Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, NBA, Playoffs 2015

Game 1: Golden State Warriors vs. Cleveland Cavaliers

NBA Finals : Spiel 1 in der Analyse

Nach über einer Woche Pause erwartet uns nun die letzte Playoffserie der Saison und der letzte NBA-Basketball bis Oktober. Nach eher etwas langweiligeren Conference Finals stehen sich im Finale das beste Team der regulären Saison, Golden State, und das von LeBron James geführte Cleveland gegenüber.

Spiel 1 fand in der Nacht von Donnerstag auf Freitag statt, welches die Heimmannschaft aus Oakland mit 108-100 nach Overtime gewinnen konnte.

Hier ein paar Gedanken und Notizen zum Opener dieser Finals:

Die Warriors als Heimteam wollten gleich zu Beginn ihren Gameplan, der sie die ganze Saison auszeichnete, beibehalten. Sie nahmen Dreier, vor allem durch Curry, Thompson und Green, früh in der Shotclock und wollten die Pace kontinuierlich hoch halten. Die Cavaliers waren darauf aber sehr gut vorbereitet. Im ersten Viertel war deren Defense herausragend. Sie überraschten die Dubs mit viel Druck auf die Ballhandler, sodass jene gezwungen waren, mehr zu dribbeln. Dies verhinderte einerseits einen ruhigen Spielaufbau und in Currys Fall die patentierten Pull-Up-Dreier aus vollem Lauf. Ging der Ball auf die Weakside zu den Spot-Up-Schützen, wurden harte Closeouts gelaufen, wodurch es ebenfalls zu schwierigen Dreiern kam. Die Botschaft der Cavs war klar: Sie wollten nicht durch Golden States gefährlichen Distanzwurf geschlagen werden, sondern ließen den Dubs ineffizientere Looks „in the Paint“. Golden State war sichtbar überrascht von dieser Taktik und benötigte bis ins zweite Viertel, um darauf zu antworten. Sie nutzen dann aber die Closeouts der Cavs, um in Richtung Korb zu dribbeln und initiierten Passstafetten, die endlich bessere Würfe erzeugten.

Golden State spielte relativ viel Big Ball, was als Kerrs Antwort an die Rebounddominanz der Cavs gesehen werden muss. Im Vorfeld wurde viel spekuliert, ob Kerr an seiner bisherigen Philosophie festhält oder nicht. Nachdem Thompson und Mozgov in den ersten beiden Vierteln aber wieder die Bretter zu dominieren schienen, spielten die Warriors lange mit zwei Big Men (Ezeli: 12 min!). Dies half, weil die Cavs insgesamt im kompletten Spiel „nur“ 13 Offensivrebounds erhielten.

Nicht nur aufgrund der Offensivrebounds funktionierte der Cavs Big Ball zu Beginn relativ gut. Man suchte Abschlüsse über die beiden Bigs, um einen der Warriors-Spieler möglichst früh in Foul Trouble zu bringen (Draymond Green: 5 Fouls).

Das antizipierte Problem um die beiden Bigs bei den Cavs war das geringe Spacing in Kombination mit LeBrons Shooting-Misere. Für seine Drives und Post-Ups ist in dieser Aufstellung sehr wenig Platz, sein Wurf fällt aber seit Wochen nicht mehr. James versteckte sich jedoch nicht und suchte seinen Wurf in der ersten Halbzeit. Sein Jumper fiel wesentlich besser als in den bisherigen Playoffs. Indirekt führte dies dann auch dazu, dass die Warriors ihn enger verteidigten mussten und James ab und zu seine Passfähigkeiten aus Double Teams beweisen konnte (6 Assists).

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit schickte Kerr Small Ball Lineups aufs Parkett. Durch die vielen Schützen (Barnes, Curry, Speights, Green) generierte man viel mehr Platz und freiere Abschlüsse. Insbesondere auf die tödlichen Klay/Curry + Green Pick ‘n’ Rolls fanden die Cavs hierbei keine Antwort. Jeweils einer der Guards war Ballhandler, Green der Screener. Der andere Guard zog durch seine „Gravity“ seinen Gegenspieler so weit nach außen, dass dieser beim Pick ‘n’ Roll nicht aushelfen konnte.

Wie Dennis im Preview Pod ausführte, ist es unabdingbar, die gefürchteten Dreier-Runs der Warriors zu unterbinden. Bis auf kleine Phasen im Spiel gelang Cleveland dies ziemlich gut. Die Cavs traten offensiv und defensiv sehr diszipliniert auf. Wenn es dann doch zu den Runs kam, dann war dies meistens ein Verschulden der eigenen Offensive. Sobald die Cavs den Fokus verloren und ihre Sets nicht mehr sauber ausspielten, kam es zu überhasteten Abschlüssen. Diese wurden dann entweder geblockt oder die Warriors nutzten den Rebound und eine unorganisierte Cavs-Transition Defense für schnelle Gegenstöße. Dennoch konnte man dies im Vorfeld wesentlich schlimmer erwarten.

