Telekom Baskets Bonn

Fischers Meisterwerk

Der starke Start der Telekom Baskets in der Analyse
Foto: Baskets Pictures by Marco

Andrea Trinchieri. Svetislav Pesic. Sasa Obradovic. Die Liste der erfolgreichen Headcoaches in der Beko Basketball Bundesliga ist prominent besetzt. Entsprechend wurden sie auch mit Awards oder Meistertiteln ausgezeichnet und standen immer wieder im Fokus, wenn es um den deutschen Basketball ging. Einer, der zu großen Teilen abseits des Rampenlichts agierte, war Mathias Fischer. Der 44-Jährige geht nun in die dritte Spielzeit mit den Telekom Baskets Bonn und führt sein Team dank (un-)konventionellen Methoden gen Tabellenspitze. Oder sogar weiter?

Einer für alle, alle für einen

Spätestens seit dem Titelgewinn der San Antonio Spurs im Jahre 2014 ist der Begriff „Teambasketball“ in aller Munde. Das Team von Gregg Popovich machte vor, wie man ohne klaren Superstar, aber mit einem unheimlichen Spielverständnis und Zusammenhalt auf dem Court die NBA beherrschen konnte. Seitdem gab es immer wieder Mannschaften, die versuchten etwas Ähnliches aufzubauen bzw. es auf dem Feld zu kopieren. Gelungen ist dies den allerwenigsten, deswegen ist es eigentlich auch nicht möglich, irgendein Team auf dieser Welt mit den Spurs zu vergleichen. Meist geht bei diesen Vergleichen lediglich um diesen bestimmten Ansatz, wie Basketball gespielt werden kann.

Die Entscheidung darüber, wie Basketball am vollkommensten ist, fällt jeder einzelne Zuschauer dann subjektiv. Allerdings lassen sich anhand des Coachings immer Parallelen zu anderen Trainern und deren Ideen erkennen. So ist es auch bei Mathias Fischer, der in Bonn eine ganz eigene Linie fährt, damit zurzeit die Liga aufmischt und irgendwie an den legendären Greg Popovich erinnert.

Die Telekom Baskets stehen nach nun sieben Spielen nur mit zwei Niederlagen da und konnten zwischenzeitlich fünf Partien in Serie gewinnen. Darunter finden sich auch die Siege gegen den Vizemeister aus München, den Viertelfinal-Schreck aus Ulm und den bis dahin ungeschlagenen Aufsteiger aus Würzburg. Besonders beeindruckend bei diesen Erfolgen war das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein, mit dem die Rheinländer gegen die starken Teams auftraten.

Immerhin verlief der Sommer nicht ohne Unruhe im Bonner Fanlager. Lange wurden die Anhänger auf die Folter gespannt, dann kehrten die so wichtigen Leistungsträger der letzten Jahre, Benas Veikalas und Ryan Brooks, dem Hardtberg den Rücken. In der Folge ließen sich die Verantwortlichen extrem viel Zeit bei den restlichen Neuzugängen. Erst mit den Weiterverpflichtungen von Eugene Lawrence und Tadas Klimavicius kehrte Ruhe ein.

Zusätzlich wurde der Zweitrundenpick Aaron White, der Ex-Ulmer Isaiah Philmore sowie die Shooter Michal Chlyinski, Xavier Silas, Rotnei Clarke und Jimmy McKinney nach Bonn geholt. Was anfangs nach einem soliden Kader beim Kampf um die Playoffs klang, entpuppt sich nach den ersten sechs Wochen als eines der besten Teams der Basketball-Bundesliga.

Hierbei rückt aber eben vor allem das Teams als Ganzes in den Vordergrund. Kaum ein Coach  in der Beko BBL versteht es so gut wie Fischer, seinen besten Spielern wichtige Pausen zu geben und die Minuten gerecht zu verteilen. Die Bonner sind das einzige Team, bei dem kein Spieler mehr als 25 Minuten pro Spiel auf dem Parkett steht. Dafür gibt es eine feste 11er-Rotation, die zwischen 14 und 24 Minuten spielt. Nur wenige Coaches können ohne Qualitätsverlust auf eine solche Tiefe zurückgreifen.

