NBAsics

NBAsics – Trading [In Bearbeitung]

Liebe Leser, Go-to-Guys möchte Euch eine neue Rubrik des Projekts vorstellen – NBAsics. Die Fangemeinde soll beim Verständnis von komplexen, aber grundlegenden Themen, die die nordamerikanische Profiliga betreffen, unterstützt werden. Es sollen nicht nur neue Fans an wichtige Themen herangeführt werden – auch viele erfahrene NBA-Liebhaber werden einen Kenntnisgewinn aus dieser Artikelreihe ziehen. Ziel und Zweck wird sein, eine Plattform zu schaffen, auf die Fans zugreifen können, falls Unklarheiten zu bestimmten Ereignissen/Nachrichten/Diskussionen bestehen. Neben den Veröffentlichungen kann die „Fragen und Vorschläge“-Funktion jederzeit verwendet werden, auch stehen die einzelnen Autoren und die gesamte Redaktion von Go-to-Guys via Kommentarfunktion, aber auch über Facebook oder per Email für Fragen zur Verfügung.

Im ersten Artikel geht um ein sehr beliebtes Thema – dem Trading.

Das Handeln von Gütern ist fast so alt wie der Mensch selbst, und das Handeln stellt einen elementaren Punkt in der Geschichte der Menschheit dar. Auch in der National Basketball Association spielt der Handel – das Trading – eine beachtliche Rolle. Ein Zyniker würde vom modernen Menschenhandel sprechen. Dieser Artikel beschäftigt sich allerdings nicht mit der moralischen, sondern mit der Frage, worauf die Teams – hauptsächlich in Person des General Managers der jeweiligen Franchise – achten müssen, wenn sie sich auf ein Tauschgeschäft einlassen: abseits der sportlichen und der finanziellen Seite. An dieser Stelle sollen die wichtigsten Regeln, an die sich die an einem Trade beteiligten Managements halten müssen, vornehmlich anhand von Beispielen, erläutert werden. Ein reines Hochschrauben einer Ablösesumme wie es beim Fussball gang und gäbe ist, stellt keine Möglichkeit für die Verantwortlichen der NBA-Teams dar. Sie stehen komplexeren Regeln und Bedingungen gegenüber. Mit dem vor einem Jahr neu abgeschlossenen Collective Bargaining Agreement gab es in diesem Bereich auch einige Änderungen, sodass wir an dieser Stelle diesen aktualisierten Artikel zum Thema bringen.

1. Standard-Trades

 

2. Besondere Fälle

A. Sign & Trade

 

B. BYC-Status

Die Abkürzung BYC steht für Base Year Compensation. Nach dem Gedanken der NBA sollen Spieler ausschließlich nach ihrem sportlichen Wert bezahlt werden. Zur Verhinderung von Verträgen, deren Höhe wesentlich von geplanten Trades geprägt ist, bekommen Spieler, die (a) für Mannschaften oberhalb des Salary-Caps spielen, (b) eine Gehaltssteigerung von mehr als 20% erhalten und (c) in einem ‚Sign & Trade‘ involviert werden sollen, den BYC-Status. Die Folge: Im Trade zählt für die Mannschaft, die den Spieler verlängert und abgibt, nicht die Höhe des neuen Vertrags, sondern die Hälfte des neuen Vertrages oder die alte Vertragshöhe – je nachdem welcher Wert größer. Anhand eines Beispiels lässt sich die Konsequenz des BYC-Status bestmöglich verdeutlichen:

