NCAA Previews 11/12

College Preview: Kentucky Wildcats

Kentucky Wildcats, SEC

2010/2011: 29-9; NCAA Tournament: Final Four.

Irgendwie will es John Calipari nicht gelingen. In 19 Jahren als College Coach erreichte er mit drei verschiedenen Universitäten die Final Four, konnte jedoch noch nie als National Champion vom Platz gehen. Auch wenn der Trainer weiterhin proklamiert, dass er ein „Players First“- Programm betreibt, wird es langsam einmal Zeit für Cals ersten Titel. In der vergangenen Saison war Kentucky einen erfolgreichen Dreipunktewurf von Liggins entfernt, den späteren Champion UConn zu schlagen, um ins Endspiel einzuziehen und in diesem Jahr ist das Potenzial der Mannschaft sogar noch größer. Bringt diese Saison Calipari endlich seinen ersten Titel?

Wer kam?

Jedes Kentucky Preview seit 2009, als Calipari als Head Coach übernahm, muss mit den Neuankömmlingen beginnen. Sowohl das Recruiten von John Wall und DeMarcus Cousins vor zwei Jahren, das Anwerben von Brandon Knight, Doron Lamb und Terrence Jones letztes Jahr, als auch die Ankunft der diesjährigen Freshmen in Kentucky gilt als die mit Abstand beste Recruiting Arbeit der jeweiligen Jahre. Mit Anthony Davis, Marquis Teague und Michael Kidd-Gilchrist wurden drei Spieler dem aktuellen Kader hinzugefügt, die alle von ESPN Recruiting und Rivals.com als Top 10 Rekruten eingestuft worden sind. Ergänzend hinzu kommt noch Kyle Wiltjer, immerhin ein McDonald’s All American, der allerdings „nur“ als Top 20 eingestuft wurde.

Anthony Davis ist mit Sicherheit das Sahnehäubchen dieses Kentucky Recruiting Sommers. Der 6’9 (oder 6’10) große Big Man gilt bereits jetzt als Topfavorit auf den #1 Pick in der nächsten NBA Draft. Als er in seine Junior Higschool Saison ging, wuchs der damals 6’3 große Point Guard über sechs Monate sechs Inches. So besitzt er neben seinen langen Armen (7’4 Wingspan) durch seine Ausbildung als Aufbauspieler Instinkte, die einzigartig für einen Big Man seinen Alters sind. Seine Beweglichkeit macht ihn mobil und die harte Spielweise, die er an den Tag legt, wird den Wildcats in der Verteidigung helfen. Noch mangelt es Davis an Stärke sowie einem effektiven Offensivspiel, wobei das nur eine Frage ist, bis er ein ordentliches Face Up Game entwickelt. Sein Gefühl für das Spiel und die Arbeitseinstellung werden dennoch bereits in dieser Spielzeit seinen Impact spüren lassen.

Es vergeht auch keine Offseason Caliparis ohne das Verpflichten eines der vielversprechensten Aufbauspieler. Nach Tyreke Evans (in Memphis), John Wall und Brandon Knight (in Kentucky) sollte es in diesem Jahr Marquis Teague werden. Dieser scheint auch wieder besser in die Riege Evans/Wall als Knight zu passen, da er ebenfalls als überragender Athlet und Slasher gilt. Mit seinem schnellen Antritt wird er sich in Caliparis Dribble Drive (oder Pick and Roll-) Offense bestens zurechtfinden und dafür sorgen, dass schneller gespielt werden kann als noch im letzten Jahr (nur die 210. schnellste Pace). Arbeit kommt noch auf seinen Wurf zu, der noch nicht sicher ist, sowie das Vorgehen im Set Play, das anfangs noch durch recht häufige Fehlentscheidungen bestehen wird.