Ein wichtiges Adjustment vom Coaching Staff der Warriors war die defensive Umstellung auf ein konsequentes One-on-One gegen LeBron. Mike Prada von SB Nation hatte dies auch vorher gefordert. Die Folge dessen waren natürlich weniger 4-gegen-3-Situationen für die Cavs und weniger freie Schützen. Zusätzlich fielen die Cavs wieder in alte Muster zurück. Die off-ball-Bewegung schlief fast gänzlich ein und es kam fast gar nicht mehr zu Catch & Shoot-Situationen.

Ein äußerst unerwarteter Segen, der auch das Spiel für Golden State mit entschied, war die Performance von Iguodala, mit Abstrichen auch Speights. Letzterer traf zwar „nur“ 50 % seiner 8 Würfe in 8 Minuten, jedoch war er bei Jumpern fast fehlerfrei. Iggy hingegen verwandelte 6 seiner 8 Würfe und 2 von 3 Dreiern. Cleveland agierte eigentlich ziemlich clever: Bei den offensiven Waffen, die Golden State besitzt, MUSS man irgendwo defensiv Abstriche machen. Die Cavs erzwangen also vermehrt Jumpshots von diesen beiden Spielern. Gerade Iguodala ist eigentlich ein schlechter Werfer, weswegen die Taktik eine gute Wahl war. Treffen diese Jungs aber doch so, kann man als verteidigendes Team nicht viel machen. Good defense, better offense!

Das Ergebnis der Overtime sieht zwar relativ deutlich aus (10-2), aber mitnichten war es auch spielerisch einseitig. Die Cavs verpassten zwischendurch drei aufeinanderfolgende, einfache Layups. Zwei Minuten vor dem Ende waren die Dubs nur mit vier Punkten vor, als Irving sich an seinem lädierten Knie erneut verletzte. In der direkt darauf folgenden Possession war er quasi nutzlos und die Cavs hatten in einem 4-gegen-5 keine Chance. Einen weit offenen Harrison-Dreier später ist die Führung auf sieben Punkte ausgebaut und das Spiel entschieden.

LeBron James hatte ein seltsames Spiel. Einerseits war es gut zu sehen, dass sein Jumper wieder besser fällt und er beim Wurf wesentlich mehr Selbstvertrauen zeigt als beispielsweise 2012 gegen die Spurs. Zudem war seine Effizienz bei dieser gigantischen Usage (38 Würfe, 6 Assists, 4 TOs) absolut im Rahmen. Dennoch muss er sich Kritik gefallen lassen: Im letzten Viertel und in der Overtime war er zu verliebt in seinen Jumper. Gerade als die Cavs ihrerseits Small Ball gespielt haben, wäre es die beste Alternative gewesen, gegen kleinere Gegenspieler aufzuposten oder gegen größere mit Tempo in die Zone zu ziehen. So hatte James am Ende nur vier Wurfversuche in der Restricted Area (bisher im Schnitt in den Playoffs: 9) aber dafür 22 „outside the paint“ (nie hatte er mehr in einem Postseason-Spiel). Es ist einfach total unverständlich, warum er im one-on-one gegen einen durchschnittlichen Verteidiger, der wesentlich leichter ist als James selbst, so viele schwierige Fadeaways nimmt. Man sollte dabei auch nicht die Implikationen für die gesamte Cavs-Offensive vergessen. Bemüht sich James um weniger Dribble Penetration, führt das zu weniger Rotation der Defense und somit auch zu weniger freien Looks für die eigenen Mitspieler. Hier gilt es für LeBron anzusetzen.

Fazit

Es war ein spannendes, teilweise erstklassiges Eröffnungsspiel. Nuancen entschieden über Sieg und Niederlage. Auf Seiten der Warriors war die unerwartete Offensiv-Perfomance von Iguodala lebensrettend, bei den Cavs sorgt man sich um zweierlei Dinge: Wird man noch einmal so nah an einen Sieg in der Oracle Arena heran kommen? Und wie schlimm ist die Verletzung von Kyrie Irving, der die Arena auf Krücken verlassen musste?

Beide Teams hatten exzellente Game Plans ausgearbeitet und hielten sich fast komplett daran. Es wird spannend zu sehen, ob die Cavs in Spiel 2 zurückschlagen können, oder ob die Serie jetzt die vorher eindeutig pro Golden State antizipierte Richtung einschlägt.

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1 comment

  1. Coach K

    Keine Ahnung ob es hier richtig ist aber meine Eindrücke zum Spiel.

    Die Warriors haben für mich am Anfang ziemlich behäbig gespielt. Kam mir fast so vor als hätten Sie erst den Rost abschütteln müssen der langen Pause. Hinzu kam das die Cavs am Anfang sehr sehr gut Verteidigt haben. Der Rebound fast immer in den Händen der Cavs landete. (Tristan Thompson hat einen verdammt starken Job gemacht beim Offensivenrebound.)

    Trotzdem fande ich das die Cavs in der Offensive keinen richtigen Gameplan hatten (Iso-James ist kein Gameplan). Ich habe es jetzt nicht gezählt aber wie oft hat James den Ball gebracht und er wurde auf einer Seite isoliert. Für meinen Geschmack einfach viel zu oft. Wichtig wäre es gewesen die anderen öfters mit einzubeziehen damit diese sich Selbstvertrauen für die Serie holen.

    Irving hat sich verletzt wenn er länger ausfällt wird James weiter soviele Würfe nehmen aber ohne Unterstützung wird er nicht den Titel holen


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