So ist fast jede Woche zu lesen, dass die Bankspieler bei den Telekom Baskets mal wieder mehr Punkte erzielt haben als die Starter. Dies wertet die Qualität der startenden Fünf keinesfalls ab, ganz im Gegenteil: Fischer verfolgt eine feste Philosophie, wie er seine besten Spieler einsetzt. Der talentierteste Spieler der Rheinländer, Aaron White, stand bislang erst in zwei Spielen von Anfang an auf dem Parkett. Trotzdem trug er einen sehr großen Teil zum Erfolg bei und ist so beispielsweise zurzeit bester Punktesammler, drittbester Rebounder und zweitbester Balldieb in den Reihen der Bonner. Im Endeffekt kommt es darauf an, wer am Ende der Partie, in der Crunchtime, den Court betritt und dem Team somit in den wichtigsten Situationen weiterhilft.

Ein weiteres Beispiel für diese Tendenzen ist die Center-Kombination aus Dirk Mädrich und Tadas Klimavicius. Schon in der vergangenen Spielzeit ließ Fischer den Deutschen konsequent starten. Zwar hat Klimavicius mehr Potenzial und kann der Mannschaft an beiden Enden des Feldes mehr helfen, allerdings vertraute der Headcoach der Rheinländer auf die Qualitäten von Mädrich und brachte ihn in 29 von 34 Spielen von Beginn an. Mit seiner Kraft unter den Brettern und seinem Distanzwurf, der letzte Saison allerdings nur schwach fiel (11-45 Dreier, 24,4%), gab Mädrich dem Team noch andere Facetten als der ein Jahr ältere Litauer. Klimavicius bewies von Anfang an, wieviel Spielverständnis er mitbringen würde, um seine Mitspieler in Szene zu setzen oder selbst aus der Nah- und Mitteldistanz abzuschließen. Zusätzlich ist er im Vergleich zu Mädrich der bessere Ringbeschützer, was letztendlich dazu führte, dass Klimavicius mehr Minuten sah, allerdings war Mädrichs Rolle so viel definierter, was keinen unerheblichen Einfluss auf die Teamchemie hat.

Ein weiterer Gewinner dieser Minutenverteilung ist Isaiah Philmore. Der Deutsch-Amerikaner spielte bei ratiopharm Ulm in der letzten Saison nur etwas mehr als acht Minuten pro Spiel. Bei Mathias Fischer bekam er vor seiner Verletzung mehr als doppelte an Einsatzzeit. Dieses Vertrauen beflügelte Philmore, sodass er zum besten Offensivrebounder der Bonner avancierte und zusätzlich eine echte Scoring-Option wurde (25-32 FGs, 78,1%). Weiterhin will Fischer auch noch an dem Wurf des 26-Jährigen arbeiten, weshalb es keine Überraschung ist, dass er direkt für zwei Jahre gebunden wurde. Bei Leibenath spielte Philmore in seinen wenigen Minuten meist ohne jegliches Selbstvertrauen, traf seine Würfe nur mit einer Quote von 55,4 Prozent. Auch hier zeigt sich, dass er erst durch die vergrößerte Rolle sein volles Potenzial ausschöpfen kann und somit ein idealer Teamplayer im Bonner Gefüge ist.

Die Taktik unter Fischer

Auch wenn immer wieder über „Teambasketball“ gesprochen wird, ist es gar nicht immer so einfach zu definieren, was dies eigentlich ist. Headcoach Mathias Fischer gab beispielsweise vor der Spielzeit 2015/16 das Ziel eine bestimmte Anzahl  an Assists pro Spiel auf dem Statistik-Zettel sehen zu wollen. Aber ist dies schon alles, was Teambasketball ausmacht?

Das wäre wohl zu einfach. Das beste Beispiel dafür sind zurzeit die Ulmer. Die Mannschaft von Thorsten Leibenath zählt zu den besten fünf Teams bei den Assisted Field Goals, allerdings sind die Ulmer so weit vom Teambasketball entfernt, wie John Little von einer sauberen Wurftechnik. Die Spatzen kreieren sehr viel aus einzelnen Aktionen ihrer besten Spieler, die Abstimmung sieht sowohl offensiv als auch defensiv alles andere als sauber aus und die Setplays werden nur ganz selten bis zum Ende durchgebracht. Alleine die Anzahl der Vorlagen als Indikator für einen guten Teambasketball zu nehmen wäre also zu wenig. Denn Teambasketball entscheidet sich auch nicht alleine am offensiven Ende des Feldes.

Mathias Fischer scheint es in jeder Offensiv-Sequenz zumindest sehr wichtig zu sein, dass jeder Akteur den Ball berührt. Nur selten sieht man einen Wurf nach zehn Dribblings von ein und demselben Spieler. Auch extreme schnelle Würfe sind weniger die Spezialität der Bonner. So ist es nicht verwunderlich, dass die Telekom Baskets in Sachen Pace nur im Ligamittelfeld (73,573 Possessions pro Spiel) rangieren. Viel eher versucht Fischer, mit seiner Offense die Fehler der gegnerischen Defense zu identifizieren und auszunutzen. Gerne dürfen dafür der Ball mehrfach die Seite wechseln und solange Blöcke gestellt werden bis Lücken und Fehler auftreten.

Auch wenn es in Videos deutlich einfacherer darzustellen wäre, erkennt man auch in den folgenden drei Screenshots, wieviel Bewegung in der Bonner Offensive herrscht. Es gibt nur selten Szenen, in denen mehrere Spieler gleichzeitig starr an einer Stelle stehen. Viel häufiger entsteht ein „Flow“, bei dem gleich mehrere Spieler ihre Laufwege kreuzen, Ballscreens und Offball-Screens stellen, um Mitspieler freizuspielen.

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Nur so ist es für die Rheinländer auch möglich sich viele Dreipunktwürfe zu erspielen. Immerhin kommen ganze 37,23 Prozent aller Würfe der Bonner von Downtown. Nur Göttingen und der Mitteldeutsche Basketballclub probieren es häufiger von außen. Doch das Bonner Spielermaterial bietet es auch an, den Dreipunktwurf als konstante Waffe einzusetzen. Bis auf Isaiah Philmore und Valentin Blass hat jeder eingesetzte Akteur bereits einen Dreipunktwurf versucht, mit Dirk Mädrich ist ein Big Man der zweiterfolgreichste Schütze. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Männer in Magenta auch extrem viel Platz auf dem Court haben, um ihre lauf- und passintensive Offense zu starten.

Nur selten blockieren mehrere Spieler die Laufwege für die Drives von Lawrence, Clarke & Co. Viel eher stehen meist gleich vier Spieler um den Perimeter herum und nur ein Big Man fungiert als Anspielstation im High- oder Low-Post. Dies birgt natürlich auch die Gefahr, dass man wenig Chancen auf den anschließenden Offensivrebound hat, da nur noch ein potenzieller Rebounder am Brett steht. So zählen die Telekom Baskets auch zu den drei schlechtesten Teams, wenn es um die offensiven Boards geht. Nur 60 von 224 (27%) möglichen Rebounds konnten sich die Männer von Coach Fischer sichern, laut basketball.de.

Am besten zeigt sich dies in der folgenden Szene, als Eugene Lawrence nach einem guten Ballfake zum Korb zieht. Außer Philmore stehen alle Bonner um die 6,75m-Linie herum und können somit nur schwer im Kampf um den Rebound helfen. Auf der anderen Seite bringt diese Situation auch Vorteile mit sich: Der einzige echte Ringbeschützer des Gegners, in diesem Fall Brendan Lane, muss bei Mädrich an der Dreipunktlinie verweilen und somit kann nur Forward Seth Tuttel den Wurf von Lawrence verhindern. Der kräftige Guard hat hier allerdings keine Mühe mit Kontakt gegen Tuttle abzuschließen.

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Ansonten wechseln die Positionen der Bigs immer wieder, um das Pick&Roll effektiver laufen zu können. Denn auch in der folgenden Szene ziehen die Baskets das Spiel wieder in die Breite, in dem sie ihre guten Schützen relativ weit außen positionieren. Während Philmore oben den Block stellt, ist Mädrich möglichst weit von ihm entfernt.

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Nur um dann selbst den Weg nach oben an die Birne zu suchen, wo er ebenfalls einen Block für den Ballhandler stellt. Philmore nutzt das Dribble-Handoff mit Lawrence, um dann zu der Position zu cutten, wo Mädrich vorher anzutreffen war.

