BBL

Joshiko Saibou: Der (Un)heimliche Leistungsträger

Immer wieder werden die gleichen Namen an der Front der Liste der besten deutschen Werfer gelesen. Sie heißen Per Günther, Robin Benzing oder Danilo Barthel. Aber diese Saison reiht sich ein neuer Name ein. Den beschwerlichen Weg des Joshiko Saibou lest ihr hier.

Köln, lediglich die Geburtsstadt. Aufgewachsen ist, der mit togolesischen Wurzeln behaftete, Joshiko Saibou in Berlin. „Berlin ist für mich Heimat“ lautet die klare Ansage von Joshiko Saibou, denn dort begann alles. Alles, meint, dass Joshiko im Alter von sechs Jahren bereits die Freude am orangen Leder gefunden hatte. Beim BSC Berlin, welcher sich als der familienfreundlichste Verein bezeichnet, machte Joshiko Saibou seine ersten Schritte auf dem Parkett. Drei Jahre lang hielt er dem Traditionsverein im Stadtteil Wilmersdorf die Treue. Anschließend schloss er sich der Talentschmiede von ALBA Berlin, TuS Lichterfelde, an. Dort versuchte Joshiko neben seiner Schulausbildung sich immer wieder für den Kader von ALBA Berlin zu empfehlen. Da aber die damaligen Ligastrukturen den U16 Spielern keine anständige Plattform bot, nutze Saibou die Zeit für ein Jahr im Ausland. „Es war damals eine sehr schöne Erfahrung in jeder Hinsicht, egal ob basketballerisch, menschlich oder kulturell“.

Zur Überraschung von Joshiko Saibou erhielt er eine Einladung zum NBBL Kader von ALBA Berlin. Dort traf er auf keinen Unbekannten, denn mit Henrik Rödl traf er ein Gesicht wieder, welches er bereits von der TuS Lichterfelde kannte. Henrik Rödl, ausgestattet mit einem Erfahrungsschatz von 512 Spielen für ALBA Berlin, übernahm die Nachwuchsmannschaft von ALBA Berlin, da er den Trainerposten der Profimannschaft aufgrund einer enttäuschenden Vorsaison an den Montenegriner Luka Pavicevic verlor. Trotz der Degradierung stellt sich Rödl vollends in den Dienst von ALBA Berlin und übernahm den Trainerjob der Nachwuchsmannschaft. Dort versuchte Rödl eine gute Basis für den Profiverein zu bilden.

Teil der Golden Ära

Nicht nur Joshiko Saibou erhielt eine Einladung zum NBBL Kader für die Spielzeit 2007/08, sondern auch Andreas Seiferth, Nico Adamczak und Thomas Schoeps. Mit lediglich einer Niederlage, ausgerechnet gegen den Erzfeind IBBA Berlin, dominierte die Nachwuchsmannschaft von ALBA Berlin die Gruppe Nordost. Die Truppe von Henrik Rödl war nicht zu stoppen und konnte als heimlicher Favorit auf den Titel der U19-Meisterschaft nach Langen fahren. Trotz des sportlichen Rückenwinds war der Vorjahressieger Team Urspring im Finale einfach nicht zu bezwingen. „Natürlich war ich damals überrascht in den Kader berufen worden zu sein, schließlich war es meine erste Profistation.“ erinnert sich Joshiko Saibou .

Mit einer Portion Wut im Bauch optimierte Henrik Rödl den Kader. Es wurden von der TuS Lichterfelde abermals Spieler abgeworben. Darunter der Combo-Guard Niels Giffey oder das Aufbautalent Konstantin Klein. Komplettiert wurde Kader durch Spieler wie Sebastian Fülle, Joey Ney oder Leon Tolksdorf. Mit diesem „DreamTeam“ dominierte Henrik Rödl die NBBL nach Belieben. Innerhalb der Nordost-Gruppe wurde kein einziges Spiel abgegeben und jeder Gegner mit durchschnittlich 26 Punkten abgefertigt. Auch die nächsten Hürden waren kein Problem für die „jungen Wilden“ von ALBA Berlin. Spätestens im Halbfinale wusste jeder in Deutschland, dass die NBBL Truppe gerne das Heimspiel nutzen möchte für den Gewinn des Pokals. Mit 70:48 wurde das Nachwuchsteam der Bamberger aus der heimischen Sömmeringhalle gefegt. Die Paderborn Baskets, angeführt durch die Wendt-Brüder, eliminierte ihren Nemesis der Vorsaison in einem hochklassigen Halbfinale. Aber auch im Finale verlangten die West-Deutschen den Berlinern alles ab. Aber am Ende konnten sie sich durchsetzen mit einem 75:70. Vor 2100 Zuschauern war das Ziel erreicht worden. Joshiko Saibou resümiert: „Mit dem Sieg im Finale war die Niederlage aus der Vorsaison gegen Urspring vergessen.“ Saibou steuerte damals in seinen Einsätzen knapp zehn Punkte bei und stand über 22 Minuten auf dem Spielfeld.