Ein Spieler – nennen wir ihn Jason Jackson – verdiente bisher drei Millionen pro Saison. Aufgrund einer deutlichen Leistungssteigerung erhält er eine Verlängerung mit einer Gehaltssteigerung auf zehn Millionen – ein Anstieg um 233% und somit größer als die angesprochenen 20%. Im Zuge des ‚Sign & Trade‘ wäre der Vertragswert für die bisherige Mannschaft von Jackson nicht zehn Millionen, sondern der Wert des alten Verdienstes oder 50% des neuen Gehalts, wobei stets die größere Summe relevant ist – in diesem Fall die Hälfte von zehn Millionen. In Verhandlungen eines Trades mit Jackson käme es zu folgendem Problem: Jackson soll bspw. für einen anderen Spieler mit einem Gehalt von zehn Millionen getradet werden. Im Normalfall – ohne BYC-Status – gäbe es keine Probleme. In diesem Fall – mit BYC-Status – sieht es allerdings anders aus. Das andere Team könnte Jacksons Vertrag (10 Millionen) problemlos aufnehmen, da sie ebenfalls einen Spieler abgeben, der diese Summe verdient, und je nach eigener Situation (oberhalb oder unterhalb der Tax-Threshold) sogar eine höhere Summe aufnehmen. Jacksons bisheriges Team hat hingegen das Problem, dass sie nur 125% bzw. 150% plus 0,1 Millionen von fünf Millionen (Jacksons Vertragswert unter dem BYC-Status) aufnehmen dürften. Die zehn Millionen, die der andere Spieler bekommt, liegen außerhalb dieser Grenze. Aufgrund des BYC-Status platzt dieser Deal. Der gewünschte Effekt tritt somit ein.

In diesem Punkt wird auch deutlich, dass Trades in der NBA immer von allen Seiten betrachtet werden müssen – nicht nur inhaltlich, sondern auch regeltechnisch.

C. Trade mit Picks

Draft Picks haben bei Trades keinen vertraglichen Wert bzw. der Gegenwert ist Null (genauso wie die monetäre Zahlung von bis zu drei Millionen, die Teams als Bonus zu Trades hinzufügen dürfen – Cash Considerations genannt). Oftmals werden zukünftige Picks zur Verbesserung des Trade-Angebots verwendet. Bei der Draft kommt es gelegentlich auch zum Tausch bereits gedrafteter Spieler. Ein interessantes Beispiel hierfür ist der direkte Tausch von Randy Foye und Brandon Roy in der 2006er Draftnacht.

Außerdem: Den Teams ist es verboten, zukünftige Picks in aufeinanderfolgenden Jahren zu traden. Kein Team dürfte 2013 die Picks von 2015 und 2016 traden. 2014 und 2016 wäre hingegen eine Möglichkeit. Des Weiteren gibt es eine Sieben-Jahres-Regel: Es dürfen nur Picks der nächsten sieben Jahre getradet werden, aber nicht weiter in die Zukunft. In der aktuellen Saison 2012/13 dürfte der Pick des Jahres 2019/20 getradet, aber nicht die Picks darüberhinaus.

D. Extend & Trade

 

3. Ausnahmen

A. Trade Exception

 

B. Minimum Player Salary Exception

NBA-Spieler, die das Minimum-Gehalt erhalten, könnten jederzeit via Trade verpflichtet werden. Bspw. wäre ein zukünftiger 2nd Round Pick ausreichend. Es muss im Gegenzug kein Vertrag die Seiten wechseln, selbst wenn kein Capspace verfügbar ist. Auf Seiten der Mannschaft, die Spieler mit solchen Verträgen traden, zählt der Vertragswert hingegen zur Summe des Trades.

C. Disabled Player Exception

Im Falle eines Todes oder bei einer Verletzung eines Spielers, die das Saisonaus bedeutet, könnten die Teams, nach eingehender Prüfung durch von der NBA beauftragte Ärzte, eine Disabled Player Exception (DPE) zugesprochen, um den betroffenen Spieler zu ersetzen. In einem Trade kann die DPE für einen auslaufenden Vertrag in Höhe von 50% plus 0,1 Millionen des Vertrags des zu ersetzenden Spielers oder in Höhe der Non-Taxpayer-MLE plus 0,1 Millionen  genutzt werden – der geringere Wert ist relevant. Wenn der verletzte Spieler neun Millionen p.a. verdient, dürfte man dank der DPE für einen Spieler mit einem bis zu 4,6 Millionen schweren, auslaufenden Vertrag traden. Es darf nur ein einziger Spieler verpflichtet werden.

