Draftprofile 2015

Willie Cauley-Stein

University of Kentucky

University of Kentucky

Datenblatt

Name: Willie Cauley-Stein

Position: Big

[xrr rating=2/4]  (Starter)

College: University of Kentucky

College-Erfahrung: Junior

 

 

Fragt man Fans der University of Kentucky nach der enttäuschendsten Recruitingclass der Calipari-Ära, würden die meisten sicherlich die Freshmen-Gruppe des HS-Jahrgangs 2012 nennen. Ein Jahr nach dem glorreichen Titelritt von Davis/Kidd-Gilchrist/Teague traten erneut hoch gehandelte Talente auf den Plan, doch die meisten enttäuschten. #1 Center Nerlens Noel bereitete nach einem Kreuzbandriss im SEC-Play gegen Florida schnell keine Freude mehr, da er trotz Verletzung in die NBA wechselte. HS-McDonalds-All American und 5*-Prospects Alex Poythress erfüllte nie die Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden. Dazu enttäuschte auch Archie Goodwin, seinerseits ebenfalls von Scouts mit voller Sternanzahl ausgestattet, und verzog sich nach dem peinlichen Verpassen des NCAA Tournaments schnell zu den Profis. So gelang es lediglich dem am schlechtesten gerankten Spieler dieser Recruitingclass die Herzen der Big Blue Nation vollends zu erobern – Willie Cauley-Stein.

Als der junge, 215 lbs. schwere Bigman aus Kansas vor drei Jahren nach Kentucky kam, rechnete sein Coach wohl noch nicht mit übermäßig vielen produktiven Minuten von ihm. WCS erarbeitete sich dennoch überraschend einen festen Rotationsplatz und profitierte spielzeittechnisch nach der Noel-Verletzung wie kein anderer vom dem Ausfall des späteren Sixers. Seine Leistungen hätten ihm wohl schon nach dieser Saison einen Platz in der ersten Draftrunde 2013 gesichert. Er entschied sich aber für eine Rückkehr nach Lexington. In der darauf folgenden Spielzeit erlebte er alle Tiefen der sehr hoch gehandelten Wildcats mit und wuchs weiter an seinen Aufgaben. Leider verhinderte ein Knöchelbruch gegen Saisonende eine aktive Teilnahme an den Höhen dieser Mannschaft (Final Four-Run im Tournament 2014). Dieses Mal schlug Cauley-Stein wohl einen sicheren Platz in der Lottery aus, um erneut für Calipari und die BBN auflaufen zu können. Eine Spielzeit mit nur einer Niederlage, dem langersehnten Final Four-Autritt, All American-Ehren und dem (noch inoffiziellen) Titel des besten Verteidigers des CBB deuten darauf hin, dass der ehemalige 4*-Athlet mit seinen Entscheidungen viel richtig gemacht hat.

Tools&Skills

Vielen jungen Basketballtalenten werden herausragende körperliche Fähigkeiten attestiert. 90% dieser Spieler verlieren allerdings diese angebliche athletische Überlegenheit beim Wechsel von NCAA zu NBA. Plötzlich stehen jeden Abend Mit- und Gegenspieler auf dem Parkett, die auch zu den längsten und schnellsten Sportlern dieser Welt gehören. Der ehemalige Vorteil löst sich in Luft auf. Willie Cauley-Stein könnte aber zu den 10% der Spieler gehören, die auch noch in der NBA zu den Athleten mit den besten physischen Voraussetzungen für ihre Position gehören.

Dies würde man zunächst einmal gar nicht denken, wenn man sich nur seine reinen Körpermaße anschaut. Er ist zwar ein legitimer Sevenfooter, verfügt aber über eine mit 7‘2‘‘ vergleichsweise kurze Armspannweite und damit nur eine durchschnittliche Reichweite aus dem Stand. Sieht man dem Bigman aber auch nur eine Halbzeit einmal bei seinen Aktionen auf dem Feld zu, merkt schnell, dass WCS mit einem unglaublichen Bewegungstalent für seine Größe gesegnet ist. Nicht ohne Grund war er an der HS nicht nur auf dem Basketballparkett ein starkes Talent sondern auch auf dem Footballfeld als Wide Receiver ein Star. Glaubt man den Zahlen des Kentucky-Combines vom Saisonanfang, ist Cauley-Stein beweglicher als so mancher Guard und damit künftig in Sachen Mobilität ziemlich sicher in der Spitze der NBA-Bigmen zu sehen:

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Defensiv geben Cauley-Stein diese Tools eine Vielseitigkeit, die ihresgleichen sucht. Der Bigman fühlt sich selbstverständlich in Korbnähe sehr wohl. Im Postup-Situationen kann er mit seiner Länge und Beweglichkeit oft schon das Anspiel unterbinden und so für eine Vielzahl von Ballgewinne sorgen (Career: 2,7 Steals per 100 Possessions). Aber auch in direkten Zonen-Duellen weiß er sich zu behaupten. Gerade in den ersten beiden Jahren bei Kentucky erwies er sich als verlässlicher Ringbeschützer, wenn er die Zone patrouilliert darf. Tolle Instinkte, Geduld und starke Sprungkraft gepaart sehr gutem Timing lassen ihn viele Würfe verändern. Zudem zeigt er auch immer wieder großes Talent als Helpdefender:

Seine Spezialität war aber in der vergangenen Saison die Arbeit am Perimeter. Da mit Towns ein neuer Spieler im Team stand, der auch als Rimprotector dienen konnte, erhielt WCS 2014/15 unheimlich viele Sonderaufgaben, die auch fernab vom Korb liegen konnten. Je nach Matchup war es an ihm, vom vielseitigen Stretch-Four bis hin zum kreierenden Flügelscorer, den am schwierigsten zu verteidigenden Spieler zu decken. Dies trieb viele gegnerische Coaches und deren Stars in den Wahnsinn.