Small Forward Michael Kidd-Gilchrist ist ebenfalls McDonald’s All American und ein Liebling der Scouts, da er deutlich älter spielt als das Alter, das in seinem Studentenausweis notiert ist. Mit 18 Jahren besitzt Kidd-Gilchrist eine außergewöhnlich hohe Spielintelligenz und besitzt eine Einstellung zum Spiel, die in seinem Alter ungewöhnlich professionell ist. Das führt dazu, dass er sich für nichts zu schade ist, also sowohl am Brett ackert und in der Verteidigung hoch motiviert zu Werke geht. Er muss, so wie Teague, ebenfalls an seinem Wurf arbeiten, ansonsten kann man ihm das Prädikat „All Round Player“ bereits jetzt geben. Ob er trotz aller Reife schon so weit ist, um das Loch in der Perimeter Verteidigung zu stopfen, das Liggins’ Abgang hinterlässt, bleibt abzuwarten.

Mit Kyle Wiltjer verstärkt ein Scharfschütze den Frontcourt von Kentucky. Damit gewinnen die Wildcats Variabilität und können, je nach Situation, mit Wiltjer das Feld für Drives öffnen. Zudem sollte man nicht vergessen, dass er einer der talentiertesten Big Men der neuen Freshmen Class ist und technisch sehr versiert ist. Sein Anwerben wird Kentucky noch mehrere Jahre Freude bereiten.

Wer ging?

Brandon Knight wird in der kommenden Saison, so der NBA-Gott will, bei den Detroit Pistons zum Einsatz kommen. Mit seinem Abgang verlieren die Wildcats vor allem Gefahr aus der Distanz und Führungsqualitäten. Ob seine Abwesenheit große Lücken hinterlassen wird, ist allerdings anzuzweifeln, schließlich hat man bereits mit Teague einen Ersatz, der deutlich system-kompatibler ist.

Wahrscheinlicher ist, dass der Verlust von Josh Harrelson größer wirken wird, da damit die wichtige Post-Defense fehlen wird. Der Center war mit seiner harten Spielweise einer der Garanten für den starken Schlussspurt von Kentucky, sodass die Frage bleibt, wer die Arbeit beim Offensivrebound, als Abfallverwerter und bei den Hustle Plays auffangen kann.

Der Abgang von Enes Kanter ist hingegen nur ein nomineller, schließlich durfte er aufgrund der Eligibility Sprechung der NCAA in der vergangenen Saison das Parkett ohnehin nicht betreten.

Wer blieb?

Zum ersten Mal, seitdem Calipari in Kentucky trainiert, bleiben dem Trainer große und wichtige Teile der vorjährigen Freshmen Class erhalten. Terrence Jones war nicht nur ein potenzieller Top 10 Pick (und sicherer Lottery Pick), sondern ist zudem jetzt schon spielerisch ein bewiesener Führungsspieler. Mit seinen 6’9 hat er eine ordentliche Größe als College Big Man, wobei sein Spiel eher dem eines Small Forwards gleicht. Im Laufe der Saison gewann er zudem an Robustheit und konnte sich unterm Korb, sowohl bei den Rebounds als auch bei Offensivaktionen, besser durchsetzen. Wenn er nun auch den Dreier noch häufiger trifft, wird er für seine Gegenspieler schwer zu verteidigen sein und zusätzlich für Spacing sorgen.

Senior Darius Miller wird auf der 3 starten und gilt auch als Kandidat für NBA-Mannschaften. Sein Spiel ist eher unauffällig, sodass Miller, als Mädchen für alles, immer das nimmt, was gerade auf ihn zukommt. Dabei ist er ein guter Athlet und bewies in der letzten Saison, dass er über einen ordentlichen Wurf verfügt.

Eloy Vargas könnte insofern wichtig werden, da er wohl der einzige Big Body ist, den Kentucky besitzt. Vermutlich wird das nicht für viel Spielzeit reichen, allerdings wird in dieser Zeit eben jene Arbeit verrichtet, die Harrelson letztes Jahr machen durfte.

Mit Doron Lamb bleibt zudem ein spielerisch sehr talentierter Shooting Guard im Kader. Bereits in seiner Freshman-Saison überzeugte er vor allem mit seinen Scoring-Instinkten, wobei er aus der Distanz die Lichter ausschoss. Sollte er in der Offseason weiterhin an seinem Spiel gearbeitet haben, ist es möglich, dass Lamb zum besten Scorer der Wildcats avanciert. In der letzten Saison brach er mit 32 Punkten als Bankspieler den Rekord für die meisten Punkte eines Kentucky Freshman in einem Spiel und setzte damit Jamal Mashburn auf den zweiten Platz. Mit dem Verlust von Liggins bleibt auch abzuwarten, welche Pläne Calipari hat, um die potentesten Guards des Gegners zu stoppen. Lamb konnte zumindest schon beweisen, dass er ordentliche Verteidigungsarbeit leisten kann.

Da der Guard Jon Hood wohl die Saison verletzungsbedingt ausfallen wird, bekommen Stacey Poole Jr. und Jorrod Polson als Backups auf den Guard Positionen ihre Chance. Auch Doron Lamb wird, wie im vergangenen Jahr, als Backup Point Guard eingesetzt werden und hat hierbei eine Chance, den interessierten NBA-Mannschaften eine weitere Facette seines Spiels zu zeigen.

Stärken/Schwächen

John Calipari ist einer der herausragenden Trainer im College Basketball. Jedes Jahr aufs Neue schafft er es, talentierte Spieler davon zu überzeugen, dass sie unter ihm spielen, da sie wissen, wie viel sie von ihm lernen werden. Der berühmte Satz von einem Senator aus Kentucky, Mitch McConnell, „(…Calipari) creates more millionaires than a Wall Street firm“ macht jedem Spieler bewusst, dass sie einmalige Chancen in ihrer Entwicklung haben und sind höchstmotiviert.

Der Trainer wird auch in diesem Jahr dafür sorgen, dass man das Talent des Teams in einer effizienten Offensive zusammenfügt. Dabei wird, wie im Vorjahr, darauf geachtet werden, den Ball so wenig wie möglich zu verlieren (in 2010/2011 mit 16.1% die zehntniedrigste Turnover Rate des Landes) und hart den Korb zu attackieren. Dadurch werden wieder unzählige Wurfmöglichkeiten von der Distanz ermöglicht, die Lamb und Miller nutzen werden. Ebenso verfügt man über gute Verteidiger, die über Athletik und Intelligenz verfügen um ordentlich zu verteidigen. Doch hier muss bereits gezweifelt werden, ob gegen Teams wie Ohio State (Sullinger) und North Carolina (Henson, Zeller) oder Connecticut (Drummond, Oriakhi) in der Zone dagegengehalten werden kann.

Die mangelnde Erfahrung ist ein weiterer Aspekt, der – bezogen auf das Tournament – sicher nicht unwichtig ist. Jedoch sollte auch angemerkt werden, dass ein deutlich unerfahreneres Team im vergangenen Jahr bis ins Final Four gekommen ist. Im Endeffekt ist der Vorteil des jetzigen Teams, dass die zwei wichtigsten Spieler Lamb und Jones bereits Erfahrung sammeln durften.

Ausblick

Kentucky-Fans dürfen sich auf eine interessante Saison einstellen. Einerseits gibt es mehrere junge Spieler, bei denen es sich lohnt, die Spiele zu verfolgen, andererseits bestehen die besten Chancen zum Einzug ins Final Four. Letztendlich wird alles davon abhängen, inwiefern die Freshmen sich ans College Spiel anpassen können und auf welchen Gegner man in den K.O.-Runden trifft.
Die Wildcats brauchen sich vor keinem Team zu verstecken, werden aber, wie schon oben erwähnt, Nachteile gegen große, robuste Teams bekommen. Wichtig wird hierbei vor allem die Entwicklung von Anthony Davis sein, der tatsächlich zum X-Faktor werden kann. Sollte er das tatsächlich schaffen, steht nichts mehr zwischen ihm und dem #1 Pick, sowie zwischen Coach Calipari und seinem ersten National Title.

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