Die Lakers profitierten 2007 von der DPE der Orlando Magic. Ohne die DPE, die Orlando infolge von Tony Batties Verletzung zugesprochen bekommen hat, wäre der Trade, der Trevor Ariza zu den Los Angeles Lakers brachte, womöglich nicht durchgeführt worden. Gesprochen wird zumeist von Trevor Ariza (3.1 Mio.) für Brian Cook  (3.5 Mio.) und Maurice Evans (1.7 Mio.), wobei es eigentlich zwei Trades waren – der schlaksige Flügel, der den Titel mit den Lakers gegen sein ehemaliges Team aus Orlando gewann, für Cook und die DPE für Evans.

Für alle Exceptions gilt, dass sie weder kombiniert (bspw. das Zusammenfassen von einer TPE in Höhe von drei Millionen und vier Millionen, um einen Spieler zu verpflichten, der sieben Millionen verdient), noch zusammen mit Spielern in einem Trade verwendet werden. Die DPE kann – im Gegensatz zur TE – auch für die Verpflichtung eines Free Agent verwendet werden.

4. Verbote

A. No-Trade-Clause

Im Jahr 2007 führte Kobe Bryants Unzufriedenheit mit dem Management der Lakers zu einer Trade-Forderung. Die Chicago Bulls standen ganz oben auf seiner Liste und Bryant konnte sich faktisch sein Wunschteam aussuchen, denn sein Vertrag enthielt eine Klausel, die ihm offiziell ermöglichte, jeden Trade zu verhindern – eine sogenannte No-Trade-Clause. Bryant konnte erheblichen Einfluss auf die Verhandlungen nehmen, da jeder mögliche Deal von seiner Einwilligung abhängig war. Nur Spieler, die mindestens acht Jahre in der NBA und vier Jahre für das Team, bei dem der Vertrag unterschrieben werden soll, gespielt haben, bekommen die Möglichkeit diese Klausel auszuhandeln. Neben Bryant besitzt momentan nur Dirk Nowitzki, Tim Duncan und Kevin Garnett eine No-Trade-Klausel.

B. Packaging-Verbot

 

C. Zeitsperre nach Signing (Free Agents / Draft Picks)

Ein Free Agent, der ohne die Bird-Rechte verpflichtet wurde, darf drei Monate nach der Vertragsunterzeichnung bzw. bis zum 15. Dezember eines jeden Jahres (der spätere Zeitpunkt zählt) nicht getradet werden. Bei Free Agents, die über die Bird-Rechte verlängert wurden sind, gilt der 15. Januar anstelle des 15. Dezember. Ausnahmen bilden die Sign & Trades, da dort die Vertragsunterzeichnung mit dem Trade einhergeht. Bei Draft Picks gilt die Sperre für 30 Tage. Bei der Draft werden ausschließlich die Rechte an den Spielern verteilt, der Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung ist individuell (manchmal sind es nur Tage nach der Draft, manchmal Wochen und manchmal Jahre). Bei Verlängerungen, die nicht unter die Kategorie ‘Extend & Trade’ fallen, gilt eine sechsmonatige Sperrfrist.

D. Trading Deadline

Der 17. Donnerstag einer Saison, der zumeist in den Februar fällt, beendet die Phase für Trades. Im Anschluss darf bis zum Tag nach dem letzten Saisonspiel kein Trade mehr vollzogen werden. Mannschaften, die sich nicht für die Playoffs qualifizieren können, dürfen demzufolge während der Playoffs Trades vollziehen – für den Meister und Finalisten öffnet sich der Markt folglich zuletzt.

Seal the Deal

Falls Fragen zu expliziten Trades bestehen,  die eventuell im Ganzen nicht verstanden wurden, verwendet die im ersten Abschnitt genannten Kanäle. Das Team von Go-to-Guys hilft gerne.

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Die Danksagungen von unserer Seite gehen an Larry Coon für sein NBA Salary Cap FAQ.

Letztes Update: 02.12.2010

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