Sacramento Kings

Versagen auf höchster Ebene

Wie Ranadivé und Divac die Kings zugrunde richten

Wie Ranadivé und Divac die Kings zugrunde richten

Wir haben bereits jetzt genügend Analysen zum Trade zwischen den New Orleans Pelicans und den Sacramento Kings gelesen. Der DeMarcus Cousins-Deal wurde bereits von allen amerikanischen Basketball-Outlets zur Genüge und detailliert untersucht und in Podcasts bearbeitet. Ein zwanzigstes Mal zu erklären, dass der Deal für die Pelicans gut und der Gegenwert für die Kings so mager war, ist nichts, was man zum jetzigen Zeitpunkt nochmals lesen wollen würde.

Deswegen richtet dieser Artikel den Fokus vor allem darauf, wie ein Front Office – am Beispiel der Kings – sich verhalten sollte, wenn es seinen Franchise Player traden will. Was haben die Kings – im unmittelbaren Vorfeld des Trades – bereits falsch gemacht?

Den Tradewert des eigenen Spielers evaluieren

Wenn Divac und Ranadivé zu dem Entschluss gekommen sind, dass sie DeMarcus Cousins traden müssen, da er sozial dem Team und der gesamten Franchise schadet, dann muss zunächst evaluiert werden, wie viel Wert Cousins noch besitzt. Noch im letzten Jahr habe ich dagegen argumentiert, dass Cousins ein Top 10 Spieler sein kann, wenn er so viele Possessions benötigt, um seine – zugegebenermaßen riesig wirkenden – Statistiken zu produzieren. Cousins hat es erst in dieser Saison geschafft, sein Spiel effizienter zu gestalten, weil er sich einen Drei-Punkte-Wurf angeeignet hat. Damit kann er als legitimer Stretch-Five agieren. Wir sind uns einig darüber, wie wertvoll solch ein Spieler ist.

Problematisch ist weiterhin, dass Cousins‘ Lösungen für den Fall eines Rückstandes im Spiel bedenklich klein sind: Er fordert immer den Ball und hat es geschafft, seine Usage in bisher jedem Jahr zu steigern. Dies ist vor allem deswegen so beachtlich, weil er – anders als Russell Westbrook – den Ball nicht bringt und demnach nicht entscheiden kann, ob er selbst abschließt, da er zunächst den Ball selbst benötigt. Cousins weist aber eine ähnliche Turnoveranzahl wie die balldominantesten Ballhandler auf.

Was sich Divac und Ranadivé fragen mussten, ist, ob man mit DeMarcus Cousins wirklich gewinnen kann. Dazu zählen auch seine gut dokumentierten Verhaltenswiesen auf und abseits des Feldes. Dennoch können wir dies aus der Ferne weit weniger gut einschätzen, sodass uns zumeist nur die Möglichkeit bleibt, Gerüchte zu bewerten oder die wenigen Ausraster Cousins‘ auf dem Spielfeld zu beobachten. Trotzdem ist der Basketball-IQ Cousins‘ kritisch zu hinterfragen – und das sehen auch alle anderen GMs und Scouts der Liga. Cousins trifft viele falsche Entscheidungen und sollte den Ball weit weniger in seinen Händen halten. Der Trend, dass sein Team auf dem Feld besser ist als der Gegner, hat sich in dieser Saison ebenfalls wieder umgekehrt. Cousins kommt in seiner Karriere auf zwei Saisons, in denen er ein positives NetRating vorweisen konnte. In dieser Saison liegt er wieder im leicht negativen Bereich. Die Frage, wie hilfreich Cousins für ein Team ist, war per sé schon nicht so einfach zu beantworten. Dazu kommen charakterliche Schwierigkeiten, die den Tradewert erheblich drücken, wenn sie so ausgeprägt scheinen, dass andere Coaches in der Liga ihn nicht trainieren wollen.

Wenn für das Front Office also ersichtlich ist, dass  Cousins – trotz aller sportlicher Produktion – schwierig zu vermitteln ist, sollte es sich vor allem überlegen, ob die Trading Deadline der richtige Zeitpunkt für einen Deal ist.