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Auf diesem Weg hält Florian Koch dem Power Forward mit einem weiteren Block den Rücken frei. So bekommt Philmore den Ball am Ende des Spielzuges extrem weiter unter dem Korb und hat letztendlich keine Probleme den Spalding durch die Reuse zu bringen.

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Allgemein kann gesagt werden, dass Fischer mit seinen beweglichen Spielern versucht, viel aus dem Blocken und Abrollen zu kreieren. Dies kann auf der einen Seite so aussehen, dass ein Guard mit Klimavicius dieses Play läuft und der Litauer daraufhin mehrere Möglichkeiten erhält. Da viel Teams auf das Switchen verzichten, muss ein dritter Verteidiger zum Ball rotiert werden, um einen freien Korb von Klimavicius zu verhindern. Dies machen sich die Bonner insofern zunutze, indem sie immer einen starken Dreipunktschützen, wie beispielsweise McKinney, auf der Ballside platzieren. Somit muss der Gegenspieler des starken Shooters zu Klimavicius rotieren und der Center der Bonner kann den einfachen Pass nach außen spielen.

Natürlich sollte nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Pass nicht immer einfach ist und viele Big Men der BBL diesen freien Weg häufig übersehen. Doch mit Klimavicius hat Mathias Fischer einen extrem passstarken und intelligenten Center, der ein gutes Auge für den freistehenden Mitspieler besitzt. Nicht umsonst führt der erfahrene Litauer die Center in Assists pro Spiel mit 2,4 an.

Des Weiteren platziert sich der zweite Big nach dem Start des Pick&Rolls meist in Korbnähe, um von Klimavicius nach Möglichkeit den Durchstecker zu erhalten. Auch hier ist eine gute Abstimmung gefragt, ansonsten bleibt für den Mann mit der Nummer Elf bei Bonn am Ende nur ein langer, meist unbrauchbarer, Zweier.

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Auf der anderen Seite hat Bonn die Möglichkeit, mit Mädrich auf dem Parkett ein Pick&Pop zu spielen, um dem stark werfenden Big Man seine Looks von außen zu geben. Auch hier werden wieder Rotationen forciert, was nach dem Geschmack von Fischer einige Pässe um den Perimter zur Folge haben sollte, eher ein freier Wurf entsteht. Auch hier profitieren sie von den vielen Schützen, die am besten gleichzeitig vom Gegner abgedeckt werden sollten. Nur wenn eine Mannschaft in der Defense optimal abgestimmt ist und somit schnell rotiert, können diese einfachen Plays verhindert werden.

Ein weiteres interessantes Mittel dieser beweglichen Bigs ist das Pick&Roll zwischen Vier und Fünf. Nur selten wird in der Beko BBL der Power Forward als Ballführer genutzt. Die Rheinländer können es sich allerdings erlauben, da sie mit Aaron White einen sehr variablen Spieler auf dieser Position haben. White besitzt für seine Größe eine unfassbare Schnelligkeit. Gepaart mit seiner Atheltik und soliden Ballhandling kann White selbst aus Block und Abrollen kreiert. So gehört es immer wieder dazu, dass die Magentafarbenen die Zone räumen, um dem Rotschopf genug Platz für einen Drive zu lassen. Gegen die meist langsameren Forwards hat der 49. Pick des Drafts somit meist nur wenig Probleme und kann mit beiden Händen in Ringnähe abschließen. Würde er sich hier noch mehr zutrauen und zusätzlich auch gelegentlich den Pass nach außen suchen, wäre diese Waffe der Bonner wohl noch gefährlicher.

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Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten, um erste Bewegung in eine Offense zu bekommen. So starten die Bonner ihre Plays beispielsweise sehr gerne mit einem Upscreen für einen Guard, der allerdings nach kurzer Aufenthaltsphase am Perimeter sofort wieder einen Downscreen gestellt bekommt, um wieder zum Korb zu ziehen. Ein gutes Beispiel dafür ist folgendes Play, welches Fischer als erstes im Spiel gegen Ulm laufen ließ.

Nachdem Koch nur für ein Handoff nach oben kam, bekommt er sofort wieder einen zweiten Block und schneidet zum Korb. Auf der Weakside schaffen Mädrich und McKinney Ablenkung, indem sie ihre Gegenspieler beschäftigen und zudem noch mehr Platz für den Pass von McKinney schaffen. So kann Koch letztendlich frei unter dem Korb für die zwei einfachen Zähler bedient werden. Dies gelingt hier auch, weil die Ulmer sich nicht einig sind, ob sie switchen und zudem durch die ganzen Bewegungen auf dem Court die Orientierung verlieren.

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Mit diesen einfachen Moves hat es Bonn jedoch geschafft immer wieder Bewegung in die Offensiv-Sequenzen zu bekommen und den Gegner ständig auf Betriebstemperatur zu halten. Gepaart mit vielen Pässen und den folgenden offenen Würfen, entsteht somit der Eindruck, dass Bonn als Team agiert. Jedoch sollte der Begriff „Teambasketball“ nicht nur auf die Offensive begrenzt werden. Immerhin zeigt sich auch in der Defense, ob die Abstimmung in der Mannschaft stimmt – was meist über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Rotation als Schlüssel

Auch defensiv zeigten sich die Männer vom Hardtberg in dieser Spielzeit verbessert. Während sie in der letzten Saison noch sehr unkonstant zwischen einem Defensive-Rating von 99,56 bis 117,63 schwankten, haben sie sich dieses Jahr im Ligamittelfeld (107,25) eingefunden. Es kann nicht unbedingt behauptet werden, dass sie in diesem Sommer einen großartigen Defender verpflichtet haben, weshalb sich Fischer insgesamt wieder auf die Teamdefense verlassen muss. Mit vielen beweglichen Spielern haben die Bonner schon beste Voraussetzungen, um wenigstens schnell in der Defensive zu sein. Natürlich kann es aus denselben Gründen zu Größe- und Massenachteilen unter den Brettern kommen. Kann man diese aber rechtzeitig ausschalten, ist es auch möglich, als eher kleines Team defensiv erfolgreich zu agieren.

Ratiopharm Ulm vertraut dabei beispielsweise auf das Switchen. So wird bei jedem Pick&Roll sofort der Verteidiger getauscht, sodass am Ende immer Mismatches entstehen. Manchmal kann die Ulmer Defense dann daraus Kapital schlagen, zu häufig misslang allerdings bislang der Versuch. Unter Fischer kommt es in Bonn eher selten zum Switchen. Während Klimavicius als langsamer Big Man lieber absinkt, um den Ring beschützen zu können, springt Mädrich zum ballführenden Spieler, um den schnellen Wurf zu verhindern und die Offense lahm zu legen.

Im Extremfall sieht dies dann wie in folgender Szene aus. Nachdem Dru Joyce ein sehr hohes Pick&Roll gelaufen ist, hedged Mädrich soweit nach oben, dass die Bonner den Würzburger Spielermacher sogar auf Höhe der Mittellinie doppeln. Könnte sich Joyce aus der Situation befreien, hätte Mädrich extreme Probleme, wieder zu seinem Mann zurückzukehren. Somit ist es nun die Aufgabe der restlichen Bonner, ihm in dieser Situation auszuhelfen.

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Als Joyce zum Pass nach vorne ansetzt, passieren einige interessante – und richtige – Dinge in der Bonner Verteidigung. Um den Passweg zu Mädrichs Gegenspieler, Brendan Lane, einzuschränken machen McKinney und Philmore einen Schritt zu ihm. Mit dieser Ausgangslage entscheidet sich Joyce natürlich sofort dagegen, sodass er letztendlich Tuttle bedient, der nun von Philmore wieder verteidigt werden kann.

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Ein besonderes Augenmerk sollte man in dem Bild oben auf die Fußstellung von Isaiah Philmore legen. Um den Pass zu Lane zu verhindern, verlagert er für einen kurzen Zeitpunkt sein Gewicht auf das linke Bein. Gleichzeitig nutzt er aber die Kraft aus diesem Bein, damit er sofort den Schritt zu seinem Gegenspieler zurück machen kann.

