BBL

Zahlendreher: 46,0

46,0. Das ist die Zeit, die auf der Spieluhr war, als ratiopharm Ulm am Mittwochabend mit einem Punkt gegen Bamberg führte. Beste Voraussetzungen also, um das zweite Spiel dieser Halbfinalserie für sich zu entscheiden. Doch genau 46 gespielte Sekunden später stehen die Spatzen wieder mit leeren Händen da. Auf der Anzeigetafel diesmal nicht so deutlich wie in Game 1, doch mindestens genauso schmerzhaft..  

Denn es sind genau zwei Szenen, die diese Spiel entscheiden. Zwei Mal zeigen die Franken ihre komplette offensive Stärke, gleichzeitig offenbaren sich aber auch in beiden Fällen die defensiven Schwächen der Männer von Thorsten Leibenath. Mit 41 Sekunden auf der Uhr ist davon auszugehen, dass Bamberg nicht auf Zeit spielt, weil sie bei einem schnellen Abschluss auf jeden Fall noch einmal in Ballbesitz kommen.

So bringt Aufbauspieler Bradley Wanamaker den Ball über die Mittelinie und bekommt sofort von rechts einen Block von Daniel Theis, damit der US-Amerikaner mit seiner starken rechten Hand abschließen kann. Doch der wirklich interessante Spieler in diesem Play ist Janis Strelnieks. Der gefürchtete Schütze fungiert hier als Blocksteller und stellt hier einen zusätzlichen Back-Screen für Wanamaker. Ian Vougioukas kann den nicht kommen sehen, sodass Jaka Klobucar diesen hier ausrufen muss. Vielleicht hat der Grieche ihn bei der Lautstärke nicht gehört oder der Zuruf kam erst gar nicht, allerdings scheint Vougioukas hier sehr überrascht. Die Fehlerkette geht aber noch weiter. Klobucar orientiert sich lediglich an Strelnieks und vergisst das Allerwichtigste beim Verteidigen: den Ball. So zeigt der Slowene hier nicht mal den Ansatz einer Help-Defense und bewegt sich weiter vom Korb weg. Hier hätte Klobucar ganz einfach Wanamaker übernehmen können und Rush hätte sich zu Strelnieks orintiert. Der Lette wäre danach eh in einer Position gewesen, in der er niemals den Ball hätte bekommen können, also wäre sogar ein Doppeln möglich gewesen. Zusätzlich hätte auch Daniel Theis außer Acht gelassen werden können, da man einen Midrange-Jumper des Deutschen wohl deutlich lieber abgibt, als einen offenen Korbleger des Vize-MVPs.

Selbst Will Clyburn hätte hier rotieren können. Mit seiner Schnelligkeit hätte er bei einem möglichen Pass zu Darius Miller wahrscheinlich auch noch dessen Wurf verteidigen können. Aber nur dazustehen und zu hoffen, dass Wanamaker sich verstopft ist in einem Playoff-Halbfinale zu wenig. In der Offense bringen sich die Ulmer nach einem netten Two-Men-Game von Klobucar und Vougioukas wieder mit einem Punkt in Führung. Hier rotieren zu viele Bamberger zu Vougioukas, sodass gleich mehrere Anspielstationen für den Ulmer Center da sind. Klobucar nutzt dies aus und verwandelt trocken den Mitteldistanzwurf. Zum zweiten Mal mit einer Führung im Rücken und nun noch weniger Sekunden zu spielen, sollte man meinen, dass es diesmal für die Spatzen reicht. Doch weitere defensive Aussetzer bringen den Tabellenersten der regulären Saison zurück auf die Siegerstraße.

Bamberg-Coach Andrea Trinchieri hat sich in der Auszeit nämlich was ganz besonderes ausgedacht. So stellen sich die Brose Baskets in einer HORNS-Formation auf, allerdings nicht mit zwei Big Men an den „Elbows“, sondern befindet sich neben Daniel Theis auch Janis Strelnieks (statt Darius Miller) in der Position, um einen Block zu setzen.   Der Lette ist es auch, der dann den Block für Wanamaker setzt. Da Strelnieks aber logischerweise nicht zum Korb rollt, sondern Pick&Pop spielt, sieht Klobucar in ihm weiterhin eine große Gefahr. So zieht es den Slowenen weiter zu Strelnieks hin, womit er gleichzeitig den Weg zum Korb für Wanamaker öffnet. ulmbam5 Wie Leibenath später zugab, hätte er sich hier gewünscht, dass Rush und Klobucar switchen. Dies wäre wohl die sinnvollste Variante gewesen, weil so beide Ulmer Guards hinter Wanamaker waren und gar keine Chance mehr hatten überhaupt in dieses Play einzugreifen. Hätte Rush sich zu Strelnieks orintiert, wäre Klobucar vor Wanamaker gewesen und somit in einer deutlich besseren Position um diesen Drive zu verteidigen. ulmbam6 Die zweite Option für Bamberg wäre übrigens der Dreier von Strelnieks gewesen. So hätte Theis den „Flare Screen“ für den Letten gesetzt und Wanamaker hätte den einfachen Pass nach außen für den offenen Wurf gespielt. Auch wenn die Ulmer es hier schlecht verteidigen: Dieses Play von Trinchieri, genauso wie das erste, ist einfach nur großartig und nur die wenigsten hätten hier richtig verteidigt.  

Mit noch 4,9 Sekunden auf der Uhr haben die Ulmer allerdings nochmal die Chance in Führung zu gehen. Thorsten Leibenath gab in der Auszeit das System „3 Up“ vorbei, wobei der Small Foward den Ball oben erhalten soll. Nach dem Einwurf zu Vougioukas bekommt Rush auch sofort einen Screen vom Maarty Leunen, um den Ball oben vom Ulmer Center zu übernehmen. ulmbam7 Nun zeigen die Brose Baskets den Ulmern wie man in der Defense switcht. Nachdem Rush den Spalding erhält bleibt Theis sofort an dem US-Amerikaner dran. Dawan Robinson macht das einzig richtige und orientiert sich sofort zu  Vougioukas anstatt ebenfalls den Wurf von Rush verhindern zu wollen. So bleibt auch diese Anspielstation aus und für Rush wird es immer schwerer. Da der ausgestreckte Arm von Theis auch noch den Wurf verhindert, schmeißt Rush die Kugel weg und Bamberg zeigt wieder einmal, warum sie die beste Defense der Liga haben.   46,0 Sekunden, die die Unterschiede zwischen Ulm und Bamberg offenbaren und wahrscheinlich auch die Serie entscheiden. 46,0 Sekunden in denen aber auch zu erkennen war, welch ein großartiger Coach Andrea Trinchieri ist und wie er mit seinen Plays Ulm das Spiel noch aus der Hand nahm.    

Alle Rechte an den Bildern liegen bei der Telekom.

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