Den Zeitpunkt des Trades beachten

Nehmen wir aber zunächst an, dass die Situation mit Cousins menschlich nicht weiter tragbar war und Lösungen hermussten, wieso kommt man auf die Idee, ihn am Montag morgen zu dealen? Nicht nur, dass es vollkommen peinlich ist, einzugestehen, dass am Samstag ein besserer Deal auf dem Tisch lag, es sollte doch jedem klar ersichtlich sein, dass es bis Donnerstag noch genügend Zeit gibt, um andere Deals auszuhandeln. Der Zeitpunkt des Trades ist vollkommen falsch gewählt und entbehrt jeder Logik. Divac selbst hatte intensive Gespräche mit mindestens vier Franchises, entscheidet aber am Sonntag, Ranadivé zwei Angebote vorzulegen. Außer Inkompetenz fällt es schwer, einen anderen Begriff zu finden, der dieses Szenario umreißt. Dazu ist der Zeitpunkt einfach zu früh oder zu spät gewählt. Richtig war er zu keiner Zeit.  

Die Probleme mit DeMarcus Cousins sind sicherlich nicht neu oder so eskaliert, dass ein Panikmove kommen musste. Nicht, nachdem Cousins seine Bereitschaft signalisiert hat, einen neuen Supermax-Deal zu unterschreiben. Entweder versucht man Cousins in der vorherigen Offseason schon zu traden oder reizt absolut alles aus und wartet bis zur letzten Sekunde der Deadline. Nahezu jeder General Manager der Liga war schockiert über das Paket, das man für Cousins bekam. Es hat bereits bessere Angebote gegeben und es hätten sich bis Donnerstag bessere Angebote gefunden. Die General Manager haben sich am All Star Weekend  getroffen und wissen alle um die Dringlichkeit, in der nun angebrochenen Woche Deals machen zu müssen, um sich bestmöglich zu positionieren.

Es ist absolut unverständlich, dass man Cousins so viele Tage vor der Deadline tradet – für solch ein Paket.

Die Möglichkeiten des CBAs bedenken

Aber gab es überhaupt den Druck, Cousins zur Deadline traden zu müssen? Bill Simmons hatte in einem Artikel auf theringer.com versucht zu erklären, warum fast nur die Pelicans als Tradepartner zur Verfügung ständen und der Deal deswegen mit ihnen abgewickelt werden musste. Und diese Aussage ist absolut falsch. Es gibt einfach keinen Grund, Cousins zur Deadline abzugeben. Aber dazu sollte das Front Office der Kings ansatzweise Kenntnisse über das CBA besitzen und dieses gelesen und verstanden haben. Im Kampf um den schlechtesten Trade aller Zeiten haben die Kings gleich zwei Transaktionen im Rennen: der jetzige Deal um Cousins und der lächerliche Trade mit den Sixers um Nik Stauskas, der Philly dazu berechtigt, 2017 die Picks tauschen zu können. Dazu gab es den Pick von 2019 gratis obendrauf.

Cousins jetzt abzugeben, war – aus Sicht des CBAs und der Ausrichtung der Franchise – absolut sinnlos. Die Franchise macht nun dasselbe durch wie die Brooklyn Nets: Sie ist unglaublich schlecht und verschenkt die besten Assets (die eigenen Picks) an die Konkurrenz. Deshalb ist Simmons‘ Analyse viel zu kurz gegriffen. Es muss dem Front Office klar sein, dass ein Deal jetzt die Franchise auf Jahre lähmen wird. Das Paket, das zurückkommt, müsste den Verlust der First Rounder auffangen.

