Houston Rockets

Fehlt den Raketen der Treibstoff?

Der kalte Start der Houston Rockets

Die Houston Rockets gehören mit einem 6-7 Start definitiv zu den Enttäuschungen der noch recht jungen Saison. Als letztjähriger Gewinner der Western Conference in der Regular Season war das erklärte Ziel kein geringeres als die Thronfolge der übermächtigen Warriors. Doch nun hat das Team im knallharten Westen ganz andere Sorgen. Nach 13 gespielten Partien bekleidet man nur den 12. Platz in der eigenen Conference und der sicher geglaubte Heimvorteil in den Playoffs scheint bereits jetzt in Gefahr zu sein. Doch was sind die Gründe für die bisherigen Probleme? Reicht es die Verletzungen bzw. sperrungsbedingten Ausfälle der Houston Guards anzuführen oder gar das gescheiterte “Projekt” Carmelo Anthony? Diese Erklärungsversuche greifen vermutlich zu kurz und es lohnt sich das Team aus Texas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was ist zuvor passiert?

Nachdem man in der Offseason die Abgänge der beiden Flügelspieler Trevor Ariza und Luc Mbah a Moute zu verzeichnen hatte, schien der Ersatz schnell gefunden. General Manager Daryl Morey war in der Lage, sich die Dienste von James Ennis, sowie dem ehemaligen All Star Carmelo Anthony zu sichern und auch die eigenenen Free Agents, namentlich Capela und Chris Paul, konnten zu stattlichen Bezügen verlängert werden. Außerdem tradete man Ryan Anderson samt Vertrag (und Rookie Melton) nach Phoenix und bekam dafür im Gegenzug Brandon Knight sowie Marquese Chriss. Der Kern blieb im Großen und Ganzen der selbe und so waren auch wir in unserem Preview Podcast zu den Houston Rockets recht opimistisch, dass dieses Team wieder um den ersten Platz im Westen mitspielen kann.

Warum stottert die Offense?

Letztendlich hat man nun mit diesem 6-7 Start nicht gerade eine optimale Ausgangssituation für dieses Ziel geschaffen. Das Team lässt im bisherigen Saisonverlauf jegliche spielerische Leichtigkeit vermissen und es krankt an allen Ecken und Enden. Dass Harden, Paul und auch Schlüsselspieler Eric Gordon bisher zusammen schon 8 Spiele verpasst haben, darf hierbei keine Entschuldigung sein. Dennoch haben diese Ausfälle deutlich gemacht, dass die Rockets zum jetzigen Zeitpunkt ohne Frage darauf angewiesen sind, ihre beiden Superstars verfügbar zu haben. Doch auch mit den beiden Jungs auf dem Platz scheinen die Erfolgsrezepte der vergangenen Saison entzaubert. Die Rockets sind momentan auf Platz 25 im Offensiv-Rating, nachdem man vergangene Saison die Liga anführte. Auch spielen sie ungleich langsamer als im vergangenen Jahr und lassen dennoch ihre Effektivität im Halbfeld schmerzlich vermissen. Zwar zählen Isolationen von Paul und Harden, insbesondere gegen Mismatches, nach wie vor zu ihren gefährlichsten Waffen, aber das PnR mit Capela war diese Saison aus mehren Gründen bisher kein nachhaltiger Erfolsgarant. Zum Einen treffen die Schützen der Rockets bisher erstaunlich miserabel. Zwar nehmen sie auch dieses Jahr wieder die meisten Dreier, treffen jedoch nur magere 33% (Platz 29 in der Liga).  Hierbei ist vor allem Volume Shooter Eric Gordon zu nennen, der bisher 23,5% seiner 8,5 Versuche pro Spiel trifft. Auch Rollenspieler wie Gerald Green (26%) und Neuverpflichtung Melo (33%) konnten in dieser Hinsicht wenig beitragen, obwohl sie vornehmlich für diesen Skill auf dem Platz stehen. Sogar die beiden Superstars können bei amtlichem Volumen nur durchschnittliche Dreierquoten vorweisen. Daraus ergibt sich folgendes Problem: Durch den kollektiven Shooting Slumps konnten die bisherigen Gegner oft ungestraft Hilfe zum abrollenden Capela schicken, wie in dieser Szene zu sehen ist:

