Houston Rockets, Set Play

James Harden im Pick-and-Roll

Set Play #4

James Harden befindet sich – das dürften die meisten mitbekommen haben – gerade auf einem absolut historischen Scoring-Run. 45,1 Punkte legt Harden über seine letzten 10 Spiele auf, das sind Zahlen, die wir nicht mehr gesehen haben, seit Kobe Bryant mit Smush Parker auf der Eins zusammenspielte. Ebenso ist es mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass Harden sich die allermeisten dieser Punkte selbst kreiert und quasi nie einen Assist vor dem Score erhält; den größten Schaden richtet Harden also als Ballhandler im Pick-and-Roll oder in Isolation an. Dabei fehlt ihm mit Clint Capela momentan sogar sein bevorzugter Pick-and-Roll Partner… Wie schaffen die Rockets das? Liegt es tatsächlich nur an Hardens Brillanz als Ballhandler oder spielen seine Mitspieler doch eine größere Rolle? Schauen wir uns ein paar Sequenzen aus dem Spiel der Rockets gegen die Toronto Raptors an.

Beginnen wir mit einer kleinen, aber dennoch gewichtigen Neuverpflichtung der Houston Rockets: Kenneth Faried. Die Rockets holten ihn ohne Zweifel zu einem Zweck: als Capela-Ersatz im Pick-and-Roll mit Harden. Von seinen 87 gespielten Minuten stand Faried 73 gemeinsam mit Harden auf dem Feld; gegen die Rockets wurden die beiden meist als Paar ein- und ausgewechselt. Und das hat einen Grund: Faried hat definitiv Schwächen, die sich in der modernen NBA Bigs nur noch bedingt leisten können (Rim-Protection, Dreier), als athletischer Roll-Man besitzt er aber ohne Zweifel noch seinen Wert. In folgender Szene stellt er für Harden einen Screen in etwas unkonventioneller Position, der linken Ecke:

Faried stellt einen guten Screen und rollt zur Baseline ab, Harden penetriert daraufhin in die Mitte. Danny Green und Serge Ibaka stehen jetzt vor einem Dilemma: Ibaka entscheidet sich dafür, Harden den Abschluss zu erschweren, dieser liest die Defense und bedient Faried für einen krachenden Dunk.

Dank seiner Athletik, mit der er locker über Ring-Niveau abschließen kann, ist Faried in dieser Situation nicht mehr zu stoppen.

Man beachte bitte aber auch das Spacing der Rockets, das hier schlicht und ergreifend perfekt ist. Mit PJ Tucker (38,3 % 3FG), Austin Rivers (33,3%) und Eric Gordon (32,1%) stehen drei – zumindest dem Leumund nach – starke Schützen am Perimeter und das auch noch in perfekter Raumaufteilung. So wird es für jede Defensive schwer, Harden genügend Helpside-Verteidiger entgegenzustellen.

In einer anderen Szene stellt Faried den Block für Harden deutlich weiter oben.

Man sieht hier sofort, dass sich die Defensive anderes positioniert: Ibaka steht deutlich tiefer, um das Lob- oder Bodenpassanspiel auf Faried zu erschweren. Harden bestraft dies aber mit der gewohnten Präzision und nimmt (und trifft) einen Floater aus der Zone.

Faried liefert hier das, was man „vertikales Spacing“ nennt. Das sonstige Spacing ist vielleicht nicht perfekt, aber mit Gerald Green und James Ennis auf dem Flügel sowie PJ Tucker in der Short Corner zumindest auf gutem Niveau.

Anders stellt sich die Sache dar, wenn nicht Faried, sondern zum Beispiel Tucker den Screen für Harden stellt. In dieser Szene etwa geht Harden direkt aus der Transition ins Pick-and-Roll, wobei sowohl Offensive als auch Defensive noch nicht perfekt sortiert sind.

Pascal Siakam verteidigt das Pick-and-Roll etwa deutlich aggressiver als er müsste; Harden dribbelt ja eigentlich mitten auf den bereits doppelt besetzten Flügel, wo er wenig Platz zum Operieren hat. Harden bestraft dies dann aber sofort mit einem ansatzlosen Behind-the-Back-Pass. Das Resultat ist ein vollkommen offener Dreier für PJ Tucker – Splash!

In diesen Situationen sieht man Hardens Extraklasse als Playmaker. Er liest die Situation sofort richtig und bestraft die Defense mit einem schwierig auszuführenden Pass. Das ist schlicht elitär.

Und was ist mit dem Rest der Rockets? Nun, der weist eben deutliche Defizite im Pick-and-Roll Verhalten auf. Ursprünglich hätte man annehmen sollen, dass Nenê als erste Vertretung für Clint Capela fungiert. Dieser Rolle wird er aber keineswegs gerecht; seit Farieds Ankunft stand Nenê nur noch 6 Minuten gemeinsam mit Harden auf dem Feld und gegen die Raptors überhaupt nicht.

Warum, sieht man hier, in einer Szene im Pick-and-Roll mit Austin Rivers:

Natürlich ist Rivers kein James Harden, Nenê verhält sich jedoch trotzdem alles andere als ideal: Weder poppt er nach dem Screen hinaus zur Dreierlinie noch rollt er hart zum Korb, sondern erhält den Ball in der Mitteldistanz – eine Zone, in der er kaum gefährlich ist und in der die Rockets ihn sicherlich nicht operieren lassen wollen.

Es entspricht jedoch leider schlicht und ergreifend Nenês Fähigkeitenprofil: Er hat den Dreier nicht im Repertoire und ist altersbedingt kaum noch in der Lage, am Ring mit Gegenspieler abzuschließen. Das macht ihn zu einem suboptimalen Pick-and-Roll-Partner für James Harden.

Denn das ist der Schluss, den man aus den Pick-and-Rolls der Rockets gegen die Raptors ziehen muss: Ein Elite-Playmaker wie James Harden ist in der Lage, mit jedem Screensteller ein erfolgsversprechendes Pick-and-Roll zu laufen – und trotzdem gibt es Partner, mit denen es besser funktioniert als mit anderen. Allein das macht den Spielertyp athletischer Big Man wie Clint Capela so wertvoll – sie bieten sogenanntes „vertikales Spacing“. Die Verpflichtung von Kenneth Faried zeigt, dass die Rockets das erkannt haben. Er ist für das Team „nur“ ein Rollenspieler, diese Rolle füllt er jedoch perfekt aus. Für die Rockets und Faried ist das eine klassische Win-Win-Situation.

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