NBA, Sacramento Kings

Opportunitätskosten

Der Move von Isaiah Thomas zu Darren Collison ist kein einfaches Downgrade

Den Sacramento Kings mangelt es im Kader an Talent und der richtigen Mischung an Spielern, die als Basketballeinheit Sinn ergeben. Seit Jahren dümpeln die Kalifornier im Keller der Western Conference umher und hoffen einerseits, dass DeMarcus Cousins sein Potential als ein vielseitiger Top-Spieler erfüllt; andererseits arbeitet man angeblich darauf hin, die richtige Formel zu finden, um möglichst bald im Playoffrennen der Western Conference anzugreifen.

Ein Königreich für einen Ballhandler

Die Draft- sowie Free-Agency-Chronik seit der Ernennung Cousins’ zum Franchise Player ist nicht rosig. 2011 zog man an siebter Stelle Bismack Biyombo, den man nach Charlotte für John Salmons und die Rechte an Jimmer Fredette tradete. Salmons machte in Sacramento vor allem als schlechter Vertrag von sich Reden und Fredette wurde nur wenige Jahre später aus seinem Vertrag gekauft.
Das Jahr darauf zog man mit dem fünften Pick Thomas Robinson, der noch kürzer in Sactown verweilte und in einem bizarren letzten Move der Maloof Brüder gegen Patrick Patterson, Cole Aldrich und Toney Douglas eingetauscht wurde … die ebenfalls nur kurz in Sacramento verweilten. Pat Pat ging mit John Salmons und Greivis Vasquez für Rudy Gay nach Toronto, Aldrich & Douglas verweilten bis zum Ende der Saison, bevor ihre Verträge ausliefen. Den defensivorientierten Veteranen Luc Mbah A Moute nutze man als Tradechip, um mit dem enttäuschenden ehemaligen #2-Pick, Derrick Williams, sein Glück zu versuchen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Menge Assets rasch veräußert wurden und man sich am Schluss nicht verbesserte, dafür eher talentarmer, teurer und von den Skillsets weniger synergetisch wurde.

Da ist es witzig, dass man den besten Pick seit DeMarcus Cousins mit dem 60., also dem letzten einer Draft, tätigte. 2011 wählte man Point Guard Isaiah Thomas, dem kaum einer eine erfolgreiche NBA-Karriere zutraute. Mit einer Körpergröße deutlich unter 1,80 Meter machte Thomas sich am College als Scorer einen Namen – ein Skill, der sich für die meisten Spieler nur schwer in die NBA transferieren lässt. Thomas entpuppte sich als Jackpot. Ein NBA-Spieler, mit dem man am dunklen Ende der Draft nicht rechnen darf und der einem Team, arm an Ballhandlingoptionen und  Basketball-IQ, wie gerufen kam. Thomas bestritt bereits das halbe Rookiejahr als Starter, einer Rolle, in der er sich bei den Kings etablierte. Die Kings gewannen während dieser Zeit kaum Spiele, doch Thomas zeigte individuell konstant gute Leistungen und war einer der sehr wenigen offensiven Faktoren Sacramentos, welche die Purpurnen in der einen oder anderen Nacht zu einem zähen Gegner machten.

Thomas, Collison, Meeks & Gordon

Isaiah Thomas’ Rookiedeal, bei dem er keine 500.000 Dollar im Jahr verdiente lief zum Juli aus und seit einigen Tagen wissen wir, dass er in Zukunft für die Phoenix Suns auflaufen wird. Gemessen am steigenden Cap und Deals für ähnliche Spieler seiner Position sind die 7.000.000 Dollar, die er jährlich kassiert, läppisch. Dieses Geld war Thomas den Sacramento Kings nicht wert, sodass Sie, nachdem die Suns verlauten ließen, mit Thomas einig zu sein, einen Sign-&-Trade einfädelten – ähnlich, wie es die Utah Jazz auch für Gordon Hayward hätten fordern können, hätten sie ihn nicht unbedingt halten wollen.