Durch die dicht besiedelte Zone und die fehlende Gefahr von draußen sind die Rockets ihrer beiden größten Waffen beraubt. Denn auch in diesem Jahr nimmt das Team wieder die wenigsten Midranger der Liga und versucht den klassischen Morey-Ball aufzuziehen. Wie bereits angedeutet sind jedoch Abschlüsse in der Zone für das Team bisher eher mäßig erfolgversprechend, weil das gegnerische Team mit allen Mitteln versucht, einfache Layups zu vermeiden und Houston nicht in der Lage ist, die daraus resultierenden offenen Dreier zu verwandeln. Auch eine weitere Waffe der Rockets, der Ausflug an die Freiwurflinie, klappt bisher nicht in der erhofften Dimension. Nachdem man vergangenes Jahr besser als jedes andere Team darin war, Profit aus Freiwürfen zu schlagen, hat man diese Saison gleich zwei Probleme. Einerseits kommt man etwas seltener an die Linie, was sich auch durch die bereits skizzierten Probleme in der recht simplen PnR Offense erklären lässt. Andererseits hat man jedoch bisher auch Schwierigkeiten, die dargebotenen Chancen auf einfache Punkte zu nutzen und trifft als Team bisher 7% schlechter als in der vergangenen Saison. Dieser erstaunliche Einbruch kann als weiterer Aspekt der bisherigen Shooting Struggles betrachtet werden und ist, ebenso wie viele der anderen genannten Punkte auf die beiden Initiatoren der Offense zurückzuführen (Harden bisher 79% FT, Paul 77% FT). Dies ist bezeichnend für das System, dass man in Houston installiert hat, denn die Offense steht und fällt mit seinen Spielgestaltern.

Des Weiteren haben auch schon die Playoffs im vergangenen Jahr angedeutet, was sich jetzt bestätigt: Die Rockets haben keine Alternativen, keinen Plan B und auch kein wirklich breites Arsenal an Sets, falls ihr bevorzugter Spielstil nicht fruchtet. Dennoch ist James Harden vermutlich die geringere Baustelle der beiden Spielmacher. Zwar sind seine 27 Punkte und 7,7 Assists bisher begleitet von 5,3 Turnovern und einem individuellen O-Rtg von 109, allerdings leidet auch sein Spiel an dem fehlenden Spacing und dürfte sich langfristig wieder auf gewohnt hohem Niveau einpendeln. Auch hatte er bisher teilweise schlichtweg Pech bei seinen Abschlüssen am Korb und hat vermeintlich leichte Finishes am Ring bisher in Scharen liegen lassen (FG% am Rim von 45). Chris Paul kann hingegen zum jetzigen Zeitpunkt schon eher als Sorgenkind betrachtet werden. Nachdem er sich im Sommer einen neuen Max Vertrag sichern konnte, wirkt er in seinem ersten Vertragsjahr bisher augenscheinlich weniger spritzig (Paul wird diese Saison 34) und kann ebenfalls nur ein individuelles O-Rtg von 110 aufweisen. Damit agieren die beiden Guards zwar leicht überdurchschnittlich, allerdings nicht annähernd in den für Superstars üblichen Sphären. Dazu trifft Paul bisher ebenso eher mäßig von draußen (35%) und hat Probleme durch seine sonst so sicher wirkende Entscheidungsfindung die Fäden zu ziehen (schlechtestes AST-TO Verhältnis seiner Karriere). In diesem Videobeispiel schafft er es nicht, die Defense aus dem Double Team korrekt zu lesen und spielt als Resultat einen schlechten Pass:

 

An dieser Stelle muss eingeschränkt werden, dass die bisherige Sample Size von erst 13 absolvierten bei noch 69 ausstehenden Spielen in der Regular Season keine finalen Schlüsse erlaubt. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob ein designierter Schütze wie Ryan Anderson im bisherigen Saisonverlauf nicht eine große Hilfe hätte darstellen können. Diese Frage kann wohl nicht eindeutig bejaht werden, denn die Probleme der Rockets beschränken sich nicht nur auf das offensive Ende des Feldes.

Wie tiefschürfend ist der Einbruch in der Defensive?