Unbelohntes Wagnis

Aufgrund seiner 19 Lenzen war Joshiko Saibou nun zu alt für die NBBL und er versuchte sich in den Profikader von ALBA Berlin durchzubeißen. Genauso wie es der Werdegang von Henrik Rödl mit Hilfe der NBBL Mannschaft vorgesehen war.  Aber der damalige Übungsleiter Luka Pavicevic war nicht der größte Freund von deutschen Spielern. Zwar bestand die Quote von 8+4, aber in der Rotation fanden die deutschen Spieler keinen Platz. Außer Steffen Hamann und Philipp Zwiener, der auch nur durchschnittlich zwölf Minuten pro Spiel auf dem Parkett stand, hatten eine kaum nennenswerte Rolle in der Rotation.

Diese Zeichen verstand auch Saibou und spielte für die zweite Mannschaft von ALBA Berlin in der 1. Regionalliga Nord. Gemeinsam mit seinen Weggefährten aus der NBBL Mannschaft Niels Giffey, Konstantin Klein und Sebastian Fülle und Coach Henrik Rödl führte er die zweite Mannschaft in die 2. Bundesliga Süd. Auch in der Spielzeit 2010/11 sah es nicht wirklich besser aus für Joshiko Saibou für den Sprung in den Profikader und so verstärkte er weiterhin die zweite Mannschaft von ALBA. Weiterhin an seiner Seite Konstantin Klein und Sebastian Fülle. Luka Pavicevic sah die Leistungssteigerung von Saibou (fast elf Punkte pro Spiel) und das Saibou zum „Youngster des Monats November“ gewählt worden war. Daraufhin gab der Montenegriner Pavicevic  die Chance bei zwei Kurzeinsätzen ein wenig Bundesligaluft zu schnuppern.

Neue Wege zum Glück

Aber nachdem die erfolgreiche Truppe der letzten Jahre nach und nach auseinander brach, spielte auch Joshiko Saibou mit dem Gedanken den Verein zu wechseln und schloss sich gemeinsam mit Andreas Seiferth der TBB Trier an. Dort trafen beide wieder auf ein paar alte Bekannte mit Philipp Zwiener oder Dragan Dojcin aus Berliner Zeiten. Aber auch auf ihren alten Trainer Henrik Rödl. „Henrik ist für mich eine Art Mentor. Er hat mir stets weitergeholfen.“ Aus der Perspektive sieht Joshiko Saibou sein Verhältnis zu Henrik Rödl.

Auch wenn seine Spielzeit mit durchschnittlich vier Minuten pro Partie eine andere Sprache sprechen, so konnte er seinen Erfahrungsschatz hinter einen erfahrenen Point Guard wie Dru Joyce wachsen lassen. Geht es nach Henrik Rödl, dann sieht er in Joshiko Saibou folgenden Spieler: „Ein Spieler, der durch seine offene und freundliche Art immer ein beliebter Mannschaftskamerad ist. Ein immer unterschätzter Combo-Guard, der hart an sich arbeitet und jedes Jahr besser wird.“ Hart arbeiten ist das richtige Stichwort für die Spielzeit 2012-13.

Mit einer Drei-Mann-Rotation auf der Aufbauposition versucht Henrik Rödl die ideale Mischung für seine druckvolle Verteidigung zu finden. Während Jarrett Howell, dank seiner internationalen Erfahrung, gesetzt war als Starter, kämpfte Saibou immer wieder mit Bastian Doreth um den Platz dahinter. Zwar konnte sich Doreth stets durchsetzen, aber mit durchschnittlich neun Minuten konnte Saibou dem Spiel immer wieder seinen Stempel aufsetzen und seine Gegenspieler zur Weißglut bringen.  Aber auch von der Freiwurflinie erwies sich Saibou als eine Bank und traf 75% (27 seiner 36 Versuche) seiner Freiwürfe.