Einige Gründe machen Sacramentos widerstandsloses Aufgeben ihres kurzzeitigen Spielmachers zugunsten eines Downgrades mit Darren Collison verständnislos. Zunächst sei gesagt, dass Isaiah Thomas bei weitem kein perfekter Starter-Typ für sehr hohe Minuten ist, alleine schon wegen seiner Größe, die ihn defensiv zu einer Labilität macht. Dieses Geld ist Thomas dennoch locker wert, da er trotz Größennachteils bewiesen hat, sich offensiv überstrecken zu können und effizient zu bleiben. Eine Auswahl von Verträgen für Point und Off-Guards dieser Offseason, die in der gleichen Preisspanne pro Jahr liegen:

Isaiah Thomas:4 Jahre bei 27 Millionen – ~6.7 Mlllionen pro Jahr
Darren Collison:3 Jahre bei 16 Millionen – ~5.3 Millionen pro Jahr
Jodie Meeks:3 Jahre  bei 19 Millionen – ~6.3 Millionen pro Jahr
Ben Gordon: 2 Jahre bei   9 Milllionen – ~4.5 Millionen pro Jahr

Die Verträge sind aufgrund der unterschiedlichen Vertragslängen nicht wirklich zu vergleichen. Ein Overpay schmerzt weniger, wenn die Vertragsdauer kurz ist, siehe Gordon. Genauso kann ein Schnäppchen durch eine lange Laufzeit noch schöner sein. Laut Mark Deeks von shamsoprts.com ist Thomas Vertrag so strukturiert, dass sein  Gehalt jährlich je um knapp 4%-5% sinkt. Verdient er im ersten Jahr noch 7,23 Millionen Dollar, sind es im vierten nur 6,26 Millionen Dollar. Bei steigendem Cap macht das seinen Vertrag noch wertvoller und er sollte von den Free Agency-Verpflichtungen mit die wenigsten Probleme haben, seine Bezüge sportlich zu rechtfertigen.

Nun zum sportlichen Aspekt. Schauen wir, wie diese Spieler sich die letzten vier Jahre getan haben. Zunächst  im Scoring:

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Thomas hat in Sachen Effizienz übergreifend mit die besten Werte und war neben der hohen Rate und dem hochprozentigen Vollenden von Würfen innerhalb des Perimeters dazu ein sicherer Volumenschütze von außen. Seine Werte setzen sich jedoch ab, nimmt man die Anzahl der assistierten Würfe in Betracht. Nur Darren Collison kommt bei ähnlich wenig “Hilfe” auf ähnlich hohe Effizienz, wobei auch bei ihm zumindest die Dreier die letzten beiden Jahre weitaus höher assistiert waren.

Ein Blick auf die StatVu-Werte 2013 von Thomas, Collison und Meeks zeigen, wie sie die Rolle des Guards ausfüllen. Nehmt euch ruhig eine Minute, um die Zahlen zu einem Bild formen zu lassen:

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Zum Vergößern klicken.

Zusammenfassend:

Touches & Ballbesitz: Thomas hatte mit Abstand die höchste Usage. Dieser ausschließlich und Collison teils waren Lead Guards. Meeks spielte off-the-ball. Meeks USG% ist genauso hoch wie Collisons, jedoch war ein deutlich höherer Anteil seiner 2-Punkte-Würfe assistiert und er bekam den Ball hauptsächlich im Spot-Up, was seiner Punkte-pro-Touch-Wertung half. Collison und Thomas waren in ihren Rollen auch effizient, wobei Thomas mit der höheren PPT-Wertung bei höherer Usage und weniger assistierten Würfen herausragt.

Passing: Gleiches Bild. Als Lead-Guards waren Collison und vor allem Thomas für viele kreierte Punkte verantwortlich. Mit einer höheren Anzahl an Pässen pro Spiel kam Thomas auch auf eine höhere Assistrate pro Pass.

Drives: Hier trennt sich das Bild etwas. Obwohl Collison ein Lead-Guard ähnlich wie Thomas war, setzte er ähnlich oft zum Drive pro Ballbesitz an wie Meeks. Bei Ballbesitz zog Thomas fast doppelt so häufig in den Drive und war ähnlich effizient.

Catch-&-Shoot & Pull-ups:  Alle drei waren starke Catch-&-Shoot Werfer von Außen. Meeks ragte an Versuchen heraus. Im Pull-Up war dieser schwach, aber auch klug genug, wenige dieser Würfe zu nehmen. Collison nahm ohne großen Erfolg einige Pull-Up-Zweier. Thomas nahm als High-Usage-Lead-Guard viele Pull-Up innerhalb der Dreierlinie sowie von außen. Zumindest sehen seine Resultate bei den Pull-Up-Zweiern gerade noch passabel aus. 

