BBL

Zahlendreher: -18,85

-18,85. Das ist das Net-Rating der EWE Baskets Oldenburg seit der All-Star-Pause. Heißt: In diesen vier Partien haben sie im Schnitt 18,85 Punkte mehr zugelassen pro 100 Ballbesitze als sie erzielt haben. Um das mal in ein Verhältnis zu setzen: Nur der Tabellen-Sechzehnte aus Tübingen weist in diesem Saisonabschnitt ein noch schlechteres Net-Rating vor (-19,03). Andere Playoffteams wie der FC Bayern Basketball (+32,51) oder die Brose Baskets Bamberg (+20,99) sind den Oldenburgern in dieser Statistik um mehrere Klassen überlegen. Noch vor der All-Star-Pause sah das ganz anders aus. Denn in den ersten 16 Partien dieser Saison hatten die EWE Baskets durchschnittlich ein Net-Rating von +7,46. Wie kam es also zu dieser sportlichen Talfahrt?

Die Wurfauswahl

Um diese Niederlagenserie zu erklären, muss man vor allem einen Blick auf die Wurfauswahl der Huntestädter werfen. Denn Oldenburg war schon immer bekannt für extrem gute Werfer wie Rickey Paulding oder auch Julius Jenkins. Deren Fähigkeiten liegen hauptsächlich im Distanzwurf, sodass sich dieser zu einer echten Waffe der Oldenburger herauskristallisierte. Liefen Paulding & Co. mal von „Downtown“ heiß, stand nicht selten eine dreistellige Punktzahl auf dem Scoreboard der Donnervögel. So auch zu Saisonbeginn, als man Tübingen 98, Hagen 122, Bremerhaven 98 und Ludwigsburg 99 Zähler einschenkte. Folglich sahen auch die Dreierquoten aus. Im Oktober trafen die Oldenburger 38,9% von jenseits der Dreierlinie, im November (44,7%) und im Dezember (42,0%) steigerten sie sich dann nochmal erheblich. Doch zum Jahreswechsel bzw. zur All-Star-Pause kam dann nicht nur der Bruch in’s Oldenburger Spiel, sondern auch das Wurfglück von „beyond the arc“ verließ die Jungs von Sebastian Machowski. Im Januar (29,6%) und Februar (27,1%) sind sie jeweils unter den vier schlechtesten Teams, wenn es um die Distanzwurfquoten geht. Doch nun zum eigentlichen Problem. Denn schlechte Quoten von Downtown bedeuten noch lange keine schlechten Ergebnisse. Das Paradoxe ist nämlich, dass die Quoten zwar immer weiter gefallen sind, aber dass der Anteil der Dreipunktwürfe bei den Oldenburgern weiter angestiegen ist. Konkret: Die EWE Baskets werfen immer mehr Dreier, treffen aber immer weniger. So war es in den ersten 16 Spielen etwa jeder dritte Wurf der von „Downtown“ kam (32,48%). Mittlerweile sind es aber 38,65%, sodass konstatiert werden kann, dass die Männer von Sebastian Machowski ihr Heil im Dreipunktwurf suchen. Durch die gestiegene Wichtigkeit dieses Wurfs, schlagen sich nun auch die Quoten immer stärker im Statistikbogen nieder. Wie wirkt sich das auf das Spiel bzw. den Gegner aus? Ganz einfach, er wechselt in die Zonenverteidigung. Insbesondere die Basketball Löwen Braunschweig und die BG Göttingen haben bei ihren Siegen gezeigt, wie man mit dieser Art der Defense den Oldenburgern riesige Probleme bereiten kann.   Szene 1:

Foto: telekombasketball.de, Braunschweig-Oldenburg Foto: telekombasketball.de, Braunschweig-Oldenburg

  Szene 2:

Foto: telekombasketball.de, Braunschweig-Oldenburg Foto: telekombasketball.de, Braunschweig-Oldenburg

  Szene 3:

Foto: telekombasketball.de, Oldenburg-Göttingen

  In allen dargestellten Situationen verteidigen die Gegner in einer Zone und die Oldenburger passen den Spalding lediglich am Perimeter. Am Ende entsteht jeweils ein Wurf, den die Braunschweiger sehr gerne abgeben. Im oberen Fall verliert Philip Zwiener sogar noch das orangene Leder, bei Casper Ware geht der Ball deutlich vorbei. So wurde das „Motto“ der letzten Woche der Oldenburger nochmal besonders deutlich: „live by the three, die by the three.“ Unterstreichen lässt sich das Ganze, in dem man die Freiwurfwerte betrachtet. Mit 11,2% haben diese nur einen sehr kleinen Anteil an den Würfen der Oldenburger. Nur Göttingen, Crailsheim und Artland gingen in den letzten vier Partien seltener an die Linie. Zwar war der Wert zu Saisonbeginn ähnlich gering, allerdings konnte man dies mit den starken Quoten von außen auffangen. Sollte man nun allerdings bei ähnlichen Quoten weiter auf den Dreier vertrauen und den Drive zum Korb vernachlässigen, ist keine Besserung für die Oldenburger Offense in Sicht.  

Unlösbare Defensivprobleme?!

Doch die Pleitenserie lässt sich nicht allein an der Offensive der Huntestädter festmachen. Immerhin ist das Defensive-Rating von 108,79 in den ersten 16 Spielen auf 120,58 in den letzten vier gestiegen. Allgemein muss auf jeden Fall festgehalten werden, dass die Oldenburger nicht mehr diese defensive Stärke ausstrahlen, die sie früher ausgemacht hat. Zum einen fehlt weiterhin ein echter Ringbeschützer unterm Korb. Adam Chubb, der laut den exklusiven „BBL News“-Rim-Protection-Stats gegen Göttingen und Ludwigsburg schwache 65% Feldwurfquote am Ring zuließ, wird nicht jünger und Philipp Neumann fehlt als Backup ebenfalls die Athletik und Schnelligkeit, um gegnerische Guards vor ernsthafte Probleme zu stellen. Des Weiteren wurde man auf der Aufbauposition nach den Abgängen von Dru Joyce und Tywain McKee zwar fündig, allerdings ist Casper Ware ein defensives Loch, was selbst von Chris Kramer bzw. Maurice Stuckey schwer aufzufangen ist. So ließ mit ausbleibendem Erfolg in der Offense auch die Motivation bzw. die Intensität in der Defense nach und es trugen sich Szenen wie folgende zu.  

Foto: telekombasketball.de, Göttingen-Oldenburg Foto: telekombasketball.de, Göttingen-Oldenburg Foto: telekombasketball.de, Oldenburg-Ludwigsburg Foto: telekombasketball.de, Oldenburg-Ludwigsburg Foto: telekombasketball.de, Oldenburg-Ludwigsburg Foto: telekombasketball.de, Oldenburg-Ludwigsburg

  Spieler, die bei einfachen Out-of-Bounds-Plays an Screen hängenbleiben und welche, die sich zwischen „Switchen oder nicht Switchen” beim Pick&Roll nicht entscheiden können. So entstanden gegen Braunschweig, Göttingen und Ludwigsburg unglaublich viele einfache Punkte. Machowski ist teilweise an der Seitenlinie getobt und hat das Spiel oft per Timeout unterbrochen. Kein Wunder, denn mit so einer Defensivarbeit kann er nicht zufrieden sein. Es entsteht der Eindruck, dass der Misserfolg aus der Offense sich auf die Defense überträgt und die Oldenburger so immer unsicherer werden. Immerhin spricht der Spielplan für die EWE Baskets. Nach den schweren Aufgaben in Berlin und gegen Frankfurt warten vier Teams aus dem unteren Tabellendrittel auf die Donnervögel. Sollte man dort wieder in den Rhythmus kommen, steht einer sicheren Playoffteilnahme nichts im Wege. Halten die oben genannten Probleme allerdings auch dort an, könnte es doch nochmal eng werden. Eine Erklärung für verfehlte Playoffs wäre dann sicherlich die -18,85.    

Advanced Stats via @korbanbeter. Checkt hier seine großartige Arbeit. Rim-Protection-Stats via @bekobblnews   Alle Rechte an den Bildern liegen bei der Telekom!

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