Toronto Raptors, Video, Washington Wizards

Würfe “in the paint” sind ineffizient?

Warum die Toronto Raptors gegen die Washington Wizards unterlegen sind

Der lange Zweier. Alle NBA-Analytiker hassen ihn. Randy Wittman und Byron Scott lieben ihn. Aber in der Serie der Washington Wizards gegen die Toronto Raptors hat er keinen so großen Einfluss wie zuerst vermutet, denn obwohl die Wizards in den Playoffs weit mehr Mitteldistanzwürfe als die Raptors nehmen und diese miserabel (30%) treffen, führen sie mit 3-0 gegen die Toronto Raptors. Dabei hatten doch alle Statistiker eindringlich vor der Nutzung des langen 2ers in der Offensive gewarnt und diesen Wurf verteufelt. Wie konnten die Wizards trotzdem relativ problemlos Spiel 2 gewinnen und in Spiel 1 überleben?

Die kurze Antwort würde sich sicherlich mit der vorhandenen Defensivstärke des Teams von Randy Wittman befassen – und mit den daraus resultierenden offensiven Problemen der Raptors. Diese hatten aber in Spiel 2 eine ziemlich gute Offense gestellt, die in der Regular Season für Platz 8 gereicht hätte. Dies ist sicherlich auch zu Teilen dem letzten Viertel geschuldet. Zur Halbzeit hatten die Raptors nur ein Offensive Rating von 97 – und dies liegt eben auch an langen Zweiern, aber nicht nur. Wenn wir uns beide Shot Charts der Teams aus Spiel 2 anschauen, fällt zweierlei auf:

Zum einen haben beide Teams ungefähr dieselbe Anzahl an Mitteldistanzwürfen genommen und getroffen. Die Wizards sind leicht besser (9/21) als die Raptors (8/22), aber diese minimalen Unterschiede erklären nicht den gravierenden Unterschied zwischen beiden Teams. Nebenbei sollte auch hier wieder angemerkt werden, wie verwirrend die Shot Charts sind, denn die Raptors haben visuell die klar bessere Shot Chart. Das liegt weiterhin darin begründet, dass sich die Farben nach dem Ligaschnitt aus der jeweiligen Zone richten und nicht nach der Effizienz der Würfe. Die Raptors hatten in diesem Spiel genau zwei effiziente Zonen: direkt unterm Ring und in der linken Ecke. Alle anderen Zonen waren ineffizient. Dies liegt zum anderen – und das ist die entscheidende Beobachtung – an den Würfen in der Zone. Die Raptors nahmen von dort 20 Würfe, Washington 9.

Um das „Problem“ der Raptors zu verstehen, muss man sich zunächst der Vorurteile und der reinen Fakten zur „Zone“ – oder „in the paint“ – klar werden. Instinktiv würde jeder Fan, Trainer oder Spieler es deutlich bejahen, in der Zone abzuschließen. In unserem Kopf sehen wir starke Drives, gute Cuts und Würfe nah am Korb. Wir haben eventuell Artikel wie von Zach Lowe zu „packing the paint“ noch im Hinterkopf, wo uns anschaulich erklärt wird, dass die gegnerische Defense genau diesen Teil des Feldes um alles in der Welt verteidigen will. Dort soll nicht der Abschluss gesucht werden. Und dies stimmt auch – für einen klitzekleinen Teil der Zone: der Bereich direkt unterm Korb. Hier ist der effizienteste Wurf der Liga zu finden; 1,2 Punkte pro Wurf werden hier erzielt. Doch was geschieht, wenn das von Lowe beschriebene „packing the paint“ funktioniert? Die Würfe müssen von anderen Bereichen des Feldes genommen werden.

Die Raptors entschieden sich im zweiten Spiel dafür, zu den 21 Würfen aus der Mitteldistanz die Würfe in besagter Zone zu nehmen – aber außerhalb der restricted area direkt am Ring. Diese Würfe trafen sie auch noch mit 45% – also alles richtig gemacht, denkt man. Faktisch war diese Performance selbst schon weit überdurchschnittlich, verhalf den Raptors aber nur zu 0,9 Punkten pro Abschluss. 45% traf genau ein Team über die gesamte Regular Season in the paint – die Brooklyn Nets. Trotzdem ist die gesamte Zone ineffizient, denn im Schnitt schließen die Teams nur 39% ihrer Würfe dort erfolgreich ab.

Am Beispiel der Wizards kann man direkt in diesem Spiel erkennen, wie man seine Würfe besser verteilt: Washington nahm nur 9 Würfe „in the paint“. Die übrigen 11 Würfe kamen aus weit effizienteren Bereichen; Washington schaffte es, gleich acht Würfe mehr direkt am Korb abzugeben. Die übrigen drei Würfe gingen jeweils in eine Dreierecke und above the break. Das sind die effizientesten Würfe der Liga. Dementsprechend hatte Washington auch keine Probleme, bereits das zweite Spiel zu stehlen.

