Boston Celtics, Dallas Mavericks

Low Risk

Der Rajon Rondo-Trade und die Zukunft der Mavs und Celtics

Der erste große Trade der laufenden Saison: Rajon Rondo kommt nach Dallas. Die Mavericks hoffen auf einen Playoff-Run, die Celtics fügen ihrer illustren Pick-Sammlung ein weiteres Stück hinzu. Wie gut ist der Trade, was bedeutet das für die Zukunft der Franchises?

 Keine Überraschung

Es war schon in der Offseason abzusehen, dass die Mavericks nach Verstärkung auf der kleinsten Position suchen würden: Zwar standen zuletzt vier nominelle Point Guards unter 6‘3 im Kader, aber wirklich als Starter überzeugen konnte keiner davon. Was auf anderen Positionen problematischer wäre – eine ganze Reihe an Playoff-Kandidaten hätte Interesse an einem nicht zu klein geratenen Small Forward –, sah angesichts der vergleichsweise großen Zahl brauchbarer Kandidaten tendenziell machbar aus.

In Rajon Rondo bekommen die MavericksRondoStevens den gesuchten Spieler. Aus Dallas ziehen dafür mit Brandan Wright, Jameer Nelson und Jae Crowder gleich drei Rotationsspieler an die Ostküste und nehmen je einen Erst- und Zweitrundenpick mit. Zusätzlich ist noch der Celtics-Rookie Dwight Powell (45. Pick 2014) in den Trade involviert, wohl vor allem aufgrund der Roster Spots. Ein klassischer Zwei-Team Trade also, in dem die Franchise mit Playoff-Ambitionen Draftrechte und jüngere Spieler für einen etablierten abgibt. Im Fall Rondos bekommen die Mavs zumindest dem Namen nach sogar einen Star, wobei es an der derzeitigen Form des Spielmachers wohl zu Recht einige Zweifel gibt.

Überraschend günstig

Besonders interessant an dieser Konstellation ist, dass keiner der beteiligten Spieler für nächste Saison noch fest unter Vertrag steht. Rondo und Wright werden normal Free Agents, Crowder Restricted Free Agent und Nelson hat eine Spieleroption. Außer den nicht unpraktischen Bird Rights geben die Mavericks also keine langfristigen Vorteile ab. Brandan Wright könnte etwa schon nächsten Sommer nach Dallas zurückkehren, wenn er und das Dallas-Management um Mark Cuban und Donnie Nelson daran interessiert sind.

Auf die kurzfristigen Folgen, also die Spielweise in der laufenden Saison, werden wir in den nächsten Tagen noch einen ausführlicheren Blick werfen. Aus Sicht der Tradebewertung dürfte nur der Verlust Brandan Wrights als wirklich unangenehm gelten. Jameer Nelson hat bisher enttäuscht, Crowders Minuten sollten relativ gut von Al-Farouq Aminu übernommen werden können, und die Mavs-Draftbilanz der letzten Jahre lässt die abgegebenen Picks verschmerzen. Die Protection des Erstrundenpicks macht die Sache etwas unpraktischer für Dallas, er wird diese Saison nur in der Lottery abgegeben, ab kommendem Jahr nach Pick 7. Die Celtics hoffen also auf eine schlechte Saison 2015/16 für die Mavs (aus der auch der Second Rounder ist) – aber: Dirk Nowitzki steht kommende Saison noch günstig unter Vertrag. Daher ist das wahrscheinlichste Ergebnis, dass ein Pick in der Region 20 bis 25 nach Boston geht.

Der Rondo-Trade war aus Dallas-Sicht also in zweierlei Hinsicht risikoarm: Für die aktuelle Saison verändert man nur ein Team, das bestenfalls die Conference Finals erreicht hätte. Langfristig wurde kein unersetzbarer Spieler abgegeben oder Assets, die nach Nowitzkis Karriereende den Rebuild erschweren würden. Die Mavs hätten sicher lieber Raymond Felton statt Wright nach Boston geschickt, was aber genauso sicher mindestens einen weiteren Erstrundenpick gekostet hätte – dann frühestens in Nowitzkis Optionsjahr 2016/17.

Keep the Team

Ein weiterer Vorteil des Trades: Mark Cuban kann für die letzten Jahre von Nowitzkis Karriere noch einmal die Grenzen des finanziell machbaren ausloten. Schon diese Saison fehlen nur noch gut 3 Millionen Dollar bis zur Luxussteuer, in den kommenden Jahren könnte sie noch mehrfach erreicht werden. Für die im Latysonchandleruf dieses Jahres ertradeten Tyson Chandler und Rajon Rondo hat das Team Bird Rights, für Monta Ellis immerhin Early Bird Rights. Nach zwei Jahren können Spieler so bei dem 1,75-Fachen ihres derzeitigen Gehalts einsteigen, in Ellis‘ Fall wären das – vermutlich ausreichende – 14,6 Millionen Dollar. Möglicherweise hilft der Rondo-Trade in diesem Fall sogar, weil er und Ellis gegenseitig die Zahlen und damit den nächsten Vertrag drücken dürften. Trotzdem würde es überraschen, wenn einer der Spieler für unter 12 Millionen Dollar pro Jahr zu bekommen wäre, 15 sind realistischer. Insgesamt stünde die Mavs-Payroll dann schon bei 70 Millionen Dollar nur für die Starter – Dalls würde erzwungenermaßen wieder zum Big Spender.

Da der Salary Cap kommendes Jahr vermutlich noch nicht stark steigen wird, dürfte die Wieder-Verpflichtung der drei Starter trotzdem Plan A von Cuban und Nelson sein. Die Nutzung von Cap Space verspricht wenig, da selbst mit Marc Gasol oder anderen Hauptpreisen der kommenden Free Agency wieder die gleichen großen Lücken entstünden. Parsons, Nowitzki und die verbleibenden Bank-Spieler kosten bereits etwa 35 Millionen Dollar, bei einem auf knapp 70 Millionen Dollar steigenden Cap wären so keine zwei Maximum-Verträge möglich.

Aus diesem Grund wäre es überlegenswert, für Chandler oder Rondo noch diese Saison eine Extension zu verhandeln. Die sind zwar aus mehreren Gründen, vor allem die Vertragslänge, für Maximum-Spieler wenig attraktiv. In der zweiten Reihe sieht das allerdings anders aus, wie die Beispiele Tony Parker und Andrew Bogut zeigen. Beide haben in der Größenordnung 12-15 Millionen pro Saison bei drei zusätzlichen Jahren unterschrieben und sind auch spielerisch vergleichbar. Auf diesem Weg könnten die Mavs für etwas Sicherheit für die kommenden Jahre sorgen statt mit drei Fragezeichen in die Offseason zu gehen. Ellis fällt aufgrund seines kurzen und günstigen Vertrags in dieser Hinsicht aus, ist aber wohl ohnehin der Spieler, der am ehesten per Trade ersetzt wird.

Und Boston?

Der für die Mavericks recht günstige Preis lässt umgekehrt vermuten, dass die Celtics nicht allzu glücklich sein dürften. Die Gerüchte der vergangenen Monate deuten klar in diese Richtung, in der Regel war von mindestens zwei geforderten Picks die Rede. Rondos Leistungen der letzen Monate haben Danny Ainges Aufgabe jedoch nicht einfacher gemacht, so dass der Dallas-Trade anscheinend die beste Lösung war. Nachdem die Celtics auch mit Rockets, Kings und Pistons im Gespräch waren, fällt der Trade kaum in die Kategorie ‚überraschender Steal‘ – es war einfach das beste Angebot.

Für die Celtics ist die Aussicht damit klar: Es geht in den kompletten Rebuild. Der lange in Gerüchten auftauchende Trade für einen Star wie etwa Kevin Love hat sich nicht gefunden, also werden die Veteranen jetzt größtenteils abgegeben werden. Rondo hat als größter Name sinnvollerweise den Anfang gemacht, Brandon Bass, der ertradete Brandan Wright (beide mit auslaufendem Vertrag) und Jeff Green (Player Option) dürften folgen. Die übrigen Spieler sind zwar mit Ausnahme von Marcus Smart nicht mehr ganz jung – selbst Kelly Olynyk ist schon 23 – dafür hat Boston die mit Abstand besten ausstehenden Picks der ganzen Liga auf der Haben-Seite: Unter anderem je ein eher späterer Erstrundenpick von Mavs und Clippers, vermutlich zwei sehr frühe Secondrounder der 76ers und gefühlt die gesamten Draftrechte der Nets. Der volle Rebuild kann also kommen, auch wenn der Rondo-Trade wohl nicht den gewünschten Beitrag dazu geliefert hat.

BannerRondo

 Fazit

Für die Mavs war klar, dass es zum Ausklang von Nowitzkis Karriere noch mal Richtung Playofferfolge gehen soll. Der Rondo-Trade war ein vielversprechender Schritt in diese Richtung. Besonders wichtig ist aber, dass die Mavs dafür nicht die Picks der darauffolgenden Jahre abgeben mussten – ein klarer LowRisk Move, der zusätzlich auch die langfristigen Perspektiven verbessert.

Celtics-GM Danny Ainge hat sich nach dem abwägenden Kurs vielleicht nicht zum optimalen Zeitpunkt für eine Richtung entschieden und nicht den optimalen Preis für Rondo bekommen. Aber immerhin ist jetzt klar: Boston kann sich auf den Rebuild konzentrieren. Weitere Trades werden folgen, auf der Siege-Seite dürfte es dagegen in den kommenden Jahren eher düster aussehen.

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