Orlando Magic

Der Ibaka-Oladipo-Trade aus der Sicht der Magic

Von hohem Risiko und dem großen Wunsch, in die Playoffs einzuziehen

Von hohem Risiko und dem großen Wunsch, in die Playoffs einzuziehen

In der Nacht auf den vergangenen Freitag gab es auf der Homepage der Orlando Magic einen Livestream, der das Geschehen im sogenannten Draft War Room der Franchise aus Florida übertrug. General Manager Rob Hennigan sowie seine engsten Mitarbeiter Matt Lloyd und Scott Perry telefonierten immer wieder, verließen gemeinsam den Raum und tauschten sich fortlaufend aus. Kurz nachdem Adrian Wojnarowski auf seinem Twitter-Account, noch bevor die Toronto Raptors an neunter Stelle den Östereicher Jakob Pöltl zogen, bekannt gab, dass die Milwaukee Bucks sich für Big Man Thon Maker entschieden haben, verließ Rob Hennigan erneut telefonierend den War Room. Perry und Lloyd folgten ihm und als die drei Protagonisten den Raum wenige Sekunden später erneut betraten, berichtete Hennigan über den Inhalt des Gesprächs. Bei allen im Raum anwesenden Mitarbeitern brach Jubel aus, man fiel sich in die Arme und klatschte sich ab. Neben dem General Manager wirkte besonders eine anwesende Person sehr zufrieden – Frank Vogel, der neue Coach der Orlando Magic.

Was war passiert? Die Orlando Magic freuten sich nicht etwa, dass sie ihren Wunschspieler in der Draft bekommen würden, sondern man einigte sich mit den Oklahoma Thunder auf einen Trade. Diese erhielten Victor Oladipo, Ersan Ilyasova und die Rechte an Rookie Domantas Sabonis, welchen man im weiteren Verlauf mit dem elften Pick ziehen sollte. Im Gegenzug erhalten die Orlando Magic Big Man Serge Ibaka von den Thunder.

Bis zum heutigen Tag ist man sich sowohl in den Reihen der Basketball-Fans in den Sozialen Medien, als auch in der Presse uneinig, wer der Gewinner dieses Trades ist. Können die Orlando Magic mit Serge Ibaka in der kommenden Saison die Playoffs erreichen? War es richtig den vermeintlich besten Spieler der vergangenen Saison dafür zu opfern?

Die Situation vor der Draft

Man hat im Gegensatz zur Vorsaison in der Spielzeit 2015/2016 zwar einen ordentlichen Sprung nach vorne gemacht (35 Siege, im Vorjahr waren es nur 25; Simple Rating System -1.68, davor schloss man mit -5.87 Punkten ab), trotzdem wirkte das mit jungen Spielern bestückte Team der Magic noch unrund. Der Starting Backcort, bestehend aus Elfrid Payton und Victor Oladipo bot zu wenig Spacing und der Frontcourt, angeführt von Center Nikola Vucevic, zu wenig (Interior-)Defense.

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Schon nach dem Trade von Tobias Harris während der Trade Deadline im Februar, aber spätestens durch die Verpflichtung von Coach Frank Vogel war klar, wohin der Weg der Orlando Magic in der kommenden Saison gehen soll – das Ziel ist das Erreichen der Playoffs.

Aus diesen Gründen ging man nicht nur in unserer Redaktion (Draft Team Needs von Julian Lage, 3-on-1 zur Zukunft der Magic) davon aus, dass die Orlando Magic eher keinen weiteren jungen Spieler benötigen und daher sehr wahrscheinlich war, dass sie ihren Pick traden werden, um einen Veteranen zu erhalten. Auch bei Ersan Ilyasova war aufgrund seiner vertraglichen Situation (nur 400.000 USD garantiert für die Spielzeit 2016/17) eine gemeinsame Zukunft sehr unwahrscheinlich, da man in Orlando ziemlich offensichtlich in dieser Offseason mit Cap Space arbeiten möchte, um möglichst starke Free Agents nach Florida zu holen.

Victor Oladipo und der überraschende Abschied 

So vorhersehbar ein Trade des Erstrundenpicks und der Abgang von Ersan Ilyasova war, so überraschend kam der Abschied von Victor Oladipo. Der Combo-Guard, der in der Draft 2013 als zweiter Pick von den Indiana Hoosiers zu den Orlando Magic kam, hat (gerade in der zweiten Hälfte der Saison) einen großen Schritt nach vorne gemacht. Sowohl defensiv, wo er bis zur vergangenen Saison zwar dafür bekannt war, dass er Ballhandler effektiv verteidigen kann, aber große Probleme bei der Defense abseits des Balls hat, als auch offensiv entwickelte Oladipo sein Spiel deutlich weiter. Gerade im Zeitraum ab Februar trumpfte er hierbei groß auf.

So traf er in diesem Zeitraum knapp 40 Prozent seiner Dreier (42 Prozent im Catch and Shoot) und erreichte ein Offensive Rating von 111 (Karrierewert: 100). Mit ihm auf dem Court war man ab Februar 5.7 Punkte besser als man in den Phasen, in denen er auf der Bank Platz nahm agierte. Wenig überraschend stieg Victor Oladipo in der zweiten Hälfte der Spielzeit 2015/16 dann auch im RPM von ESPN. Während er Ende Januar noch mit einem Gesamtwert von 1.04 an zwölfter Stelle bei den Shooting Guards stand, schloss er die Saison im weiteren Verlauf mit einem Wert von 2.59 (Offensiv: 1.80, Defensiv: 0.79 ) ab. Damit war er laut dieser Metrik auf seiner Position der Spieler mit dem sechshöchstem Impact; dies entspricht Platz vier bei den Spielern mit über 30 Minuten Einsatzzeit. Sein letztjähriger Assistant Coach, Adrian Griffin, sagte zum Ende der vergangenen Saison in einem Interview vor einem Heimspiel der Magic, dass er eine solche Gesamtentwicklung in seiner Laufbahn als Coach bisher nur bei Jimmy Butler erlebt hat, welchen er in seiner Zeit bei den Chicago Bulls trainierte.

Auch wenn bei Victor Oladipo in der Entwicklung durchaus einige Parallelen zur dritten Saison von Jimmy Butler zu erkennen sind, ist natürlich fraglich, ob er sich zu einem ähnlichen Spieler entwickeln kann – eines ist jedoch eindeutig: Einen Spieler wie ihn tradet man nur sehr ungerne, gerade wenn er noch einen Rookie-Vertrag besitzt und man somit als Franchise einen erhöhten Einfluss auf seinen nächsten Vertrag hat (als Restricted Free Agent kann das bisherige Team mit einem potentiellen Angebot einer anderer Franchise „mitziehen“ / matchen und den Spieler somit weiterhin an sich binden).

Passt Ibaka zum Team der Magic?

Ein Kritikpunkt an Oladipo war häufig, dass er nie über einen längeren Zeitpunkt den Dreier hochprozentig traf und er somit nicht zum Primären Ballhandler der Magic, Elfrid Payton, passt. Vielleicht war dies der Hauptgrund warum man sich während der Draft dafür entschied, einen Spieler nach Orlando zu holen, welcher vom Fit her deutlich besser zum vorhandenen Stamm passt. Mit Serge Ibaka holte man einen Spieler der – gerade defensiv – ein sehr seltenes Skillset mitbringt. Er beschützt den Korb (Karrierewert 3.6 Blocks per 36 Minuten), wirk sich positiv auf das Teamrebounding seines Teams aus und ist zusätzlich einer der wenigen Bigmen der NBA, die kaum Probleme damit haben einem schnellen Ballhandler zu folgen, wenn man ihn im Pick and Roll auf diesen switcht. Offensiv agiert er mit einem Karrierewert von 35.5 Prozent getroffenen Dreipunktversuchen sowohl als sogenannter Strech-4, der das Spiel breit macht, als auch direkt am Korb bei Layups und Abschlüssen per Dunk effektiv.

Gerade defensiv scheint der Fit neben Nikola Vucevic, der in den vergangenen vier Jahren für die Orlando Magic auf der Fünf startete, als optimaler Fit, da die größte Unzulänglichkeit in seinem Spiel, seit seiner Ankunft in der NBA, das Beschützen des Korbes ist. Exemplarisch hierfür ist, dass wenn der Center aus Montenegro direkt am Korb verteidigte, der Gegner 52.5 Prozent der Versuche erfolgreich gestalten könnte. Er wies somit in dieser Kategorie den schlechtesten Wert aller Bigmen der Magic auf und findet sich im Ligavergleich im unteren Drittel wieder. Mit Serge Ibaka an seiner Seite könnte man diese offensichtliche Schwäche von Vucevic kaschieren. Eine weitere Variante wäre die Paarung mit Combo-Forward Aaron Gordon, der ähnlich wie Ibaka defensiv mit schnellen Ballhandlern mithalten kann und eine vielversprechende Kombination mit Ibaka, gerade in der Pick and Roll–Defense, wäre. Durch das in der vergangenen Saison deutlich verstärkte Ballhandling und den verbesserten Passfähigkeiten von Aaron Gordon, sind diese beiden Spieler somit neben Nikola Vucevic vorstellbar, aber auch auf den beiden großen Positionen. Diesen taktischen Vorteil führte auch Coach Frank Vogel in einer Pressekonferenz nach dem Trade an.