Kurzum und nochmal wiederholt: Thomas war nicht weniger effizient als Meeks und Collison, konnte sich dazu noch mit Erfolg als High-Usage-Lead-Guard überdehnen. 

Ein letzter Blick auf erweiterte Metriken, bevor wir zum eigentlichen Thema zurückkehren:

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Man mag Statistiken wie ORtg, Win Shares und RPM trauen oder nicht, doch zumindest bescheinigen die beiden offensiven Box-Score- sowie die offensiv-defensive Play-by-Play-Metrik, dass Isaiah Thomas in seiner größeren, vielseitigeren Rolle nicht weniger effizient oder effektiv war. Glaubt man RPM, ist Thomas zwar eine deutliche Labilität defensiv, jedoch nicht weniger als Meeks und Collison. Dafür ist sein offensiver Impact größer.

Opportunitätskosten

Selbst wenn man Thomas gegenüber skeptisch ist, was man sein darf, und nicht glaubt, dass sein Impact wirklich so groß ist wie die Zahlen beschreiben oder er – wie einige sagen – von der Produktion gar einem gewissen #1-Pick ebenbürtig ist: Was bleibt, ist, dass Thomas bei ~7 Millionen Dollar im Jahr über einen längeren Zeitraum bei einem Salary Cap, der wahrscheinlich früher als später steigt, eher günstig ist.

Aus Kings-Sicht könnte man sagen: “Gut. Thomas hat in prominenter Rolle gezeigt, dass er abliefern kann. Vielleicht ist die Rolle zu groß für ihn und er ist ein Karriere-Bankspieler ähnlich wie Collison, wenn auch besser. Letztendlich ist es über eine kürzere Laufzeit ein Downgrade, der etwas weniger kostet.” Hier kommen jedoch Opportunitätskosten ins Spiel – gerade für eine Mannschaft wie Sacramento. Was sind Opportunitätskosten? 

Opportunitätskosten (selten auch als Alternativkosten, Verzichtskosten oder Schattenpreis bezeichnet) sind entgangene Erlöse (allgemeiner: entgangener Nutzen), die dadurch entstehen, dass vorhandene Möglichkeiten (Opportunitäten) zur Nutzung von Ressourcen nicht wahrgenommen werden.

Umgangssprachlich kann man auch von Kosten der Reue oder Kosten entgangener Gewinne sprechen. Opportunitätskosten sind somit keine Kosten im Sinne der Kosten- und Leistungsrechnung, sondern ein ökonomisches Konzept zur Quantifizierung entgangener Alternativen.

Sacramento verspielt sich durch ein Nicht-Matchen des Vertrags Möglichkeiten, selbst wenn Sie spielerisch nicht an Thomas hängen. Die Kings verpulvern ein weiteres Asset, wahrscheinlich das beste, das sie seit vielen Jahren hatten und einen mehr als angemessenen Vertrag in dieser Offseason bekam. Dafür bekommen sie nur minimalen Gegenwert, der weder kurz- noch langfristig sportliche Besserung oder eine Wertsteigerung verspricht. Ein verblüffender Move für eine Mannschaft, die sowieso schon arm an positiven Anlagegütern ist und in den letzten Jahren nicht wettbewerbsfähig war.

Interessant ist, dass ausgerechnet die Phoenix Suns sich Thomas geschnappt haben. Eine Mannschaft, die mit Goran Dragic, Eric Bledsoe und Gerald Green bereits sehr prominent auf den Guard-Positionen besetzt sind und mit Archie Goodwin und Tyler Ennis junge Talente besitzen, die auch irgendwo Spielzeit brauchen. In 2-3 Jahren sollte Bogdan Bogdanovic dazustoßen. Wieso also Thomas dazuholen? Phoenix ist in einer interessanten Situation, vor allem nachdem mit Channing Frye ein wichtiger Faktor für den letztjährigen Erfolg Arizona verlässt. Phoenix steckt irgendwo zwischen Rebuild und potentiellem Playoffkandidaten, für das Thomas wahrscheinlich als garantiertes Asset zu verlockend ist, um auf ihn bei diesem Vertrag zu verzichten. Er macht spielerisch auch neben Bledsoe und Dragic Sinn, da er künftig die Irving-Vergleiche meiden kann und als Co-Kreativer in einer kleineren Rolle aufblühen kann. Sollte Phoenix einen größeren Trade für einen Superstar im Sinn haben, stößt Thomas als weiteres Stück zum Haufen der interessanten Assets, welches Phoenix bieten kann.

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