Herausforderung zum Quadrat

Nachdem dem der Zweijahresvertrag von Joshiko Saibou ausgelaufen war, suchte der Combo-Guard eine neue Herausforderung. Trotz der bestehenden Quote von 6+6 wollte kein BBL Verein sich die Dienste von Joshiko Saibou sichern und er landete beim Absteiger Gießen 46ers. Aufgrund einer Insolvenz musste der Bundesliga-Dino – über 46 Jahre in der BBL gewesen – absteigen und suchte nun seine Herausforderung eines Neustarts über die zweite Bundesliga. Da dies auf Gegenseitigkeit beruhte, schloss Saibou sich den Hessen an.

Denis Wucherer war bei seiner Verpflichtung voller Lobes über die Verpflichtung: „Joshiko Saibou ist ein junger Spieler, der sein Potential in Trier bereits angedeutet hat und in Gießen den nächsten Schritt gehen will. Ihm wird es helfen, dass er bei uns viele Minuten und Verantwortung bekommt, um eine noch bessere Rolle zu spielen.“ Geehrt von diesen Lobeshymnen, bewies Joshiko das sein Trainer, der 123-fache Nationalspieler, auf ihn zählen kann. Dies spiegelte sich auch hinsichtlich der Minutenzahl wieder. So waren es keine Worthülsen von Denis Wucherer am Anfang der Saison. Saibou sah über 30 Minuten im Schnitt pro Spiel und stand neben Myles Hesson und seinem Guard-Partner Steven Bennett am längsten auf dem Spielfeld. Mit seinen knapp 13 Punkten pro Spieler rangierte er am Ende der Saison auf Platz 6 der besten deutschen Werfer in der Pro A.

Trotz toller Zahlen musste er gemeinsam mit Gießen im Duell der beiden Absteiger in den Playoffs im Halbfinale die Segel streichen und die Saison war beendet. Mit einem traurigen, aber glücklichen Auge blickt Joshiko Saibou zurück auf die Zeit in Gießen. „Es war eine sehr schöne Zeit, hat mir sicherlich viel Selbstbewusstsein gegeben. Zu Denis Wucherer hab ich ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut. Insgesamt hat es mich auf ein neues Level gebracht.“

Zurück in der BBL

Aufgrund des neuen Levels und dem Verantwortungsbewusstsein hatte  Joshiko Saibou es wieder zurück in die Notizbücher der BBL Manager geschafft. Aber auch die Nominierung in die A2 Nationalmannschaft durch seinen Mentor Henrik Rödl, ließ den Marktwert von Joshiko Saibou anheben. Schlussendlich entschied sich Saibou für den Aufsteiger Crailsheim Merlins, da er dort die reelle Chance auf Spielzeit sah. Auch Denis Wucherer kann dem Abgang seines Schützlings positiv abgewinnen. „Gemeinsam war es unser Plan, dass er den Schritt in die Pro A macht, um viel Verantwortung zu übernehmen, und im Anschluss in die Bundesliga zurückkehrt.“  

Aber ehe er auf Korbjagd in der Hohenlohe gehen konnte, stand ein unvergesslicher Sommer mit der A2 Nationalmannschaft auf dem Programm. Eine Reise ins Reich der Mitte stand an. Mit sechs Spielen binnen einer Woche konnte er gemeinsam mit seinen Teamkameraden zeigen aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Insgesamt kam Saibou auf durchschnittlich sechs Punkte pro Partie. Anschließend ging es wieder zurück in die Heimat und Saibou konnte sich auf seine neue Aufgabe konzentrieren. Nicht nur Joshiko kam aus der Pro A zum Aufsteiger sondern auch einer der besten Werfer. Gemeinsam mit Garrett Sim sollen die Fäden bei Joshiko zusammen laufen.

Trotz turbulenter Phasen in der Hohenlohe – von Spielerwechsel bis hin Trainerwechsel – kann Joshiko positive Worte über seine aktuelle Zeit bei den Merlins finden. „Zwar tun die Niederlagen weh, aber spielerisch hilft es mir sehr weiter. Aber ich finde auch das wir uns innerhalb des Kaders weiterentwickeln.“ Auch sein jetziger Trainer, aber auch Sportlicher Leiter, Ingo Enskat, ist auch begeistert von der Entwicklung seines Schützlings: „Joshiko ist ein Spieler, der viel positive Energie auf das Spielfeld bringt und damit sowohl das Training, als auch die Spiele immer mit seiner Power in die richtige Richtung lenken kann.“ Aktuell bringt Joshiko Saibou knapp neun Punkte pro Partie auf den Statsbogen. Ob es ihn, wie sein ehemaliger Mannschaftskollege Jannik Freese, zurück nach Berlin verschlägt in der nächsten Saison? Vermutlich eher um die Heimat zu besuchen, denn das ist alles für Joshiko Saibou.  

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