Brooklyn Nets, NBA

Deadline Deals: Brooklyn Nets

Wird es von Billy King noch eine Vollzugsmeldung geben?

Am Donnerstag, den 19. Februar, um 3 p.m. Eastern Time, also um 21 Uhr deutscher Zeit, ist es wieder soweit und die letzte Möglichkeit in dieser Saison Spieler zu traden, läuft aus. Wie jedes Jahr werden wieder einige Teams bis kurz vor der Deadline warten, um ihre letzten Deals abzuschließen, falls sie eine interessante Möglichkeit gefunden haben. Erfahrungsgemäß sind es immer die letzten 48 Stunden vor der Deadline, in denen sich die Trades häufen und die deswegen mit Spannung erwartet werden dürfen. Letztes Jahr waren Andre Miller, Danny Granger, Spencer Hawes, Evan Turner, Aaron Brooks, Steve Blake und Jason Terry die prominentesten unter den zuletzt getradeten Spielern. Wer einen Blockbuster-Trade erwartet hatte, wurde also enttäuscht. Wird das dieses Jahr anders? Go-to-Guys.de beleuchtet in der Serie “Deadline Deals” die möglichen Tradekandidaten, ihre Teams und ihre Chancen noch vor der Trading-Deadline ein neues Team zu haben.

Brooklyn Nets suchen nach Caprelief

Michail Prochorow, der Teamowner der Brooklyn Nets, der das Team erst 2010 gekauft hatte, erkundet nun wegen Turbulenzen in der russischen Wirtschaft die Möglichkeit, die Franchise nach nur 5 Jahren wieder zu verkaufen. Was ihm dabei sehr helfen würde, wäre eine Senkung der zu entrichtenden Luxury-Tax. Mit über 91 Millionen $ haben die Brooklyn Nets zur Zeit immer noch die teuerste Payroll in der NBA und mit ihren 4 großen Contracts über 10 Millionen $ vermutlich auch den unflexibelsten Kader der gesamten Liga. Das schreckt viele Interessenten ab und senkt dadurch den aktuellen Franchise-Wert. Wenn Prochorow eine Attraktivitätssteigerung seiner Franchise unbedingt braucht, um einen geeigneten Käufer zu finden, ist es also sehr wahrscheinlich, dass die Nets noch vor der Deadline einen Trade abschließen.

Das zweite Ziel der Brooklyn Nets könnte aber wiederum der Grund sein, warum sie schlussendlich doch keinen Trade zu Stande bringen könnten. Die Nets wollen nämlich gleichzeitig nicht ihren Kader verschlechtern, um ihre Chance, noch in die Playoffs einzuziehen, aufrechtzuerhalten. Schließlich wirkt sich der aktuelle sportliche Erfolg auch auf den Wert der Franchise und die Anzahl der möglichen Interessenten aus. Doch dieses Ziel macht es sehr schwer einen passenden Trade zu finden, in dem man für seine eher unattraktiven großen Verträge Spieler mit ähnlicher Qualität zurückbekommt.

Joe Johnson – SG/SF – Brooklyn Nets
Contract: 2 years left (14/15: $23,2 mio; 15/16: $24,9 mio)
Mögliche Interessenten: Hornets

Das immense Superstar-Gehalt des alternden überbezahlten All-Stars macht es enorm schwierig überhaupt Interessenten zu finden, die bereit sind, seinen enormen Vertrag zu übernehmen. Es braucht schon einen Tradepartner, der begeistert ist von der Möglichkeit Joe Johnson zu bekommen. Bisher ist Michael Jordan, als Owner der Hornets, der Einzige, der so überzeugt von Johnson zu sein scheint, dass er bereit ist über das monströse Salary hinwegzusehen. Ein Deal zwischen den Nets und den Hornets scheiterte bisher aber an dem mangelndem Interesse von Brooklyn Lance Stephenson in seine Heimat zu holen, weil man befürchtet, dass sich dort seine Leistungen eher noch verschlechtern als verbessern könnten. Das große Gehalt von Johnson macht es aber notwendig, dass einer der beiden größten Salaries der Hornets, also entweder Al Jefferson oder Lance Stephenson, in den Deal involviert wird. Solange Brook Lopez in Brooklyn verweilt, dürfte Al Jefferson aber überhaupt kein Thema für die Nets sein. Der Deal steht und fällt also mit der Bereitschaft der Nets Lance Stephenson nach Brooklyn zu holen.

