MHP Riesen Ludwigsburg, Scouting

Neue Chance im perfekten System

Ist Ludwigsburg für Bazoumana Koné das ideale Ziel?

Mit Bazoumana Koné von den Hamburg Towers konnten die MHP Riesen Ludwigsburg einen talentierten deutschen Spieler für die Guard-Positionen gewinnen. Der 1,90m große Athlet ist trotz seines jungen Alters von 22 Jahren kein Unbekannter in der BBL. Bereits in der Saison 2014/15 stand er für die Eisbären Bremerhaven, bei denen er auch einen Teil seiner NBBL-Zeit verbrachte, auf dem Parkett. Doch seit seinem Aufenthalt an der Nordsee hat sich Koné extrem weiterentwickelt, weshalb es sich umso mehr lohnt ein detailliertes Auge auf den neuen Guard der Ludwigsburger zu werfen.

Ausgangssituation

Bei seiner ersten Bundesligastation bei den Eisbären Bremerhaven wurde schnellBild artiel deutlich, dass sein Spiel noch nicht reif genug für das deutsche Oberhaus war. Dabei stach seine schwach ausgeprägte Physis als größtes Problem hervor. Der Deutsch-Ivorer war einfach zu leicht gebaut. Also entschied sich der gebürtige Hamburger, zu den neugegründeten Hamburg Towers in die zweite Bundesliga zu wechseln, die obendrein noch seinen alten NBBL-Coach Hamed Attarbashi als Headcoach verpflichtet hatten.

Bei den Towers entwickelte sich Koné in den folgenden zwei Jahren zu einem absoluten Führungsspieler. Im zweiten Jahr führte er sein Team gar in Punkten (14,5) sowie Assists (4,1) an und zwang die drittplatzierten Rockets aus Gotha in den Playoffs in ein entscheidendes fünftes Spiel. Diese bislang erfolgreichste Saison seiner Karriere wurde anschließend von der Nominierung für die A2-Nationalmannschaft gekrönt.

Durch die starken Leistungen, schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Koné wieder auf einem Bundesliga-Parkett stehen würde. Dabei scheint bei genauem Hinsehen gerade Ludwigsburg die ideale Situation für ihn zu sein.

Offense

Die Spielweise von Bazoumana Koné ist von seinem extrem guten Antritt geprägt. Diesen setzt er gerne ein, um den Gegenspieler mit einem schnellen Dribbling zu schlagen und nah am Brett zu finishen. Sein recht breit gefächertes Repertoire an Dribblemoves erschwert es seinen Verteidigern zusätzlich ihn vor sich zu halten. Vor allem im Pick and Roll kann er sich durch seine Geschwindigkeit große Vorteile erarbeiten, was ihn zu einem sehr effizienten Spieler in dieser Hinsicht macht.

Ist er in der Nähe des Rings angekommen offenbart sich teilweise auch heute noch einer seiner alten Schwachpunkte. Dabei trifft es das Wort „schwach“ schon sehr gut. Der junge Hamburger war den größten Teil seiner Karriere einfach zu leicht und daher leicht von größeren Spielern aus der Balance zu bringen. Da halfen ihm auch seine sehr langen Arme nur wenig weiter. Allerdings entwickelte er sich auf diesem Gebiet gut weiter und kann mittlerweile ein ausreichendes „Kampfgewicht“ aufweisen, sodass bereits in der vergangenen Saison die Verhinderung seiner Korbleger deutlich erschwert wurde.

Doch auch wenn ein Center den direkten Weg zum Korb versperrt, kann Koné sich einen guten Abschluss kreieren, indem er seinen Floater einsetzt. Auch diesen konnte er in den vergangenen Saisons als legitime Waffe  in seinem Arsenal ausbilden. Zieht er nach dem Pick and Roll deinen Help-Verteidiger, so findet er den freien Mitspieler mit einem Pass.

Kone Wurf

www.sportdeutschland.tv © 2. Basketball-Bundesliga, die Junge Liga GmbH

Drive

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Außerhalb der Dreierlinie ist Koné jedoch nicht wirklich gefährlich. Seine Dreierquote kratzte in den letzten drei Jahren nicht einmal an der 30-Prozent-Grenze. Seine Wurfmechanik wirkt teilweise wackelig. Seine Stützhand und Beine bereiten dabei die größten Probleme.  Hinzu kommt, dass er über lange Strecken des Angriffs den Ball dominiert und selten abseits des Balles agiert. Viele seiner Würfe kreiert sich durch Pick and Roll Situationen selbst. Dadurch sind diese Würfe oft verteidigt und er kommt erst recht nicht in seinen Rhythmus. In den eher seltenen Fällen, wo er abseits des Balls als Werfer eingesetzt wird, ist sein Wurf etwas stabiler.  Hier kann er seine Füße vorher sortieren, was seinen Wurferfolg deutlich steigert. Offensiv ist der Wurf sicherlich die größte Baustelle, allerdings gibt es deutliche Anzeichen einer weiteren Verbesserung in den nächsten Jahren. Dabei wir ihm auch zugutekommen, dass er in Ludwigsburg nicht mehr der primäre Ballhandler sein muss.

Defense

Druck am Ball

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Auf den ersten Blick ist Koné sicherlich ein fast prototypischer Verteidiger. Er besitzt lange Arme und gute Reflexe. Gepaart mit einem starken Antritt und guter Fußarbeit, kann er selbst starke Aufbauspieler kontrollieren. Häufig erhöht er den Druck auf den Gegenspieler schon an der eigenen Freiwurflinie, was öfters in Steals resultiert und auf lange Sicht den Gegner die Kondition raubt. Diesen Druck kann er wenn nötig auch über das ganze Spiel ausüben, da er über eine gute Grundausdauer verfügt.

Seine Beweglichkeit erlaubt es ihm auch im Pick and Roll über den Block zu gehen, ohne im Gegenspieler hängen zu bleiben und seine guten Instinkte helfen dabei Pässe des Gegners zu antizipieren.

Zwar erlaubt er sich teilweise einige Aussetzer, die vor allem einem zu hohen Risiko geschuldet sind. Zum einen muss hier auch wieder auf das geringe Alter des Guards hingewiesen werden, welches ihm dieses Gambling noch gestattet. Auf der anderen Seite bedeuten diese Aktionen nur in einzelnen Fällen einen Vorteil für die Gegner, da er durch seine ausgeprägte Athletik viele Fehler wieder ausbügeln kann. Diese Athletik erlaubt es ihm auch Mitspielern etwas aggressiver bei der Verteidigung des Posts zu helfen, was ebenfalls häufig in Steals resultiert, die ihm auf dem Statistikbogen gar nicht angerechnet werden.

Unter Hamed Attarbashi verteidigten die Towers überwiegend mit einer Fullcourtpresse oder einer Trapdefense. Grundgerüst für diese defensive Taktik war Koné selbst, der bereits früh den Druck aufbauen kann ohne mit dem Dribbling geschlagen zu werden. Auch dies wird einer der Gründe gewesen sein, warum sich der Ludwigsburger Coach für den deutschen Guard entschieden hat.

Ludwigsburg – die perfekte Wahl?

Denn gerade seine Fähigkeiten in der Verteidigung passen extrem gut zu der Spielweise der MHP Riesen Ludwigsburg. Die Defensivphilosophie des dortigen Headcoachs John Patrick ist nämlich der von Towers-Trainer Hamed Attarbashi sehr ähnlich. Die Barockstädter setzen auf viel Druck am Ball, mit dem sie in den vergangenen Spielzeiten sehr erfolgreich waren. Koné kann in diesem System zu einem der wichtigsten Spieler werden. Immerhin ist er als kleiner Spieler dazu aufgefordert an der Spitze der Press-Defense mit einer enormen Schnelligkeit und einer hohen Intensität Druck auszuüben. Ähnlich wie Kerron Johnson oder Brad Loesing im letzten Jahr wird es die Aufgabe des 22-Jährigen sein den Ball aus den Händen der besten Ballhandler zu forcieren und den Gegner damit zu vielen Pässen im Aufbauspiel zu zwingen. Wenn dies passiert, kann Koné seine Beweglichkeit und Reichweite einsetzen, um zwischen die Passwege zu kommen und den Spalding zu stehlen.

