Brose Bamberg, FC Bayern München

Defense wins championships!

Die Brose Baskets Bamberg dominieren auch in Spiel Drei die zweite Halbzeit und sichern sich durch einen 91:79-Erfolg über den FC Bayern Basketball zwei Matchbälle in der Finalserie. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Partie haben wir in unseren Taktik-Notizen zusammengefasst.  

• Von Anfang an machte sich bemerkbar, dass Anton Gavel den Münchenern an allen Ecken und Ende fehlte. Mit der Aufbauarbeit waren Heiko Schaffartzik und Vasilije Micic mehr als überfordert und konnten zu keinem Zeitpunkt die Athletik und die Wurffähigkeiten von Brad Wanamaker und Janis Strelnieks einschränken. Der erfahrene Schaffartzik offenbarte defensiv immer wieder Lücken, in die der Bamberger Point Guard stoßen konnte.

Besonders in der Pick&Roll-Defense fehlte jegliche Abstimmung. Die Big Men der Bayern kamen häufig viel zu weit hoch und wurden einfach überlaufen. Dies kann sicherlich auch mit dem Respekt vor dem Distanzwurf des Bamberger Backcourt zusammenhängen.

Hier „icen“ die Bayern das Blocken und Abrollen an der Seitenlinie, um die Penetration zur Mitte zu verhindern. Allerdings kommt John Bryant hier viel zu hoch und wird von Wanamanker auf dem Weg zum Korb überholt. Zwei Punkte der einfacheren Sorte für den Vize-MVP.

(www.telekombasketball.de, BAM-FCB)

In der Offensive versteckte sich Schaffartzik zu häufig und trat somit die Verantwortung an seine Mitspieler ab. Nach dem Ballvortrag gab der Nationalspieler den Spalding ab und verweilte dann meist total uneingebunden in einer Ecke. Nie ging von ihm wirklich ernsthafte Gefahr aus (6 Punkte, 2/5 FGs).

Erschreckend schwach präsentierte sich auch das serbische Talent Vasilije Micic. In seinen 15 Minuten Einsatzzeit wirkte er meist unsicher im Aufbau und kam in der Offense kaum die Setplays. Insbesondere während des Bamberger Laufs zum Ende des dritten Viertels traf Micic viele schlechte Entscheidungen. Erst rannte er sich völlig unnötig bei einem Pick&Roll mit Bryant in einem Doppeln der Gastgeber fest und beging den Turnover.

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In der nächsten Possession zog er zum Korb und versuchte gegen den besten Shotblocker der Serie und einen der besten Rim-Protector der ganzen Liga einen Unterhand (!)-Korbleger. Trevor Mbakwe hatte nur wenig Mühe diesen zu blocken.

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Nachdem Micic dann einen 8-Meter-Dreier versuchte (und traf), schien er mit mehr Selbstvertrauen in seinen Wurf ausgestattet und stieg im nächsten Ballbesitz zu einem Floater hoch, bei dem er mit beiden Füßen absprang. Logischerweise hatte er kaum Kontrolle in dem Wurf und verfehlte.

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Mit dieser anhaltend schwachen Entscheidungsfindung hat sich Micic nicht für weitere Aufgaben in dieser Finalserie bewährt. Bayern kann nur hoffen, dass Anton Gavel zu Spiel Vier wieder fit ist.  

• Die Probleme auf der Point Guard-Position sollten die Münchener langfristig auf jeden Fall in den Griff kriegen. Man hat auch in dieser Saison gesehen, trotz des langen Playoff-Runs der Bayern, dass sich der Aufbauspieler in der Beko BBL verändert hat. Europäische Pass-First-PGs wie Branislav Ratkovica sind ausgestorben und immer mehr athletische Scoring-Guards übernehmen die Liga. Brad Wanamaker dominiert die Finals, Alex Renfroe bekam extrem viele Spielanteile für ALBA Berlin in den Playoffs und auch Teams wie Ludwigsburg (Kerron Johnson), Bonn (Eugene Lawrence) oder Frankfurt (Justin Cobbs) setzten in der vergangenen Saison darauf.

Die Bayern dagegen kamen mit einer unkonventionellen PG-Kombo daher. Vasilije Micic und Heiko Schaffartzik erfüllen beide nicht wirklich diese Kriterien, was sie immer wieder in ernsthafte Probleme gegen starke Backcourts brachte. Während man von Micic noch mehr erwarten darf, muss vor allem die Personalie Heiko Schaffartzik im Sommer besprochen werden. Er trifft zwar immer noch einige wichtige Würfe, allerdings ist er einfach kein Spieler mehr mit dem man auch auf internationalem Niveau bestehen kann. Somit ist davon auszugehen, dass die Bayern sich im Sommer auf dieser Position enorm verstärken werden. Sollte Gavel dann aber weiterhin auch noch für den Aufbau eingeplant sein, ist entweder für Micic oder für Schaffartzik dann wohl kein Platz mehr.