Die Kings und Raptors hätten auch passende Verträge, um Joe Johnson zu erwerben, suchen aber eher auf anderen Positionen nach Verstärkungen. Auch die Bucks, Nuggets, Pacers oder Pelicans könnten einen realistischen Deal mit Joe Johnson auf die Beine stellen, würden aber vermutlich sportlich zu wenig davon profitieren, als dass es sich lohnen würde die eigene Payroll noch mehr zu belasten und den Kader unflexibler zu machen. Es braucht also schon einen Bewunderer von Joe Johnson, um einen Trade möglich zu machen und da scheint Michael Jordan zur Zeit der Einzige unter den Teamoffiziellen zu sein.

Prognose: Falls Michael Jordan es nicht mit einem verrückten Tradeangebot erzwingen sollte, werden die Nets wohl lieber ihren Top-Scorer behalten als mit Lance Stephenson ein Risiko einzugehen und dabei bis zu $5 Mio an Salary zu sparen. Andere Interessenten bleiben wohl aus.

Deron Williams – PG – Brooklyn Nets
Contract: 3 years left (14/15: $19,8 mio; 15/16: $21 mio; 16/17: $22,3 Mio (Early Termination Option))
Mögliche Interessenten: Keine

Deron Williams war der erste Spieler, den die Nets in dieser Saison versucht haben zu traden. Außer einem möglichen Deal mit den Kings, die aber eher an Mason Plumlee als an Deron selbst interessiert waren, hat man sonst nichts von den Tradeversuchen gehört, die jetzt scheinbar begraben wurden. Dass sogar die stets verzweifelt nach Kaderverbesserungen suchenden Kings nicht wirklich an Deron Williams selbst interessiert waren, sagt viel über seinen Tradewert aus.

Prognose: Der Maximal-Vertag des verletzungsanfälligen und formschwachen PGs hat mit 3 Jahren noch eine viel zu lange Laufzeit und der Point-Guard-Markt ist mit den vielen jungen aufstrebenden PGs ziemlich gesättigt. 

Brook Lopez – C – Brooklyn Nets
Contract: 2 years left (14/15: $15,7 mio; 15/16: $16,7 mio (Player Option))
Mögliche Interessenten: Thunder, Nuggets, Raptors, Bucks

Brook Lopez scheint der Nets-Spieler zu sein, bei dem ein Trade wohl am wahrscheinlichsten ist. Er zeigt nun seit ein paar Spielen wieder ansprechende Leistungen und hat schon reges Interesse bei den Nuggets und den Thunder geweckt. Auch die Raptors suchen noch einen Big, der ihre Rotation verstärken kann. Neben Valanciunas hat Toronto sonst keinen echten Center in der Rotation. Ob Brook Lopez allerdings der richtige Fit für die Raptors wäre, die eher defensive Hilfe benötigen, und ob Masai Ujiri, der GM der Raptors, bereit ist den Maximal-Vertrag von Lopez zu übernehmen, darf bezweifelt werden. Dass Brook Lopez sein letztes Vertragsjahr per Player Option wahrnimmt, ist nämlich aufgrund der Vertragshöhe sehr wahrscheinlich.

Die Bucks stehen mit den Problemen um Larry Sanders vor einer ungewissen Zukunft auf ihrer Center-Position, auf der sie durch die momentane Verletzung von Zaza Pachulia auch noch unterbesetzt sind. Solange aber die Situation von Larry Sanders noch nicht geklärt ist und die Bucks seinen $11 Mio Vertrag noch auf der Payroll haben, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie sich auf der selben Position noch einen Maximal-Vertrag zulegen.

Prognose: Schlussendlich wird ein Brook Lopez Deal wahrscheinlich am mangelnden spielerischen Gegenwert scheitern. Die Nuggets (McGee + Hickson + Pick) und die Thunder (Perkins + Perry Jones) sind nicht wirklich bereit, qualitativ gleichwertige Rotationsspieler für Brook Lopez einzutauschen. Bei weiteren Interessenten wird es vermutlich nicht anders sein. Lopez ist bei den Nets aber auch als 6th Man noch eine offensive Stütze des Teams, zu dem sie in allen möglichen Deals wohl keine entsprechende Kompensation bekommen würden.

Kevin Garnett – PF – Brooklyn Nets
Contract: 1 year left (14/15: $12 mio), has no-trade-clause
Mögliche Interessenten: Clippers und andere Contender

 

Der Knackpunkt bei Kevin Garnett ist die No-Trade-Clause. Er muss jedem Trade zustimmen, den die Nets mit ihm durchführen wollen. Deshalb ist es sehr fraglich, zu welchen Teams Garnett per Trade überhaupt wechseln wollen würde. Die Clippers scheinen wegen Doc Rivers eine interessante Möglichkeit für Garnett zu sein. Doch jedes Team das Garnetts Interesse weckt, könnte die Hoffnung haben, ihn nach einem Buyout fürs Minimalgehalt verpflichten zu können und so keine anderen Assets abgeben zu müssen. Nach dem Saisonaus von Mirza Teletovic ist es aber sehr fraglich, ob die Nets auf Garnett verzichten wollen ohne einen passenden Ersatz zu haben, solange sie im Playoffrace sind.