Vor der Free Agency, in der in jedem Fall noch externe Verpflichtungen der Magic zu erwarten sind, erscheint es aber müßig sich über mögliche Lineups Gedanken zu machen. Auf den ersten Blick lässt sich jedoch schon erahnen, dass Serge Ibaka einige Team-Needs der Magic erfüllt und somit gut zum vorhandenen, jungen Stamm passen sollte.

Einer der größten Kritikpunkte, die Rob Hennigan in den Tagen nach dem Trade vorgeworfen wurden, ist die Tatsache, dass der Vertrag von Serge Ibaka nur noch diese Saison gültig ist. Da er im Gegensatz zu Victor Oladipo aber im kommenden Sommer Unristricted Free Agent sein wird ist zum aktuellen Zeitpunkt unklar, ob er über die folgende Saison hinaus in Orlando bleiben wird. Da man im Besitz seiner Bird-Rechte ist, werden die Magic dann zwar ein finanziell besseres Angebot machen können als jede andere Franchise, es besteht jedoch die Gefahr, dass sich Ibaka nach einem aus sportlichen Gesichtspunkten interessanteren Umfeld umschauen wird. Es hängt also viel vom Abschneiden der Orlando Magic in der kommenden Saison ab.

Ausblick auf die Free Agency

Wie schon erwähnt entschied man sich in Orlando Magic für die finanzielle Flexibilität in der am Freitag beginnenden Free Agency. Unter anderem durch die Trades von Tobias Harris und Channing Frye im Februar geht man mit nur sieben garantierten Verträgen in die Phase, in der man ab dem 01. Juli bis zum 06. Juli mit vertragslosen Spielern Gespräche führen darf (Moratorium), bevor man sie dann ab dem 07. Juli offiziell unter Vertrag nehmen kann.

Die Vertragssituation gestaltet sich aktuell wie folgt:

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(Update: Die Orlando Magic bieten Andrew Nicholson keine Qualifying Offer an und er wird somit Unrestricted Free Agent)

Die Orlando Magic wären also theoretisch in der Lage, einen Spieler mit der Erfahrung von bis zu sechs Jahren und einem weiteren Free Agent mit bis zu neun Jahren Ligazugehörigkeit mit einem Max-Vertrag auszustatten. Mit etwaigen Trades, in etwa von Shabazz Napier und / oder C.J. Watson, wäre man in der Lage, zwei Mal den “mittleren Max.-Vertrag” zu vergeben.

Spätestens nach dem Abgang von Victor Oladipo ist jedoch realistischer, dass man nicht auf die Rechte von Evan Fournier verzichten wird, dieser wäre somit Restricted Free Agent und man könnte jedes mögliche vom Spieler akzeptierte Angebot anderer Franchises matchen und ihn somit zu gleichen Bedingungen an die Magic binden. Das eben erwähnte Juli-Moratorium gibt den Orlando Magic somit die Möglichkeit, zwei Free Agents für insgesamt 46 Mio. USD  zu verpflichten, um danach mit Evan Fournier zu verlängern oder einen möglichen Offer Sheet einer anderen Franchise zu matchen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Franchises, in denen man in den vergangenen Tagen immer wieder von konkretem Interesse an bestimmten Spielern las, gibt es jedoch aktuell wenig Gerüchte wer zu Beginn der Free Agency am 01.07 um 00:01 Uhr von General Manager Rob Hennigan kontaktiert wird. Die Chancen, das man sich im Sommer mit zwei oder drei Spielern verstärken wird, die in der Lage sind einen positiven Impact zu generieren und somit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Magic in der kommenden Saison in die Playoffs einziehen, sind somit durchaus realistisch.

Fazit

Es fällt schwer ein Team, welches einen so seltenen und gefragten Spielertypen wie Ibaka verpflichtet, als Verlierer eines Trades zu bezeichnen. Spätestens durch die Zugabe des elften Picks im diesjährigen Draft wurde jedoch klar, dass die Orlando Magic sehr viel Value abgaben und somit aufgrund der Vertragsdauer von Ibaka ein immens großes Risiko gehen. Zum aktuellen Zeitpunkt kann man jedoch weder auf der einen, noch auf der anderen Seite von einem klaren Gewinner des Trades sprechen. Bei den Magic ist die große Frage, ob man mit diesem Trade die Wahrscheinlichkeit erhöht hat, in der kommenden Spielzeit in die Playoffs einzuziehen. Gelingt den Magic dieser erwünschte Schritt, hat man auf der sportlichen Seite alles richtig gemacht. Analog zu einer positiven sportlichen Entwicklung erhöhen sich in diesem Fall auch die Chancen einer langfristigen Zukunft Ibakas in Orlando. Da man alleine durch den Trade noch kein Team geworden ist, welches als sicherer Playoff-Kandidat angesehen werden kann, wird man also erst nach der Free Agency erahnen können, wohin der Weg der Magic in der kommenden Spielzeit führen wird.

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