Was tun? Ihn im P’n’R attackieren? Sinnlos – WCS kann durch seine Mobilität hervorragend „Hedge’n’Recover“ spielen oder switcht direkt auf den Ballhandler, da er vor nahezu jedem Gegenspieler bleiben kann.

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Isolation an der Dreierlinie? Lieber nicht:

Selbst bei einem Verteidigungauftrag über das gesamte Feld gegen einen Guard weiß er zu überzeugen:

Als defensives Multitalent war er das wichtigste Puzzlestück in einer historisch guten CBB-Verteidigung. Auch in der NBA sollte er zu den besseren Stoppern auf seiner Position gehören, der bei jedem Coach wegen seiner Vielseitigkeit punkten wird.

Es bleibt aber abzuwarten, ob er jemals auf dem DpotY-Level ankommt, welches ihm mancherorts vorhergesagt wird. Cauley-Stein hat zwar über 18 Monate in Lexington schon an Masse zugelegt, scheint aber mit seinen aktuell 240 lbs. zumindest auf den Zonenkampf gegen echte Lowpostschwergewichte vom Schlage eines Al Jeffersons noch nicht optimal vorbereitet. Zudem fällt es dem Bigman noch schwer, defensive Possessions auf hohem Niveau mittels Rebound zu beenden (Career: 17 DRB%). Etwas bessere Positionierungs- und Boxoutarbeit könnte hier Wunder wirken. Auf diese beiden Fähigkeiten wird sich WCS im Hinblick auf eine erfolgreiche Profikarriere konzentrieren müssen, um das Maximum aus seinen Möglichkeiten herauszuholen.

Offensiv ist er wenig beschlagen. Natürlich sieht man von einem Athleten seiner Klasse, der den Fastbreak wie ein Guard laufen kann, viele solcher Aktionen:

Allerdings kann er abseits von diesen Transition-Plays, von Lob-Anspielen, direkten Durchsteckern oder Müllverwertung nach seinem gutem Offensivrebounding (Career: 12 OREB%) wenig beisteuern. Der Center verfügt weder über verlässliche Postmoves noch über einen durchschnittlichen Touch in Korbnähe. Auch als Passer ist er nicht zu gebrauchen. Manche Seiten wollen ihm einen sich entwickelnden Mitteldistanzwurf andichten. Dies erscheint aber, ob seiner Quoten von dort, eher illusorisch (31 FG% bei sieben Fuß oder mehr Korbentfernung). Da hilft es ihm auch nicht, dass er seine Freiwurfleistungen stetig gesteigert hat (Fr: 37 FT%, Jr: 61 FT%). Mit dem Ball in der Hand ist er eher wertlos. Letztlich kann man Cauley-Stein aber zugute halten, dass er sich genau dessen auch bewusst ist und wenig Dummes anstellt, wenn das Leder einmal den Weg zu ihm findet (Career: 15 TOV%). Großes Entwicklungspotential kann man dem Junior aber nicht mehr unterstellen – schließlich feiert der Bigman schon zwei Monate nach der Draft seinen 22. Geburtstag.

Spielervergleich

Schlägt Cauley-Stein voll ein, wird er eine leicht schwächere Kopie von Tyson Chandler. Defensiv bildet er mit seiner Mobilität und seinen Ringbeschützer-Fähigkeiten das Herzstück einer starken Verteidigung, während er offensiv vor allem mit Effizienz glänzt. Aufgrund der aufgezeigten Schwierigkeiten bleibt es aber abzuwarten, ob sich sein gesamter Defensivimpact vom College auch auf das Profilevel übertragen lässt. Seine Expertise am Perimeter wird nicht mehr ganz so oft gefragt sein. Für ihn als reinen Verteidigungsspezialisten könnten Probleme in der Postverteidigung oder im Defensivrebounding schon das schnelle Downgrade zu einer niedrigeren Rimprotector-Kaste bedeuten und damit den Unterschied zwischen 30-Minuten-Starter und 20-Minuten-Roleguy ausmachen. Er würde sich dann eher in einer Ian Mahinmi-Rolle wiederfinden und nicht mehr ein Spieler mit dem Wert eines Roy Hibberts sein.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft2015StatsBigs

Draftaussichten

Cauley-Stein und sein Skillset rund um Rimprotection und Defensivvielseitigkeit sind sehr gefragt. Ein Platz in der Lottery scheint sicher, wobei er für manche Teams sogar als Top 5-Kandidat im Gespräch sein soll. Dennoch werden GMs bei seinen Interviews genau aufpassen:

Cauley-Stein enjoys the game.

“But I don’t know if he loves it,” said Shields, the guardian. “He hasn’t been bitten by the basketball bug yet.”

http://bleacherreport.com/articles/2287213-superstardom-awaits-willie-cauley-steinif-he-finally-decides-he-wants-it

Über eine längere Karriere ist der Wille zur harten Arbeit und Spaß am Spiel ähnlich wichtig, wie die eingebrachten Tools und Skills zu Beginn der Laufbahn. Es gilt herauszufinden, wie WCS wirklich tickt.

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