In der folgenden Szene kann man sich gut vorstellen wie Bazoumana Koné die Rolle von Loesing übernimmt und hier den möglichen Ballhandler des Gegners unter enormen Druck setzt. Ein Vorteil des Deutsch-Ivorers ist zusätzlich, dass er nochmal mehr als fünf Zentimeter Größe mitbringt als Loesing (1,83m) und Johnson (1,85m). Kombiniert mit seinen langen Armen bietet das eine sehr gute Mischung, um defensiv nochmal ein Upgrade zum nach Polen wechselnden Kerron Johnson darzustellen.

Lubu Kone

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Auch offensiv passt Koné gut in das Ludwigsburger Konzept. Schon in den letzten Jahren zeichnete sich einer eher auf die Flügelspieler eingestellte Offensive ab, die ohne einen konventionellen Lowpost Center auskommt. Zwar war Jon Brockman ein extrem wichtiger Teil des Konstrukt bei den MHP Riesen, allerdings erarbeitete er sich viele seiner Punkte selbst über Offensivrebounds und dementsprechend zweite Bälle. Die ersten Option in der Offensive stellten eher die slashenden Außenspieler dar, die mit ihrer Geschwindigkeit und Athletik in die Zone kamen und den Ball rauspassen konnten. Die größeren Spieler dienten dabei eher als Blocksteller und Anspielstationen für Pässe durch die Schnittstellen. Bei den Hamburg Towers lag der Fokus ebenfalls eher auf den scorenden Guard- und Flügelspielern.

Play Kone 1

In diesem GIF ist eines der Plays abgezeichnet, das für Koné gelaufen wurde (Spieler Nr. 1). Dabei profitiert er beim Backdoorcut von seinem schnellen Antritt und bekommt am Ende ein Pick and Roll, in dem er alle Möglichkeiten hat zu scoren oder den freien Center oder Schützen zu finden. Auch in Ludwigsburg kann er mit vielen ähnlichen Situationen rechnen.  Allerdings wird das System nicht mehr genau auf ihn abgestimmt sein, da er nun nicht mehr wichtigster Spieler oder erste Offensivoption auf dem Parkett ist.

Wie schon im Abschnitt über seinen Distanzwurf erwähnt, kann es aber auch eine Chance für ihn sein, sein Spiel weiter zu entwickeln, wenn das Team nicht um seine Stärken aufgebaut ist. Vielleicht bekommt er auch so eine Möglichkeit seinen Wurf zu verbessern, wenn er nach Drives von Wes Washpun & Co. den Ball nach außen gepasst bekommt. Zusätzlich hat Koné nicht den unbedingten Druck den Dreipunktwurf treffen zu müssen, immerhin ist das Ludwigsburger Spiel ist nicht auf dem Wurf von der 6,75 m-Linie aufgebaut. Nur 30,11 Prozent der Würfe der MHP Riesen kamen in der letzten Spielzeit von Downtown, nur Ulm, Bayern, Bremerhaven und Braunschweig nahmen weniger lange Würfe. Zudem fanden auch nur magere 31,2 Prozent (schlechtester Wert der Liga) den Weg durch die Reuse. Doch trotz des Wegfalls dieses essentiellen Teils des Spiels, schafften es die Ludwigsburger sicher in die Playoffs und zwangen die Bayern sogar zu fünf Spielen. Somit wird Patrick auch nicht sofort von Koné fordern sicher den Dreier zu treffen, sondern seine Stärken im Attackieren des Closeouts und Ziehen von Aufmerksamkeit, um den Ball weiterzupassen, auszuspielen.

Fazit

Es wird sich in der nächsten Saison zeigen, ob Bazoumana Koné nun wirklich bereit ist, im deutschen Oberhaus eine Rolle zu spielen. Die Grundlagen sind seinerseits eigentlich bereits in den letzten Jahren geschaffen worden. Jetzt kommt es nur darauf an, wie er seine guten Voraussetzungen nutzt. Sicherlich wird er nicht sofort eine Starter- oder Sixth Man-Rolle im breiten Ludwigsburger Kader bekommen, jedoch ist bereits jetzt schon mehr als lediglich ein deutscher Kaderfüller. Insbesondere aufgrund seiner Fähigkeiten am defensiven Ende hat er aber jegliche Möglichkeiten, um unter John Patrick in naher Zukunft zu einem echten BBL-Leistungsträger heranzureifen.

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