Houston Rockets

Tanken zu teuer

Die Houston Rockets verfolgen einen unkonventionellen Plan. Seit der Draft 2002, in der man Yao Ming an erster Stelle verpflichtete, gewannen die Rockets nur einmal weniger als 42 Spiele (34; 2005-2006) und erreichten so meist die Playoffs oder spielten zumindest immer um den Einzug mit. Und das, obwohl die Stars dieser Zeit mittlerweile entweder ganze (Yao) oder halbe (Tracy McGrady) Sportinvaliden, aus der Liga verschwunden (Steve Francis), oder eigentlich gar keine Stars (Ron Artest, Aaron Brooks, Trevor Ariza, Kevin Martin) sind oder je waren. Warum also nicht „tanken“, das ewige Streiten um einen Platz im Niemandsland der Liga zwischen Ende der Lottery und niedrigem Playoffplatz aufgeben? Durch viele Niederlagen hohe Picks sichern, auf Startalente hoffen und so ein neues Team aufbauen, mit dem an die glorreichen Zeiten Hakeem Olajuwons in „Clutchcity“ angeknüpft werden kann? Weil General Manager Daryl Morey es auch so schaffen will, ohne den hohen Preis von Niederlagenserien. Ihm geht es dabei nicht anders als momentan vielen Autofahrern hierzulande: Tanken ist ihm einfach entschieden zu teuer.

Moreys Handschrift

Die Strategie des Managements dabei ist mittlerweile klar ersichtlich. An erster Stelle steht dabei hervorragende Talentevaluierung, sei es von potentiellen Kandidaten in der Draft oder Spielern in Kadern anderer Teams. Morey und sein Team finden durch Scouting und seine mittlerweile berühmt-berüchtigte und vielerorts kopierte Auswertung von Advanced Statistics zwar auch keine Superstars, die sonst niemand erkannte, aber immer wieder sehr brauchbare Rollenspieler tief im Draft oder in Ungnade gefallene Spieler bei der Konurrenz.
Beispiele für Draftpicks wären Aaron Brooks (26. Pick 2007), Carl Landry (31. Pick 2007), Chase Budinger (44. Pick 2009) oder Chandler Parsons (38. Pick 2011). Luis Scola (Saskia Baskonia via San Antonio 2007), Kyle Lowry (Memphis Grizzlies 2009), Kevin Martin (Sacramento 2010), Courtney Lee (New Jersey 2010) und Goran Dragic (Phoenix 2011) kamen günstig von anderen Teams und sind nun Leistungsträger.

Da tendenziell jüngere Spieler, die auf Grund ihres Talents in den Kader der Rockets geholt werden, alleine noch keine Erfolgsgaranten sind, wird das Team regelmäßig mit gestandenen Veteranen aufgefüllt, die ihre Stärken vorwiegend in der Defense haben oder ihr Repertoire an Tricks an die jüngeren weitergeben und offensiv kaum Ansprüche stellen (Shane Battier, Dikembe Mutombo, Brad Miller, Jared Jeffries, Samuel Dalembert). Neben in ihren Augen vielversprechenden Spielern bemühen sie sich auch immer wieder um zusätzliche Draftpicks, um das konstante Ausbleiben eigener hoher Picks in der Lottery auszugleichen. So schwatzten sie beispielsweise New York noch ihren Firstround Pick der kommenden Draft (Top-5 geschützt) ab, als sie 2010 Tracy McGrady an selbige loswurden.

Trade Deadline 2012

Nicht jeder Spieler, in welchem die Rockets Potential sehen, entwickelt sich wie im besten Fall erhofft. Letztes Jahr um diese Zeit hatte sich Houston Hasheem Thabeet (2. Pick 2009, Memphis) ins Team geholt. Ein Jahr zuvor waren Jordan Hill (8. Pick 2009, New York) und Terrence Williams (11. Pick 2009, New Jersey) ergattert worden. Am Draftday 2011 folgte Jonny Flynn (6. Pick 2009, Minesota). Von all diesen Spielern wurde sich zur vergangenen Trade Deadline getrennt.

Für die Hoffnung, dass aus dem 2,21 Meter großen Afrikaner Thabeet und dem pfeilschnellen Flynn doch noch NBA Spieler werden, kam Marcus Camby, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Houston gab noch Minnesotas Zweitrundenpick 2012 dazu. Die Verträge der Spieler des 2009er Jahrgangs können per Teamoption verlängert werden. Portland bekommt so immerhin noch Gegenwert für den ehemaligen Defensive Player of the Year, der diese Woche aber auch seinen 38- Geburtstag feiert, während Houston den dünnen Frontcourt aufbessert. Camby passt mit seinen Eigenschaften als Veteran mit defensiven Qualitäten ohne Ansprüche auf Würfe exakt ins angesprochene Beuteschema der Rockets und soll dem Team helfen, die Playoffplatzierung zu halten.

In einem weiteren Deal wurde Jordan Hill gegen Derek Fisher und den 2012er Erstrundenpick der Dallas Mavericks (Top-20 geschützt) zu den Los Angeles Lakers verschifft. So hat Houston in der kommenden Draft neben dem Pick der Knicks noch einen weiteren, während der eigene (Top-14 geschützt) damals für Terrence Williams abgegeben wurde. Terrence Williams wurde entlassen, nachdem sich kein anderes Team mehr für einen athletischen Flügelspieler ohne Baskebtall-IQ erwärmen konnte. Auch Fisher passt als Veteran mit mit der Erfahrung von fünf Meisterschaften eigentlich ins Team, zumal Starting Point Guard Kyle Lowry noch ein paar Wochen mit einer bakteriellen Infektion ausfallen wird. Fisher hätte so als Backup für Aushilfsstarter Dragic gebraucht werden können. Hätte … denn Fisher will offensichtlich nicht um den Einzug in die Playoffs, sondern um den Einzug in die Finals spielen und ließ sich drei Tage später kurzerhand aus seinem Vertrag heraus kaufen, der per Spieleroption bis 2013 gelaufen wäre. Nun will Fisher wohl bei den Thunder, Bulls oder Heat anheuern. Letztere hatten sich schon in der Offseason 2010 intensiv um ihn bemüht, die meiste Spielzeit jedoch würde in Oklahoma City winken.

Fazit

Wie auch immer sich Fisher entscheiden wird, die Rockets stehen nun vorübergehend ohne Reserveaufbauspieler und entsprechend dumm da. Bis Lowry zurück ist, muss Dragic wohl oder übel viele Minuten spielen und erhielt als Backup kurzfristig D-Leaguer Courtney Fortson, was den Playoffambitionen der Texaner nicht gerade zuträglich ist. Vor dem Hintergrund, dass die Rockets bei beiden Deals mehr Gehalt aufnahmen als sie abgaben (obwohl Fisher auf das komplette Gehalt seines zweiten Jahres verzichtet hat) und das Loch auf der Eins im schlimmsten Fall die Playoffs kosten könnte, verlief die Deadline für Daryl Morey alles andere als optimal. Es wird interessant sein zu sehen, ob es ein Team tatsächlich schaffen wird, ohne Absturz in den Tabellenkeller und allein durch clevere Trades und Picks, einen Rebuild zu vollziehen. Die vergangene Deadline brachte die Mannschaft jedenfalls nicht weiter und auf absehbare Zeit sind die Rockets genau das, was sie seit knapp einem Jahrzehnt sind: ein Team, das um die Playoffs kämpft. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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