. Dasselbe Spielchen könnte man mehrfach mit anderen Spielern durchführen – ein Trade Gasols würde sich unglaublich schwierig gestalten.

Eine Aufforderung am Rande: An unserer Facebook-Pinnwand oder in unserem Forum dürfen gerne sinnvolle Tradevorschläge um Pau Gasol zur Diskussion gestellt werden. [ESPN Trade Machine]

Bevor sich allerdings in der Welt des Trades verliert, steht die Frage im Raum, ob ein Deal tatsächlich zwingend ist. Die Lakers stehen nach 20 Spielen mit einer negativen Bilanz darf. Das darf bei dem Talent nicht sein und selbst die größten Feinde der Lakers werden es im Vorfeld der Saison nicht erwartet haben. Die bisherigen Probleme der Lakers liegen nicht alleine an Gasol.

1. Problem – Keine Mannschaft der NBA steht öfter an der Freiwurflinie als die Lakers: 619 Freiwürfe in 20 Spielen (~31 Versuche pro Spiel), knapp vier Versuche pro Spiel mehr als Platz 2, die Oklahoma City Thunder, und fast doppelt soviele wie die Magic als Liga-Schlusslicht. Problem? Problem. Während Durant und Co. ihre Freiwürfe mit einer Quote von 83,7% treffen, stehen die Lakers mit 67,4% (Liga-Durchschnitt: 75,5%) ganz am Ende.

2. und 3. Problem – Platz 29 bei der Anzahl an Ballverlusten pro Spiel und bei der Turnover-Percentage. Insbesondere in der Kombination mit der ohnehin schon schwachen Transition-Defense von Kobe Bryant und Co. sorgt man für Probleme. Einzig die Cleveland Cavaliers und Minnesota Timberwolves finden sich häufiger als die Lakers in Transition-Situationen wieder.

Diese Punkte haben oftmals über Sieg oder Niederlage entschieden.

Soluciòn?

Hier ist die Stelle, in der Nash ins Spiel kommt. Es gibt bereits Äußerungen, dass der zweimalige MVP nun sein Alter zu spüren bekommt und auch nicht mehr auf die vermeintlichen magischen Kräfte der Suns’schen Fitnessabteilung zurückgreifen kann. Allerdings muss Nash keine Wunder vollbringen und seine ‘Seven Seconds Or Less’-Offense spielen, um positiven Einfluss auf die Probleme der Lakers zu nehmen. Es ist sicherlich keine kühne Behauptung, dass die Turnover Percentage der Lakers mit der Entlastung Bryants und der restlichen Perimeterspieler sinken und die Effizienz der Offense sich verbessern wird. Eine verbesserte Offense hätte alleine bereits eine Einfluss auf die Problemzone ‘Transition Defense’. Eine Entlastung Bryants im Angriff könnte auch zur Folge haben, dass dieser sich weniger Auszeiten beim Zurücklaufen oder in Defense abseits des Balles als derzeit nimmt. Auch Howard muss sich derzeit relativ viel selbst erarbeiten und oftmals auch seine ‘Comfort Zone’ verlassen, um anspielbar zu sein (einige Spieler haben gravierende Probleme mit dem Entry-Pass) – Nash könnte hier Abhilfe schaffen und indirekt Einfluss auf Howards Verteidigung nehmen (mehr Energie; mehr Motivation durch eine verbesserte Einbindung im Angriff).

Einen Punkt gibt es noch und hier wird auch die Leitfigur dieses Artikels wieder relevant. Das große Potential vier solcher Spieler im Kader zu haben, ist die gewonnene Tiefe. Warum hatten und haben Spieler wie John Havlicek in Boston, Manu Ginobili in San Antonio oder James Harden in Oklahoma City die Rolle eines Bankspielers? Gutes Coaching sorgt dafür, dass man das vorhandene Talent im Team über den kompletten Zeitraum eines Spiels, über die vollen 48 Minuten, optimiert. Im gesunden Zustand haben die Lakers das Personal 48 Minuten auf dem Niveau einer Starting-Five zu spielen, während der Großteil der Liga sich in bestimmten Zeiträumen mit mindertalentierten Spielern über Wasser halten muss. D’Antoni muss ein Wechselschema entwickeln, dem durchgehend mindestens einer der beiden Playmaker (Bryant, Nash) und mindestens einer der beiden Big Men (Howard, Gasol) auf dem Parkett steht. Damit kann man ein relativ konstantes Spielniveau gewährleisten ohne bedeutende Einbrüchen, wenn bestimmte Spieler vom Feld gehen. Es gäbe keine Verschnaufpause für die gegnerische Verteidigung. Einen Gasol würde es dann vermutlich nicht stören, wenn er von der Bank kommt oder als Starter sehr früh vom Feld ginge, denn er hätte Phasen im Spiel, wo er das ‘Pick and Roll’ mit Nash laufen oder als erste Option im Low-Post bedient werden würde statt laufend als vierte Option wie Falschgeld kurz vor der Drei-Punkte-Linie zu stehen.

Letzten Endes lässt sich sagen, dass ein Trade Gasols nicht zwingend notwendig ist. Es gibt weiterhin die Möglichkeit, ihn gewinnbringend in diesem Team einzusetzen, um als Mannschaft ein Leistungsniveau zu erreichen, welches den eigenen Ambitionen entspricht.

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