Spiel 1 war sehr viel knapper, weil die Wizards 47 von 99 Würfe aus der neuen „Todeszone“ (In the Paint + Midrange) nahmen und die Raptors ihre Würfe zumindest besser verteilten, weil diese „nur“ 40 Prozent aller Shots von dort nahmen. Sollten die Wizards weiterhin bedächtiger ihre Würfe auswählen und auf effizientere Bereiche des Feldes ausweichen können, könnte diese Serie sehr viel schneller beendet sein als von der Mehrheit angenommen.

Dennoch ist es erstaunlich, dass gerade der Wurf zwischen 3 und 10 feet so ineffizient ist. Unsere bisherige Wahrnehmung sagte uns, dass man so nah wie möglich an den Korb herankommen muss, um eine möglichst hohe prozentzahl der Würfe erfolgreich abzuschließen. Der Dreier bildete die Ausnahme, weil er einfach einen Punkt mehr pro Treffer verspricht. Wieso sind also die Würfe in der Zone so erfolglos und werden sogar noch minimal schlechter getroffen als die Mitteldistanzwürfe?

Wie in diesem Video zu sehen ist, liegt dies vor allem an den extrem schwierigen Würfen, die dort entstehen. Zum einen baut sich die gesamte Defense in der Zone auf, um Drives zu verhindern. Generell ist dies immer der erste Schlüssel in der Defensive: den direkten Weg zum Korb zu versperren. Demzufolge ergeben sich hier weniger offene oder assistierte Würfe als bei vielen Catch-and-Shoot-Aktionen in der Mitteldistanz. Zum anderen ist die Art des Wurfes eine komplett andere. In der Zone dominieren Floater, Runner oder – bei den Bigs – Hook-Variationen, die technisch anspruchsvoller und zumeist aus dem Dribbling oder einer Post-Bewegung heraus angebracht werden. Der erforderliche Skill ist weitaus höher als ein (halb-)offener Catch-and-Shoot-Jumper, den man weit einfacher verinnerlichen und – auch ohne Gegenspieler – üben kann.

pointsinthepiant

Dass die Raptors diesen Wurf suchen, liegt auch daran, dass Jonas Valanciunas (in sehr begrenztem Rahmen, weil er nicht so viele Würfe in the paint nimmt)der effizienteste Spieler der Liga in der Zone ist, wenn man voraussetzt, dass die Spieler zur Qualifikation mindestens 2 Würfe pro Spiel von dort nehmen. Die 52% von Valanciunas sind aber selbst teamintern nichts, worauf man aufbauen kann – im Schnitt sind die Raptors effizienter in der Offense als die Würfe von Valanciunas in der Zone.

Generell ist die Liga zwiegespalten, was das Forcieren der Würfe in der Zone angeht. Das beste Offensivteam der Liga – die Los Angeles Clippers – ist deshalb so effizient, weil sie ligaweit die wenigsten Würfe in der Zone suchen. Allerdings nehmen die San Antonio Spurs die drittmeisten Würfe in der Zone und kommen dennoch auf eine effiziente Offensive. Die Teams orientieren sich jedoch weiterhin in die Richtung, dass man tendenziell die wenigsten Würfe in the paint nimmt; bevorzugt werden sowohl die effizienteren Plays durch Abschlüsse direkt am Ring als auch der Dreier. Auch die Mitteldistanz wird häufiger gesucht. Demzufolge scheint es auch kein Zufall zu sein, dass man die Zone eigentlich meidet – sie wird als erstes verteidigt und die Würfe sind vom Skill her am schwierigsten.

Fazit

Die Punkte in der Zone müssen differenziert betrachtet werden. Der Abschluss am Ring ist weiterhin der beste Wurf im Basketball, um effizient zu scoren. Ist der Korb aber außerhalb der Reichweite von Dunk oder Lay-Up, benötigt man den vom Skill her schwierigsten Wurf im Basketball, um zu scoren. Dies gelingt auf NBA-Niveau nur den Besten halbwegs effizient. Chris Paul, Tony Parker und Derrick Rose haben den Wurf dort mit über 50% getroffen,  aber auch diese drei meiden den Wurf so gut es geht, weil er so anspruchsvoll ist.

Der Wurf in der Zone war in diesem Jahr der ineffizienteste Wurf in der Liga, knapp gefolgt vom Wurf aus der Mitteldistanz. Die Raptors haben im zweiten Spiel über 50% ihrer Würfe aus einem der beiden Bereiche genommen – oder die Wizards haben sie durch ihre Defense dazu gezwungen. Das ist keine Grundlage für ein Überleben in den Playoffs.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

2 comments

  1. Jonathan Walker

    Wollte auch noch loswerden, dass ich den Artikel klasse fand. Ich denke dieser Sachverhalt ist einigen gar nicht bewusst (ich nehme mich da nicht aus).

    Man sollte nur klar zwischen der Zone ohne die Würfe direkt am Ring und den Würfen direkt am Ring unterscheiden. Denn allgemein gilt ja weiterhin, dass Würfe “in the paint” grundsätzlich effizient sind, nur eben ab einer bestimmte Entfernung zum Korb auf Grund des Schwierigkeitsgrades nicht mehr.


Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben