Golden State Warriors

Reichen 4 All-Stars für Home Court Advantage?

Eine Offseason-Review der Golden State Warriors

Schon vor der Offseason waren sich Beobachter und Experten einig: Die Golden State Warriors würden einiges zu tun haben, um weiterhin ein Contender zu sein. Neben den Superstars und Max-Spielern Klay Thompson und Kevin Durant waren auch die Rotationsspieler Kevon Looney, Ex-Abo All-Star DeMarcus Cousins, Jordan Bell sowie Quinn Cook Free Agents.

Doch selbst die größten Kenner der Warriors wurden von den Moves des Front Offices um Bob Myers überrascht. Den ersten Paukenschlag gab es direkt am ersten Tag der Free Agency: Superstar und zweimaliger Finals-MVP Kevin Durant wanderte, zusammen mit Kyrie Irving, nach Brooklyn ab. Allerdings konnten die Warriors den ersatzlosen Verlust des Superstars noch verhindern und sich mit den Brooklyn Nets auf einen Sign-and-Trade um D’Angelo Russell einigen. Mit diesem Wechsel trat auch gleich ein Sonderfall des Collective Bargaining Agreements ein, man hardcappte sich automatisch. Dieser sogenannte Apron liegt kommende Saison bei $138,928,000. Alleine das All-Star Quartett Curry, Thompson, Russell und Green nimmt jedoch schon $118,797,888 ein, fast 86%. Zusätzlich zum letztjährigen All-Star Russell waren im Trade auch noch Treveon Graham und Shabazz Napier inkludiert, beide wurden später allerdings zu den Timberwolves getradet um Gehalt zu sparen.

Der Sign-and-Trade um Kevin Durant bedeutete auch das Ende von Finals-MVP 2015 und Edel-Sixth-Man Andre Iguodala, dessen Gehalt ($17,185,185) die Warriors praktisch nicht weiter zahlen konnten. Um den 35-jährigen Wing zu dumpen, musste man den Memphis Grizzlies zusätzlich einen First Round Pick geben. Somit „verloren“ die Golden State Warriors durch den D’Angelo Russell Sign-and-Trade zwei zukünftige First Rounder. Gerade der 2024er Pick, den man nach Memphis schickte, konnte man kaum schützen, nach einer Top 4 Protection 2024 wird er 2025 nahezu sicher nach Memphis gehen, es sei denn, man bekäme den Nummer-1 Pick. Immerhin beim First-Rounder für die Brooklyn Nets konnte man eine Top 20 Protection aushandeln (Top20 protected in 2020, danach ein 2025er Second Rounder).

Was bringt Russell den Warriors?

Die größte Frage nach dem Sign-and-Trade ist, was der Move den Warriors bringen wird. Die Nachteile sind schnell zusammengezählt; man hardcappte sich für die kommende Saison, konnte somit einige der eigenen Free Agents nicht halten (Jordan Bell, Quinn Cook), musste zukünftige First Round Picks abgeben und zusätzlich Andre Iguodala dumpen. Memphis kann letzteren jetzt noch shoppen und hofft mit dem ehemaligen Finals-MVP einen positiven Gegenwert von etwaigen Contendern zu bekommen

Die Warriors haben jedoch auch mehrere Vorteile durch den Trade für D’Angelo Russell. Zum einen ist Klay Thompson aktuell verletzt und wird aller Voraussicht nach 2019 nicht mehr für die Golden State Warriors auflaufen können. Der Fit neben Stephen Curry ist defensiv zwar mehr als fragwürdig, offensiv sollte der 23-jährige Russell allerdings eine veritable Option darstellen. In den Minuten ohne Stephen Curry kann er das fehlende Playmaking bringen und in den Minuten mit Curry kann er diesen beim Playmaking entlasten oder selbst als Catch-and-Shoot-Spieler agieren. Seinen Catch-and-Shoot-Dreier traf Russell letzte Saison mit starken 39.4% bei 3,3 Versuchen pro Spiel. Neben Curry sollte er einige seiner ineffizienteren Pullup-Würfe in effiziente Catch-and-Shoot-Looks umtauschen können. Ob dieses Experiment klappt, bleibt abzuwarten, aber offensiv ist hier trotz der Limitationen des Kaders einiges möglich.

Zum anderen konnte man so verhindern, Kevin Durant ohne Gegenwert zu verlieren, ein Szenario, was dem Front Office des Ex-Champs sicher nicht gefallen hätte. Man konnte mit D’Angelo Russell einen jungen Guard verpflichten, der letzte Saison zeitweise überzeugen konnte, auch wenn er gerade in den Playoffs Probleme hatte. Doch selbst wenn es für Russell und die Kalifornier nicht klappen sollte, dürfte der Marktwert vom 23-jährigen immer noch hoch genug sein, um ihn im Laufe der Saison oder im nächsten Sommer abzugeben. Russell könnte im nächsten Sommer noch gefragter sein, da die Free Agency Klasse ziemlich uninspirierend ist. Wenn man den Aussagen von General Manager Bob Myers Glauben schenken darf, hat man Russell aber nicht mit der Intention geholt ihn zu traden.

“We didn’t sign him with the intention of just trading him. We haven’t even seen him play in our uniform yet and a lot of people have us already trading him. That’s not how we’re viewing it. Let’s just see what we have, let’s see what he is, let’s see how he fits.”

In einem etwaigen Trade könnte man entweder ein Paket für Russell zurückbekommen, das die Needs der Golden State Warriors adressiert, nämlich Wings. Oder Russell könnte auch ein Tradechip in einem möglichen Superstar-Trade sein, die Optionen der Warriors sind mit D’Angelo Russell fast grenzenlos. Ob der letztjährige All-Star wirklich eine wandelnde Trade Exception ist, wird sich im Laufe der nächsten Saison zeigen, einige Experten gehen allerdings eher von einer Übergangslösung aus und vermuten, dass Russell im nächsten Sommer in einen Trade involviert wird.

Restliche Akquisitionen der Warriors

Mit dem D’Angelo Russell Sign-and-Trade war die Arbeit für das Front Office der Kalifornier jedoch noch nicht getan. Durch den schon angesprochenen Hardcap war man massiv eingeschränkt bei der Verpflichtung weiterer Spieler.

Auf der Big Man Position konnte man zwei Überraschungsverpflichtungen vermelden. Restricted Free Agent Kevon Looney konnte für 3 Jahre und $15 Mio. gehalten werden. Dass das letzte Jahr eine Spieleroption ist, ist aus Sicht der Warriors schade. Allerdings kann man sich glücklich schätzen, mit Looney einen Spieler halten zu können, bei dem viele Experten nach den starken Playoffleistungen einen besser dotierten Vertrag erwartet hatten. Die zweite Überraschung war ein Zweijahres-Minimum-Vertrag für den letztjährigen Starting Center der Sacramento Kings, Willie Cauley-Stein.

“I’m ready to get paid”

Nach seiner Aussage vor der letzten Saison ist die Realität der NBA für Cauley-Stein eine ganz andere. Statt Startergehalt und –minuten bei den Kings wird er sich in der nächsten Saison viel mehr um den Starting Spot der Warriors mit Kevon Looney duellieren. Der spielerische Fit von Cauley-Stein sieht gut aus, offensiv wird er weniger Verantwortung haben als bei den Kings und als Rollman oder Transitionspieler war er in der letzten Saison überdurchschnittlich effizient (1.15, respektive 1.41 PPP). 

In einem eher weniger beachteten Trade schickten die Warriors Damian Jones und einen Second Rounder nach Atlanta, um im Gegenzug Omari Spellman zu verpflichten. Hauptgrund hierfür dürfte das geringere Gehalt von Spellman gewesen sein. Beide Spieler konnten letztes Jahr nicht viel zeigen, Spellmans um $400.000 niedrigeres Gehalt half den Warriors unter dem Hardcap zu bleiben. Dass man hier einen Second Rounder bezahlen musste, ist im Endeffekt  auch eine Nachwirkung des vorangegangenen Sign-and-Trades.

Die problematische Wing-Situation

Auch bei den Wings musste sich das Front Office um Bob Myers einiges einfallen lassen. Nach dem erwartbaren Maximalvertrag für den aktuell verletzten Splash Brother Klay Thompson und dem Verlust von Kevin Durant gab es noch einige Minuten in der Flügelrotation zu füllen. Solange Klay Thompson noch verletzt ist, sollen es hier nun Glenn Robinson III und Alec Burks richten. Beide wurden für ein Jahr zum Minimum geholt.

Beides sind reine Ergänzungsspieler und sollten vermutlich kaum Minuten sehen, allerdings werden die Warriors nächste Saison einige Hilfe brauchen. Burks und Robinson III sollten zumindest spielbar sein. Neben den beiden Minimum-Spielern verwendete man auch seinen First-Round Pick und einen Two-Way Vertrag für Wings. Mit Damion Lee holen die Warriors einen schon bekannten Spieler zurück, der in den letzten beiden Jahren immerhin 47 Spiele  für sie bestreiten konnte und auch in der G-League, bei den Santa Cruz Warriors, überzeugen konnte. In der Draft wurde Jordan Poole an 28 gewählt, über ihn wurde während der Saison vergleichsweise wenig geschrieben. Er war zwar auf einigen Big Boards zu finden, allerdings im Ranking sehr schwankend. So spät in der Draft muss man natürlich hoffen, einen Glücksgriff gelandet zu haben, ähnlich wie die Philadelphia 76ers mit Landry Shamet oder die Denver Nuggets mit Monté Morris im letzten Jahr.

Auch die beiden Zweitrundenpicks (39 & 41) der Warriors sind natürlich keine verlässlichen Spieler. Mit Eric Paschall wurde ein Big Man gewählt, der zumindest in seinen letzten beiden Jahren in Villanova den Dreipunktewurf angedeutet hatte (35%). Den an 39 gewählten Alen Smailagic kannten die Warriors-Scouts bestens, nachdem er im Vorjahr bei den Santa Cruz Warriors spielte. Trotz der geringen Minutenanzahl (17) und den auf den ersten Blick unscheinbaren Leistungen, war er den Warriors zwei zukünftige Zweitrundenpicks und $1,000,000 wert. Der 18-jährige wird sicher noch Zeit brauchen, konnte in der G-League aber schon einige Highlights produzieren. 

Mögliche Rotation

Nach dieser turbulenten Offseason wird vor allem die Rotation des letztjährigen Finalisten spannend sein. Die Starting Five der Golden State Warriors stellt sich durch den dünnen Kader jedoch fast von alleine auf:

Stephen Curry
D’Angelo Russell
Alfonzo McKinnie
Draymond Green
Willie Cauley-Stein

Rotation der Warriors 2019/20

Mögliche Rotation der Warriors. Quelle

Zwar sind die Starting Spots von Alfonzo McKinnie und Willie Cauley-Stein nicht in Stein gemeißelt, vorerst sind sie aber die besten Optionen, auch wenn Looney vermutlich der bessere Spieler sein wird. Die Bankminuten der Warriors werden im nächsten Jahr jedoch einen gewaltigen Qualitätsabfall mit sich bringen. Steve Kerr und sein Coaching Staff werden sich mit den drei Rookies und Jacob Evans zumindest teilweise auf Spieler verlassen müssen, die es in den letzten Jahren nicht in die Rotation des Teams geschafft hätten. Gleichzeitig ist man auf eine Entwicklung von einigen der angesprochenen Spieler angewiesen, andernfalls wird der Kader in den nächsten Jahren ähnlich schwer zusammenzustellen sein. Alec Burks, Glenn Robinson III und Omari Spellman werden die Rotation  komplementieren, wie viele ernsthafte Minuten sie nächste Saison spielen werden, bleibt abzuwarten. Im Front Office der Warriors wird man jedoch hoffen, dass diese Zahl klein sein wird.

Trotz der “4 All-Stars” wird es für das Team aus Kalifornien seit langer Zeit wieder eine etwas andere Saison. Der Kader ist qualitativ klar schlechter als in den Vorjahren und man ist kein absolut sicheres Playoffteam. Die Regular Season wird somit wieder an Relevanz für die Warriors gewinnen, schließlich will man zeigen, dass man immer noch das Team to beat ist. Sollte Klay Thompson im Laufe der Saison fit werden und in den Playoffs zu hundert Prozent fit sein, wird auch diese Iteration des Warriors Teams eines der stärksten Teams der NBA sein und in den Playoffs für spannende Serie(n) sorgen. 

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2 comments

  1. Mabusian

    Schöne Übersicht über die Offseason. Kleine Anmerkung: Looney ist in der Rotationsgrafik unten fälschlicherweise als SF gelistet.

  2. Patrick96

    |Author

    Schöne Übersicht über die Offseason. Kleine Anmerkung: Looney ist in der Rotationsgrafik unten fälschlicherweise als SF gelistet.

    Jo, das ist auch nicht meine, die hab ich von TheAthletic. Auch die 24 Minuten für Paschall, respektive 10 für McKinnie find ich komisch. Würde die eher umdrehen, aber da lass ich mich gerne überraschen.


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