Milwaukee Bucks, Playoffs 2017, Toronto Raptors

Und jährlich grüßt das Murmeltier

Die Probleme der Toronto Raptors gegen die Milwaukee Bucks

Die Toronto Raptors sind seit Jahren in der regulären Saison eine der besten Mannschaften der Eastern Conference. In den letzten vier Saison sicherten sie sich immer den Heimvorteil für die erste Runde und erzielten nie weniger als 48 Siege. In den Playoffs konnten sie diese starken Leistungen aber fast nie bestätigen. Lediglich 2016 schafften sie es die erste Runde zu überstehen und sich in sieben Spielen gegen die Indiana Pacers durchzusetzen. Auch in diesem Jahr droht dem Team aus Kanada wieder das frühe Aus. Wieso haben die Raptors so große Probleme gegen die Milwaukee Bucks?


Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass die größte Schwachstelle der Raptors bisher die Defensive ist. In der Serie können sie lediglich ein Defensivrating von 109.3 (alle Zahlen nba.com) aufweisen und befinden sich damit deutlich unter ihrem Wert aus der regulären Saison (104.9). Vor allem die Starting Lineup der Raptors scheint kein Mittel gegen die Starter der Bucks zu finden. In kleiner Sample Size von 31 Minuten erlauben sie Milwaukee ein Offensivrating von 125.8.

Ein Blick auf die Matchups der Starter bringt Aufschluss darüber, was mögliche Problematiken sein könnten. In allen drei Spielen nahm Toronto Cross-Matchups vor, um Giannis Antetokounmpo von DeMarre Carroll verteidigen zu lassen.

Da Antetokounmpo zwar wie ein Point Guard spielt, aber nominell auf der Vier agiert, muss für Ibaka ein passendes Matchup gefunden werden. Sowohl Brogdon als auch Middleton sind als Ballhandler zu gut, als dass sie von Ibaka über das ganze Spiel verteidigt werden können. Nach einem Switch könnte sich Ibaka vermutlich das eine oder andere Mal ganz gut behaupten, aber Middleton konstant über Blöcke zu verfolgen oder Brogdons Drives zu verhindern, dazu ist auch der kongolesische Big Man nicht beweglich genug. Deswegen entschied sich der Coaching Staff um Headcoach Dwane Casey dazu, ihn gegen Tony Snell zu stellen. Der Flügelspieler ist in erster Linie ein Spot-Up-Shooter und kann Ibaka nicht aus dem Drive attackieren.

Auf der anderen Seite ist Ibaka allerdings der einzige wirkliche Ringbeschützer der Raptors. Im Matchup gegen Tony Snell befindet sich der Big Man viel am Perimeter und kann deshalb nur selten am Korb eingreifen (die Problematik wurde bei uns schon mal thematisiert). Der Flügelspieler der Bucks trifft seine Dreier in dieser Saison sehr konstant (41%, 4.4 3PA) und hat sich in den Playoffs sogar noch einmal gesteigert.  Von seinen 16 Dreierversuchen in den ersten drei Spielen konnte Snell acht im Korb unterbringen.

Weil Ibaka oft am Perimeter steht, bekommt Antetokounmpo immer wieder Möglichkeiten am Korb einfach abzuschließen. Vor allem als Ballhandler im Pick&Roll sind seine Drives sehr schwer zu verteidigen, ohne dahinter einen Spieler zu haben, der den Korb beschützen kann. Aber auch als Blocksteller und abrollender Spieler wird der Grieche immer öfter eingesetzt. Das Video zeigt noch einmal wie Tony Snell Ibaka am Perimeter bindet.

Eine weitere Schwachstelle bei der Matchup-Zuordnung ist DeMar DeRozan, der gezwungen ist Khris Middleton zu verteidigen. Sicherlich ist es nicht unbedingt vorteilhaft den schwächsten Verteidiger in der Starting Unit gegen den zweitbesten Spieler des Gegners zu stellen.

In Spiel 1 hatte Middleton noch große Probleme mit seinem Wurf. Er traf nur 4 seiner 15 Würfe, dies hatte allerdings wenig mit DeRozans Defensive zu tun. Vielmehr vergab Middleton viele Würfe, welche er im Normalfall trifft. Vor allem in Spiel 2 und 3 wurden DeRozans Schwächen in der Defensive dann deutlich. Er hatte große Probleme über die Screens zu kommen und auch bei Closeouts wurde immer wieder seine mangelnde seitliche Beweglichkeit deutlich.

Eine mögliche Lösung für die Raptors wäre es, noch häufiger auf die Small Ball-Lineups mit Ibaka auf der Fünf zurückzugreifen. Dann kann ein weiterer guter Flügelverteidiger, wie P. J. Tucker oder Cory Joseph auf dem Feld stehen und DeRozan bei Tony Snell abgestellt werden. Zudem ist der Dreipunktewurf von Thon Maker zwar auf einem annehmbaren Niveau, aber nicht so stabil, dass Ibaka nicht auch des öfteren in der Zone aushelfen könnte.

Diese Lineups sind zwar ab und an schon zu sehen, aber Casey greift noch sehr häufig auf Valanciunas zurück, der es defensiv nicht schafft den Ring zu beschützen und auch in der Offensive bisher nicht in der Lage war, den physisch deutlich unterlegenen Thon Maker in der Zone oder im Post zu bestrafen.

Vor allem in Spiel 3 zeigten sich, neben den defensiven Problemen, allerdings auch große Probleme in der Offensive. Nach 18 Minuten konnten die Raptors gerade einmal 17 Punkte aufweisen und das Spiel war beim stand von 17:48 eigentlich schon entschieden.

Die Verteidigungsstrategie der Milwaukee Bucks legt den Fokus deutlich auf den Ballhandler. Sowohl von DeRozan als auch von Lowry geht so eine große Scoringgefahr aus, dass die Bucks sie bei Screens eigentlich permanent versuchen zu doppeln. Sie gehen dabei nicht unbedingt aggressiv raus, hedgen und versuchen Turnover zu erzwingen, aber sie verhindern, dass DeRozan oder Lowry zum Korb durchkommen.

Exemplarisch dafür steht folgende Szene aus dem ersten Viertel von Spiel 3:

Die Raptors laufen ein Double High Pick&Roll. Beide Big Men kommen hoch und stellen einen Block. Lowry entscheidet sich für den Screen von Valanciunas. Eventuell könnte er an diesem noch etwas enger vorbeigehen, denn Brogdon kämpft sich gut über den Block und Lowry gewinnt nur einen kleinen Vorteil Auffällig ist auch wie hoch Thon Maker in dieser Szene steht.  Etwas suboptimal ist auch das Spacing der beiden Flügelspieler Carroll und DeRozan. Beide stehen relativ nah zusammen in der linken Ecke. Middleton und Snell können bis an den Zonenrand absinken, da beide keine guten Schützen sind.

Brogdon und Maker stoppen gemeinsam den Drive von Lowry. Zudem orientiert sich auch Snell noch in Richtung des ballführenden Spielers, da er DeRozan an der Dreierlinie nicht fürchten muss. Antetokounmpo verhindert, dass Valanciunas sich ungebremst zum Korb abrollen kann und sorgt dafür, dass dieser kurz aufgehalten wird.

Maker beginnt zurück zu Valanciunas zu rotieren und zeigt Antetokounmpo an, dass dieser sich wieder auf seinen Gegenspieler konzentrieren soll. Währenddessen passt Lowry den Ball zu Ibaka.

Maker ist zurück bei Valanciunas und frontet ihn. Ibaka will den Ball eigentlich zu Valanciunas passen, aber dies ist ein besonders gefährlicher Pass. Mit Antetokounmpo und Maker müsste er den Ball über zwei sehr große Spieler mit langen Armen spielen, die zudem noch sehr beweglich und athletisch sind. Für einen Spieler wie Serge Ibaka, der in seiner Karriere nie als guter Playmaker aufgefallen ist, ein zu schwieriger Pass.

Ibaka nimmt stattdessen den Dreier, der von Antetokounmpo allerdings gut verteidigt wird und deshalb sein Ziel verfehlt.

Durch das Doppeln gegen den Ballhandler forcieren die Bucks den Ball immer wieder aus den Händen von DeRozan und Lowry. Auffällig ist dabei, dass die Bucks nicht aggressiv hedgen, sondern sehr kontrolliert doppeln. Dies macht die Wege zum recovern kleiner. Dennoch ist bei dieser Art das Pick&Roll zu verteidigen, eine sehr gute Kommunikation zwischen den einzelnen Spielern gefragt.


Möchte Toronto noch einmal zurück in die Serie finden, benötigen sie mehr Scoringgefahr von ihren Big Men. Zudem muss der Coachingstaff der Raptors Lösungen für die Matchup-Probleme in der Defensive finden.

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