3-on-1 Fastbreak, Houston Rockets

Wohin führt der Weg der Rockets?

3-on-1 Fastbreak #3

Nachdem man in der vergangenen Saison überraschend in die Conference Finals einzog, um dann über weite Strecken dem späteren Meister, den Golden State Warriors, ein Duell auf Augenhöhe zu bieten und nach einer vermeintlich guten Offseason, hatten nicht wenige Experten die Houston Rockets als erweiterten Contender auf dem Zettel. Neben den Los Angeles Clippers, den Oklahoma Thunder den San Antonio Spurs und dem Titelverteidiger galten sie als einer der Teams, bei denen man nur noch spekulierte, auf welchen der ersten fünf Plätzen im Westen sie die Saison 2015/16 abschließen werden – doch der Auftakt der neuen Spielzeit war ernüchternd. Sieben der ersten elf Spiele gingen verloren und man trennte sich von Trainer Kevin McHale. War er der Hauptgrund für den schwachen Start? Sind die Rockets noch ein sicherer Anwärter auf die Playoffs? Und kann man sie gar noch im erweiterten Contender-Kreis einordnen? Unsere Redakteure Marc Petri, Martin Sobczyk und Julian Lage gehen diesen Fragen auf den Grund.

Marc Petri: Die nackten Zahlen sprachen klar gegen Kevin McHale. 4 Siege, 7 Niederlagen; ein Offensivrating von 101.2 (Platz 25 in der NBA); ein Defensivrating von 109.0 (28.) standen zu diesem Zeitpunkt zu Buche. Sicherlich waren die verletzungsbedingten Ausfälle von Dwight Howard, Donatas Motjejunas, Patrick Beverley und Terrence Jones ein Grund, warum die Rockets die hohen Erwartungen, welche man nicht nur in Houston in sie setzte, nicht erfüllen konnte – aber es gibt noch weitere schwerwiegende Gründe für das bisher schlechte Abschneiden:

James Harden gilt individuell als Minusverteidiger, gerade in der vergangenen Saison konnte man diese Tatsache immer dann besonders effektiv kaschieren, wenn er „zwischen“ zwei defensivstarken Spielern (Patrick Beverley und Trevor Ariza waren das zu großen Teilen der letzten Spielzeit) agierte. Seine defensiven Aufgaben konnten so auf ein Minimum reduziert werden.

Mit Ty Lawson verpflichtete man im Sommer jedoch einen Spieler, der seinerseits als unterdurchschnittlicher Verteidiger gilt, fortan war es nunmehr nicht möglich, defensive Unzulänglichkeiten zu verstecken. Waren beide Guards gemeinsam auf dem Court, steht man in den Phasen, die immerhin ca. 26 Minuten pro Spiel betragen, bei einem Net-Rating von minus 7.8 Punkten per 100 Possessions. Da nicht davon auszugehen ist, dass einer der beiden erwähnten Spieler in naher Zukunft individuell einen positiven Impact auf die Defensive haben wird, ist es zwingend erforderlich, dass die Rotationen entsprechend angepasst werden und das zumindest einer der Individualisten vermehrt seinen Fokus auf die Defensive richtet, um Schadensbegrenzung zu betreiben.

Offensiv dagegen hatte sich im System der Rockets wenig geändert; man gilt weiterhin als eines der schnellsten Teams der Liga (Pace 2014/15: 96.5; Pace 2015/16: 98.5) und auch nimmt man weiterhin die meisten Dreier der Liga (genau wie in der vergangenen Spielzeit liegt man mit 33 Versuchen pro Spiel deutlich an erster Stelle bei den genommenen Dreipunktwürfen).

Das Dilemma: Nur die Brooklyn Nets trafen in den ersten 12 Spielen der neuen Spielzeit prozentual schlechter als die Rockets. Während man bei den Freiwürfen und bei allen anderen Schüssen aus dem Feld annähernd identisch abschloss wie in der Saison 2014/15, fiel der Wert beim, für das von McHale gespielte System so wichtigen, Dreier von 34.8 Prozent auf unter 29 Prozent. Bei einer immens hohen Rate (37.6 Prozent aller Würfe der Rockets sind Dreier), wie sie die Rockets an den Tag legen, ein kaum auszugleichender Aderlass. In Kombination mit den defensiven Unzulänglichkeiten (gerade mit Backcourt) ist es kein Wunder, dass man in den ersten Spielen unter McHale im Durchschnitt über 8 Punkte mehr kassierte, als dass man sie selbst erzielte.

Dass man in dieser Spielzeit in der Verteidigung zu den besseren Teams der Liga gehören wird, erscheint trotz der Rückkehr von Patrick Beverley und Donatas Motiejunas (eine Rückkehr ist bisher noch nicht terminiert, es ist allerdings davon auszugehen, dass er noch in diesem Jahr zum Team stoßen wird) ausgeschlossen, aber offensiv wird man aufgrund der individuellen Klasse von James Harden und Co. schon bald wieder zur Ligaspitze gehören. Aus diesem Grund steht das Erreichen der Playoffs nicht in Frage, in den Playoffs wird man aber defensiv vor einer harten Probe gestellt und es ist davon auszugehen, dass es gegen die Favoriten aus Los Angeles, San Antonio und Golden State nicht für ein Weiterkommen reichen wird.

Julian Lage: Es klingt sehr nach Platitude, aber: Das größte Problem der Rockets ist, dass niemand so genau sagen kann, was ihr Problem ist. Die individuell wie für das Team teilweise miserablen Statistiken können zwar die wenigen Siege erklären, aber nur in einem begrenzten Maß das schlechte Spiel. Es ist schwer nachzuvollziehen, wieso das Team sich ohne den Verlust von Schlüsselspielern so deutlich verschlechtert hat und insbesondere einzelne Akteure in ihrer Prime ohne Verletzungen weit unterhalb jeder Normalform agieren.

Besonders schwer nachzuvollziehen ist die Situation, da eigentlich keines der aktuellen Probleme nicht auch in den letzten Playoffs bestand. Vermutlich war es ein Fehler McHales, nicht Beverley neben Harden starten zu lassen – Lawson als Sixth Man von der Bank hätte defensiv und offensiv einige Vorteile mit sich gebracht. Nur sollte man den verbesserungsfähigen Team Fit nicht überbewerten, nachdem letztes Jahr die NBA-Senioren Jason Terry und Pablo Prigioni beim Sieg über die Clippers neben Harden auf dem Feld standen. Gleiches gilt für die gesundheitliche Situation bei den Bigs: Howard und Jones waren angeschlagen, Motiejunas fiel ebenfalls aus.

Kevin McHale war nicht unbedingt schuld an den Problemen, konnte aber eben auch keine Lösungen servieren. Die Grizzlies entschieden sich in einer ähnlichen Situation für einen Spielertrade, aber ein Wechsel auf der Trainerbank ist meist einfacher und möglicherweise effektvoller. McHale war trotz einiger eher überraschender Erfolge nie unumstritten und stand meist im Schatten von GM Daryl Morey. Es darf bezweifelt werden, ob ein neuer Head Coach – egal ob J.B. Bickerstaff oder ein eventueller Nachfolger – unbedingt der Grund für Veränderungen sein wird. Allerdings haben sie Rockets so zwei Versuche für einen Auslöser, der sie zurück zu alter Stärke bringt. Das würde gleichzeitig Morey und den neuen Mann an der Seitenlinie gut aussehen lassen und ist angesichts der Qualität des Teams die zu erwartende Entwicklung.

Anders gefragt: Machen also Josh Smith und Pablo Prigioni den Unterschied zwischen einem Conference Finals-Teilnehmer und einem Team unter 50%? Sicher nicht. Solange nicht teamintern massive Schwierigkeiten bestehen, die noch nicht nach außen gedrungen sind, sollten sich die Rockets erholen und in den Playoffs noch eine Rolle spielen. Dass nur zwei der erwarteten Contender im Westen bisher auf dem entsprechenden Niveau spielen, macht diese Aufgabe etwas einfacher – auch wenn die Niederlage gegen die Grizzlies einen weiteren Schritt in die falsche Richtung bedeutete. Die Saison ist gerade gut 10 Spiele alt, in den restlichen 70 sollte es für Houston aufwärts gehen.

Martin Sobczyk: Die sehr frühe Entlassung von McHale ist ein klares Indiz dafür, dass es zwischen den Spielern und dem Coach nicht mehr stimmte bzw. das Management der Rockets nicht mehr daran geglaubt hat, dass dieser Coach die Rockets wieder zu Siegen führen kann.

Selbstverständlich haben die Rockets mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, welche vor allem defensiv auffallen, allerdings kann dies keine Ausrede dafür sein, dass ein potentielles Top 5 Team im Westen zu Hause gegen die Nets sowie die Nowitzki-Parsons-Matthews-losen Mavericks verliert.

Es stimmt schlichtweg vorne (Off Rtg 99.9; 28. von 30) und hinten (Def Rtg 107.0; 22, von 30) nicht. Insbesondere die Guardrotation wirft sogar die Frage auf, ob der Negativtrend allein durch den Trainerwechsel aufgehalten werden kann. Außer bei dem immerzu verletzten Beverley sucht man vergeblich nach Defensivfähigkeiten im Backcourt.

Der größte Unterschied zur Vorsaison ist – neben der subjektiv empfundenen Lustlosigkeit im Team und der Addition von Lawson – die 3P%. Zwar wirft man immer noch gemäß den Morey-Geboten die meisten Dreier der Liga, trifft diese aber mit unter 29% atemberaubend schlecht. Vor allem James Harden trifft nur 25,6% seiner Dreier und hat dabei seine Schusszahl von 6.9 auf 9.6 Versuche pro Spiel im Vergleich zum Vorjahr erhöht.

Das interessante an den diesjährigen Rockets ist die Tatsache, dass mit Lawson ein weiterer Ballhandler  und Playmaker geholt wurde, aber bislang Hardens Usage gestiegen ist (>33% Usg). Das Zusammenspiel funktioniert überhaupt nicht, jedoch bleibt die Hoffnung, dass die Rockets – schlicht wegen ihrer vorhandenen Offensivqualität – einen Weg finden werden. Im Endeffekt hängt der Erfolg der Rockets an der Performance von James Harden. Wenn dieser nicht wieder auf MVP-Niveau liefert, dann könnte es sogar schwierig mit den Playoffs im Westen werden. Realistisch betrachtet, sollte es jedoch trotzdem für die Playoffs reichen. Den Status als (Pre-)Contender sind sie jedoch bis auf Weiteres los.

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2 comments

  1. Coach K

    Wie gewohnt von den Drei, eine sehr gute Analyse.

    Ich denke aber das es im Team insgesamt nicht stimmt. Lustloses Geballere von allen beteiligten, keine ordentliche Verteidung mehr. Das läßt die Rocktes nicht gut aussehen.

    Letzte Nacht verliert man gegen die Bärem aus Memphis die selber Probleme haben und mit Verletzungen kämpfen obwohl ein Harden 40 Punkte macht und 12-19 aus dem Feld wirft und 11-11 Freiwürfe trifft.
    Wenn man dann aber sieht das ein Terry als PG (bzw. als OffGuard neben Harden agiert) 29 Minuten sieht. Und Beverly von der Bank der der bessere Verteidiger ist nur knapp 19 Min dann stimmt da was nicht.
    Lawson spielt 2 Minuten (weiß jetzt nicht ob er sich verletzt hat) falls nicht wird hier runter die Teamchemie leiden.

    Morey hat in dieser Saison noch einiges vor sich den mit 5-10 sieht es auch im Westen nicht so rosig aus.

  2. kdurant35

    Bin wirklich sehr überrascht vom schwachen Auftreten der Rockets.

    Hatte bisher das Gefühl, dass die einfach nicht mit der gleichen Einstellung in die Saison gingen wie letztes Jahr.
    2014 war man nach dem Fiasko um Bosh der Buhmann. Kam mir so vor, als wären sie da richtig heiß gewesen es den Kritikern zu zeigen. Ganz anders diese Saison. Von vielen als Geheimfavorit gehandelt, scheint es so, als wollte man sich erst mal in Ruhe einspielen. Das Feuer des Vorjahres fehlt mir noch.
    Zweifle nicht an den POs, aber es wird nicht leicht wieder auf Kurs zu kommen. Druck und Frust wird von N zu N größer.


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