Auch defensiv haben die Rockets bisher keine allzu beeindruckenden Leistungen an den Tag legen können. So steht man momentan auf Platz 20 im D-Rtg, nachdem man im letzten Jahr an der Top 5 gekratzt hatte. Doch woran liegt das? Muss man im Nachhinein Trevor Ariza ins “First Team All-Defense” nachnominieren? Kann die Defense von Carmelo Anthony im Spätherbst seiner Karriere so einen gewaltigen Schaden anrichten? Die Antwort liegt vermutlich irgendwo dazwischen, denn die größte Schwachstelle fällt recht schnell ins Auge. Die Rockets haben bisher keinen funktionierenden Ringschutz. Sie lassen sehr viele Abschlüsse direkt am Korb zu und konnen diese bisher auch mit wenig Erfolg contesten (opp FG% am Rim: 67%). Auch die Freiwurfausbeute ihrer Gegner ist im bisherigen Jahr entschieden zu groß: Sie geben die zweitmeisten Freiwurfversuche der Liga ab. Doch nicht nur das: Sie geben auch prozentual mehr Offensiv-Rebounds an den Gegner ab und wirken unter dem eigenen Korb insgesamt sehr unkoordiniert. Eine Ursache für diese Probleme liegt an der defensiven Herangehensweise der Rockets. Das Team switcht weiterhin alle Blöcke und gibt so bereitwillig Mismatches ab. So finden sich Carmelo Anthony, Clint Capela und sogar der jüngst in die Rotation aufgenommene Isaiah Hartenstein des Öfteren am Perimeter wieder, isoliert im 1-on-1 gegen einen schnelleren Gegenspieler. Melo und Hartenstein konnten ihren Gegner in solchen Situationen bisher nur selten vor sich halten und auch das Schweizer Taschenmesser (Capela) hatte diese Saison bisher so seine Schwierigkeiten. Hier ein Beispiel wie mühelos ein Guard an Melo vorbeikommt:

 

Die Probleme mit dieser switchlastigen Ausrichtungen gingen schon soweit, dass man teamintern hinterfragt hat wie zielführend diese Strategie noch sein kann, auch in Anbetracht des Personals. Man hat sich jedoch entschieden an der modernen Spielweise festzuhalten und stattdessen einen der wichtigsten defensiven Koordinatoren in Jeff Bzdelic aus dem Ruhestand zurückgeholt. Deshalb wurde zuletzt vornehmlich auf Änderungen im Personal gesetzt. Man verbannte Carmelo Anthony aus der Rotation und schenkte dem Two-Way-Contract Gary Clark zunehmend das Vertrauen. Diese Maßnahme erscheint zwar drastisch, stabilisierte die Defensive bei kleiner Sample Size jedoch gewaltig, sodass man in den letzten Spielen ein DRtg von 106 aufweisen konnte (entspräche Platz 5 der Liga). Doch nun steht man vor einer schwierigen Frage.

Was passiert mit Carmelo Anthony?

Der mehrfache All Star wird voraussichtlich nicht mehr zur Mannschaft zurückkehren. Es ist erschreckend, dass dieses Experiment bereits nach 10 Spielen beendet wurde. Melos Wert in der Liga hat vermutlich einen neuen Tiefpunkt erreicht. Positiv zu erwähnen ist, dass es wohl immer noch Interesse um ihn gibt, fraglich erscheint jedoch, ob er noch in der Lage ist ein Basketballspiel positiv zu beeinflussen. Seine On/Off Zahlen lesen sich wie eine Horrorgeschichte. Mit ihm auf dem Feld war die Offense um über 4 Punkte schlechter (pro 100 Poss.) und ohne ihn war die Defense um ganze 8 Punkte besser. Auch sein Dreier fiel in der kurzen Zeit nur mit 33% und seine wenigen guten Shooting Performances wurden von seinen vielen kalten Abenden überschattet. Er scheint defensiv überhaupt nicht mehr tragbar und hat seine offensive Rolle, ähnlich wie im letzten Jahr, nur bedingt ausfüllen können. Natürlich wäre es ihm zu wünschen, dass er sich nochmals rehabilitiert und wieder funktionierender Teil einer NBA Rotation wird, aber sein Karriereende (in Amerika) scheint näher denn je.

Embed from Getty Images

Was lässt sich aus diesen Erkenntnissen schlussfolgern?

Zunächst mal muss man betonen, dass die große Panik in Houston noch ausbleiben darf. Zwar hat man sich mit Fehlstart selber ein Bein gestellt, aber man kann sich vermutlich dank zunehmender Konstanz, erfahrenem Coach und nach wie vor talentiertem Kader, weiterhin Hoffnungen auf eine Top Platzierung im Westen machen. Außerdem gibt es auch Spieler die sich bereits in glänzender Form präsentieren (PJ Tucker) und einige die wohl zeitnah wieder zu besserer Form regressieren sollten. Weder die Offense noch die Defense werden voraussichtlich am Saisonende noch zur Bottom 10 der Liga gehören und der Trend zeigt in die richtige Richtung (5 der letzten 7 Spiele gewonnen). Nichtsdestotrotz müssen die Rockets ihre bisherigen Probleme in den Griff bekommen und schleunigst anfangen besseren Basketball zu spielen (ihr bisheriges NET-Rtg beträgt Platz 22 der Liga). Und der Kader hat eine Schwäche die in der langen und beschwerlichen Saison (erneut) zum Verhängnis werden könnte: Die fehlende Tiefe. Ohne Melo müssen 30 Minuten Spielzeit auf andere Schultern verteilt werden. Die Starter und Gordon spielen bereits am Anschlag, zuletzt wurden überhaupt nur 5 andere Jungs regelmäßig zum Einsatz gebracht. Gerald Green und Ennis empfehlen sich nicht gerade für größere Rollen und dass mit Rookie Hartenstein, Gary Clark und dem wandelnde Fragezeichen Michael Carter-Williams zuletzt Leute fester Bestandteil der Rotation waren, die ihren positiven Impact bisher nicht nachhaltig unter Beweis stellen konnten, ist wohl eher ein unfreiwilliges Risiko. Dennoch hat MDA in der Vergangenheit gezeigt dass er oftmals das Maximum aus einer Truppe in der Regular Season rauszuholen vermag und mit Morey befindet sich jemand hinter den Kulissen, der sich unermüdlich wie kein Zweiter mit der Frage beschäftigt, wie er dieses Team noch besser machen kann.