• „Live by the three, die by the three.“ Wie oft hat dieses Sprichwort in den Playoffs 2015 schon auf die Männer von Andrea Trinchieri zugetroffen. In Spiel Eins der Halbfinalserie gegen ratiopharm Ulm löteten die Bamberger unfassbare 72,7% (16/22) ihrer Dreier rein. Als die Quote in dem darauffolgenden Spiel dann aber sank, hatten sie plötzlich ernsthafte Probleme mit dem Tabellenfünften. Ähnlich erging es den Franken in Spiel Eins gegen Bayern, als wieder sehr wenig von außen fiel und sie sich somit eine ihrer stärksten Waffen raubten. München kontrolliert locker das Inside-Game und gewann locker die erste Partie der Serie.

In Game 3 dagegen ein ganz anderes Bild. Der Ball lief deutlich besser und auch die Schützen hatten ein besseres Händchen mitgebracht. Allein Janis Strelnieks traf vier Dreipunktwürfe. Trotzdem muss man die gesteigerte Dreierquote auch an der Defense der Münchener festmachen. Svetislav Pesic versucht wieder seine 2-3-Zone einzustreuen, um die gut geölte Trinchieri-Offense aus dem Rhythmus zu bringen. Allerdings eröffnete diese Zone mit einfachsten Screens schon riesige Freiräume.

Des Weiteren muss man bemängeln, dass die Defensive der Bayern zu keinem Zeitpunkt des Spiels die Eckenschützen der Bamberger verteidigte. Immer wieder brachte einfache Pässe in die Ecken offene Würfe für Strelnieks, Miller & Co. Pesic muss ich für das nächste Spiel also wieder stärker auf den Dreipunktwurfs des Gegners konzentrieren. Schließlich kann er nicht immer davon ausgehen, dass Bamberg schlecht trifft.  

• Die größte Stärke des FC Bayern in dieser Serie hat einen Namen: John Bryant. Der Center dominiert offensiv wie kein Zweiter. Bamberg ist es bis jetzt noch nicht gelungen eine Antwort auf den MVP von 2012 und 2013 zu finden. Sobald ein Spieler der Münchener zum Korb penetriert und sich mehrere Bamberger Verteidiger auf diesen konzentrieren, versucht sich „JB“ etwas von seinem Gegenspieler abzusetzen, um den Raum für einen Pass zu ihm zu schaffen.

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Die große Stärke von Bryant ist es bei solchen Anspielen, den Ball einfach oben zu behalten. Bei ihm ist es fast nie zu sehen, dass er den Spalding noch mal runternimmt, um noch mehr Platz zu bekommen. Bryant dreht sich nach Empfang des Passes sofort zum Korb und schließt per Korbleger ab. Dieser Wurf ist selbst für Trevor Mbakwe kaum zu blocken.

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  • Trotzdem war es auffällig, wie sich die Verteidigung gegen Bryant im Verlaufe des Spiels geändert hatte. Während er in den ersten 20 Minuten noch 18 Punkte erzielte, kam „Big Country“ in der zweiten Hälfte nur noch auf zwei Zähler. Hier muss insbesondere Darius Miller loben. Der Vierer der Brose Baskets hat es wieder einmal verstanden den Center der Bayern extrem gut zu verteidigen. Dank seiner Physis konnte Miller den 2,11-Mann teilweise bis an die Dreierlinie herausdrängen und macht so einfache Anspiele auf den Big Man unmöglich. Genauso ist Miller auch in der Pick&Roll-Defense um einiges schneller als Mbakwe und versperrte die Passwege zu Korblegern regelmäßig.

Hier beispielsweise lässt Miller zuerst nicht zu, dass Niha Djedovic seinen Center bedienen kann, indem er sich vor ihn stellt. Als Djedovic dann selbst zum Korb zieht, spielt Miller überragende Help-Defense und zwingt den Bayern-Spieler zu einem wilden Pass, der hinter der Bamberger Bank landet.

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Darius Miller, der während der Saison von den New Orleans Pelicans aus der NBA kam, wurde zwischenzeitlich schon als schwacher Transfer abgestempelt. Immer wieder erwischte er offensiv keinen guten Tag und würdigte somit in den Augen vieler Fans nicht seinen Ex-NBA-Status. Doch ausgerechnet jetzt, in den BBL-Finals, zeigt er seine ganze Klasse. Miller ist der mit Abstand beste Verteidiger in dieser Serie. Kaum einer versteht es so gut auch gegen größere bzw. kräftigere Spieler zu verteidigen. Wer ihn während des Spiels beobachtet, stellt fest, wie viele kleine Dinge Miller macht. Immer wieder hat er seine Finger irgendwo dazwischen oder verteidigt mehrere Spieler gleichzeitig.