Aber es gibt auch sonst keinen Grund, den Deal schon jetzt zu vollziehen. Cousins hat noch ein ganzes Jahr einen gültigen Vertrag und die Kings können ihm auch einfach die Fünf-Jahres-Verlängerung geben, auch wenn sie ihn abgeben wollen. Die beste Zeit, um Trades einzufädeln, ist die Zeit, in der es keinen Druck von außen gibt, sei es eine Deadline oder andere Umstände. Was spricht dagegen, Cousins bis zur Offseason zu halten und ihn dann aggressiv zu shoppen, am besten um den Draft-Day herum? Man wäre sich über viele Details im Klaren (Wo picken die Kings? Wo die Pelicans? Gab es Pick-Swaps? Wer ist in den Top 3?), um gezielt Angebote zu machen. Man könnte den eigenen Pick und Cousins anbieten, um hochzutraden und direkt mit einem hoffnungsvollen Talent den Rebuild zu starten. Man kann den Draft abwarten und dann Deals machen, bei denen es nicht um einen Pick, sondern tatsächlich bereits gedraftete Spieler geht. Man kann vor dem ersten Juli einen Deal vollziehen, um sich in der Free Agency sofort neu aufstellen zu können und Ergänzungsspieler zum neuen Prospect zu bekommen.

Es gab keinen Druck aus Sicht des CBAs, um diesen Deal am Montag zu finalisieren. Es liegt an der Kurzsichtigkeit des Front Offices, dass der Deal jetzt zustande kam. Den angesprochenen Stauskas-Deal vollzog das Front Office übrigens nur, weil es nicht wusste, dass es die Stretch-Provision gibt, mit der es möglich wäre, sofort Cap Space zu generieren. Inkompetenz.

Objektive Kriterien zur Entscheidungsfindung anlegen

Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her. Das größte Problem ist der Besitzer der Kings selbst. Vivek Ranadivé hat keinerlei Expertise auf dem Gebiet der Evaluation eines Spielers, aber trifft die Entscheidungen in der Franchise. Berühmt ist es für „For me it’s Stauskas“ (nur um diesen dann in einem der schlechtesten Deals loswerden zu wollen) und für die Forderung nach 4-on-5 Halbfeldbaskeball. Dies wird zum Problem, wenn er niemanden findet, der die sportlichen Entscheidungen für ihn trifft. Es kursieren bereits abenteuerliche Aussagen zu Buddy Hield, den Ranadivé als einziger GM auf dem Pro Day besuchte – und der statistisch eine exakte Kopie von Nik Stauskas ist.

Die Kings brauchen objektivere Kriterien zur Beurteilung von Leistungen. Divac ist absolut inkompetent auf seinem Posten als General Manager, weil er die Regularien nicht kennt. Das ist nicht zu entschuldigen. Er ist für die Stelle nicht geeignet. Dazu fehlt eine ausgereifte Analyse-Abteilung, die auch Gehör findet, um eine Franchise aufzustellen. Es fehlen Scouts mit Einfluss. Es fehlt letztlich jemand, der Ranadivé beeinflussen kann, um richtige Entscheidungen zu treffen.

Fazit

Die Sacramento Kings haben einen horrenden Trade vollzogen, der vor allem aufzeigt, wie man einen Trade von solcher Tragweite nicht vollziehen sollte. Die Kings haben ohne größeren Druck (Cousins spielt seit 6,5 Jahren dort, nicht seit 6,5 Monaten; den Leidensdruck von 25 Spielen hätte man ertragen müssen) zum falschen Zeitpunkt aufgrund subjektiver Vorlieben einen Deal vollzogen, der sie auf Jahre in die Bedeutungslosigkeit stürzen wird. Das Front Office ist schlicht und einfach unprofessionell, weil es nicht die Kompetenzen mitbringt, die die Positionen innerhalb der Franchise erfordern. Das Team wird sportlich für den Rest der Saison ein Abbild des Front Offices sein.  

Während man in Philadelphia sehen konnte, dass die sportliche Bedeutungslosigkeit gewollt war und man sich besser aufstellen konnte, sind die Kings in den letzten 10 Jahren bereits ein Lottery-Team – und haben genau einen Treffer gelandet: DeMarcus Cousins. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen dies nochmals gelingt, ist bei diesem Front Office vergleichbar mit der Chance auf den ersten Pick in dieser Draft: Man kann ihn – theoretisch – bekommen, aber muss ihn dann direkt an die Sixers abgeben, sodass man sich mit einem wahrscheinlich schlechteren Spieler zufrieden geben muss.

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