Houston Rockets, Los Angeles Lakers, NBA

Superman ist gelandet

Die Entscheidung Howards und die Folgen

Houston, we have a problem! Mit diesem Spruch meldete sich Kapselpilot Jack Swigert am 11. April 1970 in der neuen Heimat von Dwight Howard, als einer der beiden Sauerstofftanks der Odyssey explodiert war. Etwa so mussten sich auch die Verantwortlichen der Los Angeles Lakers gefühlt haben, als sie von der Nachricht ihres ehemaligen Centers erfahren haben. Der Center wird nicht – wie von vielen erwartet – seine kurze Zeit bei der Franchise aus Kalifornien verlängern, sondern einen Vier-Jahres-Vertrag über 88 Millionen Dollar in Texas unterschreiben.

 „I feel its the best place for me and I am excited about joining the Rockets and I’m looking forward to a great season. I want to thank the fans in Los Angeles and wish them the best.“ – Dwight Howard

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Voraussetzungen bei den Lakers

Die einzigen Erklärungen, warum Dwight Howard sich gegen die Los Angeles Lakers und für die Houston Rockets entschieden hat, können nur die sportliche Attraktivität Houstons und die teaminternen Strukturen in Los Angeles sein. Einen höher dotierten Vertrag kann er in Houston nicht unterschreiben und auch die Merchandise-Möglichkeiten sind in Houston nicht so groß wie in Hollywood. Howard verzichtet freiwillig auf 30 Million Dollar garantiertes Gehalt, um in Texas spielen zu können. Die Saison der Lakers verlief nicht, wie man es sich erhofft hatte und das Team harmonierte sowohl auf als auch abseits des Feldes nicht, wie es Experten auf der ganzen Welt vermutet hatten. 

Kobe Bryant und Dwight Howard hatten das ein oder andere Mal kleine Meinungsverschiedenheiten und es wirkte oft so, als ob die Nummer 24 der Lakers Howard nicht genug zutrauen würde. Ähnlich erging es Howard auch mit Mike D’Antoni. Howard passte von Anfang an nicht in das System des ehemaligen Coach of the Year-Gewinners.
Das Spiel der Lakers war für den verletzten Howard zu schnell (die Lakers wiesen die fünftschnellste Pace der Liga auf), der Ball ging zu selten in den Post. Genau dies verlangte der junge Center aber. Er wollte den Ball und er wollte zeigen, dass er mehr als die zweite oder dritte Option in der Offensive ist. Man könnte sogar behaupten, dass Dwight Howard nur die vierte Option im Angriff eingenommen habe. Bryant, Gasol und selbst Metta World Peace bekamen pro Spiel mehr Würfe, als der die Nummer 12 der Lakers. Auch seine Usage Rate sank in Los Angeles um erschreckende 4 Prozent, von 26,1 Prozent auf 22,2. Wenn man dies dann mit der Usage Percentage von Kobe Bryant vergleicht (31,9 Prozent) wird schnell klar, dass Howard mit dieser Situation nicht zufrieden sein konnte.

Mit Pau Gasol hatte er zudem noch direkte Konkurrenz unterm Korb, die im mögliche Ballbesitze stahl. Ihre Spielstile unterscheiden sich zwar deutlich, dennoch ist Gasol seit seiner Zeit in Los Angeles zu einem Low Post-Spieler geworden. D’Antoni versuchte den Spanier in seinem System zwar weiter in den High Post zu positionieren, aber dies lag Gasol nicht und man verschenkte seine Talente quasi neben Howard. Unter diesen Umständen litten beide Spieler und das gesamte Team.

Die Verletzungen von Bryant, Nash, Gasol und auch Howard selbst machten die Situation nicht einfacher. Das Team war zu keinem Zeitpunkt zu 100 Prozent fit. Nashs Fußbruch wog hier vielleicht am schwersten. Der Spielmacher hätte zumindest Howards Fähigkeiten im Pick ’n’ Roll perfekt nutzen können. Da Nash aber nur 50 Spiele absolviert hatte, stimmte die Chemie zwischen den beiden Protagonisten nicht und Bryant übernahm weiter die Ballführung.

Bryant spielte statistisch die beste Saison seit Jahren, konnte damit aber nicht verhindern, dass die Lakers nur auf dem siebten Platz in der Western Conference endeten. In den Playoffs schieden sie dann ohne ihren Star in der ersten Runde gegen den späteren Finalisten aus. Howards Statistiken lesen sich während der Serie trotz der Abwesenheit Bryants höchstens solide.

Erwartungen in Houston

Dwight sah in Houston wohl andere Möglichkeiten. Mit Kevin McHale haben die Rockets einen Coach an der Seitenlinie, der zu seiner aktiven Zeit als Spieler zu den besten Low Post-Akteuren der Liga zählte. Auch jetzt wird McHale von vielen noch als einer der besten Low Post-Spielern aller Zeiten bezeichnet. Anders als Mike D’Antoni weiß er sicher, wie man den Center am effizientesten einsetzt. Harden ist ein aufstrebender Flügelspieler, der letzte Saison bewiesen hat, wie gut er als erste Option sein kann. Ähnlich wie Bryant ist Harden dabei kein eindimensionaler Scorer, sondern schafft es auch die Spielgestaltung zu übernehmen. Gerade das Pick ’n’ Roll zwischen Howard und Harden dürfte eine gefährliche Kombination ergeben. Howard und Harden sollten in Zukunft ein interessantes Duo bilden.

Auch Houstons Rollenspieler passen besser in Howards Vorstellungen: Der Kader ist jung und vielversprechend.
Mit Chandler Parsons hat man einen Spieler, der zu einem exzellenten Allrounder reifen könnte und mit seiner Reichweite perfekt in das mögliche Pick ’n’ Roll Konzept der Rockets passen würde. Anders als die Lakers besitzen die Rockets trotz Howards Maximal-Vertrag immer noch genug Cap Space, um das Team signifikant zu verstärken.

 “We have been informed of Dwight’s decision to not return to the Lakers. Naturally we’re disappointed. However, we will now move forward in a different direction with the future of the franchise and, as always, will do our best to build the best team possible, one our great lakers fans will be proud to support. To Dwight, we thank him for his time and consideration, and for his efforts with us last season. We wish him the best of luck on the remainder of his NBA career.” – Mitch Kupchak

Wie geht es weiter und was bedeutet diese Entscheidung für die Involvierten?

Houston Rockets

Die Rockets blicken nun entspannt in die Zukunft. Howard wird einen Maximal-Vertrag über vier Jahre und 88 Millionen unterschreiben. Er wird allerdings die Option haben, nach drei Jahren aus dem Vertrag auszusteigen und somit wieder Free Agent zu werden. Was sich Morey genau bei dieser Option gedacht hat, bleibt wohl sein Geheimnis, denn eins hat diese Free Agency gezeigt: Dwight Howard ist alles zuzutrauen.

ryanandersonDie Gerüchte um weitere Verstärkung ließen nicht lange auf sich warten. Da Josh Smith für 4 Jahre und 56 Millionen Dollar in Detroit unterschrieben hat, wird es wahrscheinlich nicht zu einem Trade zwischen den Hawks und den Rockets kommen. Laut Yahoo! Sports’ Adrian Wojnarowski scheint ein alter Bekannter von Howard immer noch im Gespräch zu sein: Ryan Anderson hat das Interesse der Rockets geweckt. Der Power Forward der New Orleans Pelicans hat schon in Orlando bewiesen, dass sich seine Spielweise perfekt mit der von Howard ergänzt. Die Rolle, die Gasol bei den Lakers neben Howard ausfüllen sollte, spielte Anderson schon bei den Magic. Es gibt in der Liga wohl keinen reineren strech-four als den gebürtigen Kalifornier.

Wenn dieser Trade durchgehen sollte, könnten die Rockets ein ähnliches System spielen, wie es die Magic damals um Howard taten. Der Unterschied würde sich allerdings in der spielerischen Klasse widerspiegeln. Mit Harden, Anderson und Parsons gäbe es genügend wurfstarke Spieler in der ersten Garde, um Howard genügend Platz unter dem Korb und gleichzeitig Räume für Lins und Hardens Penetrationen zu schaffen. Mit Anderson gäbe es neben Howard dazu einen exzellenten Offensivrebounder, der schon bewiesen hat, dass er trotz Howards Präsenz am offensiven Brett arbeitet (2011/12: 3,7 Offensiv Rebounds pro Spiel und eine Offensiv Rebound Percentage von 13 Prozent).

Sicher sollte sein, dass Ömer Asik durch die Ankunft von Dwight Howard überflüssig geworden ist. Als Backup sind die Talente des gebürtigen Türken verschenkt und mit 8,3 Millionen ist er 2014/15 schlichtweg zu teuer, als dass er auf der Bank platznehmen sollte. Auch Jeremy Lin dürfte auf dem Trading Block stehen. Sein Vertrag ist 2014/15 mit 8,3 Millionen genauso hoch dotiert wie der von Asik und diese Summe kann er sportlich einfach nicht rechtfertigen. Asik ist ganz klar der interessantere Spieler der beiden und es sollte sich ohne Probleme ein Abnehmer für ihn finden. Er spielte letzte Saison besser als es die meisten von ihm erwartet hätten und bestätigte das, was er schon in Chicago andeuten konnte. Offensiv beschränkt er sich auf das, was er kann, und defensiv gibt er den Anker.