Als Lane dann unter dem Korb kurz frei wird, sprintet Koch von der Weakside herüber, um Mädrich noch etwas Zeit zu geben und ihn wieder zu übernehmen. McKinney hat währenddessen wenig Probleme, auf der anderen Seite zwei Würzburger gleichzeitig zu verteidigen. Weil dann letztendlich keine Anspielstation für Tuttle da ist, zieht der Rookie zum Korb und trifft sogar den extrem schweren Floater über Philmore. Nichtsdestotrotz bleibt dies eine Vorzeige-Sequenz der Bonner Defense, die aufzeigt, wie aggressiv sie verteidigen können. Wenn am Ende von jeder dieser Szenen solch ein schwerer Floater stehen würde, wäre Fischer höchstwahrscheinlich sehr zufrieden.

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Somit können die schnellen Rotationen als klarer Schlüssel zu einer guten Bonner Verteidigung ausgemacht werden. Auch wenn sie nie die großen Shotblocker unter dem Korb haben, gewannen sie in diesem Sommer mit Aaron White einiges an Athletik dazu, die letztes Jahr mit Angelo Caloiaro und Steve Wachalski auf der Vier fehlte. White antizipiert zudem die Passwege des Gegener exzellent, weshalb er seinem Team defensiv auch immer wieder mit Steals aushelfen konnte. Kombiniert mit seiner enormen Schnelligkeit konnte er diese Schnellangriffe sogar meist selbst verwerten. Dass die Bonner am Ende des Jahres wohl keine Top3-Defense stellen werden, sollte keine Überraschung sein. Dafür sind die eingesetzten Flügelspieler zu offensivorientiert und den Großen fehlt es an Athletik und Timing, um als echter Ringbeschützer wahrgenommen zu werden. Sollte sich das Verhältnis zwischen den beiden Endes des Feldes allerdings weiterhin so gestalten wie bisher, werden die Rheinländer damit gut leben können (Net-Rating +14,85).

Fazit

Es ist zurzeit etwas einmaliges, was Headcoach Mathias Fischer und Assistant-Coach Chris O’Shea in Bonn aufbauen beziehungsweise durchführen. Nur noch selten sehen wir in den Star-geprägten Ligen eine konstante 11er-Rotation, die ohne das ganz große Budget mit den besten Teams mithalten kann, wenn sie so Team-orientiert spielt. Während sich viele Mannschaften mit solch einer Minutenverteilung selbst ins Bein schießen würden, vertraut Fischer weiterhin auf jeden Einzelnen dieses Konstrukts und die Spieler zahlen ihm das Vertrauen in diesem ersten Saisonabschnitt zurück.

Des Weiteren ist es besonders auffällig, wie gut vorbereitet die Bonner in vielen Partien bisher waren. So zollte Nihad Djedovic nach dem Sieg der Telekom Baskets gegen München dem Gegner Respekt und merkte an, dass Bonn so gut wie jedes System der Bayern kannte und darauf im Spiel entsprechend reagieren konnte. Ähnliches war auch beim deutlichen Erfolg über Ulm zu erkennen. Während die Bonner sich letzte Saison in den Playoffs noch mit 2-3 geschlagen geben mussten, schienen sie beim ersten Aufeinandertreffen dieses Jahr im Scouting des Gegners einen deutlich besseren Job gemacht zu haben. So gelang es ihnen immer wieder Mismatches heraus- und konsequent auszuspielen.

Die Aufgabe von Fischer & Co. wird es nun sein diesen Höhenflug fortzusetzen und endlich zu beweisen, dass sie wieder mit den besten Teams der Liga mithalten können. In der letzten Spielzeit flogen sie über weite Strecken unter dem Radar und mussten sich Ulm früh geschlagen geben. In diesem Jahr rückt der Fokus durch einige beeindruckende Siege bereits jetzt auf die Bonner und sie müssen zeigen, damit umgehen zu können. Mit den Duellen gegen Frankfurt, Oldenburg und Ludwigsburg stehen innerhalb der nächsten vier Wochen wichtige Partien gegen direkte Konkurrenten an. Erst wenn man da die Leistungen bestätigen kann, steht ein entspannter Jahreswechsel vor der Tür. So bleibt bis jetzt nur eine kurze Phase, in der die Fans, dank Coach Fischer, zeitweise den attraktivsten und erfolgreichsten Basketball der Liga bestaunen durften.

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