Golden State Warriors, Video

Ist Klay Thompson kein Star?

Level Up #1: Was dem Two-Way Player der Warriors fehlt

Level Up #1: Was dem Two-Way Player der Warriors fehlt

Klay Thompson ist ein unglaublich toller Schütze. Wir erinnern uns gerne an seine Scoringexplosionen. Vielleicht hat der eine sein 37-Punkte-Viertel vor Augen, der andere seine 60 Punkte in 29 Minuten oder wir erinnern uns zusammen an die Dreier im vierten Viertel von Spiel 6 in den Playoffs 2016. Thompson hat die Warriors gegen die Thunder am Leben gehalten und damit vielleicht sogar dafür gesorgt, dass Kevin Durant sich für Golden State entschieden hat.

Thompson ist zudem noch ein starker Verteidiger und damit ein Star in der Liga. Sagen viele. Ich möchte heute den Gegenbeweis antreten, denn um ein wirklicher Star zu sein, benötigt Klay Thompson ein „Level Up“.


Wie unser eigenes Auge uns betrügt, verdeutlicht folgende Szene:

Für den unbefangenen Zuschauer ist die Szene eine von vielen geglückten Thompsons. Aber auch hier kann man sehr gut erkennen, woran es noch sehr am Spiel des Warriors hapert – und das gleich an zwei Stellen. Das eine ist offensichtlich: Klay soll den Spielaufbau übernehmen, hat das gesamte Feld Platz, aber wird Wes Matthews nicht los, sondern muss das Dribbling beenden und sich nach Hilfe umsuchen. Er sieht dabei Nick Young, der zum Perimeter hochgelaufen kommt und spielt – einen schlecht getimten Pass. Danach ist Thompson wieder in seinem Element, bewegt sich off ball sehr gut und kann cutten, um zwei wichtige Punkte zu erzielen. Die Szene könnte natürlich ein Einzelfall und nicht exemplarisch sein, deswegen schauen wir doch mal auf Zahlen, die das belegen können.

Um Klays Ball Handling und die fehlende Courtvision zu umreißen, müssen wir uns dem Phänomen  auf verschiedenen Wegen nähern. Ein erster guter Anhaltspunkt ist die Anzahl unassistierter Würfe, die Thompson traf. Das hilft deswegen, weil man hier Tendenzen erkennt, ob sich jemand seinen Wurf selbst erarbeiten kann oder eher auf andere Mitspieler angewiesen ist. Nur 17,4% aller getroffenen Würfe in der Saison ging kein Assist voraus. Um dies besser greifen zu können: Das sind genau 100 Würfe in der regulären Saison – oder knapp fünf Würfe in vier Spielen. Das ist verschwindend gering. Im Gegensatz zu Splash Brother Curry, der den Pull Up gemeistert hat, hat Thompson nur 40 Pull Up Dreier in der Saison getroffen, also gerade mal jedes zweite Spiel einen.

Dazu können wir über Assist- oder Passzahlen einsehen, wie oft Thompson nicht nur dribbelt, sondern auch den freien Mann findet. Während Assists  auch sehr davon abhängen, wie gut der angepasste Mitspieler wirft, helfen Passzahlen, um zu sehen, wie oft hier zumindest versucht wird, mit den Mitspielern zu interagieren. Thompson kommt auf keine 28 Pässe pro Spiel. Das bedeutet, dass er unter einem Pass pro Minute spielt. Bei dem passlastigen System der Warriors kommt nur Nick Young auf einen niedrigeren Wert.

Auch beim Dribbling kann man herausstellen, dass Klay nur 1,3 mal pro Touch dribblet. Auf Deutsch: Er wirft danach, da wir das Passing ja auch gerade untersucht hatten.


Nun könnte man Thompson verteidigen, indem man anführt, dass die Warriors mit Curry, Livingston, Iguodala und auch Durant genug Playmaking im Kader hätten und Klay als Shooter geeinigter ist und somit seine Rolle perfekt ausfüllt. Das stimmt auch, aber wenn wir uns nun ansehen, was passiert, wenn Klay gezwungen wird, Plays zu machen, sollten wir feststellen, dass ihm diese Skills einfach fehlen.

Beginnen wir der Einfachheit halber mit dem Dribbling selbst. Sobald Thompson den Ball bekommt und nicht in seine Shooting Motion übergehen kann, hat man das Gefühl, dass er nicht so recht weiß, was er machen soll. Entscheidet er sich zu dribblen und wird verteidigt, verliert er häufig den Ball, weil sein Handling einfach nicht gut genug ist. Er kommt also immer wieder in Situationen, bei denen er nicht antizipieren kann, wie die Verteidigung reagiert und stattdessen von ihr gestoppt wird. Manchmal behilft er sich auch einfach mit einem Wurf. Er hat die meiste Zeit keine Kontrolle darüber, was er machen möchte.

Noch zerfahrener wird es, wenn er aus dem Dribbling passen soll. Seine Pässe antizipieren die Laufwege seiner Teamkollegen nicht richtig, sind zudem schlecht getimet und zwingen seine Mitspieler dazu, nochmals nachzujustieren, was Zeit kostet oder – sollte der Pass zu schlecht sein – dazu führt, dass der Angriff in einem Turnover endet. Gerade diese leichtsinnigeren Fehler sollten nach sieben Saisons in der NBA nicht mehr passieren, sind bei Thompson aber noch ausgeprägt. So fehlt ihm weiterhin die Courtvision, sodass er nicht darauf reagiert, was sich auf dem Feld verändert hat.

Thompsons Problem ist, dass für das Playmaking eine höchstkomplexe Kombination von Skills erforderlich ist: Es ist ja nicht nur das Dribbling selbst oder das Passing. All dies passiert in einer irrwitzigen Geschwindigkeit und gerade das Verständnis dafür, wie sich Mit- und Gegenspieler bewegen könnten, fehlt Thompson zu guten Stücken. Die Hand-Auge-Koordination, die bei seinen Set-Shots herausragend ist, versagt, wenn er zudem noch dribblen und sich umsehen muss. Thompson fehlen hier die Wiederholungen – er muss einfach noch viel öfter in diese Situationen kommen, um eine Routine zu entwickeln.

In vielen Situationen wirkt er gehetzt und begeht deshalb einfache Fehler, weil er sich scheinbar unwohl in der Rolle fühlt. So kommt es dazu, dass er Rookiefehler begeht, wie beispielsweise das Passen im Sprung, was ein absolutes No-Go sein sollte.


Klay Thompson ist ein toller Spieler, ein herausragender Schütze und ein flexibler Verteidiger. Er ist der Prototyp eines Three-and-D-Spielers. Dies ist zugleich ein großes Lob und ein Hinweis darauf, dass er limitiert ist. Außer Three und D ist fehlt es seinem Spiel an Handling, Courtvision, Passingskills und Timing, um ein wirklicher Star in der NBA zu sein.

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