Hier macht er wieder einen guten Job gegen Bryant. Indem er ihn „fronted“ nimmt er sich zwar den Vorteil beim Rebound, allerdings verhindert er so schon frühzeitig, dass Bayern’s beste Offensivoption überhaupt angespielt werden kann. Großartig.

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In dieser Sequenz sollte er eigentlich Bryant verteidigen, doch als er sieht, dass Bryce Taylor zum Wurf hochsteigt, nutzt er seine Schnelligkeit und hat selbst bei dessen Wurf die Hand im Gesicht.

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Somit erledigt Miller viele Sachen, die später überhaupt nicht auf dem Stats-Sheet auftauchen aber auch Grund dafür sind, warum die Bamberger Spiele gewinnen. Deswegen sollte man ihn bei der Wahl zum Finals-MVP nicht außer Acht lassen.  

• Nihad Djedovic. Dusko Savanovic. Es ist mittlerweile überall bekannt, was die beiden am offensiven Ende des Courts leisten können. Umso erschreckender, was die beiden am Sonntag in Bamberg defensiv abgeliefert haben. Ein Dreier nach dem Anderen flog über die beiden hinweg, während diese noch an den Screens der Bamberger klebten.

Beide müssen dringend ihren defensiven Einsatz steigern, um den Bayern in dieser Serie wieder eine Chance zu geben. Sowas wie diese Sequenz kam nach dem Geschmack von Pesic viel zu häufig vor. Der Gegenspieler von Djedovic hier ist Dawan Robinson. Da er seine Augen aber nur auf den Ball gerichtet hat, sieht er zuerst nicht den Block von Theis und zudem auch nicht mehr seinen Gegenspieler. Zwei Pässe und Ryan Thompson haut den offenen Dreier durch die Reuse. Das ist keine Playoff-Defense.

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Eine weitere Szene, die mich stutzig gemacht hat: Nachdem es für eine Zeit lang hoch und runter geht, sieht man wie Savanovic zurück in die Verteidigung trabt. Er scheint mit den Kräften ziemlich am Ende zu sein, was man ihm bei diesem Spiel nicht übel nehmen darf. Trotzdem sollte man meinen, dass Savanovic hier wenigstens seinen Mann einigermaßen im Blick hat. Doch es kommt ganz anders: WÄHREND (!) des Bamberger Offensiv-Plays, dreht sich Savanovic zur Münchener Bank um und zeigt an, dass er ausgewechselt werden möchte. Genau diese Sekunde nutzt Miller und drückt von „Downtown“ ab – und trifft. Unfassbar.

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  • Der größte Unterschied in den Defensiv-Anlagen der beiden Teams ist sicherlich die Möglichkeit des „Switchens“. Während die Brose Baskets haben fast jedes Pick&Roll geswitcht haben, sinken die Münchener Big Men lieber ab, um dann wieder den eigentlichen Gegenspieler aufzunehmen.

Die Bamberger haben Akteure in ihren Reihen, die fast jede Position spielen und verteidigen können. Darius Miller beispielsweise kann mit Bryant unter den Brettern kämpfen, aber auch Micic auf dem Weg zum Korb verfolgen. Durch diese Philosophie wird es für den Gegner schwerer offene Würfe zu kreieren. Allerdings entstehen so natürlich auch Mismatches, die die Bayern in Spiel Drei allerdings nicht ausnutzen konnten.

Wie das aussieht, wenn die Männer von Andrea Trinchieri auf die Spitze treiben, zeigt folgende Szene. Durch das Switchen muss Trevor Mbakwe nun Micic verteidigen. Da sich der Bamberger Center aber seiner Stärken bewusst ist, sinkt er keineswegs ab, sondern verteidigt den Münchener Aufbauspieler auf Höhe der Dreierlinie wie ein normaler Point Guard. Diese Möglichkeiten hat man als Team nur, wenn man so viele athletische und schnelle Spieler hat. Viele andere Big Men wären dort hoffnungslos verloren.

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  • Als einer der großen Verfechter der „Rebounds sind gar nicht so wichtig“-Philosophie muss ich den Punkt natürlich auch hier anbringen: Bayern hat das Rebound-Duell deutlich mit 35:27 gewonnen aber am Ende doch keine Chance gehabt. Denkt drüber nach.  

• Die Wiederauferstehung des Robin Benzing. Der Nationalspieler erzielt in elf Minuten Einsatzzeit zwölf Punkte und trifft zudem zwei Dreier, die die Münchener im Spiel hielten. Defensiv ist er weiterhin nicht auf dem Niveau, dass die Bayern ihn als Starter nutzen könnten, aber sicherlich erhofft er sich in der kommenden Saison mehr Minuten. Mit seinem auslaufenden Vertrag ist er aber sicherlich auch für andere Top-Teams der Beko BBL interessant. Immerhin hat er gestern wieder bewiesen, dass er einige gute Minuten Entlastung von der Bank bringen kann.    

Die Rechte an den Bildern liegen bei der Telekom.

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