Prognose: Einen Trade zu finden, dem Garnett zustimmt, der den Nets den gewünschten Caprelief bietet und der kein sportliches Downgrade für Brooklyn wäre, ist nahezu unmöglich. Falls Garnett aber auf einen für Brooklyn relevanten Geldbetrag verzichten will, um zu einem Contender seiner Wahl wechseln zu können oder Brooklyn die Playoffs aus den Augen verliert, könnte eine Einigung zu einem Buyout erzielt werden.

Jarrett Jack – PG – Brooklyn Nets
Contract: 3 years left (each: $6,3 mio; last year only $5,8 mio guaranteed)
Mögliche Interessenten: keine

Bei Jarrett Jack ist es ähnlich wie bei Deron Williams. Die noch verhältnismäßig lange Vertragslaufzeit von 3 Jahren schreckt im Zusammenspiel mit den eher dürftigen Leistungen jeden Interessenten ab. Auch seine teilweise recht ahnsehnliche Produktion in Abwesenheit von Deron Williams kann nicht über den Fakt hinwegtäuschen, dass er in den letzten 2 Jahren sehr unkonstant gespielt hat und dadurch bis zur momentanen Hochphase eher weniger hilfreich war. Solange Brooklyn nicht bereit ist eines ihrer wenigen verbliebenen Future-Assets (Plumlee, Bogdanovic, Karasev, First-Rounder ab 2020) abzugeben, wird es schwer sein einen Trade mit einem ihrer PGs erfolgreich abzuschließen. Es suchen zwar einige Teams, wie die Clippers oder die Cavaliers noch einen erfahrenen Backup-PG, doch unter den Veteranen gibt es noch eine Menge Alternativen auf der 1, die einen wesentlich angenehmeren Vertrag haben als Jarrett Jack oder sogar Free Agents sind und Ähnliches bringen können wie er.

Prognose: Auch Jack werden die Nets aufgrund seines Vertrages ohne Zugabe nicht für relevantes und günstigeres Spielermaterial eintauschen können. Selbst ein Dumping-Trade würde wegen seiner Vertragslänge eine teuere Angelegenheit werden. Er wird also vermutlich auch nach der Deadline noch ein Nets-Jersey tragen.

Ausblick der Brooklyn Nets

Billy King scheint Möglichkeiten zu haben, die Bad Contracts der Nets loswerden zu können. Doch unter den sportlichen Ansprüchen noch die Playoffs erreichen zu wollen, wird Brooklyn wohl an die Verträge von Johnson, Williams und Lopez gebunden sein. Auch bei Kevin Garnett und Jarrett Jack ist per Trade der gewünschte Gegenwert in Form von Rotationsspielern nicht erwartbar.

King wird sich in Zukunft auch hüten, die wenigen verbliebenen Future Assets auch noch in Trades einzusetzen, weil das einen Neuaufbau der Franchise durch einen neuen Besitzer noch weiter erschweren würde. Dadurch bleiben den Nets keine Mittel, um möglichen Tradepartnern ihre Bad Contracts schmackhafter zu machen und so in die Lage zu kommen gleichwertiges Spielermaterial zurückzubekommen. Trotz vieler Spekulationen könnte es deswegen bei den Nets zur Deadline in Sachen Vollzugsmeldung ganz still bleiben, wenn sie ihre sportlichen Ansprüche nicht doch noch überdenken. Es wird ganz darauf ankommen, wie dringend Prochorow eine Attraktivitätssteigerung der Kader-Struktur der Nets braucht.

Sollten die Nets weiterhin keine Kompromisse hinsichtlich ihres gewünschten Tradegegenwerts machen und auf der Erhaltung der Teamstärke beharren, wird man in Brooklyn auf die große Erlösung aus dem Luxury-Tax-Dilemma wahrscheinlich mindestens bis zur nächsten Offseason warten müssen. Dann werden die Verträge von Johnson und Lopez endlich zu Expiring Contracts und dadurch vermutlich leichter zu traden sein. Spätestens aber im Sommer 2016 winkt dann endlich wieder etwas mehr Kader-Flexibilität, wenn die Verträge von Lopez und Johnson von der Payroll verschwinden würden. Eine Besserung ist also in Sicht, aber noch nicht wirklich greifbar.

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