Playoffs 2019

Wie kommt ein Contender an eine Bank?

Über die In-Season-Transactions der Playoffteams

Es ist kein Geheimnis, dass in den Playoffs die Bedeutung eines tiefen Teams abnimmt. Die Stars und Starter spielen mehr, die Rotationen werden meist von etwa 10 (plus Garbage Time-Spieler) auf circa 8 gekürzt. Damit verlieren diejenigen Teams ihren Vorteil, die zuvor vor allem die Bank-gegen-Bank-Minuten gewannen. Auch wenn es im Duell gegen die Warriors wohl keinen echten Unterschied machen würde, stellen die diesjährigen Clippers ein gutes Beispiel dar: In Montrezl Harrell und Lou Williams starten zwei ihrer besten Spieler nicht. Aber auch etwa die Nuggets, Celtics und fast schon traditionell die Spurs konnten in der Regular Season von ihrer Tiefe profitieren. Für andere Teams wie etwa die Warriors, Thunder und Sixers war dagegen völlig klar, dass die Qualität von den Startern kommen muss. Hier können die verkürzten Rotationen einen Unterschied machen – die Bankspieler geben dank weniger Spielzeit insgesamt weniger Punkte ab.

Aber diese Überlegung trifft nicht immer zu: Wenn die Bankspieler auf Playoff-Niveau praktisch unspielbar sind, werden die Probleme eher größer als kleiner, weil in den wenigen Minuten mit den Backups entweder defensiv oder offensiv nichts mehr funktioniert wie geplant. In der Verteidigung kann eine Schwäche schlicht zum Zusammenbruch der Zuordnungen führen, weil etwa nach einigen Switches ein völlig überforderter Defender gegen den Star des Gegners steht. Das zieht weitere Probleme mit sich, wie etwa bei Isaiah Thomas immer wieder zu sehen war: Die übrigen Spieler helfen aufgrund der erwarteten Probleme der defensiven Schwachstelle zu sehr aus und kommen nicht rechtzeitig zu ihrem eigentlichen Gegner zurück. Das Beispiel Thomas zeigt, dass nicht nur Backups von diesem Phänomen betroffen sind. Die meisten Starter bringen aber zumindest genug Two-Way-Potential mit, um die Probleme handhabbar zu halten. Umgekehrt kann ein Spieler völlig ohne Spacing die Offense seines Teams praktisch lahmlegen. Auch hier stellt in Tony Allen ein Starter mit speziellem Skillset das Paradebespiel dar. In der Serie der Grizzlies gegen die Warriors 2015 stellte Coach Steve Kerr nominell den Center Andrew Bogut gegen den Guard. Praktisch blieb der zu den Playoffs 2019 wieder von den Warriors verpflichtete Bogut jedoch in der Nähe der Zone. Allen kam trotzdem kaum zum scoren – was wohl das Ende seiner Karriere erheblich beschleunigte. Diese Beispiele zeigen, wieso gerade von Rollenspielern Können an beiden Enden des Courts gefordert ist und Schwachstellen in den Playoffs zunehmend ausgenutzt werden können.


In der aktuellen Saison ist diese Problematik besonders an den Sixers ersichtlich. Außer den vier Startern weist praktisch jeder Spieler seine Schwächen auf. Boban Marjanovic ist zwar Publikumsliebling und offensiv teils extrem effizient, in der Verteidigung fehlt ihm allerdings als schwerstem Spieler der Liga oft die Geschwindigkeit. T.J. McConnell bringt defensiv Intensität und offensiv Playmaking mit, sein fehlendes Spacing stellt jedoch immer ein Problem dar, insbesondere mit weiteren Non-Shootern wie Ben Simmons auf dem Parkett. Jonathon Simmons überzeugt in keinerlei Hinsicht. Zudem scheint Coach Brett Brown den Rookies Jonah Bolden und Zhaire Smith nicht voll zu vertrauen, so dass beide bisher kaum Minuten erhielten. Deswegen durfte die Last-Minute-Verpflichtung Greg Monroe sogar Spiel drei starten, obwohl er diese Saison schon von zwei anderen Playoff-Teams entlassen wurde und diese Entscheidungen bisher nicht wie einen Fehler aussehen lässt. James Ennis und Mike Scott sind daher aus Sicht des Coaching Staffs noch die besten Optionen – was aber gerade bei Ausfällen nicht ausreicht. Im Ergebnis musste etwa Tobias Harris in Spiel vier nach dem Technical-bedingten Ausfall Jimmy Butlers 43 Minuten auf dem Feld bleiben.