Statistiken via https://cleaningtheglass.com/ Stand: 16.11.2018

  • 12
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

3 comments

  1. kdurant35

    :tup:

    Gerade der von dir genannte schwache Saisonstart von Capela geht sonst aufgrund der Wurfprobleme der G oft unter.

    Mich wundert nur, dass du vermutlich störende Ellenbogenverletzung von CP3 nicht erwähnt hast. Hier besteht zumindest die Möglichkeit, dass dies ein nicht unerheblicher Teil seines miesen Starts war.

  2. Tom_Schneider

    |Author

    Vielen Dank für deine Rückmeldung kdurant35 !

    CPs Ellbogen Geschichte hätte man erwähnen können, das stimmt. Aber ich finds immer schwierig bei solchen Verletzungen den Impact auf das Spiel des Betroffenen zu transferieren. Beeinträchtigt es ihn eigentlich kaum oder muss man ihnen seine Leistung doppelt so hoch anrechnen weil er total gehandicapt ist. Deswegen geh ich persönlich davon aus dass ein Spieler fit ist, wenn er auf dem Feld steht. Und was mich bei Paul bisher eher irritiert hat sind nicht seine Wurfquoten sondern eher seine Entscheidungsfindung. Ich hab jetzt diese Saison schon so viele Fehler von ihm gesehen die man so nicht kennt, dass ich da ansetzen wollte. Bei

    Capela sind wir und absolut einig. Sein Spiel ist zwar immer auch in Abhängigkeit seiner beiden Lieblingsguards aber das war bisher nicht der Capela den man aus der vergangenen Saison kennt. Würd ich mir aber auch keine Sorgen machen, viele positive Effekte ergeben sich dann auch aus der Synergie.

  3. kdurant35

    Vielen Dank für deine Rückmeldung @kdurant35 !

    CPs Ellbogen Geschichte hätte man erwähnen können, das stimmt. Aber ich finds immer schwierig bei solchen Verletzungen den Impact auf das Spiel des Betroffenen zu transferieren. Beeinträchtigt es ihn eigentlich kaum oder muss man ihnen seine Leistung doppelt so hoch anrechnen weil er total gehandicapt ist. Deswegen geh ich persönlich davon aus dass ein Spieler fit ist, wenn er auf dem Feld steht. Und was mich bei Paul bisher eher irritiert hat sind nicht seine Wurfquoten sondern eher seine Entscheidungsfindung. Ich hab jetzt diese Saison schon so viele Fehler von ihm gesehen die man so nicht kennt, dass ich da ansetzen wollte. Bei

    Capela sind wir und absolut einig. Sein Spiel ist zwar immer auch in Abhängigkeit seiner beiden Lieblingsguards aber das war bisher nicht der Capela den man aus der vergangenen Saison kennt. Würd ich mir aber auch keine Sorgen machen, viele positive Effekte ergeben sich dann auch aus der Synergie.

    Wie sehr ihn das behindert können wir selbstverständlich nicht beurteilen. Ob dies Teil seiner miesen Leistung ist ebenfalls nicht. Das solch eine Verletzung aber auch einen immensen Einfluss haben kann sah man z.B. bei Lowry, nachdem er sich 2016 eine Ellenbogenverletzung in London zuzog. Danach war er mehrere Klassen schlechter und vom 3er bis Freiwurf war das gruselig. Das seine Entscheidungen grundsätzlich schwächer sind, spricht mMn jetzt nicht gegen eine Verletzung. Wenn das Vertrauen in den Wurf fehlt kann das ja dazu führen, dass man genau diesen vermeiden will und nicht den üblichen Instinkten folgt. Bin jedenfalls sehr gespannt wie sich das weiter entwickelt.


Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben