Boston Celtics, Gedanken

Heiratsflucht der besonderen Art

Blockbuster Trade zwischen den Boston Celtics und Brooklyn Nets

Mikhail Prokhorov will offensichtlich auf keinen Fall. Bekanntlich schwor sich der russische Milliardär, Lebemann und Nets-Eigner zu heiraten, falls die Nets in den nächsten Jahren keine Championship holen – und das gilt es nun anscheinend um jeden Preis zu verhindern. Darum schreckt Prokhorov auch nicht davor zurück, sich drei Altstars in den eh schon relativ teuren Kader zu holen, selbst wenn die Nets damit in der kommenden Saison rund $100 Millionen an Gehältern überweisen müssen – plus $80 Millionen Luxussteuer wohlgemerkt.

Dem Management der Nets ist es am Abend der Draft gelungen, drei Ringträger aus dem zerfallendem Boston nach Brooklyn zu holen, namentlich keine geringeren als Kevin Garnett, Paul Pierce und Jason Terry. Jeder der Spieler hat bereits eine Championship gewonnen und bringt mehr als nur genug Playofferfahrung mit ins Barclays Center. Im Gegenzug muss keiner der bereits vorhandenen „Big Three“ in Brooklyn abgegeben werden. Die Starting Five wird mit Williams, Johnson, Pierce, Garnett und Lopez ausschließlich aus Stars bestehen und somit direkt als zweitbeste Mannschaft im Osten und Herausforderer der Heat, neben den Pacers und Bulls (mit Rose), gelten. Die Motivation der Nets bedarf also keiner weiteren Erklärung mehr. Es soll gewonnen werden. Lieber gestern als heute. Was morgen ist, ist egal.

Was macht Danny Ainge mit den Celtics?

Boston, welches nach der vergangenen Offseason eigentlich in einer ganz ähnlichen Situation war, wird hingegen auf unbestimmte Zeit in den unteren Regionen der Eastern Conference verschwinden. Spielerischer Gegenwert kommt mit Gerald Wallace, Kris Humphries, Kris Joseph, Keith Bogans und MarShon Brooks kaum. Die Nets schicken jedoch drei Firstroundpicks (2014, ‚2016, 2018) nach Boston, während die letzten beiden Picks ungeschützt sein sollen. Außerdem soll Boston das Recht bekommen, den Firstround Pick 2017 mit dem der Nets zu tauschen, was der Regel geschuldet ist, dass ein Team zumindest jedes zweite Jahr einen Firstround Pick besitzen muss.

Das Spielermaterial ist für die Celtics also fast gänzlich uninteressant. Lediglich Brooks könnte sich noch zu einem soliden Spieler entwickeln, mehr aber wohl kaum. Auch finanziell ist der Deal für die grünen kein Traum, da sie nur geringfügig weniger Gehalt aufnehmen, als sie abgeben. Humphries ($12 Mio.) läuft zwar aus und Bogans (re-sign Vet-Min), Brooks ($3.4 Mio. Rookievertrag) und Joseph ($0.8 Mio.) verdienen insgesamt zusammen noch unter $6 Millionen, aber dem bald 31-jährigen Gerald Wallace stehen über die nächsten drei Jahre noch über $30 Millionen zu. Dieser Vertrag nimmt den Celtics Flexibilität und ist beinahe untradebar (wobei mittlerweile ja selbst Arenas, Lewis und Johnson getradet wurden…). Pierce ($15 Mio.), Garnett ($12 Mio.) und Terry ($5 Mio.) bekommen insgesamt noch rund $50 Mio. an Gehältern.

Warum also geben die Kelten ihren Finals-MVP sowie den Defensive Player oft he Year des Meisterschaftsjahrs ab? Zum einen wären da die Picks der Nets. Kein anderes Team hätte für das letzte (Pierce) bzw. die beiden letzten (Garnett und Terry) Vertragsjahre dreier Altstars gleich drei Firstrounder abgegeben, noch davon zwei ungeschützt. Gerade die Picks 2016 und 2018 sind sehr interessant, denn eins sollte klar sein: Der Angriff der Nets wird nicht ewig andauern. Pierce und Garnett sind der Rente nah, Johnson ist auch schon jenseits der 30. Vielleicht noch nicht in drei, spätestens aber in fünf Jahren, könnten Brooklyn schon wieder tief in der Lottery sein – und darauf hoffen die Celtics.

Zum anderen musste Boston nach dem Abgang Doc Rivers’ zu den Clippers handeln. Garnett hätte ja am liebsten direkt nach L.A. mitgeschickt werden sollen, was auf Grund des Coaching Wechsels aber von Seiten der Liga aus verboten gewesen wäre. KG an andere Teams loszuwerden war auf Grund von Garnetts No-Trade Klausel schwer: Er hatte einem Trade grundsätzlich zuzustimmen. Dafür musste er in eine Situation, wo es etwas zu gewinnen gibt, und wohin idealerweise sein Kumpel Paul Pierce gleich mitkommen darf. Das ist in Brooklyn gegeben, und höchstwahrscheinlich nur dort – deswegen musste GM Danny Ainge zuschlagen, und nehmen was er konnte. In Boston steht man im Jahr vor Wiggins ungefähr da, wo man 2006-2007 im Jahr vor Oden und Durant stand: Bereit, um etwas neues aufzubauen – und zu tanken.

Bigger Picture

Fans der Celtics wird sicherlich das Herz bluten, in Garnett die Seele ihres Teams sowie mit Pierce eine Celtics-Legende gehen zu sehen, während in Brooklyn jeder, der nicht gerade Angst um Prokhorovs Geldbeutel hat, ein neues Superteam feiert. Viel interessanter ist jedoch die Frage, wie es nun weiter geht. In Boston stellt sich insbesondere die Frage, ob man mit Rondo am einzigen verbliebenen Spieler des Meisterjahrs als Stütze festhält, oder ihn gleich auch noch gewinnbringend verscherbelt. Es gibt immerhin berechtigte Zweifel, ob er als Franchiseplayer überhaupt taugt.

Kritiker werden wohl nicht lange zögern, den Vorteil der Nets durch Prokhorovs locker sitzende Brieftasche anzuprangern. Doch allerspätestens seit den Lakers 2013 wissen wir, dass teure Namen noch lange keinen Meister machen. Die Spieler dürften zwar besser zueinander sowie zum Coach passen als zuletzt in Hollywood beobachtet, doch die Leistungsträger sind ähnlich alt, uneingespielt und eine Bank gibt es abseits von Terry (und Plumlee) bislang auch noch keine. Der Sommer fängt also sowohl für die Nets als auch für die Celtics am 10. Juli, wenn der Trade offiziell erst genehmigt werden kann, gerade erst an.

Nachtrag: In einer früheren Version dieses Artikels war noch Reggie Evans im Trade. Dieser wurde durch MarShon Brooks ersetzt.

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