Da die Verhandlungen um weitere Verstärkungen noch nicht abgeschlossen sind, kann man noch nicht genau sagen, welche Möglichkeiten Houston in dieser Richtung hat. Die Bank sieht bisher noch ziemlich dünn aus, allerdings besitzen die Rockets – wie oben schon erwähnt – auch nach dem Signing von Dwight Howard und ohne weitere Trades noch immer genügend Cap Space, um hier nachzubessern. Daryl Morey hat bewiesen, dass er ein exzellenter General Manager ist und wird die Optionen sicher richtig abschätzen.

Los Angeles Lakers

Die Lakerkobegasols blicken hingegen einer ungewissen Zukunft entgegen. Mit einer Payroll von bisher knapp 77 Millionen Dollar zählt das Team 2013/14 wieder zu den teuersten der Liga und das ohne realistische Aussichten auf die Championship. Kobe Bryant verdient nächste Saison 30,4 Millionen Dollar und ist damit der bestverdienende Spieler der NBA. Durch diese Summe werden die Lakers wohl keine Verluste einfahren, da Bryant eine Marketing-Maschine ist. Rein sportlich gesehen wird er diese horrende Summe aber wohl nicht mehr rechtfertigen können. Generell ist abzuwarten, wie und wann er von seiner Verletzung zurückkehren wird.

Davon wird sicherlich auch abhängen, ob die Lakers überhaupt Chancen auf die Postseason haben. Steve Nash mag immer noch ein überdurchschnittlicher Point Guard sein und auch Pau Gasol wird wohl endlich wieder zeigen können was noch in ihm steckt, aber für eine gute Position in den Playoffs wird das nicht reichen.

Große Möglichkeiten haben die Lakers nicht mehr. Andere Teams können Free Agents entweder mehr Geld bieten oder sind sportlich einfach attraktiver. Priorität Nummer eins wird wohl ein athletischer Flügelspieler sein. Für diesen wird das Front Office dann wohl auch die Mid-Level Exception (9 Million über 3 Jahre) einsetzen müssen. Den restlichen Kader werden sie mit Minimum-Verträgen auffüllen müssen, da sie so weit über dem Cap sind, dass ihnen keine andere Möglichkeit bleibt. Eine weitere Möglichkeit wäre es Nash und Gasol zu traden, allerdings würde sich das in Hinsicht auf die 2014’er Free Agency nicht lohnen.

Die Free Agency ’14 ist das Stichwort, auf das die Fans des Teams aus Kalifornien gewartet haben sollten. Es ist diese Free Agency Class, die Dwight Howard vielleicht nicht bedacht hat, als er seine Entscheidung getroffen hat:

LeBron James, Dwyane Wade, Carmelo Anthony, Chris Bosh und auch Kobe Bryant werden in dem Sommer Free Agent und die Lakers haben genug Cap Space, um – theoretisch –  gleich zwei Maximal-Verträge zu vergeben. 2014 laufen alle Verträge bis auf Steve Nashs aus und Los Angeles hat eine Payroll von gerade einmal 9,7 Million Dollar. Im Hinblick auf diese Free Agency ist es also vielleicht gar nicht so schlecht, dass Howard in Houston unterschrieben hat und sich somit gegen Los Angeles entschieden hat. Dieser Satz sollte nicht falsch verstanden werden. Dwight Howard hätte der neue Franchise Player der Los Angeles Lakers werden sollen, allerdings scheint es so, als wenn Dwight mit dem Druck in Los Angeles und den Mitspielern nicht zurechtgekommen wäre. 2014 kann man versuchen einen Rebuild um ein oder zwei andere potenzielle Superstars zu starten. Die Lakers besitzen seit jeher eine unglaubliche Anziehungskraft auf Starspieler und das Front Office wird nichts unversucht lassen, ein neues Super-Team zu formen.

Fazit

Die Houston Rockets sind bisher der klare Gewinner dieser Free Agency und dürften mit diesem Kern schon jetzt zu den Contendern im Westen gehören. Selbst wenn es keinen Trade um Anderson geben sollte, wird Morey einen Plan haben, um die Power Forward-Position und die Bank sinnvoll zu verstärken. Die Los Angeles Lakers müssen sich eine schwere Niederlage eingestehen. Erst ein Spieler hatte die Franchise aus Kalifornien bisher nach nur einer Saison verlassen: AC Green im Jahre 2000. Das Front Office der Lakers sollte diese Free Agency lieber schnell vergessen und nach vorne schauen: 2014 stehen ihnen alle Türen offen und Kupchak hat die Chance, ein neues Super-Team in Los Angeles zu gründen. Keinem NBA-Fan dürfte entgangen sein, dass die Lakers nicht über die Draft ein Team bilden, sondern eine andere Art des Rebuilds praktizieren.
Viele Fans dürften sich auch speziell auf die Duelle der beiden Franchises freuen. Auf der einen Seite spielt die neue Hassfigur der Lakers-Fanbase und auf der anderen Seite hat Kobe Bryant noch nicht das letzte Wort gesprochen. Vielleicht treffen sie sich ja doch noch in den Playoffs? 

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