Die Sixers stellen diese Saison vermutlich das beste Beispiel für fehlende Tiefe dar. Das ist bemerkenswert, nachdem sie letztes Jahr noch von zwei In-Season-Verpflichtungen profitierten: Ersan Ilyasova und Marco Belinelli stießen gegen Saisonende zum Team, nachdem die tankenden Hawks keine Verwendung mehr für sie hatten und einem Buyout zustimmten. Auch wenn die Bedeutung der beiden Spieler für den anschließenden Playoff-Run möglicherweise teils überschätzt wurde, stellten die zusätzlichen Optionen eine klare Verstärkung dar. Daher ist die Frage naheliegend, ob die Sixers sich diese Saison wieder auf Buyout-Signings hofften und enttäuscht wurden, weil einige Spieler bei ihren Teams blieben oder zur Konkurrenz gingen. Zudem stellte die Situation in Philadelphia eine Besonderheit dar, weil das Team zum Saisonbeginn eigentlich recht tief war. Die Trades für Butler und Harris bedeuteten dann aber eine Schwächung in der Breite, weil jeweils mehrere potentiell brauchbare Rotationsspieler abgegeben wurden, in Scott und Marjanovic aber nur Backups mit Fragezeichen nach Philadelphia gingen. Auch Jonathan Simmons kam im Trade um Markelle Fultz eher als Salary-Filler denn als echte Verstärkung. Es ist eine fast schon absurde Pointe, dass in James Ennis der beste Bankspieler quasi als Salary Dump zu den Sixers kam, da die Rockets nach einer schwachen ersten Saisonhälfte keine Verwendung mehr für den Wing sahen.


Besonders auffällig ist, dass den Rockets trotz dieser rückblickend eher fragwürdigen Entscheidung im Lauf der Saison eine substanzielle Verstärkung der Bank gelang. Während die Sixers kaum in Backups investierten und daher im Wesentlichen mit den Fillern aus ihren Star-Trades arbeiten müssen, nutzten die Rockets alle Möglichkeiten aus: Sie verpflichteten mehrere Buyout-Spieler, beförderten andere von Two-Way-Verträgen ins reguläre Team und griffen außerdem auf dem Trademarkt zu. Besonders die Post-Buyout-Verpflichtungen waren auffällig, weil sie früher als wie sonst üblich im März zum Team stießen: Austin Rivers und Kenneth Faried kamen schon im Dezember beziehungsweise Januar nach Houston, nachdem Nets beziehungsweise Suns keine Verwendung für die beiden mehr sahen. Das war jedoch auch nötig für die Rockets, nachdem im Sommer wichtige Spieler wie Trevor Ariza das Team verließen und einige Verpflichtungen Daryl Moreys nicht den gewünschten Erfolg zeigten. Ennis war verglichen mit dem Desaster um Carmelo Antony noch unauffällig, zusätzlich musste auch Michael Carter-Williams vorzeitig gehen.

Erfolgreicher war Houston mit den Two-Way-Verpflichtungen: Sowohl Gary Clark als auch Danuel House wurden für gute Leistungen mit regulären Verträgen belohnt, wobei sich bei House die Verhandlungen aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen zur Vertragslänge über Monate hinzogen. House hatte letztendlich die bessere Verhandlungsposition, was sich in seiner Spielzeit widerspiegelt: 22,3 Minuten, die meisten von allen Rockets-Backups. Diese Beispiele zeigen, welche Bedeutung den beiden zusätzlichen Rosterspots zukommen kann – Franchises ohne G-League-Affiliation mit gutem Management sind hier klar im Nachteil. Die Rio Grande Valley Vipers bilden für die Rockets schon länger ein bemerkenswertes Experimentierfeld, das durch die neue Regel der für beide Ligen gültigen Verträge zusätzlich an Bedeutung gewinnt. Gerade finanziell sind die jungen Spieler interessant, sie bekommen erst mit der Umwandlung in reguläre Vertrage das übliche Minimum-Gehalt. Das scheint für die Rockets ein wichtiger Faktor zu sein. Seit dem Kauf der Franchise durch Tilman Fertitta scheinen Einsparungsmaßnahmen weiter oben auf der Prioritätenliste des Teams zu stehen, wie auch der Trade für Iman Shumpert mit Cavs und Kings zeigt: Da die Rockets gleichzeitig den teureren Brandon Knight loswurden, gelangten sie gerade noch unter die Luxussteuergrenze. Dieser Trade kostete einen Erstrundenpick, zusätzlich gab das Team verschiedene Seconds aus, um Anthony und Co. loszuwerden. Gerade angesichts der finanziellen Vorgaben ist die Tiefe der Rockets beachtlich, allerdings erhöhte Morey mit seinen Fehlschlägen aus dem Sommer den Schwierigkeitsgrad zusätzlich.


Auch bei zwei weiteren Playoff-Teams spielten finanzielle Überlegungen eine große Rolle bei der Gestaltung der Bank. Zufällig spielen Blazers und Thunder auch noch gegeneinander. Wie Tom Schneider analysiert, stehen bisher die Stars der Teams im Fokus der Aufmerksamkeit. Das liegt aber auch daran, dass beiden Teams die Tiefe fehlt, um Lillard, Westbrook und Co. wirklich zu entlasten. Die übrigen Starter wie Al-Farouq Aminu und Moe Harkless beziehungsweise Steven Adams und Jerami Grant haben klar umrissene Rollen – und dahinter kommt sehr wenig von der Bank, weil den Teams der finanzielle Spielraum fehlte. Beide sind deutlich in der Luxussteuer: Die Thunder zahlen mit Gehältern in Höhe von ca. 138 Mio. Dollar nach den Warriors am Zweitmeisten, die Blazers stehen nach Toronto auf Rang vier mit etwa 128 Millionen Dollar. Das sind beachtliche Summen für Small-Market-Teams, die auf der Liste der Contender recht weit unten zu finden sind.

Entsprechend hielten sich beide Franchises mit Investitionen ins Team in der laufenden Saison eher zurück. Schon der Thunder-Trade für Dennis Schröder ergab sich vor allem, weil Sam Presti den teuren Vertrag von Carmelo Anthony loswerden musste. Die Blazers beschränkten sich im Sommer auf günstige Verpflichtungen wie Seth Curry und den mittlerweile wieder abgegebenen Nik Stauskas. Im Lauf der Saison kam es dann konsequenterweise nur zu kleineren Veränderungen: Die Thunder wurden Timothé Luwawu-Cabarrot los und verpflichteten Markieff Morris, die Blazers tradeten Stauskas, Wade Baldwin und zwei Secondrounder für Rodney Hood. Zudem tauschten sie Caleb Swanigan gegen Skal Labissière und holten den in New York entlassenen Enes Kanter ins Team. Damit haben beide Teams noch recht große Teile ihrer Taxpayer-Midlevel-Exceptions verfügbar, die Blazers 1,7 Millionen, die Thunder sogar fast 4,5 Millionen. Kurz vor Saisonende hätten diese Beträge ein gutes Argument für Free Agents sein können, da Minimum-Verträge dann an die Zahl der verbliebenen Spiele angepasst werden. Wohl auch aufgrund hoher Tax-Rechnungen verzichteten allerdings beide auf zusätzliche Verpflichtungen. Kanter und Morris blieben also jeweils die einzigen relevanten Free Agent-Verpflichtungen innerhalb der Saison. Für die Blazers muss das allerdings als Glück im Unglück beschrieben werden, da Kanter den verletzten Jusuf Nurkic zumindest ansatzweise ersetzen kann. Angesichts der an sich gut besetzten Center-Position bei den Blazers wirkte die Entscheidung Kanters für die Blazers ursprünglich recht fragwürdig, könnte aber so zur einflussreichsten In-Season-Addition werden – manchmal spielt der Zufall eben eine größere Rolle, als sich GMs wie Fans eingestehen möchten.

Fazit

Für die viele Playoffteams war die Suche nach einer Bank diese Saison mit besonderen Hindernissen verbunden. Meist setzten die finanziellen Bedingungen klare Grenzen, wertvolle Assets wie Erstrundenpicks möchte man für den siebten oder achten Rotationsspieler ohnehin nicht ausgeben. Größere In-Season-Trades wie bei den Sixers oder fehlgeschlagene Verpflichtungen aus dem Sommer wie im Fall der Rockets erschweren die Aufgabe der GMs zusätzlich. Der beste Weg sind Buyout-FAs, wobei die Teams hier natürlich stark von externen Faktoren abhängig sind. Umso bemerkenswerter ist es, dass Daryl Morey trotz aller Hindernisse mal wieder erfolgreich war. Die Rockets wirken wohl auch deswegen wie einer der größten Konkurrenten für die Warriors, weil ihre Bank zumindest keine Katastrophe ist. Ansonsten könnten unerwartet zwei Center eine größere Rolle spielen: Enes Kanter oder Andrew Bogut, die jeweils vom Ausfall des regulären Starter profitieren.

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2 comments


  1. Avatar

    Marc Petri

    George Hill und Nikola Mirotic bisher mit einem guten Beispiel dafür, wie wichtig solche Ergänzungen sind.

    Die Bucks sind kein Markt für Min.-Vets, also musste man den “Trade-Weg” gehen. Die beiden könnten im Verlauf der Serie und dem weiteren Weg der Bucks noch eine wichtige Rolle spielen.

  2. Avatar

    Julian Lage

    Die Bucks finde ich einen schwierigen Fall, weil wie einflussreich waren die Verpflichtungen wirklich? In der RS beide recht viel verletzt, die erste Playoffrunde hätten die Bucks auch ohne sie gewonnen, gegen die Cs haben sie auch noch keinen Unterschied gemacht. In Pau Gasol haben die Bucks btw. auch einen typischen Buyout-Spieler, genauso wie einige andere Teams in kleineren Märkten wie die Pacers mit Wes Matthews.

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